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DIE ENTWICKLUNG EINER NEUEN WIRTSCHAFTSFORM

“Solidarische Ökonomie” – dieser Begriff umfasst folgende Aspekte:

Formelle und informelle Verfahrensweisen in Bezug auf Erzeugung, Tausch, Verbrauch und Verteilung von Waren. Des weiteren die Generierung von Einkommen, Ersparnissen und Investitionen im Kontext eines solidarischen Wirtschaftsgeschehen. Ökologische Perspektiven wie auch kulturelle Vielfalt, kritische Reflexionen, demokratische Einflussnahme und die lokale Entwicklung spielen ebenfalls eine Rolle. Diese Definition wird in dem Manifest des “Portugiesischen Netzwerkes für eine Solidarische Ökonomie” (RPES)(1) zum Ausdruck gebracht, einem Projekt, an dem zur Zeit intensiv gearbeitet wird und deren Verlauf von ECO123 begleitet werden wird.

RPES na Feira de Economia Solidária, na Catalunha
RPES na Feira de Economia Solidária, na Catalunha

Laut Júlio Ricardo, dem Leiter der Genossenschaft Terra Chã(2), “gibt es eine immens große Zahl an Initiativen im Sinne solidarischen Wirtschaftens, nur dass den Menschen wegen der fehlenden Vernetzung die Dimension noch gar nicht bewusst geworden ist.” Júlio Ricardo ist einer der Gründer von RPES und erklärt, dass dieses Projekt im November 2014 aus einem Seminar zum Thema Solidarwirtschaft (3) in der Ortschaft Chaos, Gemeinde Rio Maior(4), hervorging. Die Dynamik, die bei der Veranstaltung durch die Zusammenarbeit der verschiedenen themenübergreifenden Arbeitsgruppen entstand, führte zwingend zu der Feststellung nach dem Bedarf eines portugiesischen Solidarwirtschaft-Netzwerkes. Dieses Netzwerk “soll alle Menschen sowie die formellen wie informellen Organisationen zusammenbringen und damit im ganzen Land ein Gefühl der Vereinigung hervorrufen, was die Arbeitsweisen und -ergebnisse erheblich verbessern wird,” fügt er hinzu.

Nach einigen Sitzungen einer Arbeitsgruppe wurde der 8. August 2015 zum Tag der ersten konstitutionellen Versammlung bestimmt. “An diesem Tag wurde das Netzwerk offiziell beschlossen”, wie uns Júlio Ricardo berichtet. Die 27 teilnehmenden Personen bzw. Organisationen verabschiedeten übereinstimmend die Statuten des RPES und schufen einen Koordinierungsausschuss zur Vorbereitung der kommenden Mitgliederversammlung am 17. Oktober 2015.

Jetzt fanden sich bereits 42 Personen und Organisationen zusammen, um das Netzwerk formell zu gründen. Júlio Rodrigo sagt: “Bei diesem Treffen ging es hauptsächlich um die Schaffung dreier Arbeitsgruppen. Die eine dient zur Ausarbeitung von Vorschlägen zur Formalisierung des Netzwerkes für die nächste Generalversammlung am 5. Dezember in Coimbra. Wir müssen darüber diskutieren, ob wir es bei einem informellen Netzwerk belassen sollten oder ob es auch in eine Rechtsform gebracht werden soll. Auch muss über die Strukturierung eines solchen Netzwerkes beraten werden. Es soll nicht überregional großmaschig gestrickt sein, sondern aus lokalen Zentren bestehen, um Vielfalt und Auseinandersetzungen zu fördern, die durch ihr Konfliktpotential zu interessanten Diskussionen führen und damit einen Vorwärtsschub geben werden.” Auch ein Aktivitätenplan für das kommende Jahr 2016 ist in Arbeit. Júlio Ricardo lässt uns wissen, “dass er u.a. auch wichtige Schritte zur Organisation einer Sommeruniversität zur Solidarökonomie enthält sowie auf einen iberischen Kongress hin zur Anbindung an das entsprechende Netzwerk des Nachbarlandes Spanien, zwei Punkte von wesentlicher Bedeutung.” In diesem Sinne wurden durch die Teilnahme des RPES an einer Veranstaltung zur Solidarwirtschaft am 24./25. Oktober in Katalonien die ersten Kontakte geknüpft und Initiativen angeschoben. Laut Júlio Ricardo ist dies besonders wichtig, um für das kleine Land Portugal auch internationale Perspektiven zu eröffnen – mit Hinblick nicht nur auf die europäischen Staaten, sondern möglicherweise auch auf die Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP(5)).

 

Júlio Ricardo
Vorstandsmitglied der Genossenschaft Terra Chã CRL und des Koordinierungsausschusses des Portugiesischen Netzwerkes der Solidarwirtschaft. Förderer lokaler Entwicklungsprozesse, vor allem in der Ortschaft Chãos. Grundschullehrer seit dem Jahre 1980. Studium der Bildungswissenschaften (Erwachsenenbildung und Lokale Entwicklung) an der Universität von Lissabon.

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