{"id":3597,"date":"2013-06-21T18:14:30","date_gmt":"2013-06-21T18:14:30","guid":{"rendered":"http:\/\/eco123.info\/?p=3597"},"modified":"2013-09-03T18:18:55","modified_gmt":"2013-09-03T18:18:55","slug":"vergessen-sie-die-news","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eco123.info\/de\/portugal-de\/leben\/essay-de\/vergessen-sie-die-news\/","title":{"rendered":"Vergessen Sie die News!"},"content":{"rendered":"<h3>F\u00fcr eine gesunde Nachrichtendi\u00e4t<\/h3>\n<p><em><div class=\"box shadow  alignleft\" style=\"width:90%\"><div class=\"box-inner-block\"><i class=\"fa tie-shortcode-boxicon\"><\/i>\n\t\t\t<\/em><strong>Prolog:<br \/>\n<\/strong><em>Dieser Text ist ein Gegengift gegen News. Er ist lang. Wenn Sie es schaffen, ihn zu Ende zu lesen, k\u00f6nnen Sie sich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen. Sie geh\u00f6ren noch nicht zu den News-Junkies, die so viel von dem Kurzfutter konsumieren, dass sie ihre Konzentrationsf\u00e4higkeit verloren haben. Halten Sie also durch. Entzugstherapien sind immer schwer. Diese ganz besonders.\n\t\t\t<\/div><\/div><\/em><\/p>\n<h4>News sind f\u00fcr den Geist, was Zucker f\u00fcr den K\u00f6rper ist<\/h4>\n<p>Wir Anzug- und Kleidertr\u00e4ger sind doch in unserem tiefsten Inneren noch immer H\u00f6hlenmenschen. Unsere Gehirne wurden f\u00fcr das J\u00e4ger- und Sammlerleben geschaffen und f\u00fcr Kleingruppen von 25 bis 100 Menschen, die mit begrenzten Lebensmittel- und Informationsquellen auskommen. Unsere Gehirne und unsere K\u00f6rper leben heute jedoch in einer Welt, die das genaue Gegenteil von dem ist, f\u00fcr was wir geschaffen wurden. Das bringt uns in gro\u00dfe Gefahren und verleitet uns zu unangebrachtem und sogar gef\u00e4hrlichem Verhalten.<\/p>\n<p>In den letzten Jahrzehnten haben wir die Gefahren erkannt, die mit falscher Ern\u00e4hrung einhergehen: Insulinresistenz, \u00dcbergewicht, Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Entz\u00fcndungen, M\u00fcdigkeit. Wir haben unsere Ern\u00e4hrung umgestellt und gelernt, den verf\u00fchrerischen Reizen von Zucker und anderen Kohlehydraten zu widerstehen. Aber die meisten von uns verstehen noch nicht, dass die Nachrichten f\u00fcr den Kopf das sind, was Zucker f\u00fcr den K\u00f6rper ist. News sind appetitlich, leicht verdaulich und zugleich h\u00f6chst sch\u00e4dlich. Die Medien ern\u00e4hren uns mit kleinen H\u00e4ppchen trivialer Angelegenheiten &#8211; mit Leckerbissen, die nicht wirklich unser Leben betreffen und nicht erfordern zu denken. Anders als bei B\u00fcchern und guten Magazinartikeln (was Denken erfordert) stellt sich beim Newskonsum keine S\u00e4ttigung ein. Wir sind in der Lage, unbegrenzte Mengen an Kurznachrichten zu schlucken: sie bleiben billige, bunte Zuckerbonbons f\u00fcr den Geist.<br \/>\nWir sind so gut informiert und wissen doch so wenig. Warum? Weil wir vor zweihundert Jahren eine toxische Wissensform namens \u201eNews\u201c &#8211; Nachrichten aus aller Welt \u2013 erfunden haben. Es ist Zeit, dass wir deren sch\u00e4dliche Auswirkungen erkennen und die n\u00f6tigen Schritte unternehmen, um uns vor ihren Gefahren zu sch\u00fctzen. Heute sind wir in Bezug auf News an dem Punkt, wo wir in Bezug auf Fast Food vor zwanzig Jahren standen. Die Nebenwirkungen kommen \u2013 wie beim Rauchen \u2013 erst sp\u00e4ter zum Vorschein.