{"id":23558,"date":"2020-01-18T15:53:27","date_gmt":"2020-01-18T15:53:27","guid":{"rendered":"http:\/\/eco123.info\/de\/?p=23558"},"modified":"2021-03-30T10:23:19","modified_gmt":"2021-03-30T09:23:19","slug":"kann-kultur-unsere-gewohnheiten-andern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eco123.info\/de\/portugal-de\/interviews\/kann-kultur-unsere-gewohnheiten-andern\/","title":{"rendered":"Der Schl\u00fcssel zum Gl\u00fcck?"},"content":{"rendered":"<div class=\"box info  alignleft\" style=\"width:100%\"><div class=\"box-inner-block\"><i class=\"fa tie-shortcode-boxicon\"><\/i>\n\t\t\tMadalena Victorino (63) studierte Modernen Tanz an der London School of Contemporary Dance. Sie arbeitet in den Bereichen Choreographie, Tanzp\u00e4dagogik und Kunst im Gemeinwesen und in der Erziehung. Viele ihrer Choreographien waren f\u00fcr ungew\u00f6hnliche Veranstaltungsorte wie unter anderem Fabriken, Museen, Parkpl\u00e4tze, W\u00e4lder und Stra\u00dfen unter Mitwirkung von Schauspielern, Ballettt\u00e4nzern, S\u00e4ngern und Laien der Darstellenden K\u00fcnste konzipiert. ECO 123 unterhielt sich mit ihr nach der Verleihung des Preises der Universit\u00e4t Coimbra 2017 und in Aljezur, wo sie das Projekt <a href=\"https:\/\/www.visitportugal.com\/pt-pt\/content\/365-algarve\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Algarve 365<\/a> &#8211; \u201c<a href=\"http:\/\/www.lavraromar.pt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lavrar o Mar<\/a>\u201d realisiert.\n\t\t\t<\/div><\/div>\n<p><strong>Kann Kultur unsere Gewohnheiten \u00e4ndern?<\/strong><br \/>\nIch glaube an die transformative Kraft der Kunst.<\/p>\n<p><strong>Warum?<\/strong><br \/>\nWeil die Kunst die F\u00e4higkeit besitzt, den Menschen abseits der gewohnten Wege von der Normalit\u00e4t wegzuf\u00fchren und durch das Erleben dieser anderen Erfahrung entsteht der Wunsch sie zu wiederholen. Auch verleiht das k\u00fcnstlerische Konzept Intuition, Sensibilit\u00e4t und die F\u00e4higkeit, den eher materialistischen Blickwinkel auf die Dinge zu verlassen.<\/p>\n<p>Mein Bestreben ist es, Menschen aus anderen Kulturkreisen Kunstobjekte von gro\u00dfer Qualit\u00e4t anzubieten und ihnen die M\u00f6glichkeit zu bieten, sich dieser k\u00fcnstlerischen Kultur zu n\u00e4hern und etwas davon f\u00fcr ihr Alltags- und Seelenleben mitzunehmen. Es geh\u00f6rt zum Kreislauf dieses Schaffens, den Menschen etwas zur\u00fcckzugeben. Wir zeigen einen Weg auf, den Weg der Begegnung, damit sie einen Bogen machen und zu uns kommen k\u00f6nnen. Das ist eine Form der Wiederverwendung, des Recycelns und der R\u00fcckkehr zu den Wurzeln.<\/p>\n<p><strong>Wenn es Aufgabe der Kunst ist zu stimulieren und zu kultivieren, glauben Sie, dass die Kultur unsere Wirtschaft beeinflussen kann?<\/strong><br \/>\nAbsolut. Die Kunst verhilft uns zum einen zu einem besseren Verst\u00e4ndnis der uns umgebenden Vielfalt zu einem bestimmten Thema. Die einseitige Sicht auf die Dinge kann durch die aus der Kunst gewonnenen Erfahrung durchbrochen und erweitert werden. Diese Erweiterung der Sichtweise gibt dem Individuum die M\u00f6glichkeit, gewisse Dinge mit einem L\u00e4cheln auf den Lippen zu verstehen.