{"id":16264,"date":"2014-09-19T18:37:52","date_gmt":"2014-09-19T18:37:52","guid":{"rendered":"http:\/\/eco123.info\/?p=16264"},"modified":"2015-01-03T13:12:53","modified_gmt":"2015-01-03T13:12:53","slug":"der-erste-bio-wein-an-der-algarve","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eco123.info\/de\/portugal-de\/interviews\/der-erste-bio-wein-an-der-algarve\/","title":{"rendered":"Der erste Bio-Wein an der Algarve"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-16247\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/cave-3.jpg\" alt=\"Monte da Casteleja \" width=\"300\" height=\"466\" \/>Am Stadtrand von Lagos, genauer in Sarga\u00e7al, produziert der Luso-Franzose bzw. Franco-Algarvio<strong> Guillaume Leroux<\/strong>, 49, seit 2012 den ersten \u00f6kologisch angebauten Wein. <strong>ECO123<\/strong> besuchte ihn auf seinem 6,5 Hektar umfassendem Weingut \u201eMonte da Casteleja\u201c, welches er von seiner Familie m\u00fctterlicherseits geerbt hat, um mehr \u00fcber ihn und die Bio-Weinherstellung in Erfahrung zu bringen.<br \/>\nGuillaume Leroux (GL) \u2013 Nach dem Tod meines Vaters ging ich mit 18 Jahren nach Frankreich zur\u00fcck und begann, Landwirtschaft zu studieren, die schon immer meine Leidenschaft war. Ich begann mit Gartenbau und Gr\u00fcnfl\u00e4chengestaltung und wechselte dann auf den Wunsch meiner Mutter zur Land- und Viehwirtschaft, was mir aber nicht zusagte.<\/p>\n<p><strong>ECO123 &#8211; Wie sind Sie auf den Weinanbau gekommen?<\/strong><br \/>\nGL \u2013 Mein Vater, ein Franzose, mochte guten Wein. Seine Vorliebe galt den portugiesischen Weinen, ganz besonders aus dem Douro, und er besa\u00df einen ausgezeichneten Weinkeller. Die Algarve hatte keine ausgesprochene Weinbautradition. Ich studierte in Montpellier, entdeckte dabei die weite Welt und meine Liebe f\u00fcr Rebe und Wein. Nach zwei Jahren Studium entschied ich mich, Erfahrungen mit portugiesischen Weine zu sammeln. Ich begann in Torres Vedras, wo wir ein Landhaus besa\u00dfen, schwenkte \u00fcber zu Portwein und dann arbeitete ich f\u00fcnf Jahre lang in den Weinbergen des Douro, eine gro\u00dfartige Lehrzeit. Gleichzeitig nahm ich am Aufbaustudium Weinbau an der Universit\u00e4t von Porto teil, wo ich von australischen Lehrern unterrichtet wurde. Sp\u00e4ter ging ich nach Australien, wo ich lernte, wie man gute Weine in warmen Klimazonen, wie es an der Algarve der Fall ist, herstellen kann.<\/p>\n<p><strong>Wann haben Sie mit dem Biowein-Projekt begonnen und wie gro\u00df war die Fl\u00e4che des Weingutes?<\/strong><br \/>\nIch begann im Jahr 1998 auf 3,5 Hektar. Mein Idee war, eine Anbaufl\u00e4che von einer Gr\u00f6\u00dfe zu bewirtschaften, die von der Familie bew\u00e4ltigt werden konnte, ohne gro\u00dfen Bedarf an zus\u00e4tzlichen Arbeitskr\u00e4ften, auf kleiner Fl\u00e4che ein hochwertiges Produkt zu erzeugen und Ferien auf dem Lande anzubieten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_16251\" aria-describedby=\"caption-attachment-16251\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-16251\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Guillaume.jpg\" alt=\"Guillaume Leroux\" width=\"300\" height=\"225\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-16251\" class=\"wp-caption-text\">Guillaume Leroux<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Welche Rebsorten verwenden Sie f\u00fcr Ihre Weine? Einheimische oder importierte?