{"id":23717,"date":"2017-07-06T13:59:55","date_gmt":"2017-07-06T12:59:55","guid":{"rendered":"http:\/\/eco123.info\/de\/?p=23717"},"modified":"2017-08-10T17:18:58","modified_gmt":"2017-08-10T16:18:58","slug":"rota-vicentina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eco123.info\/de\/portugal-de\/report\/fotoreport\/rota-vicentina\/","title":{"rendered":"Auf dem Weg<br \/>(Rota Vicentina: 14 + um dia)"},"content":{"rendered":"<h2>Via Algarviana &#8211; Rota Vicentina &#8211; Rota do Pescador<\/h2>\n<figure id=\"attachment_23681\" aria-describedby=\"caption-attachment-23681\" style=\"width: 246px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/rotavicentina-mapa.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-23681\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/rotavicentina-mapa.jpg\" alt=\"mapa da rota vicentina\" width=\"246\" height=\"501\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23681\" class=\"wp-caption-text\">Karte Rota Vicentina (klicken zum vergr\u00f6ssern)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Tag 1 &#8211; Aljezur \u2013 Odeceixe (18 km)<br \/>\n<\/strong>Der Himmel ist an diesem ersten Apriltag so, wie ich ihn vom April kenne: durchwachsen. Zwei Wochen lang wanderte ich bis heute die Via Algarviana auf 250 Kilometern, den Atlantik in der nahen Ferne nur ahnend. Nun halte ich die Nase in den Wind, rieche Salz und Buntes vom Wegesrand. Weitere 350 Kilometer malen die Linien auf dem Papier der Roadmap, die ich auf der Burg in Aljezur pfeifend begr\u00fc\u00dfe: Nur, wo Du zu Fu\u00df warst, bist Du auch wirklich gewesen. Ich glaube, der Mensch ist von Geburt an ein Wanderer. Folgt er nicht einem Wanderweg im herk\u00f6mmlichen Sinne, so wandert er doch Zeit seines Lebens durch Raum und Erfahrung. Was sucht er auf seinem Weg? Nein, keinen Traum suche ich &#8211; auch wenn ich so manch einen badenden Frosch am Wegesrand h\u00e4tte k\u00fcssen k\u00f6nnen. Ich suche eher etwas \u201eEinfaches\u201c, etwas scheinbar \u201eNormales\u201c, das ich jeden Tag \u00fcbe und das mir so viel leichter f\u00e4llt zu \u00fcben, wenn ich in der Natur sein und durch sie hindurch wandern kann: die Wirklichkeit &#8211; das \u201ewas ist\u201c. Es kl\u00e4ren sich meine Gedanken mit jedem neuen Schritt, so klart auch langsam der Himmel \u00fcber dem Strand Amoreira auf. Die Windm\u00fchle thront oben auf dem Berg in Odeceixe und ich kann sagen: das ist wirklich wundersch\u00f6n \u2013 ich muss nichts tun, au\u00dfer da zu sein.<\/p>\n<p><strong>Tag 2 &#8211; Odeceixe &#8211; S\u00e3o Teot\u00f3nio (17 km)<br \/>\n<\/strong>Heute werde ich vom Ruf eines Kuckucks und einer Reihe gelber Schmetterlinge auf dem Weg von Odeceixe nach Sao Teot\u00f3nio begleitet. Das sind die einzigen Konstanten, die ich in der Vielfalt dieser Etappe erleben soll. Die Bachl\u00e4ufe erlauben der Vegetation ihrer Kreativit\u00e4t freien Lauf zu lassen. Meine Kreativit\u00e4t wird ebenso gef\u00f6rdert, indem ich zahlreiche, gro\u00dffl\u00e4chige Pf\u00fctzen zu \u00fcberqueren versuche. Durchwate ich so den gef\u00fchlten Urwald, komme ich nach einem kleinen Anstieg auf eine Plateauebene, auf der sich das Umfeld weitet und ich den Geruch des Eukalyptus wahrnehme. Gedankenverloren t\u00e4nzele ich menschenseelenallein durch die W\u00e4lder und verliere Sinn f\u00fcr Raum und Zeit. Meine Sinne verlieren sich in den Ger\u00fcchen, den Farben, dem Geschmack der Luft und den Ger\u00e4uschen des Windes und der V\u00f6gel. Ich bin wie von Sinnen in einer Art Trance, als ein Schaf in meinem Blickwinkel erscheint und mit ihm eine Herde unz\u00e4hliger weiterer Schafe. Die Romantik h\u00e4tte mich bis zu diesem Punkt wirklich zu Tr\u00e4nen ger\u00fchrt, aber die woll\u00fcstige Herde ist aufgew\u00fchlt. Ich klettere auf einen Korkeichenast, um dem Zug freien Lauf zu gew\u00e4hren. Nachdem die Ruhe zur\u00fcckgekehrt ist, steht die Sonne perfekt f\u00fcr ein kleines Nickerchen, das ich mir vor dem Eintritt ins verschlafene S\u00e3o Teot\u00f3nio g\u00f6nne. Aufstehen, Gehen, Essen, Schlafen. Wesentliches. Es tut gut &#8211; einfach mal einfach zu sein.