<br \/>\nWenn ein Mensch in ein Theater geht, schlie\u00dft er die T\u00fcr zur Realit\u00e4t und betritt eine andere Welt. Diese andere Welt, die er besucht, l\u00e4sst eine Reihe von au\u00dfenliegenden Aspekten in einem anderen Licht erscheinen. Ich erinnere mich, wie sich Kinder im CCB (Kulturzentrum B\u00e9lem) innerhalb einer Stunde entwickelten. Wenn sie das Zentrum verlassen sind sie gewachsen, unterhalten sich, l\u00e4cheln, weil sie etwas gesehen haben, was zu kleinen \u201eKlicks\u201c f\u00fchrte; sie hatten die Angst vor gewissen Dingen verloren, Dinge die sie in ihrer Einsamkeit bisher nicht verstehen konnten, verloren ihren Schrecken. Die Kinder wurden ein Kollektiv.<\/p>\n<p>Oftmals gibt die k\u00fcnstlerische Erfahrung dem Betrachter weit mehr als nur den k\u00fcnstlerischen Genuss der dem Kunstwerk innewohnenden Aspekte auf \u00e4sthetischer Ebene. Den tieferen Sinn und Inhalt wertsch\u00e4tzen und verstehen zu k\u00f6nnen ist das, was uns st\u00e4rkt \u2013 und starke Menschen haben die F\u00e4higkeit zu agieren. Aus diesem Grund f\u00e4llt den K\u00fcnsten eine Schl\u00fcsselrolle zu.<\/p>\n<figure id=\"attachment_23543\" aria-describedby=\"caption-attachment-23543\" style=\"width: 1100px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-23543 size-full\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/madalena.jpg\" alt=\"Der Schl\u00fcssel zum Gl\u00fcck\" width=\"1100\" height=\"690\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/madalena.jpg 1100w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/madalena-768x482.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-23543\" class=\"wp-caption-text\">Madalena Victorino<\/figcaption><\/figure>\n<div class=\"tie-full-width-img\"><\/div>\n<p><strong>Aber wenn man durch die T\u00fcr geht, die Vorf\u00fchrung verl\u00e4sst und in die Normalit\u00e4t zur\u00fcckkehrt, herrscht der Alltag wieder vor. Wir m\u00fcssen uns fragen, wie wir leben wollen. Wie haben Sie diese Frage f\u00fcr sich beantwortet?<\/strong><br \/>\nIch m\u00f6chte so leben wie ich lebe. In dieser Hinsicht hatte ich Gl\u00fcck. Ich habe ziemlich fr\u00fch herausgefunden, was ich machen m\u00f6chte. Es hat aber einige Zeit gedauert, mein Ziel zu erreichen \u2013 ungef\u00e4hr 20 Jahre bis ich die Sache selbst in die Hand nehmen konnte.<\/p>\n<p>Ich habe f\u00fcr viele gro\u00dfe Einrichtungen gearbeitet und wurde jedes Mal gek\u00fcndigt. Es hat immer einen Moment gegeben, von dem an ich mich unwohl gef\u00fchlt habe. Ich bin sehr ambitioniert, nicht was mich selbst angeht, sondern mit den Zielen die ich mir setze. Manchmal sind diese Ziele von so radikal humanit\u00e4rer Natur, sehr nahe bei den stark benachteiligten Bev\u00f6lkerungsgruppen und dem, was wesentlich ist im Leben, was von manchen gesellschaftlichen Str\u00f6mungen nicht gern gesehen wird. So liegt z.B. meine Priorit\u00e4t nicht in der Priorit\u00e4t der Macht.