<br \/>\nIch lebe seit zwei Jahren g\u00e4nzlich ohne News und kann die Wirkungen dieser Freiheit sehen, sp\u00fcren und aus erster Hand schildern: klareres Denken, wertvollere Einsichten, bessere Entscheidungen und mehr Zeit. Mein guter Freund, der Philosoph und Finanzmathematiker Nassim Nicholas Taleb (Der schwarze Schwan) hat mich als erster auf die Toxizit\u00e4t von News aufmerksam gemacht. Ihm verdanke ich viele meiner Erkenntnisse.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>1. News f\u00fchren zu einer falschen Risikokarte im Kopf<\/h4>\n<p>Unser zentrales Nervensystem reagiert unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig stark auf sichtbare, skandal\u00f6se, aufsehenerregende, schockierende, personenbezogene, laute, plakative, schnell wechselnde, farbige Reize \u2014 und unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig schwach auf abstrakte, mehrdeutige komplexe, aufeinander aufbauende und deutungsbed\u00fcrftige Informationen. News-Produzenten nutzen diese Wahrnehmungsverzerrung systematisch aus. Die Newsmedien, ob gro\u00df oder klein, setzen auf das sofort Sichtbare. Packende Geschichten, schreiende Bilder und aufsehenerregende Fakten fesseln unsere Aufmerksamkeit. So funktioniert nun einmal das Gesch\u00e4ftsmodell \u2014 die Werbung \u2013 die den News-Zirkus finanziert, wird nur verkauft, wenn sie gesehen wird. Die Folge: alles Feinsinnige, Komplexe, Abstrakte und Hintergr\u00fcndige muss systematisch ausgeblendet werden, obwohl diese Inhalte f\u00fcr unser Leben und das Verst\u00e4ndnis der Welt relevanter w\u00e4ren.<br \/>\nNehmen wir folgendes Ereignis: ein Bus f\u00e4hrt \u00fcber eine Br\u00fccke. Die Br\u00fccke bricht zusammen. Worauf richten die Medien ihren Fokus? Auf den Bus. Auf die Personen im Bus. Woher sie kamen. Wohin sie wollten. Wie sie das Ungl\u00fcck erlebten (sofern sie es \u00fcberlebt haben). Was f\u00fcr Menschen sie sind (oder vor dem Unfall waren). Doch all das ist v\u00f6llig irrelevant. Wirklich relevant ist \u2014 die Br\u00fccke! Die strukturelle Stabilit\u00e4t der Br\u00fccke. Die Frage, ob es noch andere Br\u00fccken dieses Konstruktionstyps und -materials gibt und wo diese anderen Br\u00fccken stehen. Das ist, was wirklich z\u00e4hlt. Der Bus oder der Fahrer hingegen sind komplett irrelevant. Jedes Auto h\u00e4tte den Zusammenbruch der Br\u00fccke verursachen k\u00f6nnen. Vielleicht hatte auch starker Wind oder ein \u00fcber die Br\u00fccke streunender Hund gen\u00fcgt, um sie zum Einsturz zu bringen. Warum aber berichten die Medien \u00fcber den Bus? Weil es wunderbar gr\u00e4sslich aussieht, weil man die Story an Menschen und Schicksalen aufh\u00e4ngen kann \u2014 und weil sich diese Nachricht billig produzieren l\u00e4sst. Als Folge des Newskonsums spazieren wir mit einer falschen Risikokarte in unseren K\u00f6pfen umher. Wir erfahren nicht, was an unseren Br\u00fccken eventuell falsch ist, wie wir sie in Zukunft bauen sollten, wer sich darum zu k\u00fcmmern hat.<\/p>\n<p>Newskonsumenten gewichten die meisten Themen v\u00f6llig falsch:<\/p>\n<ul>\n<li>Terrorismus wird \u00fcbersch\u00e4tzt &#8211; chronischer Stress untersch\u00e4tzt.<\/li>\n<li>Die Pleite von Lehman Brothers wird \u00fcberschatzt &#8211; Staatsverschuldung untersch\u00e4tzt.<\/li>\n<li>Britney Spears wird \u00fcbersch\u00e4tzt &#8211; die Ergebnisse der Atmosph\u00e4renforschung untersch\u00e4tzt.