<\/p>\n<div class=\"tie-full-width-img\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-23686\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/casa-no-monte.jpg\" alt=\"casa no monte na rota vicentina\" width=\"1100\" height=\"648\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/casa-no-monte.jpg 1100w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/casa-no-monte-768x452.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><\/div>\n<p><strong>Tag 3 &#8211; S\u00e3o Teot\u00f3nio \u2013 Odemira (19 km)<br \/>\n<a href=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/rio.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-23689\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/rio.jpg\" alt=\"rio\" width=\"380\" height=\"507\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/rio.jpg 1100w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/rio-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>Wandert man, so l\u00e4sst man das Ver-Gangene mit jedem Schritt hinter sich. Und manches, so merkt man, tr\u00e4gt man stets mit sich. Als die Glocken an diesem Sonntag l\u00e4uten und ich meinen Kaffee auf dem Vorplatz der Kirche schl\u00fcrfe, bin ich mit einem Mal wieder da, wo ich aufwuchs: in einem Dorf. Es lohnt sich, wenn man an einem unbekannten Ort ist, an einem Platz zu verweilen und die Umgebung in aller Ruhe zu beobachten. Zwar spreche ich nicht die Sprache der Menschen, die hier leben, aber so ein Sonntag auf dem Dorfplatz &#8211; das hat einen gewissen Deja-Vu Charakter f\u00fcr mich. So darf ich an diesem Tag den Verlauf meiner Kindheitstage noch einmal vor meinem inneren Auge durchlaufen.<\/p>\n<p>Die Dorfstra\u00dfe verlassend, stehe ich mit einem Mal auf dem Feld, das sich von nun an bis \u00fcber die n\u00e4chsten 20 Kilometer farbenfroh vor mir ausbreitet. Sonntag bleibt es den ganzen Tag. Habe ich in meiner Kleiderwahl wie jeden Wandertag nur die eine Hose und das eine T-Shirt (ich halte meine Ausr\u00fcstung gern sehr leicht) und sind auch meine Wanderschuhe nicht gerade sauber, so f\u00fchle ich mich dennoch recht b\u00fcrgerlich, als ich die fu\u00dfschmeichelnden Wege ganz m\u00fchelos entlang spaziere. Mal ein Stock, mal ein Stein, aber keine gro\u00dfe Steigung und folglich auch kein Abstieg. Alles \u201eganz normal\u201c heute \u2013 das erinnert mich irgendwie auch an meine Heimat. Der Fluss Mira ist, wenn nicht an meiner rechten Seite, so an meiner Linken. Auch das ist wie damals: Gepl\u00e4tscher und Vogelgezwitscher waren der sonnt\u00e4gliche Chor. In der Kreisstadt Odemira suche ich vergeblich die Einwohner\u2026 der kr\u00e4ftigen Sonne nach schliesse ich, dass sie wohl irgendwo im Schatten<\/p>\n<p>Unterschlupf suchen. Ich tue das in der Kirche. Die B\u00e4nke sind genauso unbequem wie ich sie von vor vielen Jahren in Erinnerung habe. Ich bleibe gleich eine ganze Stunde kerzengerade und gerade so entspannt dort sitzend, wie ich es aus der Kirche kenne. Ich bin gl\u00fccklich: so ein Sonntag ist schon was Feines!<\/p>\n<p><strong>Tag 4 &#8211; Odemira &#8211; S\u00e3o Lu\u00eds (25 km)<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt so Tage. Dieser ist so einer: es l\u00e4uft. Das hei\u00dft: ich laufe, so als w\u00fcrde ich gar nicht laufen, als w\u00fcrde mich etwas laufen. Klingt kryptisch? Ist magisch!