<\/p>\n<p>So war es auch an der Hochschule f\u00fcr Tanz. Ich hatte die M\u00f6glichkeit mit einigen Kollegen die erste Hochschule f\u00fcr Tanz zu er\u00f6ffnen &#8211; mit dem ersten Bachelorkurs auf diesem Gebiet. Ich war sehr jung und wurde von Professoren mit viel gr\u00f6\u00dferer Erfahrung zur Mitarbeit eingeladen, also habe ich meine Erfahrung, die ich an der Universit\u00e4t von London gemacht habe, eingebracht und begonnen, mit j\u00fcngeren Lehrkr\u00e4ften zu arbeiten. Dieser Kurs war so leistungsstark, dass die Studenten schnell selbst kreativ wurden und ihre eigene Lehrf\u00e4higkeit entwickelt haben. Sie haben kleine St\u00fccke geschrieben, um deren Wirkung auf das Publikum im kleinen Rahmen erleben zu k\u00f6nnen. All dies erschien aus einem eher klassischen und orthodoxen Blickwinkel der akademischen Lehre als Bedrohung. Also wurde mir, zusammen mit einem Kollegen, gek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Im CCB ist das gleiche passiert. Das Projekt hatte eine Kraft, die von einem gewissen Moment an nicht mehr erw\u00fcnscht war. Ich habe meine Stelle solange behalten, wie ich n\u00fctzlich war. Allerdings habe ich beim CCB selbst gek\u00fcndigt, weil ich gemerkt habe, dass meine Arbeit nicht mehr sinnvoll war.<\/p>\n<p><strong>Sie sind 1956 geboren?<\/strong><br \/>\nJa, am 30. November. Ich bin Sch\u00fctze.<\/p>\n<p><strong>Sie haben die ersten 18 Jahre in einer Diktatur gelebt. Welche Erinnerungen haben Sie aus dieser Zeit?<\/strong><br \/>\nIch bin mit meinen Geschwistern aus dem Haus gerannt, um die Revolution auf der Stra\u00dfe zu sehen. Und was mich am meisten aufgeregt hat war, dass die Menschen in diesen 50 Jahren des Faschismus in meinem Land keine Bildung erhalten hatten, die diese Bezeichnung wirklich verdient h\u00e4tte. Selbst heute hat das noch schwerwiegende Konsequenzen, auch in unserem Schulsystem. Nat\u00fcrlich hat sich in 40 Jahren vieles ge\u00e4ndert, aber es bleiben M\u00e4ngel, sogar gro\u00dfe M\u00e4ngel.<\/p>\n<p>Einer der schlimmsten Einfl\u00fcsse, die der Faschismus auf mein Land hatte, ist die Ignoranz mit der die Bildung dem portugiesischen Volk vorenthalten wurde. Das Volk hat w\u00e4hrend der ganzen Zeit des Faschismus in der Misere gelebt \u2013 ich spreche hier vom portugiesischen Volk und nicht von der kleinen Elite, bestehend aus der portugiesischen Bev\u00f6lkerung, die vorwiegend in den beiden Gro\u00dfst\u00e4dten (Lissabon und Porto) und in einigen Provinzst\u00e4dten gelebt hat. Man hatte keine Bildungschancen. Der Staat hat das nicht zugelassen, um das Schicksal des Landes nach eigenem Gutd\u00fcnken kontrollieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auf dem Land und in den Bergen treffe ich immer noch Menschen, die weder lesen noch schreiben k\u00f6nnen oder nur eine rudiment\u00e4re Schulbildung haben. Das gibt es auch heute noch, 40 Jahre nach diesem historischen Moment des 25. April, den ich erlebt habe, als ich zwischen 17 und 18 Jahren alt war und in Lissabon die Deutsche Schule besuchte.<\/p>\n<p>Als Kunstschaffende habe ich ein gro\u00dfes Interesse am Einfluss, den der Tanz auf die Bildung aus\u00fcben kann \u2013 dies war ein Schwerpunkt meiner Studien f\u00fcr den Bachelor, dann sp\u00e4ter beim Master, den ich in England gemacht habe und als ich zur\u00fcck nach Portugal gekommen bin und w\u00e4hrend der 39 Jahre in denen ich programmatisch arbeite\u2026 ich habe mit 24 Jahren angefangen und bin jetzt 63\u2026<\/p>\n<p><strong>\u2026von denen Sie 13 Jahre beim CCB verbrachten\u2026<\/strong><br \/>\nJa, ich war damit besch\u00e4ftigt zu ergr\u00fcnden, welchen