{"id":1488,"date":"2013-03-18T18:13:10","date_gmt":"2013-03-18T18:13:10","guid":{"rendered":"http:\/\/dietermalter.com\/webdev\/risca-grande-2\/"},"modified":"2013-08-02T18:04:57","modified_gmt":"2013-08-02T18:04:57","slug":"risca-grande","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eco123.info\/de\/portugal-de\/report\/risca-grande\/","title":{"rendered":"Risca Grande"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nachhaltige Lebensmittelerzeugung am Beispiel der Erfolgsgeschichte von Risca Grande<\/strong><\/p>\n<p>Es ist ein k\u00fchler Samstagmorgen Ende Oktober. Eine Gruppe von 6 Studenten der Escola Superior Agr\u00e1ria de Beja und ihr Professor f\u00fcr Olivenanbau sind auf dem Weg ins ca. 30 km entfernte Sta. Ir\u00eda. Kurz nach der Ortsausfahrt biegen sie auf einen unbefestigten Weg ab. Ein Hinweisschild weist ihnen die Richtung: Risca Grande \u2013 Azeite virgem extra. Das Exkursionsziel hat Professor Carlos Filipe mit Bedacht ausgew\u00e4hlt: Schlie\u00dflich hat Risca Grande mittlerweile einen Namen als Vorzeigebetrieb f\u00fcr \u00f6kologischen Olivenanbau in Portugal.<\/p>\n<p><strong>Auf der Suche nach einer neuen Berufung<\/strong><br \/>\nDabei ist Risca Grande eine noch recht junge Firma. Durch die Gr\u00fcndung im Jahr 2007, nur knapp 1 Jahr vor Beginn der Weltwirtschaftskrise, wurde in eine juristische Form gebracht, was eine Familie mit Schweizer Wurzeln kurz nach der Jahrtausendwende angefangen hatte, um sich in ihrer Wahlheimat, dem s\u00fcdlichen Alentejo, einen Lebensunterhalt zu sichern. Dabei stand der Wunsch im Vordergrund, ein gesundes Lebensmittel herzustellen. Dass Oliven\u00f6l dazu pr\u00e4destiniert ist, erscheint als offensichtlich, war doch schon den antiken R\u00f6mern bekannt, welch gesundheitsf\u00f6rdernde Wirkung von diesem Lebensmittel ausgeht. \u201eDie Bedingungen hier sind optimal f\u00fcr den Anbau von Bio-Oliven\u201c, wusste Andreas Bernhard bereits, als der Familienvater das 90 ha umfassende Areal mit bis zu 500 Jahre alten Olivenb\u00e4umen kaufte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1436\" aria-describedby=\"caption-attachment-1436\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1436\" alt=\"alimentos biol\u00f3gicos \" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Screenshot-from-2013-03-18-175337-300x272.png\" width=\"300\" height=\"272\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Screenshot-from-2013-03-18-175337-300x272.png 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Screenshot-from-2013-03-18-175337-150x136.png 150w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Screenshot-from-2013-03-18-175337.png 605w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1436\" class=\"wp-caption-text\">Fontes: Fibl, AMI, ORC (2012)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wer die Wahl hat, \u2026<br \/>\n<\/strong>Doch wer heutzutage in einem Supermarkt vor dem Oliven\u00f6lregal steht, wei\u00df, dass Vorsicht geboten ist, um nicht ein aus verschiedenen Herk\u00fcnften gepanschtes oder f\u00e4lschlich als der h\u00f6chsten G\u00fcteklasse nativ extra deklariertes Oliven\u00f6l untergejubelt zu bekommen. Was beim Verzehr wohl weniger gravierende Auswirkungen hat, hat oft f\u00fcr die Umwelt umso negativere Folgen. Das wahrscheinlich ernstzunehmendste mit dem konventionellen