<\/p>\n<p>Odemira verlasse ich zur fr\u00fchen Morgenstunde. Das Wetter im S\u00fcden hat mich gelehrt: es gibt einen Punkt der W\u00e4rme, da legt man seine F\u00fc\u00dfe lieber hoch, als dass diese das eigene K\u00f6rpergewicht tragen. Schnell bin ich in eine Mystik eingeh\u00fcllt, die sich bis nach S\u00e3o Luis weiterzieht. Die virtuose Bandbreite an Gew\u00e4chsen und Tieren schaukelt mich heute in diesen m\u00e4rchenhaften Zustand des \u201eGelaufen Werdens\u201c. Ich kann mich ganz dem Spektakel an Bildern und Orten hingeben. Die Bach-Musik l\u00e4sst mich vollkommen abtauchen in die Weite des Seins, als auf einmal \u2026 etwas passiert. Auch das mag so manch ein Wanderer kennen, aber sich vielleicht nicht so leichtf\u00fc\u00dfig dazu bekennen. Dieses Etwas wird meist als st\u00f6rend empfunden. Man nennt es auch Schmerz.<\/p>\n<p>Ich kenne dieses Ph\u00e4nomen Zeit meines Lebens und darf es bei jeder (Weit-) Wanderung wieder erforschen. Blasen. Ich habe gelernt kein Schmerz zu sein, sondern einen zu haben. Die Unterscheidung macht mir den Schmerz leichter. Ich gew\u00e4hre mir au\u00dferdem die Freiheit der Entscheidung: m\u00f6chte ich leiden oder nicht? Ich sage meistens: nein und erlaube mir so den Schmerz zu f\u00fchlen (das geht auch meist nicht anders), aber ich leide nicht. Ich gehe mit ihm und meist gehe ich irgendwann durch ihn hindurch in etwas Neues. Und so laufe ich schmerzlich aber herzlich langsam durch die G\u00e4rten von S\u00e3o Luis. Ich bin dabei ganz eingebettet in die Natur: der Schmerz geh\u00f6rt auch dazu.<\/p>\n<p><strong>Tag 5 &#8211; S\u00e3o Lu\u00eds &#8211; Cercal do Alentejo (21 km)<br \/>\n<a href=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/flower-on-the-way.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-23696\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/flower-on-the-way.jpg\" alt=\"flower on the way\" width=\"303\" height=\"750\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/flower-on-the-way.jpg 800w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/flower-on-the-way-768x1901.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 303px) 100vw, 303px\" \/><\/a><\/strong>Die Tage werden l\u00e4nger. Um sieben Uhr ist man hierzulande nicht wie in Berlin schon beim dritten Kaffee. Ich lasse S\u00e3o Luis also sehr leise hinter mir bzw. S\u00e3o Luis l\u00e4sst mich leise gehen. Eine Wanderin studiert die Karte und die zeigt mir heute den h\u00f6chsten Berg der Region. Ich hadere noch, ob ich die 329 H\u00f6henmeter mit in die Liste meiner Bergbesteigungen aufnehmen soll, als mein Wanderherz in mir pocht und schreit: ein Berg ist ein Berg! Ja, so ist das mit den Bergen. Und was macht man gew\u00f6hnlich, wenn man einen Berg rauf geht? Genau! Man geht ihn danach wieder runter. Ja, so einfach ist das mit den Bergen! Und zwischendurch darf man den Gipfel, etwas anderes H\u00f6heres oder sich selbst feiern &#8211; oder alles zusammen. Mir scheint die Morgensonne \u00fcber die Serra-H\u00f6hen blickend bis zum Meer ins Gesicht und ich feiere in dem Moment die einfache Wirklichkeit. Es gibt nichts zu erreichen, au\u00dfer den n\u00e4chsten Schritt. \u201eDas Geheimnis des Vorw\u00e4rtskommens besteht darin den ersten Schritt zu tun\u201c(Mark Twain). Und einen Schritt nach dem anderen zu machen, das lernen wir fr\u00fch im Leben. Seit Menschen sich auf ihre F\u00fc\u00dfe gestellt haben, ist es die einfachste und nat\u00fcrlichste Art der Bewegung: das Gehen. Beim Gehen erlebe ich Wirklichkeit, Einfachheit und Urspr\u00fcnglichkeit &#8211; und das mit jedem Schritt. Ich stelle mir vor, dass wenn ich diese Erfahrung so bewusst mache, dann pr\u00e4gen es sich meine Zellen ein, sodass ich auch um sieben Uhr im Slalom durch den Berliner Berufsverkehr mit einem wirklichen, einfachen und urspr\u00fcnglichen Gef\u00fchl gehen kann.