Einfluss die K\u00fcnste auf das gesamte Land haben k\u00f6nnen. Das war eine sehr interessante Periode, vor allem w\u00e4hrend der ersten f\u00fcnf Jahre meiner T\u00e4tigkeit f\u00fcr das CCB, als die Verwaltung den Fokus darauf gelegt hat, welche Rolle die Kunst bei der Entwicklung einer Gesellschaft spielt. Ausgedehnte Projekte wurden durch die Kommunikation mit anderen kulturellen Einrichtungen des Landes m\u00f6glich, die die sogenannten Bildungsdienststellen bereitstellten und auch durch k\u00fcnstlerisch-kulturelle Aktivit\u00e4ten f\u00fcr die marginalisierten Bev\u00f6lkerungsgruppen, die nicht zur erw\u00e4hnten Elite geh\u00f6ren: Kinder, \u00c4ltere und weniger Gebildete, die selbst nie einen Fu\u00df in ein Theater gesetzt h\u00e4tten. Diese Phase im CBB war sehr wichtig, weil sie in irgendeiner Form eine Reihe von anderen Bildungs- und Kulturprogrammen ins Leben rief.<\/p>\n<p><strong>Welche Erinnerungen haben Sie an ihre Kindheit, an ihre Mutter, an Haus und K\u00fcche?<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-23553 \" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/madalena-lavraromar.jpg\" alt=\"\" width=\"353\" height=\"371\" \/><\/p>\n<p>Meine Mutter war und ist eine exzellente Hausfrau, die gro\u00dfen Wert darauf gelegt hat, ihren Kindern alles beizubringen: b\u00fcgeln, den M\u00fcll jeden Abend herunterbringen, damit es in der K\u00fcche nicht schlecht riecht \u2013 wir haben im 4. Stock gewohnt mit riesigen Treppen &#8211; die Disziplin, alles zu tun was n\u00f6tig war, fr\u00fch morgens Milch in Glasflaschen zu kaufen, kochen. Da meine Mutter berufst\u00e4tig war &#8211; sie war Lehrerin \u2013 und mein Vater als Tief- und Bergbauingenieur bei der Bahn oft auf Reisen, hat es Tage gegeben, an denen wir \u2013 die Jugendlichen \u2013 f\u00fcr die Mahlzeiten zust\u00e4ndig waren. Donnerstags habe ich f\u00fcr alle gekocht. Auch mein Vater hat gekocht und es hat immer etwas Gesundes gegeben, viel Gem\u00fcse, guten Fisch, Eint\u00f6pfe, Ged\u00fcnstetes, Gekochtes, Gebratenes, im Ofen Gebackenes. Ich habe diese Esskultur verinnerlicht und kann wunderbare Gerichte kochen mit dem, was ich im K\u00fchlschrank finde. Meine Eltern waren nicht wohlhabend, wir mussten sparen. Ich habe die Kleider meiner \u00e4lteren Schwester getragen.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich an die Disziplin an der Deutschen Schule, an der meine Mutter als Lehrerin t\u00e4tig war, eine Schule die entstand, als die deutschen Juden nach Portugal gekommen waren. Mein Gro\u00dfvater, der nur eine Tochter hatte, wollte ihr eine hervorragende Erziehung zukommen lassen, die sie das ganze Leben besch\u00fctzen sollte. Und genau das hat nach meinem Empfinden mein Land nie bekommen, diesen Schutz durch Bildung. Ich arbeite st\u00e4ndig daran, den Menschen auf meinem Wissensgebiet \u2013 der Kunst &#8211; dabei zu helfen, ihre Bildung zu erweitern.