Mittwoch, Mai 24, 2017
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Ruinen – eine erreichbare Utopie

Ist es wirklich eine Seilbahn, die Monchique braucht?

Bei der Stadt- bzw. Gemeindeplanung kommt es darauf an, ein strategisches, zukunftsfähiges Konzept, wie utopisch auch immer es erscheinen mag, für eine gemeinsame Ausrichtung der menschlichen Bedürfnisse und Aktivitäten in ihrer Stadt zu entwerfen. Ein Haus ist die erste Ebene im kosmischen Konzept des organisierten Raumes und bietet mit all seinen Träumen und Visionen positives Potenzial für eine sich entwickelnde Siedlung. Vorausschauendes Denken ist Voraussetzung und Rahmen für eine kreative Verbesserung des Zusammenlebens.

Die Struktur einer Gesellschaft und ihrer Beziehungen spiegelt sich in Stadt und Dorf wider. Bei der Betrachtung von Monchique – als ein Beispiel für viele Städte – in all seinen Aspekten, zu denen unbestreitbar auch die verfallenden, verlassenen Häuser und ihre mehr oder weniger existenten Anlagen gehören, stellt man eine gewisse Alterung bis hin zu substanziellem Zerfall fest.

Ruinen bieten ein schlafendes Potenzial, das durch eine für jeden Bürger nachvollziehbare Strategie im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung wiedererweckt werden sollte, anstatt sie mit Vernachlässigung und mutwilligen Vandalismus zu missachten.

Ruinen können nicht nur als Raum genutzt werden zum Abstellen von Fahrzeugen oder anderen unpassenden Verwendungen, Ausdruck für schwaches oder fehlendes Vorstellungsvermögen. Um einen Raum mit seiner individuellen Entwicklung von der Entstehung bis zur Gegenwart mit einem aktuellen bzw. zukünftigen Entwicklungskonzept zu rehabilitieren, ist es notwendig, eine objektive, verbindende Dialektik zu entwickeln und auf ihn zu projizieren, um in einem offenen Dialog Überlegungen zu ermöglichen und die ihm inhärenten persönlichen und gesellschaftlichen Eigenschaften mit seiner neuen Funktion in Einklang zu bringen, um also eine Verbindung des Unerinnerlichen mit der Erinnerung zu schaffen.

Für Ruinen sollte daher eine allumfassende Strategie entworfen werden, bei der sich ihre ursprüngliche Bedeutung in einem Konzept wiederfindet, in dem, mit Blick auf eine zukünftige nachhaltige Entwicklung, auch ihre Vergangenheit berücksichtigt wird.

Die Mittel sind in der Regel knapp. Deshalb sollte der Wiederaufbau auf begrenzte Gebiete beschränkt und abschnittsweise in Bezug auf Raum und Zeit durchgeführt werden. Auch den Bürgern sollte ihr persönlicher Gewinn durch die Verwirklichung eigener Träume und der Vorstellungen des Einzelnen und der Allgemeinheit bewusst gemacht werden.

Es ist sinnvoll, die Zukunft auf den in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen zu gründen. Ein zeitweiliger Raum für Diskussionen ist dabei hilfreich, anfängliche Träume in ein der Realität angepasstes Szenario umzusetzen. Es ist unbestreitbar wichtig, dass in die Diskussion um die Ruinen auch unsere Bedürfnisse mit eingeschlossen werden, als Gewinn für die Allgemeinheit. Das Wohl der Gesellschaft wie auch der Umwelt ist global gesehen von einer Komplexität, die für den Einzelnen, der in seiner vielschichtigen, beschleunigten Welt lebt, nur noch scheinbar von Relevanz ist. Zum einen muss er eine persönliche Dynamik, Flexibilität und Reife entwickeln, zum anderen soll er aber auch Gelegenheit zu ästhetischem Vergnügen, Rhythmus, Anregungen und Ausdrucksmöglichkeiten bekommen.

Die Vorstellung der Gemeinde von Morgen ist ein modernes Abbild, wiedererschaffen aus Träumen und Utopien, die in unserem Unterbewusstsein leben und deren reinste, unerreichbare Sehnsüchte sich in der systematischen Auseinandersetzung mit der Realität manifestieren.

Photos from: CARLOS ABAFA

abafa_1@sapo.pt

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