<\/p>\n<p><strong>Tag 6 &#8211; Cercal de Alentejo &#8211; Vale Seco (23 km)<br \/>\n<\/strong>Schmerzten meine F\u00fc\u00dfe, so bekommt meine Seele Fl\u00fcgel. Der Morgentau entlockt den Weiden um Cercal herum alle Harmonie aus den Getreide- und Grashalmen. Durch die Natur zu gehen, sie zu bestaunen, l\u00e4\u00dft mich teilhaben an ihr. Ich f\u00fchle mich verbunden, f\u00fchle selbst Teil zu sein &#8211; nat\u00fcrlich zu sein. Eine Asphaltstra\u00dfe, die die Weidenfl\u00e4che teilt, erscheint mir wie ein Panzer im Kinderzimmer. Es tut (fast) weh. Ist es nicht die Natur aller Dinge, nach Wachstum zu streben? Wir Menschen streben auch nach Wachstum. Die Frage stellt sich nur, wie umfassend wir diese Frage auch auf den Teil ausweiten, der uns selbst das Leben schenkt: die Natur. Wie mein Blick so \u00fcber die Weide geht und am Asphalt h\u00e4ngen bleibt, frage ich mich wie es w\u00e4re, wenn die Natur zu uns sprechen w\u00fcrde. Eine Wolke zieht vorbei. Sie zieht vorbei, wie meine Gedanken. Welchen Gedanken ich folge, das ist Freiheit. Und welche Gedanken ich umsetze, auch das ist meine Freiheit. Ich schaue den V\u00f6geln zu, lausche dem Wind. So gehe ich diesen Tag durch die Natur. Ich lasse Gedanken in mir wachsen, was in meinem Lebensalltag nicht der Natur der Dinge entspricht\u2026 Was will ich in diesem Leben noch zum Wachsen bringen?<\/p>\n<p><strong>Tag 7 &#8211; Vale Seco &#8211; Santiago do Cac\u00e9m (18 km)<br \/>\n<\/strong>Heute schlie\u00dfe ich den letzten Teil des historischen Pfades in Santiago de Cac\u00e9m. Manche Wanderer beginnen &#8211; andere enden dort ihre Wanderung &#8211; und wieder andere gehen ganz anders. Das ist das Sch\u00f6ne an diesem Wanderpfad: man kann seine Route kreativ nach eigener Kondition und Laune gestalten. Das Hinterland ersch\u00f6pft die Stille einer scheinbar angehaltenen Zeit und die K\u00fcste folgt dem Gesetz von Ebbe und Flut in ihrer Bewegung. Diese Etappe heute gehe ich mal anders: Keine Nahrung vor, keine Nahrung w\u00e4hrend und keine Nahrung nach dem Laufen. Essen &#8211; ein Genuss, manchmal ein Muss und manchmal pure Gewohnheit. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht mit der Gewohnheit zu brechen,\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-23701\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/ruin-and-flowers.jpg\" alt=\"ruin and flowers\" width=\"369\" height=\"492\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/ruin-and-flowers.jpg 800w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/ruin-and-flowers-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 369px) 100vw, 369px\" \/>um herauszufinden ob etwas, das ich gew\u00f6hnlich mache, in genauer Betrachtung auch wirklich wesentlich ist. Daf\u00fcr mache ich dann mal etwas anders. Mal wegfahren. Mal Hafer- statt Kuhmilch trinken. Mal versuchen ohne Plastikm\u00fcll einzukaufen. Stelle ich nach dem Versuch fest, meine Gewohnheit macht Sinn (f\u00fcr mich und mehr als nur f\u00fcr mich) dann kehre ich gerne zur\u00fcck zur Gewohnheit. Stelle ich fest, dass etwas Anderes mehr Sinn ergibt &#8211; so stelle ich mich der Herausforderung, meine Gewohnheit mehr nach dem Sinn auszurichten. Zwar baue ich im Leben keine Asphaltstra\u00dfen, aber als VerbraucherIn nehme ich auch etwas von der Natur. So macht es durchaus Sinn f\u00fcr mich, der Gewohnheit meines Nahrungskaufes mal auf den Sinn zu f\u00fchlen. Ich laufe wie eine Schildkr\u00f6te durch die Zeit und w\u00e4re die Sonne nicht untergegangen, so h\u00e4tte ich die Zeit vergessen. Beim Laufen hat man so allerlei viel Zeit, um \u00fcber so allerlei viel nachzudenken. Es wundert mich nicht, dass der Bus nach Porto Covo nur ein Mal am Tag f\u00e4hrt. Ich bin fast erleichtert. Die U-Bahn bei mir zu Hause kommt alle zwei Minuten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tag 8 &#8211; Porto Covo &#8211; Vila Nova de Milfontes (20 km)<br \/>\n<\/strong>Ich habe Muskelkater. Nicht in den Beinen. Ich habe Muskelkater im Gesicht. Sechs Stunden lang habe ich meine Mundwinkel zu meinen Ohren gezogen. Die einzigen Male, in denen mein Mund etwas anderes als ein L\u00e4cheln zu formen wei\u00df, ist der h\u00f6rbare Ausdruck von \u201eOh, mein Gott!