<\/p>\n<p>Manchmal war es auch schwierig mit der Disziplin in meinem Elternhaus umzugehen, meine Eltern waren sehr flei\u00dfig und sehr streng und deshalb gab es wenig Gelegenheit zum Faulenzen und zur Erholung. Mein Vater hatte ein kleines St\u00fcck Land und wir haben ihm geholfen, die Kartoffeln auszugraben. Ich habe gelernt, mit meinen H\u00e4nden zu arbeiten und diese F\u00e4higkeit auch meinem Sohn vermittelt. Ich glaube, dass viele Menschen denken, ich w\u00e4re ein Workaholic, aber ich habe gro\u00dfe Freude an dem was ich tue. Als ich jung war, habe ich mich dagegen gewehrt, es aber sp\u00e4ter verinnerlicht. Ich bin sehr diszipliniert und konzentriert bei meiner Arbeit \u2013 nicht aus Verpflichtung, sondern als Form der Existenz. Ich m\u00f6chte mein Leben mit meiner Arbeit verbringen, denn ich tr\u00e4ume von meiner Arbeit. Wenn ich wach bin, setze ich die Projekte um und bei den Abendessen mit befreundeten K\u00fcnstlern, drehen sich die Gespr\u00e4che immer um die Lust des Schaffens. Ich bin st\u00e4ndig besch\u00e4ftigt und kann auch gar nicht anders leben.<\/p>\n<p>Wie ich leben m\u00f6chte? Ich m\u00f6chte gesund sein \u2013 das m\u00f6chte ich sehr- bis jetzt bin ich gesund. Aber ich mochte es auch, als ich krank war, weil ich einem mir sonst sehr fremden Zustand nahe war. Ich habe viel von den Menschen gelernt, die auf der Warteliste f\u00fcr chirurgische Eingriffe des Santa-Maria-Krankenhauses standen. Das waren sehr pr\u00e4gende Erfahrungen. Ich war mit einem sehr guten Arzt verheiratet \u2013 einem Wissenschaftler und Mediziner &#8211; der mir sehr viel \u00fcber Immunologie beigebracht hat. Wir haben lange Zeit in London und Portugal gelebt. Ich habe einen Einblick in dieses tragische und komplizierte Feld menschlicher Existenz bei der Behandlung von Krankheiten wie AIDS bekommen. Auch der kranke K\u00f6rper ist f\u00fcr mich in Bezug auf den Tanz interessant. Viele Choreographen arbeiten mit dieser Thematik. Ich m\u00f6chte gesund sein, um zu arbeiten, sollte ich jedoch krank werden, so werde ich auch aus dieser Situation etwas machen.<\/p>\n<p><strong>Bedeutet weniger Konsum unsere Reisen, unsere Bewegungsfreiheit und unsere Energie einzuschr\u00e4nken? Tag f\u00fcr Tag werfen wir viel weg \u2013 wie sieht ihre pers\u00f6nliche \u00d6kobilanz aus?<\/strong><br \/>\nSie sehen sich hier umgeben von alten gebrauchten Dingen, die ich st\u00e4ndig recycle und wiederbenutze. Wiederverwertung, Kostenersparnis und verantwortungsvoller Umgang mit Rohstoffen ist meine Philosophie. Ich bin f\u00fcr Energieeinsparung, dort wo sie verschwendet wird, glaube jedoch an die Mobilisierung von Energien bei M\u00e4nnern, Frauen, Kindern und \u00e4lteren Menschen. Wenn wir in Bewegung bleiben, wird diese Bewegung zu Energie, die uns an einen Punkt bringt, von dem aus wir weiter wollen \u2013 den Wunsch haben etwas zu tun, ein Ziel zu erreichen, eine Aufgabe zu erf\u00fcllen oder auch einfach unser Wohlbefinden zu erhalten, K\u00f6rper und Geist zu vereinen und unsere Sensibilit\u00e4t zu erhalten \u2013 der Verlust w\u00e4re unertr\u00e4glich.<\/p>\n<p>Ich beziehe mich auf menschliche Aktivit\u00e4ten. Ich bin keine Spezialistin f\u00fcr Erd\u00f6l. Ich wei\u00df, dass es sich um eine Energiequelle und Wunschobjekt des Kapitals handelt und die ganze Welt davon abh\u00e4ngt, eben genau aus Kapitalgr\u00fcnden und weltpolitischem Machtstreben. Ich hingegen arbeite auf einem Feld, das sich dem Studium und der Wertsch\u00e4tzung von Menschen widmet, die dabei sind, innere St\u00e4rke, ihr Selbst oder Selbstvertrauen zu entwickeln. Menschen in dieser Phase \u2013 so war es schon immer \u2013 wissen wie Kinder ihre Energien auf magische Weise zu nutzen. Dieses Wissen ger\u00e4t jedoch in Vergessenheit, je mehr die Besorgnis um die Geistesaktivit\u00e4t zunimmt und sich z. B. mit Arbeit, Status, Klassenzugeh\u00f6rigkeit, Akzeptanz, Anerkennung und Familiengr\u00fcndung besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p><strong>Arbeiten Sie gegen das Vergessen?