<\/strong><br \/>\nIch entschied mich f\u00fcr die Herstellung einen lokalen Weines mit traditionellen Sorten aus der Gegend, die wir bereits kannten. Zu dieser Zeit gab es keine Qualit\u00e4tsweine im Algarve. Die Periquita-Traube war eine der vorherrschenden Rebsorten, mit der ich mich jedoch nicht besonders identifizieren konnte. So w\u00e4hlte ich Bastardo (1) f\u00fcr die Rotweinherstellung aus, eine alte Sorte aus dem Douro und D\u00e3o, aus der der \u201eBastardinho von Sagres\u201c, ein ber\u00fchmter Lik\u00f6r hergestellt wurde, die Perrum-Rebe als Basis f\u00fcr Cartuxa-Weine und Arinto (3) f\u00fcr Wei\u00dfweine. Da ich Weinsorten mischen wollte, pflanzte ich auch Alfrocheiro (4), um sie mit Bastardo zu verm\u00e4hlen, da die beiden gut harmonieren.<\/p>\n<p><strong>Wurde die Entscheidung f\u00fcr einheimische Sorten auch in der Absicht getroffen, Bio-Wein herzustellen, da diese Reben weniger anf\u00e4llig f\u00fcr Sch\u00e4dlinge sind?<\/strong><br \/>\nAnf\u00e4nglich nicht. Der Bio-Gedanke kam erst sp\u00e4ter. Da ich eine konventionelle Ausbildung absolviert hatte, setzte ich anf\u00e4nglich Spritzmittel ein, wie ich es in der Schule gelernt hatte, beeinflusst von den Pestizidherstellern. Aber ich beobachtete ihre sch\u00e4dlichen Auswirkungen auf den Boden, entwickelte eine Liebe zu den Pflanzen und begriff, dass Pflanzenschutzmittel nicht gut f\u00fcr sie waren und ich nicht nur an Verdienst und Produktion denken durfte.<\/p>\n<p><strong>Wurde der \u00d6ko-Anbau auch durch die gr\u00f6\u00dfere Widerstandskraft der ausgew\u00e4hlten Rebsorten bef\u00f6rdert?<\/strong><br \/>\nZweifellos, da die alteingesessenen Reben besser an die \u00f6rtlichen Bedingungen angepasst sind, d.h., an die Wasserknappheit und die langen Monate ohne Niederschlag.<\/p>\n<p><strong>Aber inzwischen ist es erlaubt, den Weinberg zu bew\u00e4ssern&#8230;<\/strong><br \/>\nDas stimmt, aber Bew\u00e4sserung war in meinem urspr\u00fcnglichen Plan nicht enthalten. Auch heute wende ich sie nicht routinem\u00e4\u00dfig an, nur unter extremen Bedingungen. Ich beginne,allm\u00e4hlich zu verstehen, dass die Bew\u00e4sserung ein n\u00fctzliches Werkzeug ist, mit dem wir zum Beispiel die Wirkung eines Gewitters im Fr\u00fchsommer simulieren k\u00f6nnen, das den Pflanzen gut tut. Aber wir d\u00fcrfen nicht abh\u00e4ngig davon werden.<\/p>\n<p><strong>Wie also l\u00f6sen Sie das Problem der Wasserknappheit?<\/strong><br \/>\nIch habe die Anzahl der Pflanzen pro Hektar erh\u00f6ht. Dadurch gibt es mehr Wettbewerb zwischen den Rebst\u00f6cken, ihre Wurzeln wachsen weiter in die Tiefe und sie verbreiten sich weniger. Wenn sie nicht so \u00fcppig wachsen, bringen sie zwar etwas weniger Ertrag, sie leiden aber auch weniger unter dem Wassermangel.<\/p>\n<p><strong>Und mit mehr Pflanzen produzieren Sie letztendlich die gleiche Menge?<\/strong><br \/>\nDas ist richtig.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-16254\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/pormenor-da-vinha.jpg\" alt=\"Weintrauben\" width=\"250\" height=\"333\" \/>Was setzen Sie anstelle von Chemikalien ein? Nur die \u201eCalda Bordolesa\u201c(5), eine Kalk-Br\u00fche?<\/strong><br \/>\nAuch Schwefel und etwas Kupfer zur Bek\u00e4mpfung von Mehltau. Und einige nat\u00fcrliche Insektizide. Wir haben im Fr\u00fchsommer ein Problem mit den Zikaden, die kontrolliert werden m\u00fcssen. Aber zur\u00fcck zu den Sorten; diese wurden ausgew\u00e4hlt, weil sie besser angepasst sind, aber auch in Hinblick auf den Wein, den ich mit ihnen herzustellen mir vorgenommen hatte. Ich wollte einen vollmundigen Wein mit Lagerpotential und mit lokalen Merkmalen erreichen. Der Wechsel auf \u00f6kologischen Anbau erfolgte im Jahr 2007. Im Jahr 2008, unterschrieb ich den Vertrag mit einem Anbauverband, und nach zwei Umstellungsjahren erzeugten wir im Jahr 2011 die erste Ernte aus 100% biologischen Anbaus.