<\/li>\n<li>Astronauten werden \u00fcbersch\u00e4tzt \u2013 die Arbeit von Krankenschwestern untersch\u00e4tzt.<\/li>\n<li>Flugzeugabst\u00fcrze werden \u00fcbersch\u00e4tzt, die Resistenz gegen Antibiotika untersch\u00e4tzt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Wichtigkeitsempfinden, das wir aufgrund des Newskonsums entwickelt haben, unterscheidet sich krass von einer realistischen Einsch\u00e4tzung \u2014 was zu unangemessenem, systematisch falschem Verhalten f\u00fchrt. Die Risiken, von denen Sie in der Presse lesen, sind nicht die wahren Risiken. Wenn Sie einen Flugzeugzusammenprall im Fernsehen sehen, \u00e4ndert dies Ihr Risikoverhalten \u2014 obwohl ein solches Ereignis extrem selten ist und keine Verhaltens\u00e4nderung rechtfertigt. Man muss sich dieser Tatsache nur bewusst sein, sagen Sie, und News mit Verstand konsumieren? Falsch. Sie k\u00f6nnen den Hang zur \u00dcberbewertung packender Geschichten (im Wissenschaftsjargon \u201eavailability bias\u201c genannt) durch innere Kontemplation nicht wettmachen. Banker und \u00d6konomen, die m\u00e4chtige Anreize haben, newsgenerierten Risiken zu widerstehen, haben gezeigt, dass sie dazu nicht in der Lage sind. Die einzige L\u00f6sung: Klinken Sie sich vom Newskonsum vollst\u00e4ndig aus.<\/p>\n<h4>2. News sind irrelevant<\/h4>\n<p>Sie d\u00fcrften in den letzten zw\u00f6lf Monaten etwa 10.000 Kurznachrichten verschlungen haben \u2014 ca. 30 Meldungen pro Tag. Seien Sie ganz ehrlich: Nennen Sie eine davon, die es Ihnen erlaubt hat, eine bessere Entscheidung (f\u00fcr Ihr Leben, Ihre Karriere, Ihr Gesch\u00e4ft) zu treffen, als wenn Sie diese News nicht gehabt h\u00e4tten. Niemand, dem ich diese Frage gestellt habe, konnte mehr als zwei Nachrichten angeben \u2014 aus 10.000. Eine miserable Relevanzquote. Wenn ich pers\u00f6nlich zwei Jahre zur\u00fcckdenke, kann ich mich nur an eine einzige Meldung erinnern, die mir geholfen hatte: Ich fuhr zum Flughafen, wo man mir mitteilte, dass der Flug wegen eines isl\u00e4ndischen Vulkans annulliert worden sei. Und selbst diesen vergeblichen Weg machte ich nur, weil ich eine falsche Handynummer hinterlassen und mich das SMS der Fluggesellschaft nicht erreicht hatte. Darum geht es: News sind f\u00fcr das, was in Ihrem Leben wirklich z\u00e4hlt, irrelevant. Im besten Fall sind die News unterhaltsam, aber ansonsten bleiben sie nutzlos. Es ist ein bedeutender gedanklichen Schritt, dies zu realisieren. Viele schaffen ihn nicht.<br \/>\nNehmen wir an, dass Sie wider Erwarten tats\u00e4chlich eine Nachrichtenmeldung konsumiert haben, die Ihre Lebensqualit\u00e4t erh\u00f6hte \u2014 Ihr Leben w\u00e4re schlechter verlaufen, wenn Sie nichts davon mitbekommen h\u00e4tten. Wie viel Schrott musste Ihr Hirn verdauen, um zu diesem einen Kleinod zu gelangen? Viele werfen ein \u201eMan darf das nicht so schwarz-wei\u00df malen. Es gibt einen Mittelweg: N\u00e4mlich gute Selektion von Inhalten. Konsumieren Sie nur, was wirklich gut ist, und lassen Sie alles andere auf der Seite.\u201c Doch im vornhinein k\u00f6nnen wir den Wert einer Nachricht nicht absch\u00e4tzen. Um zu beurteilen, ob es sich lohnt, eine Schlagzeile zu lesen, m\u00fcssen wir sie lesen \u2014 was uns zwingt, das ganze Newsbuffet zu verdauen.<\/p>\n<p>Also \u00fcberlassen wir die Selektion des Wichtigsten den Journalisten? Wie gut sind Journalisten im Aufsp\u00fcren und filtern wichtiger Ereignisse? 