\u201c. Um sieben Uhr liegen die D\u00fcnen Porto Covos gebadet in den rosarotleuchtenden Farben des Atlantiks. Wellenrauschen, M\u00f6wen und weit und breit nichts au\u00dfer diesem Strahlen. Ich halte mich noch zur\u00fcck. Eine Minute nach der anderen. Ich sp\u00fcre etwas \u00dcberw\u00e4ltigendes. W\u00fcrde ich mich trauen? Ein Liebesbekenntnis ist &#8211; wahrscheinlich je nach Erfahrung &#8211; eine herausfordernde Ma\u00dfnahme. Man muss das Risiko eingehen, wenn man ehrlich sein m\u00f6chte. Ach, egal, sage ich mir: Hauptsache Leben! Also nahm ich Anlauf und \u2026 schrie: \u201eWie sch\u00f6n! Ich liebe das Leben!\u201c. Es hat sich gelohnt. Das Meer, gro\u00df und stark h\u00e4lt es aus, dass ich meine Liebe bekunde &#8211; es h\u00e4lt es sogar aus, dass ich schreie. Das ist nicht selbstverst\u00e4ndlich. An diesem Tag kommen mir mehr Wanderer entgegen als in der ganzen letzten Woche zusammen. Es ist genug Platz f\u00fcr alle da. Ich bin wie ein Kind, das sich mit jedem neuen Blick \u00fcberraschen und sich frei laufen l\u00e4\u00dft &#8211; auch im Ausdruck dieser Freude! Ehrlich sein macht Spa\u00df! Ehrlich sein mit sich und mit den anderen. Und\u2026 ehrlich? Wie h\u00e4ufig sagen wir ehrlich, was wir denken? Und wie h\u00e4ufig sagen wir anderen ehrlich, was wir an ihnen m\u00f6gen?<\/p>\n<div class=\"tie-full-width-img\"> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-23693\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/no-caminho.jpg\" alt=\"\" width=\"1098\" height=\"696\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/no-caminho.jpg 1098w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/no-caminho-768x487.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1098px) 100vw, 1098px\" \/><\/div>\n<p><strong>Tag 9 &#8211; Vila Nova de Milfontes \u2013 Almograve (15 km)<br \/>\n<\/strong>Der Wochentag ist beim Wandern weniger bedeutsam als sonst im All-Tag. Aber heute ist Wochenende und ich bekomme Besuch von einem guten Freund und seinem Hund. Ein bekanntes Gesicht zu sehen und mich austauschen zu k\u00f6nnen mit jemanden, den ich kenne und der mich kennt &#8211; das wei\u00df ich zu sch\u00e4tzen, auch wenn mir in der Natur \u201enichts fehlt\u201c. Mit einem Gl\u00e4schen Wein hat er mich am Abend zuvor in Vila Nova de Milfontes empfangen und am Morgen schlendern wir durch die Markthalle, statten uns mit frischen Obst und Gem\u00fcse aus. Wo ich in Berlin die Etiketten studieren muss, ob die Kartoffel nicht aus China kommt, so steht hier hinter einem Marktstand auch die regionale Herkunft nicht in Frage. Das wei\u00df ich zu sch\u00e4tzen. Gemeinsam schauen wir dem Glitzern des Meeres entgegen. Zwei Wanderfreunde unterwegs. Und auch das wei\u00df ich zu sch\u00e4tzen. Mit jemanden gemeinsam zu wandern, ist f\u00fcr mich n\u00e4mlich nicht selbstverst\u00e4ndlich. Wenn man mit jemanden \u00fcber weite Strecken nebeneinander gehen kann, man sich schweigend, tratschend oder philosophierend verstehen und streiten kann\u2026 und wenn man dann noch merkt, dass jedeR seinen Schritt gehen kann, wie er will und jedeR sein kann, wie er will \u2026 und wenn man sich dann noch gegenseitig in diesem Sein und Tun zu sch\u00e4tzen wei\u00df: dann ist das f\u00fcr mich wohl einer der besonderen Sch\u00e4tze dieser Welt: ein guter Freund.