Olivenanbau verbundene Umweltproblem ist die Bodenerosion, die durch unangepasste Beikrautkontrolle und Bodenbearbeitung hervorgerufen wird. Beg\u00fcnstigt wird Bodenerosion durch geringe Gehalte an organischer Substanz in landwirtschaftlich genutzten B\u00f6den, wie sie im Mittelmeerraum charakteristischerweise vorkommen. Ein wesentliches Ziel der Schweizer Olivenbauern ist es, im Sinne der \u00f6kologischen Wirtschaftsweise die organische Bodensubstanz zu steigern und dem Humusabbau entgegenzuwirken.<\/p>\n<p><strong>\u00d6kologische Alternativen im Olivenanbau<\/strong><br \/>\nAlfred Zehnder, Gesch\u00e4ftspartner und Stiefsohn von Andreas Bernhard, ist verantwortlich f\u00fcr den Olivenanbau und die Qualit\u00e4tssicherung bei Risca Grande. Der dynamische 30-J\u00e4hrige erkl\u00e4rt den Studenten auf einer Rundtour durch den Olivenhain, auf welche Art und Weise er die B\u00f6den in den Olivenhainen vor Erosion bewahrt. Noch ist kaum vorstellbar, dass das, was durch die ersten Regeng\u00fcsse nach der langen Trockenperiode in den Sommermonaten nun \u00fcberall zaghaft zu sprie\u00dfen beginnt, ab dem Fr\u00fchjahr zu einer Konkurrenz f\u00fcr die Olivenb\u00e4ume um das verf\u00fcgbare Wasser wird. Um dies zu verhindern werden die Kr\u00e4uter und Gr\u00e4ser auf den Fl\u00e4chen unter den B\u00e4umen nicht untergepfl\u00fcgt oder gar mit umweltsch\u00e4dlichen Herbiziden vernichtet; vielmehr wird das Gr\u00fcngut drei- bis viermal im Jahr abgem\u00e4ht, geh\u00e4ckselt und unter den B\u00e4umen ausgebreitet. \u201eEin Vorteil hierbei ist, dass der Boden durch die Pflanzendecke vor Austrocknung bewahrt und das Bodenleben gef\u00f6rdert wird\u201c, erl\u00e4utert Alfred Zehnder begeistert, w\u00e4hrend die interessierten Besucher ihm &#8211; vorbei an der Weide, auf der die kleine Mutterkuhherde grast &#8211; zur n\u00e4chsten Station folgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kompostierung \u2013 Recycling von landwirtschaftlichen Nebenprodukten<\/strong><br \/>\nHinter einer Kuppe er\u00f6ffnet sich ihnen der Blick auf den Kompostplatz von Risca Grande. Dort lagern zehn lange Kompostmieten, aus denen Wasserdampfschwaden der Morgensonne entgegenziehen. Eine Mischung aus Oliventrester, der w\u00e4hrend der Oliven\u00f6lherstellung in der hofeigenen \u00d6lm\u00fchle in gro\u00dfen Mengen anf\u00e4llt, Olivenbl\u00e4ttern, Baumschnitt und tierischem Mist wird hier mithilfe der Arbeit tausender von Mikroorganismen recycelt und gleichzeitig in wertvollen \u00f6kologischen D\u00fcnger mit nennenswerten N\u00e4hrstoffgehalten umgewandelt. Seine Ausbringung in den Olivenhainen ist der zweite Pfeiler zur Bodenverbesserung. Auch wenn der Oliventresterkompost bis zur Erlangung der ben\u00f6tigten Reife einiges an Aufwand erfordert, ist diese Praxis, die betriebseigenen Nebenprodukte wiederzuverwerten und somit den Betriebskreislauf geschlossen zu halten, auch aus wirtschaftlicher Sicht interessant. Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit der Kompostherstellung auf dem Betrieb haben ergeben, dass die Kosten f\u00fcr die Deckung der N\u00e4hrstoffentz\u00fcge der Olivenplantagen mit alternativen im \u00d6kolandbau zugelassenen organischen bzw. mineralischen Zukauf-D\u00fcngemitteln die Erzeugungskosten des Komposts \u00fcberschreiten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1437 alignright\" alt=\"oliveira\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/03-5-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/03-5-300x225.