1914 stellte die Ermordung des \u00f6sterreichischen Thronfolgens in Sarajevo angesichts ihrer weitweiten Bedeutung alle anderen Nachrichten in den Schatten. Doch den Mord in Sarajevo war in jenem Jahr blo\u00df eine von hunderttausend Meldungen, die feilgeboten wurden. Kein Newsunternehmen ma\u00df der historisch folgenreichen Ermordung in den darauffolgenden Wochen besondere Bedeutung zu.<br \/>\nEin aktuelleres Beispiel: Den erste Internetbrowser kam 1993 auf den Markt \u2014 nach (oder vielleicht sogar vor) den Atombombe die folgenreichste Erfindung des 20. Jahrhunderts. In die Schlagzeilen schaffte es \u201eMosaic\u201c \u2014 so hie\u00df der Browser \u2014 nicht. Will hei\u00dfen: Weder Journalisten noch wir Newskonsumenten sind mit Sinnesorganen f\u00fcr Relevanz ausgestattet. Aber was bedeutet Relevanz \u00fcberhaupt? Es bedeutet: Was f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich wichtig ist. Relevanz ist eine pers\u00f6nliche Sache. Relevanz kommt weder vom Staat noch vom Papst, noch von Ihrem Vorgesetzten oder Therapeuten. Und verwechseln Sie sie ja nicht mit der Sicht den Medien. F\u00fcr die Medien ist alles relevant, was Aufmerksamkeit verspricht \u2014 Darfour, Paris Hilton, ein Zugungl\u00fcck in China, irgendwelche idiotischen Weltrekorde (einer verschlang 78 Cheeseburger in einer Stunde). Dieser Schwindel steht im Zentrum des Gesch\u00e4ftsmodells der Newsindustrie: Sie versorgt uns mit irrelevanten News, die sie uns als relevant verkauft. Und wir sind unten einem gro\u00dfen kognitiven Aufwand gezwungen, das Neue zugunsten des Relevanten einzutauschen. Nachrichtenorganisationen wollen Sie glauben machen, dass sie Ihnen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Viele fallen darauf herein. In Wirklichkeit ist der Newskonsum kein Wettbewerbsvorteil, sondern ein Wettbewerbsnachteil. Falls Newskonsum Sie tatsachlich weiterbringen w\u00fcrde, st\u00fcnden die Journalisten an der Spitze der Einkommenspyramide. Tun sie aber nicht, im Gegenteil. Wir wissen nicht, was Leute erfolgreich macht &#8211; die Anh\u00e4ufung von Newsh\u00e4ppchen geh\u00f6rt sicher nicht dazu.<br \/>\nSie haben trotzdem Angst, etwas Wichtiges zu verpassen? Meine Erfahrung: Wenn etwas wirklich Wichtiges geschieht, erfahren Sie davon, selbst wenn Sie in einem newsgesch\u00fctzten Kokon leben. Familie, Freunde und Kollegen \u2014 also der soziale Filter \u2014 werden Ihnen zuverl\u00e4ssiger als alle Newsunternehmen \u00fcber die relevanten Ereignisse berichten. Sie werden sogar den Zusatznutzen der Metainformation haben: Sie kennen die Priorit\u00e4ten Ihrer Freunde und wissen, wie sie denken. Noch mehr erfahren Sie \u00fcber wirklich relevante Ereignisse und Ver\u00e4nderungen, indem Sie einschl\u00e4gige Zeitschriften, lange, fundierte Magazine oder gute B\u00fccher lesen.<br \/>\nUnd indem Sie mit Menschen reden, die sich intensiv mit dem Thema befassen. Wie finden Sie dieses Wissen denn? Wenn ich aus B\u00fcchern oder Internetquellen nicht schlau werde, vereinbare ich einen Termin mit einem Forscher der Uni oder ETH. Ich rufe an oder schreibe eine E-Mail, ohne Hemmungen \u2014 immerhin arbeiten diese Menschen mit unseren Steuergeldern. Ich bin immer wieder erstaunt, wie offen und hilfsbereit Forscher und Professoren sind.