<\/p>\n<p><strong>Tag 10 &#8211; Almograve &#8211; Zambujeira do Mar (18 km)<br \/>\n<\/strong>Zur Feier des Tages beginnt die Tour heute an einer Kl\u00e4ranlage. Der Tag kann also nur besser werden. Die Verwunschenheit der ersten Kurven um den Strand herum gibt den Blick frei auf eine mars\u00e4hnliche Sandlandschaft. Das Stapfen durch den Sand wird begleitet und erleichtert durch einen st\u00fcrmischen Wind. Mit Ehrfurcht blicke ich so manch eine Klippe hinab in die Tiefe und staune \u00fcber die Kraft der Wellen. Schmuckhaft steht der Leuchtturm des Cabo Sard\u00e3o \u00fcber die H\u00e4lfte der Etappe in sichtbarer Ferne. Als ich diesen hinter mir lasse, setze ich Berliner Musik auf die Ohren und von da an wird mein Schritt sportlich. Der leicht gehbare Pfad nach Zambujeira hinein erinnert mich an den langen Trampelpfad meiner Berliner Laufstrecke. Das tut mal wieder gut. Mit sechs Kilo Gep\u00e4ck auf meinem R\u00fccken ist der schnelle Schritt ein Heimspiel. In Zambujeira do Mar angekommen, gehe ich meiner (einzigen) t\u00e4glichen \u201eVerpflichtung\u201c nach: Waschen. Erst tauche ich mich selbst in den Atlantik und sp\u00e4ter dann mein einziges Wechselshirt. Nachdem ich mich als sauber erachte, erkunde ich die Stra\u00dfen und ende den Tag wie der kleine Prinz: mit einem Sonnenuntergang.<\/p>\n<div class=\"tie-full-width-img\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-23705\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/over-the-sea.jpg\" alt=\"over the sea\" width=\"1100\" height=\"691\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/over-the-sea.jpg 1100w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/over-the-sea-768x482.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><\/div>\n<p><strong>Tag 11 Zambujeira do Mar \u2013 Odeceixe (22 km)<br \/>\n<\/strong>Auf das Einatmen folgt das Ausatmen. Auf den schnellen Schritt folgt heute die Entschleunigung. Einatmen &#8211; ein Schritt mit dem rechten Fu\u00df. Ausatmen &#8211; abrollen. Einatmen &#8211; ein Schritt mit dem linken Fu\u00df. Ausatmen \u2026 Mal geht es ein bisschen nach rechts, mal nach links, stets voran. Den Blick zur\u00fcckwerfend, \u00e4ndere ich die Perspektive. Der Blick nach vorne l\u00e4sst nur ahnen. Sicher ist nur das, was ich jetzt gerade sehe. Und auch das \u00e4ndert sich mit jedem Schritt. Wenn man das Tempo mit einem Vehikel gewohnt ist, oder das Tempo der Stadt, so kann man kaum glauben, dass sich die Umwelt mit jedem kleinen Schritt \u00e4ndert. Passt man sich an, das hei\u00dft, geht dem menschlich nat\u00fcrlichen Tempo entsprechend zu Fu\u00df, dann wird man leicht Zeuge dieser st\u00e4ndigen Ver\u00e4nderung. Dass, was man sieht, ist in jedem Moment neu. Auch dann, wenn man nichts gemacht hat &#8211; au\u00dfer einen neuen Atemzug genommen hat. Ein Ph\u00e4nomen. F\u00fcr einen Buddhisten normale Realit\u00e4t. F\u00fcr mich manchmal immer noch Faszination und \u00dcberraschung zugleich: ein Wunder jagt das N\u00e4chste. Irgendwie bekannt und doch immer wieder neu. Ein Schritt nach dem N\u00e4chsten. Ich f\u00fchlte mich vertraut in der Natur. Angekommen, obwohl ich in Bewegung bin.<\/p>\n<p><strong>Tag 12 &#8211; Aljezur \u2013 Arrifana (22 km)<br \/>\n<\/strong>Die Entschleunigung wirkt heute noch mehr. Ich bewegte mich in Zeitlupe. Und unter dieser Lupe schaue ich mir heute ganz genau das an, was mir begegnet. Der erste Teil der Route erlaubt mir aufgrund des eint\u00f6nigen Asphalts meine geistige Landschaft zu erkunden. Als ich dann die Reliefs der K\u00fcstenkette bei Ebbe erblicke, bekommt meine Seele Fl\u00fcgel und fliegt durch die \u00e4u\u00dfere Landschaft. Ein Paraglider taucht neben mir auf, ich h\u00f6re gerade \u201eLe vent nous portera\u201c von Noir Desir \u2026 Synchronizit\u00e4t. Ich wei\u00df: ich bin richtig. Da wo ich bin, bin ich richtig und so wie ich bin, bin ich richtig. Wenn das \u00c4u\u00dfere und das Innere so zusammenkommen &#8211; dann bleibt doch nur diese plumpe Feststellung: es ist alles gut und richtig, so wie es ist. Ich durchlaufe den Tag, indem ich Sinn in allem finde.