<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-23549\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/madalena-victorino-1-1024x1024.jpg\" alt=\"Algarve365\" width=\"392\" height=\"392\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/madalena-victorino-1-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/madalena-victorino-1-150x150.jpg 150w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/madalena-victorino-1-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 392px) 100vw, 392px\" \/><\/p>\n<p>Ja. Kinder sind k\u00f6rperlich sehr aktiv. Erwachsene vergessen ihren K\u00f6rper mehr und mehr. Sie nutzen ihn nur zum Sex, als Arbeitswerkzeug, als Wohnort der gesuchten Identit\u00e4t \u2013 um sich in irgendeiner Weise definieren zu k\u00f6nnen, aber nicht um in ihm die vitale Energie f\u00fcr ein gl\u00fcckliches Leben zu suchen. Wenn der K\u00f6rper lebt, vibriert er, die Vibration erzeugt W\u00e4rme, die W\u00e4rme gibt uns ein Gef\u00fchl von Freiheit und gro\u00dfer Macht \u2013 unabh\u00e4ngig von unserem Alter. Nat\u00fcrlich lassen die physischen Qualit\u00e4ten des Menschen mit zunehmendem Alter nach, daf\u00fcr kommen jedoch andere hinzu. Wahrnehmung, Verst\u00e4ndnis, Bewusstsein erstarken genauso wie das Wissen, wozu der eigene K\u00f6rper f\u00e4hig ist. Ich habe gro\u00dfes Interesse daran, dieses Wissen an meine Mitmenschen weiterzugeben.<\/p>\n<p>Mein Interesse fokussiert sich auf das Erkennen und die Wertsch\u00e4tzung pers\u00f6nlicher, individueller Energien des einzelnen Menschen, die wenn sie aktiviert werden, sehr interessante positive Konsequenzen f\u00fcr den Einzelnen, wie auch f\u00fcr sein soziales Umfeld haben k\u00f6nnen. Ich habe mein Leben dem Tanz gewidmet, ich meine den Tanz, der in alle Aspekte unseres Lebens hineinspielt, der aus seiner Ecke, der Black Box, der B\u00fchne, dem Studio hervorbricht und unser pers\u00f6nliches Leben bereichert. Das ist der Sinn meiner Arbeit. Auch politisches Arbeiten findet in diesen Veranstaltungen seinen Ausdruck.<\/p>\n<p><strong>Kultur an der Algarve war bisher meist den Touristen vorbehalten. Jetzt steht sie allen offen und wir haben zum ersten Mal die M\u00f6glichkeit, uns mit der Kultur zu entwickeln.<\/strong><\/p>\n<p>Unsere Existenz als menschliche Wesen ist von kurzer Dauer, deshalb m\u00fcssen wir an unserer Lebensqualit\u00e4t arbeiten &#8211; daran, wie wir unsere Lebenszeit verbringen und ich glaube, dass die Kunst, der k\u00fcnstlerische Diskurs und seine Umsetzung eine wichtige Rolle spielen. Die Kunst hilft uns, unseren Horizont zu erweitern und die Dinge aus einem toleranteren Blickwinkel zu betrachten. Sie bietet uns Einblicke in die Welt, die von unserer gewohnten, mehr oder weniger geschlossenen, gebildeten und informierten Alltagsrealit\u00e4t abweichen. Die Kunst ist wirklich ein Vehikel zu Entwicklung und Ver\u00e4nderung von Mentalit\u00e4ten und in diesem Sinn revolution\u00e4r.