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/03-5-150x112.jpg 150w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/03-5.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><strong>Die aktuelle Situation des \u00d6kolandbaus in Portugal<\/strong><br \/>\nAn dieser Stelle haben die jungen Studenten bereits erste Einblicke in die Prinzipien des Landwirtschaftens im Einklang mit der Natur gewonnen. Anders als in Mitteleuropa, sind \u00f6kologisch erzeugte Lebensmittel in Portugal noch eine Marktnische und die Hintergr\u00fcnde \u00fcber ihre Erzeugung nur einer Minderheit bekannt. Im Jahr 2010, als das Land bereits von Rezession und Wirtschaftskrise<br \/>\nbetroffen war, lag der Pro-Kopf-Umsatz der Portugiesen mit Bio-Lebensmitteln im Durchschnitt gerade einmal bei 2 \u20ac. Zum Vergleich: Ein Schweizer gab im selben Zeitraum durchschnittlich umgerechnet 152\u20ac f\u00fcr Bio-Lebensmittel aus (s. Abb. 1). Doch was die Verbraucher noch nicht so deutlich sahen, schienen portugiesische Erzeuger in der Krise bereits erkannt zu haben: Der \u00d6kolandbau zeigt L\u00f6sungswege aus der Wirtschaftskrise auf! Im Vergleich zum Vorjahr sind 2010 die \u00f6kologisch bewirtschafteten Fl\u00e4chen umstellungswilliger Landwirte um enorme 49.594 ha auf insgesamt 201.045 ha angestiegen<\/p>\n<p>(Fig. 2).<\/p>\n<figure id=\"attachment_1439\" aria-describedby=\"caption-attachment-1439\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1439\" alt=\"agr\u00edcolas org\u00e2nicos\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/agr\u00edcolas-org\u00e2nicos-300x103.png\" width=\"300\" height=\"103\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/agr\u00edcolas-org\u00e2nicos-300x103.png 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/agr\u00edcolas-org\u00e2nicos-150x51.png 150w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/agr\u00edcolas-org\u00e2nicos.png 907w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1439\" class=\"wp-caption-text\">Top 10 dos pa\u00edses com o maior crescimento da superf\u00edcie agr\u00edcola em modo biol\u00f3gico ( 2009-2010)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Perspektiven f\u00fcr Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der \u00d6kobranche<\/strong><br \/>\nDoch weshalb stellt diese nachhaltige Form der Landwirtschaft einen Hoffnungsschimmer dar? Ein starkes Argument ist, dass sich die Arbeit hier noch lohnt. Gem\u00e4\u00df dem agrarpolitischen Bericht 2005 der deutschen Bundesregierung gibt es im Biolandbau &#8211; bezogen auf die bewirtschaftete Fl\u00e4che &#8211; 34 Prozent mehr Arbeitspl\u00e4tze. W\u00e4hrend in der konventionellen Landwirtschaft viele Arbeitsschritte durch das Zur\u00fcckgreifen auf chemisch-synthetische Mittel wegrationiert werden, f\u00e4llt bei Biobauern verteilt \u00fcber das gesamte Jahr Arbeit an. Im konventionellen Olivenanbau zum Beispiel wird Fl\u00fcssigd\u00fcnger ganz einfach in das Bew\u00e4sserungssystem eingeschleust und die wilden Wasserschosse durch eine Chemiekeule vor dem Wachsen gehindert. Beide Arbeitsschritte bedeuten auf Risca Grande Handarbeit \u00fcber mehrere Wochen f\u00fcr mindestens zwei