<\/p>\n<p><strong>Tag 13 &#8211; Arrifana \u2013 Carrapateira (25 km)<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/on-the-cliffs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-23708\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/on-the-cliffs.jpg\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"481\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/on-the-cliffs.jpg 800w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/on-the-cliffs-768x1734.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/><\/a>Entdeckt man eine Leidenschaft f\u00fcr sich, dann f\u00fchlt sich nichts nat\u00fcrlicher an, als genau das zu tuen wof\u00fcr \u201eman brennt\u201c. Brennt man f\u00fcr eine Sache, dann erfordert es Leid (im Sinne der Anstrengung sich dieser Sache zeitlich und konzentriert zu widmen) und daf\u00fcr schafft man etwas. Ich glaube, der Mensch m\u00f6chte Sinn erfahren im Leben. Ich glaube, das tut er, wenn er das er-schafft worin er Sinn sieht bzw. wof\u00fcr sein Herz brennt. F\u00fcr mich ist eine Leidenschaft die Bewegung. Ob nun den liebenlangen Tag durch die Natur oder auf ungef\u00e4hr einem Quadratmeter Matte Yoga zu praktizieren. Ich glaube, dass es sich lohnt, der Bewegung nachzugehen, die einen ganz tief im Inneren bewegt. Leben bedeutet f\u00fcr mich Bewegung. Auch wenn wir scheinbar still stehen, so ist der K\u00f6rper dabei in Bewegung. Es geh\u00f6rt zu unserer Natur, uns zu bewegen. Ich glaube auch, dass es ebenso unserer Natur entspricht, nicht nur uns selbst, sondern auch etwas zu bewegen im Leben. Mich bewusst zu bewegen \u00fcber Kilometer oder auf einem Quadratmeter hinweg hilft mir, mich mit dem zu verbinden, was f\u00fcr mich wirklich und wirklich wichtig ist. Die Bewegung erlaubt meinem K\u00f6rper, gesund zu sein und meinen stets wandernden Geist zu fokussieren. Bewege ich mich selber, so erfahre ich Ruhe, Zentrierung, Urspr\u00fcnglichkeit, Echtheit, Nat\u00fcrlichkeit und Klarheit. Was man f\u00fcr sich selbst gewonnen hat, das kann man in die Welt hinausgeben. So laufe ich heute bewegt durch die Zistrosenhaine und lasse die Gedanken frei laufen wie ich die Leidenschaft der Bewegung, der ich mich mit Mu\u00dfe widme, weiter in die Welt geben kann.<\/p>\n<p><strong>Tag 14 &#8211; Carrapateira &#8211; Vila do Bispo (18 km)<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Gl\u00e4nzend leuchtendes Gelb ist \u00fcberall auf den H\u00fcgeln zu sehen. Die Strahlen der Morgensonne und das Blau des Himmels\u2026 es ist\u2026 man nennt es, glaube ich\u2026 vollkommen. Das Bild ist vollst\u00e4ndig. So als w\u00fcrde sich die ganze Natur darauf konzentrieren, vollkommen zu sein. Ich bin ber\u00fchrt von dieser Vollkommenheit und passe meinen Schritt bed\u00e4chtig an, als w\u00fcrde ich durch einen heiligen Tempel schreiten. Wie oft denken wir Menschen, dass irgendetwas nicht richtig sei. Wir selbst, andere oder irgendetwas sei nicht genug. Die Natur kennt so etwas nicht. In ihr hat alles seinen Platz. Seinen richtigen Platz. Man w\u00fcrde gar nicht auf den Gedanken kommen, den Busch, die Blume oder den Berg besser zu finden, wenn er mehr rechts oder links stehen w\u00fcrde. In jeder Jahreszeit sieht es anders aus. Alles entfaltet sich zu seinem Zeitpunkt, alles zu seiner Zeit und alles ohne Zweifel vollkommen richtig\u2026<\/p>\n<p>Nun bin ich bereits seit vier Wochen in Portugal. Ich nehme mir f\u00fcr gew\u00f6hnlich gerne etwas mehr Zeit um etwas Neues kennenzulernen. Jeden Tag sehe ich hier etwas, das ich vorher noch nicht gesehen habe. Man nennt das auch Fr\u00fchling, glaube ich. Ich laufe Zickzack. Es ist Ostern. Ich finde keine Eier, daf\u00fcr aber viele neue bunte Blumen. Es erinnert mich an etwas\u2026: Sich \u00fcber etwas wundern k\u00f6nnen, etwas bewundern k\u00f6nnen, Wunder sehen zu k\u00f6nnen. Ja, das macht Spa\u00df. So bewundere ich die Natur in ihrer Kraft und Freude sich auszudr\u00fccken &#8211; ohne Angst. Wie s\u00e4he die Welt aus, wenn wir Menschen uns gut genug f\u00fchlen? K\u00f6nnen wir das vielleicht von der Natur lernen?