<\/p>\n<p>Es sind Revolutionen, die von innen kommen.<\/p>\n<p>Ich habe gesagt, dass ich von unten nach oben arbeite, aber auch von innen nach au\u00dfen. Alle Menschen tragen die Begabung zum Tanz in sich ohne es zu wissen, weil sie die essentiellen Elemente des t\u00e4nzerischen Ausdrucks nicht kennen und verstehen.<\/p>\n<p><strong>Algarve 365?<\/strong><br \/>\nIch habe in vielf\u00e4ltiger Form mit den unterschiedlichsten Menschen, in Krankenh\u00e4usern und Gef\u00e4ngnissen, mit Obdachlosen, Menschen am Rande der Gesellschaft, Kindern und Jugendlichen gearbeitet\u2026 Dieser \u201eSchl\u00fcssel zum Gl\u00fcck\u201c ist Teil unseres Programms und ein Projekt mit dem ich mich vollst\u00e4ndig identifiziere. Von den K\u00fcnstlern Jo\u00e3o Galante und Ana Borralho initiiert, reden Jugendliche aus Aljezur und Monchique frei \u00fcber sich selbst \u2013 was sie mit Erwachsenen niemals tun. Es ist eine starke Vorstellung mit gro\u00dfem Potential und Themen die f\u00fcr Eltern schockierend und besch\u00e4mend sind \u2013 aber auch das ist eine Funktion, die die Kunst zu erf\u00fcllen hat. Wenn ich von Lebensqualit\u00e4t spreche, dann in diesem Bewusstsein. Ich sehe Wissenschaft und Kunst wie die Griechen als parallel existierende, identische Kr\u00e4fte und nicht nur als Vergn\u00fcgen und Unterhaltung.<\/p>\n<p>Ich bin sozusagen auf der Durchreise. Ich gehe, wohin ich gerufen werde und wo ich mich einbringen kann. Manchmal werde ich eingeladen, manchmal geht die Initiative von mir aus. So ist es auch bei dem, was ich mit Giacomo Scalisi mache. Seit sechs Jahren arbeiten wir daran, dieses Projekt in Monchique und Aljezur zu realisieren. Endlich haben wir es geschafft. Und wir wollen weitermachen \u2013 aber nicht, um hier bequem unser Alter zu verbringen. Vielleicht bleiben wir hier, aber wenn wir uns entscheiden \u2013 und hier spreche ich f\u00fcr mich \u2013 irgendwo anders hinzugehen, bin ich dazu bereit. Solange ich das tun kann woran ich glaube, bleibe ich. Wenn man mich das nicht tun l\u00e4sst, mache ich das eben woanders.<\/p>\n<p><strong>Und wie m\u00f6chten Sie leben?<\/strong><br \/>\nAuf Reisen, glaube ich, weil ich jeden Tag eine fabelhafte Reise mache, auf und ab in den Bergen zwischen Monchique und Aljezur. Wundersch\u00f6n!<\/p>\n<p><strong>Die Reise geht weiter\u2026<\/strong><br \/>\nSelbstverst\u00e4ndlich, bis an den letzten Tag solange es mir m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Danke.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"clear\"><\/div><div class=\"author-info\"><img decoding=\"async\" class=\"author-img\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Uwe-Heitkamp.png?w=618\" alt=\"\" \/><div class=\"author-info-content\"><h3>Uwe Heitkamp (60)<\/h3>\n\t\t\tausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobby-Botaniker, Vater zweier erwachsener Kinder, kennt sei 30 Jahren Portugal, Gr\u00fcnder von ECO123.\n\t\t\t<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kann Kultur unsere Gewohnheiten \u00e4ndern? 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