<\/p>\n<p><strong>Die Umstellung auf \u00f6kologischen Anbau ohne die Verwendung von Chemikalien beeinflusst die Produktion. Wie hoch ist der Ertrag des Weinbergs?<\/strong><br \/>\nIn den besten Jahren erreichen wir 4 Tonnen pro Hektar.<\/p>\n<p><strong>Welche Menge Wein k\u00f6nnen wir uns darunter vorstellen?<\/strong><br \/>\nIch erzeuge im Durchschnitt 10.000 Liter pro Jahr, was etwa 2.850 Liter auf den Hektar ergibt. Die Rebst\u00f6cke sind schon 15 Jahre alt. Einige sind von der bedrohlichen Wurzelf\u00e4ule (auch \u201eUmfall-Krankheit\u201c genannt) befallen, was die gesamte Produktion beeinflusst. Diese Rebst\u00f6cke sollen noch ersetzt und die Anbaufl\u00e4che um ein bis eineinhalb Hektar vergr\u00f6\u00dfert werden.<\/p>\n<p><strong>Welche Vorteile und Nachteile haben Bio-Weine gegen\u00fcber konventionell hergestellten?<\/strong><br \/>\n\u00d6kologischer Anbau erfordert mehr Pflege. Es gibt zwar einen gewissen finanziellen Ausgleich als Unterst\u00fctzung, aber das ist nicht ausreichend.<\/p>\n<p><strong>Worin unterscheidet sich Bio-Wein von konventionellem? Gibt es Unterschiede beim Keltern?<\/strong><br \/>\nDas war keine gro\u00dfe Umstellung, weil ich schon immer mit Naturprodukten gearbeitet habe. Aber es gibt eine doppelte Zertifizierung: der des Weinberges und der der Weinherstellung. F\u00fcr die Weinherstellung gibt es eine Liste von Naturprodukten, die wir benutzen d\u00fcrfen und von autorisierten Techniken, wie z.B. die Filtration.<\/p>\n<p><strong>Wir wissen, dass Sie auch einen Wein herstellen, der mit den F\u00fc\u00dfen gestampft wird. Was ist das Besondere an dem in den Lagares (Weinkelterbecken) erzeugten Wein?<\/strong><br \/>\nIch habe die \u201ePisa\u201c, das traditionelle Weinstampfen und die Freude, die das bereitet, im Douro kennengelernt und wollte das mit an die Algarve bringen. Beim Prozess des Tretens wird die Weinbeere nur leicht zerdr\u00fcckt und vom Stiel getrennt. Bei der darauffolgenden sanften und langsamen Mazeration vermischen sich Saft, Fruchtfleisch und Beerenhaut. Dabei beginnt die Fermentierung bei den so vorbereiteten Fr\u00fcchten. Es gibt auch die M\u00f6glichkeit einer schnelleren G\u00e4rung, da sich der Traubensaft gut extrahieren l\u00e4sst.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-16257\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/vinha-1.jpg\" alt=\"Weinberg Monte da Casteleja\" width=\"600\" height=\"232\" \/><br \/>\n<strong>Es ist viel die Rede von Enzymen. Welche Rolle spielen sie?<\/strong><br \/>\nDie Enzyme l\u00f6sen die Haut der Weintrauben auf und die Hefe ist f\u00fcr die Gehrung verantwortlich.<br \/>\nIn einigen F\u00e4llen verwenden wir Industriehefe, aber sie ist nur f\u00fcr die Herstellung von Wei\u00dfwein und Ros\u00e9 zugelassen, weil diese empfindlicher sind und eine schnellere G\u00e4rung erfordern. Da bei diesen Weinen keine Haut enthalten ist, sondern nur Saft, sind sie anf\u00e4lliger f\u00fcr Oxidation. Hier muss die G\u00e4rung m\u00f6glichst schnell starten, damit das dabei entstehende Kohlendioxid eine Schutzwirkung entfaltet.<\/p>\n<p><strong>Wo lassen Sie Ihre Weine reifen?<\/strong><br \/>\nIn Holzf\u00e4ssern nat\u00fcrlich. Ich liebe die edle Eiche, die eine schonende Reifung erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p><strong>Wie vermarkten Sie Ihre Weine?