<\/p>\n<p><strong>Tag 15 &#8211; Vila do Bispo &#8211; Cabo de S\u00e3o Vicente (17 km)<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Rena-Schulte-in-Cabo-S\u00e3o-Vicente.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-23712\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Rena-Schulte-in-Cabo-S\u00e3o-Vicente.jpg\" alt=\"Rena Schulte in Cabo S\u00e3o Vicente\" width=\"227\" height=\"302\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Rena-Schulte-in-Cabo-S\u00e3o-Vicente.jpg 800w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Rena-Schulte-in-Cabo-S\u00e3o-Vicente-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich bin ein bisschen aufgeregt. Das hat damit zu tun, dass ich heute ein Ziel erreichen werde. Liefe ich salopp nach dem Motto der Weg ist das Ziel, w\u00fcrde ich heute trotzdem an einen Punkt kommen, wo der Weg laut Karte aufh\u00f6rt. Dieser Punkt ist das Cabo de S\u00e3o Vicente, der s\u00fcdwestlichste Punkt Europas. \u00dcber diesen Punkt hinaus k\u00f6nnte ich also nicht weiter laufen? War das so? Erreicht man ein Ziel, ist man dann angekommen und man\/es geht nicht mehr weiter? Ein Ziel zu erreichen klingt toll, wie als h\u00e4tte man etwas geschafft und k\u00f6nne sich dann f\u00fcr immer und ewig ausruhen. Mir kam ein Spruch in den Sinn: Vor der Erleuchtung: Holz hacken und Wasser tragen. Nach der Erleuchtung: Holz hacken und Wasser tragen. Zwischen dem Vor und dem Nach gibt es noch das Jetzt. Da hackt man wahrscheinlich auch Holz und tr\u00e4gt Wasser. Hackte ich also Holz und trug Wasser vor meiner Wanderung, tat ich es w\u00e4hrend dieser und w\u00fcrde das Gleiche danach tun?<\/p>\n<p>Etwas zu erreichen, bedeutet \u201eseinen Weg zu gehen\u201c, \u201eetwas nahe zu kommen\u201c, \u201ees weit bringen\u201c oder auch \u201eweiterzukommen\u201c. Erreichen ist also sinngem\u00e4\u00df kein Stadium des Stillstandes. Wir erreichen ein Ziel und danach geht es weiter. Ich habe zwei Wochen nichts weiter gesehen, als mein Blick reichte &#8211; das hatte ich stets erreicht. Ich freue mich \u00fcber die klare Sicht am Kap. Danach kommt also nichts mehr? Oh doch! Wir k\u00f6nnen vieles erreichen im Leben &#8211; vor allen Dingen, das, was wir selber sehen k\u00f6nnen und wozu wir uns auf den Weg machen. Ich war angekommen &#8211; ich war auf dem Weg.<\/p>\n<div class=\"box info  alignleft\" style=\"width:100%\"><div class=\"box-inner-block\"><i class=\"fa tie-shortcode-boxicon\"><\/i>\n\t\t\t\n<a href=\"http:\/\/de.rotavicentina.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rota Vicentina &#8211; Infos<\/a><br \/>\n(+351) 969 275 975\n\t\t\t<\/div><\/div>\n<div class=\"clear\"><\/div><div class=\"author-info\"><img decoding=\"async\" class=\"author-img\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/rena.jpg\" alt=\"\" \/><div class=\"author-info-content\"><h3>Rena Schulte<\/h3>\n\t\t\tDie Therapeutin Rena Schulte (29) lebt in Berlin und erz\u00e4hlt uns von ihrer Reise durch Portugal. Sie ist zu Fu\u00df unterwegs, beginnt ihre Wanderung in Mertola und geht von dort nach Alcoutim auf der Via Algarviana \u00fcber Vaqueiros, Cachopo, Salir, Alte nach Silves, Monchique und Aljezur. Dann biegt sie auf einem Feldweg nach Norden ab und wandert \u00fcber Odemira den Historischen Weg der Rota Vicentina nach Santiago de Cac\u00e9m (siehe Karte), um dann auf der Rota do Pescador zur\u00fcck ans S\u00fcdwestkap zu kommen. So kommen 600 Kilometer zusammen.\n\t\t\t<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Via Algarviana &#8211; Rota Vicentina &#8211; Rota do Pescador Tag 1 &#8211; Aljezur \u2013 Odeceixe (18 km) Der Himmel ist an diesem ersten Apriltag so, wie ich ihn vom April kenne: durchwachsen. Zwei Wochen lang wanderte ich bis heute die Via Algarviana auf 250 Kilometern, den Atlantik in der nahen Ferne nur ahnend. 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