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Hoffnung für ein Kulturerbe

Seit einem Vierteljahrhundert betrachte ich den portugiesischen Buchmarkt, sichte literarische Neuerscheinungen bei Sachliteratur und Belletristik. Die meisten Bücher im Angebot der traditionellen Verlage finde ich – mit Verlaub gesagt – ziemlich langweilig: sowohl Themenauswahl als auch Schreibstil und Layout sind oft von gestern. Ich frage mich manchmal, warum so wenige junge Autoren den Weg zu ihrem eigenen Buch finden? In Büchern verwirklichen wir doch unsere Ideen und Träume, erzählen unsere Geschichten. Gute Bücher waren schon immer spannend und inspirierten andere Menschen – und wurden auch gekauft. Dafür aber müssten Verleger risikobereiter sein und Leser authentischer. Und, sind sie das?

Mich interessieren immer mehr junge Verlage, neue Autoren und Talente und auch die wenigen guten Übersetzungen von Werken aus dem Ausland. Da ich selbst aus diesem Ausland stamme, in dem es eine lange Tradition des Schreibens und Lesens gibt und ich in den portugiesischen Literaturmarkt wie durch ein offenes Fenster hineinschaue, bemerke ich, wie wenig Information überhaupt von draußen nach Portugal gelangt. Das Denken in den traditionellen Verlagen ist rückwärtsgewandt.

Deswegen frage ich mich, ob Verleger überhaupt wissen, was Menschen bewegt und was sie lesen wollen? Viele gute und junge Autoren warten vergebens auf die Chance ihres Lebens, auch weil Kultur in Portugal noch immer elitär ist. Das ist das eigentliche Problem. Literatur, so stelle ich als Ausländer fest, ist im Volk noch immer nicht wirklich angekommen. Fußball ja, Literatur nicht. Die portugiesischen Autoren, die mich interessieren und eine Geschichte zu erzählen haben, werden nicht in Portugal verlegt, sondern in den USA oder in England. Wie das?

 Permaculture and climate change adaptation, Thomas Henfrey + Gil Penha-Lopes
Permaculture and climate change adaptation, Thomas Henfrey + Gil Penha-Lopes

Da schreibt ein junger Universitätsprofessor namens Gil Penha-Lopes, der auch bei uns schon einmal ein Essay veröffentlicht hat, ein sehr interessantes Sachbuch (zusammen mit einem englischen Kollegen) über die Permakultur. Das Buch gibt es in Portugal nicht zu kaufen. Es erscheint trotzdem bei Chelsea Green Publishing, in den USA. Es widmet sich mit Herz und Seele dem nachhaltigen Leben und jeder von uns könnte es lesen. Denn es ist gut, auch weil es einen furchtlosen, zukunftsfähigen Blick in die Zukunft wagt. Dieses Buch gibt es aber nur in englischer Sprache. Warum also (noch) nicht auf Portugiesisch? Weil auch in der portugiesischen Sachliteratur am liebsten über die Vergangenheit schwadroniert wird. Um in der Gegenwart anzukommen, müssen Autoren sich aber über die Zukunft Gedanken machen.

Floresta Negra, John Gallo
Floresta Negra, John Gallo

Darin übt sich ein zweites Buch, das ich Ihnen empfehlen möchte. Es stammt von John Gallo, einem in Großbritannien ausgezeichneten portugiesischen Pressefotografen. Er begann 2015 damit, die Folgen der Waldbrände in Portugal zu dokumentieren. Die Hälfte aller in Europa stattfindenden Waldbrände geschehen in Portugal. Warum ist das so, fragt er uns? Da kein portugiesischer Verlag bisher bereit war, in die Idee dieses Buches mit dem Arbeitstitel „Schwarzwald“ (Floresta Negra) zu investieren, stellte der Fotograf das Konzept seines Buches ins Crowdfunding unter www.ppl.com.pt/pt/prj/floresta-negra, um auf diese Weise an das Kapital zu kommen. Es geht nur um knapp 1.000 Euro, die bis Ende Dezember zusammenkommen sollen. Wer also 25 Euro ausgeben möchte, erhält das Buch vorab und vom Herausgeber handsigniert: ein hervorragendes Geschenk für gute Freunde.

CHELSEA GREEN PUBLISHING
www.chelseagreen.com

CROWDFUNDING LIVRO FLORESTA NEGRA
www.ppl.com.pt

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