Personen. Um die zus\u00e4tzlich geforderten Anstrengungen f\u00fcr die \u00d6ko-Zertifizierung sowohl in den Olivenhainen als auch in der Betriebsf\u00fchrung meistern zu k\u00f6nnen, hat RISCA GRANDE seit 2010 zwei neue Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr einen festen Mitarbeiter und ein weiteres Familienmitglied geschaffen. W\u00e4hrend der Olivenernte kommen sieben weitere Erntehelfer aus Sta. Ir\u00eda und Umgebung hinzu, darunter vier junge M\u00e4nner. Angesichts der hohen Jugendarbeitslosenquote bei portugiesischen M\u00e4nnern (im Alter von 15 bis 24 Jahren), die im Oktober 2012 bei 38,1 % lag und gegen\u00fcber dem Vorjahresmonat sogar um 6,1 % gestiegen ist, herrscht bei vielen Perspektivlosigkeit. Umso gr\u00f6\u00dfer ist die Dankbarkeit selbst f\u00fcr ein befristetes Angestelltenverh\u00e4ltnis.<br \/>\nMittlerweile ist die Besuchergruppe in der \u00d6lm\u00fchle angelangt. Hier tritt Andreas Bernhard in Aktion, dessen Metier die Olivenverarbeitung zu preisgekr\u00f6nten extra nativen Bio-Oliven\u00f6len ist. Gemeinsam mit Sohn Samuel wird er in den n\u00e4chsten Wochen bis sp\u00e4t in die Nacht den \u00d6lanteil der jeweils frisch am Tag geernteten Fr\u00fcchte gewinnen. Aufgrund von Anfragen von Risca Grande Kunden, die zu einem Gro\u00dfteil im Ausland angesiedelt sind, wird dieses Jahr bereits vor Weihnachten Oliven\u00f6l der neuen Ernte aus den Edelstahltanks in Glasflaschen abgef\u00fcllt werden. Die Option, das Erzeugnis im Gro\u00dfgebinde zu exportieren, lehnt die Betriebsleitung kategorisch ab. Es gilt, die Besch\u00e4ftigung f\u00fcr die eigenen Angestellten zu bewahren. Und noch einen Vorteil hat dieses Credo: \u201eNur weil alle Verarbeitungsschritte auf Risca Grande stattfinden, k\u00f6nnen wir f\u00fcr die Erf\u00fcllung der h\u00f6chsten Qualit\u00e4tsanspr\u00fcche garantieren\u201c, betont Andreas Bernhard.<\/p>\n<p><strong>Fazit: Biolandwirtschaft ist multifunktional<\/strong><br \/>\nIn Anbetracht der Tatsache, dass der Weltmarktpreis f\u00fcr konventionelles extra natives Oliven\u00f6l aus Spanien dieses Jahr zwischen 1,85\u20ac und 2,50 \u20ac\/l schwankte, erscheint der Preis von 1 l Risca Grande-Oliven\u00f6l mit 7,40\u20ac auf den ersten Blick horrend. Doch eigentlich l\u00e4sst diese oberfl\u00e4chliche Betrachtungsweise keinen fairen Vergleich zu. Konventionelle Anbieter k\u00f6nnen ihre Lebensmittel nur deshalb so preisg\u00fcnstig anbieten, weil die Kosten der Behebung der von ihnen verursachten Umweltsch\u00e4den wie etwa die Reinigung von belastetem Grundwasser mit Steuergeldern gedeckt werden. Dagegen sind die Subventionen f\u00fcr \u00d6ko-Landwirte nur eine Anerkennung ihrer \u00dcbernahme gesamtgesellschaftlicher Aufgaben neben der eigentlichen Lebensmittelerzeugung. Dazu geh\u00f6rt die Pflege und Erhaltung der Kulturlandschaft sowie aktiver Naturschutz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachhaltige Lebensmittelerzeugung am Beispiel der Erfolgsgeschichte von Risca Grande Es ist ein k\u00fchler Samstagmorgen Ende Oktober. Eine Gruppe von 6 Studenten der Escola Superior Agr\u00e1ria de Beja und ihr Professor f\u00fcr Olivenanbau sind auf dem Weg ins ca. 30 km entfernte Sta. Ir\u00eda. Kurz nach der Ortsausfahrt biegen sie auf einen unbefestigten Weg ab. 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