<\/strong><br \/>\nBio-Weine sind auf dem Markt ein Nischenprodukt. Ich habe mich anf\u00e4nglich bem\u00fcht, die Weine im gehobenen Segment zu platzieren. Die Menschen sind mehr daran interessiert, dass der Wein \u00f6kologisch angebaut wurde, aus der Region kommt, wie er zubereitet wird, als an Design. Marketing spielt eine nebens\u00e4chliche Rolle, aber dieser sich st\u00e4ndig weiterentwickelnde biologische Markt erfordert viel Sorgfalt bei der Weinherstellung, denn es gibt einen gro\u00dfen Wettbewerb. Unsere Exportquote hat sich erh\u00f6ht, wenn auch unser Fokus auf Direktvertrieb liegt, ab Hof. Wir produzieren eine Cuv\u00e9e, den &#8222;Meia Praia&#8220;, und regionale Rot-, Ros\u00e9- und Wei\u00dfweine mit dem Namen des Weingutes.<\/p>\n<div class=\"box note  alignleft\" style=\"width:90%\"><div class=\"box-inner-block\"><i class=\"fa tie-shortcode-boxicon\"><\/i>\n\t\t\t\n(1) <a title=\"castas do vinho\" href=\"http:\/\/www.cvbairrada.pt\/pt\/castas\/castas\/scripts\/core.htm?p=castas&amp;f=castas&amp;idsec=132&amp;idcont=180%20\" target=\"_blank\">www.cvbairrada.pt\/pt\/castas\/castas\/scripts\/core.htm?p=castas&amp;f=castas&amp;idsec=132&amp;idcont=180 <\/a><br \/>\n(2) <a title=\"casta perrum\" href=\"http:\/\/www.vinetowinecircle.com\/castas_post\/perrum\/%20\" target=\"_blank\">www.vinetowinecircle.com\/castas_post\/perrum\/ <\/a><br \/>\n(3) <a title=\"casta arinto\" href=\"http:\/\/pt.wikipedia.org\/wiki\/Arinto%20\" target=\"_blank\">pt.wikipedia.org\/wiki\/Arinto <\/a><br \/>\n(4) <a title=\"casta alfrocheiro\" href=\"http:\/\/www.vinetowinecircle.com\/castas_post\/alfrocheiro\/%20\" target=\"_blank\">www.vinetowinecircle.com\/castas_post\/alfrocheiro\/ <\/a><br \/>\n(5) <a title=\"Calda bordalesa\" href=\"http:\/\/pt.wikipedia.org\/wiki\/Calda_bordalesa\" target=\"_blank\">pt.wikipedia.org\/wiki\/Calda_bordalesa<\/a>\n\t\t\t<\/div><\/div>\n<div class=\"box info  alignleft\" style=\"width:90%\"><div class=\"box-inner-block\"><i class=\"fa tie-shortcode-boxicon\"><\/i>\n\t\t\t\n<strong>Contactos:<\/strong><br \/>\nMonte da Casteleja<br \/>\nPa\u00fal, Sarga\u00e7al, 8600-317 Lagos<br \/>\nTel. 282798408<br \/>\nTM. 917829059<br \/>\n<a title=\"email - monte da casteleja\" href=\"mailto:info@montedacasteleja.com%20\" target=\"_blank\">info@montedacasteleja.com <\/a><br \/>\n<a title=\"website - monte da casteleja\" href=\"http:\/\/www.montedacasteleja.com\" target=\"_blank\">www.montedacasteleja.com<\/a>\n\t\t\t<\/div><\/div>\n<div class=\"clear\"><\/div><div class=\"author-info\"><img decoding=\"async\" class=\"author-img\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/EU.jpg\" alt=\"\" \/><div class=\"author-info-content\"><h3>About the author<\/h3>\n\t\t\tJos\u00e9 Garrancho stammt aus Sines, lebt aber in Portim\u00e3o, ist 63 Jahre alt, verheiratet, hat einen Sohn. Pensionierter Hoteldirektor, Ausbilder, Journalist und Fotograf. \n\t\t\t<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Stadtrand von Lagos, genauer in Sarga\u00e7al, produziert der Luso-Franzose bzw. Franco-Algarvio Guillaume Leroux, 49, seit 2012 den ersten \u00f6kologisch angebauten Wein. ECO123 besuchte ihn auf seinem 6,5 Hektar umfassendem Weingut \u201eMonte da Casteleja\u201c, welches er von seiner Familie m\u00fctterlicherseits geerbt hat, um mehr \u00fcber ihn und die Bio-Weinherstellung in Erfahrung zu bringen. 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