<\/p>\n<h4>3. News schr\u00e4nken das Verst\u00e4ndnis ein<\/h4>\n<p>News haben keine Erkl\u00e4rungskraft. Kurzmeldungen sind wie kleine Blasen, die an der Oberfl\u00e4che einer komplexen Welt zerplatzen. Umso absurder, dass sich Newsunternehmen viel darauf einbilden, korrekt \u00fcber Tatsachen zu berichten. Diese Tatsachen sind aber meist nichts anderes als Neben- und Folgeerscheinungen tieferliegender Ursachen. Newsunternehmen und Newskonsumenten erliegen demselben Irrtum: Die Aneinanderreihung von Tatsachen wird mit der Einsicht in die Funktionszusammenhange der Welt verwechselt. Eigentlich sollten wir die Generatoren verstehen, die dem sichtbaren Geschehen zugrunde liegen. Leider schaffen es erschreckend wenige Journalisten, Kausalzusammenh\u00e4nge zu erkl\u00e4ren. Denn die Prozesse, die bedeutende kulturelle, wirtschaftliche, politische und \u00f6kologische Str\u00f6mungen lenken, sind zumeist unsichtbar. Sie sind komplex, nichtlinear und f\u00fcr unsere Gehirne schwer verdaulich. Darum haben es die Newsunternehmen auf den leichten Stoff abgesehen, die Anekdoten, Skandale, People-Geschichten und Bilder \u2014 die sind billig zu produzieren und leicht zu verdauen. News zu konsumieren, um \u201edie Welt zu verstehen\u201c, ist schlimmer, als \u00fcberhaupt keine News zu konsumieren. Am besten verzichten Sie g\u00e4nzlich auf die t\u00e4gliche Newszufuhr. Lesen Sie B\u00fccher, Buchzusammenfassungen und anregende Zeitschriften mit langen Artikeln, die der Komplexit\u00e4t der Welt gerecht werden. Keine funkelnden Schlagzeilen.<\/p>\n<h4>4. News sind Gift f\u00fcr Ihren K\u00f6rper<\/h4>\n<p>News halten den Sympathikus \u2014 Teil des vegetativen Nervensystems \u2014 auf Trab. Jede beunruhigende Story f\u00fchrt zur Aussch\u00fcttung kleiner Mengen des Stresshormons Cortisol. Cortisol gelangt in die Blutbahn, schw\u00e4cht Ihr Immunsystem und hemmt die Aussch\u00fcttung von Wachstumshormonen. Wenn Sie laufend News verdauen, befindet sich Ihr K\u00f6rper in einem chronischen Stresszustand. Das wiederum f\u00fchrt zu Verdauungs- und Wachstumsst\u00f6rungen (Zellen, Haare, Knochen), zu Nervosit\u00e4t und Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Infektionen. Kurzum, Newskonsumenten setzen ihre physische Gesundheit aufs Spiel. Und nicht nur diese: Andere potentielle Nebenwirkungen sind Angstzust\u00e4nde, Aggressivit\u00e4t, Tunnelblick und emotionale Unempfindlichkeit.<\/p>\n<h4>5. News verst\u00e4rken systematische Denkfehler<\/h4>\n<p>News n\u00e4hren den Vater aller Denkfehler: den Best\u00e4tigungsirrtum (confirmation bias). Wir blenden Hinweise, die unseren Vorarteilen widersprechen, automatisch aus und sind \u00fcberempf\u00e4nglich f\u00fcr Nachrichten, die unsere \u00dcberzeugungen best\u00e4tigen. In den Worten von Warren Buffet: \u201eDie gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke des Menschen ist es, alle neuen Informationen so zu interpretieren, dass die vorangehenden Aussagen g\u00fcltig bleiben.\u201c Newskonsum versch\u00e4rft diese menschliche Schw\u00e4che. Warum? Weil wir aus einer unendlichen Menge an Nachrichten immer genug finden, am unsere Theorien \u2014 und seien sie noch so falsch \u2014 zu zementieren. Die Folge: Wir neigen zu Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung, gehen idiotische Risiken ein und verpassen gute Gelegenheiten. News f\u00f6rdern nicht nur den Best\u00e4tigungsirrtum sie versch\u00e4rfen dar\u00fcber hinaus einen weiteren kognitiven Fehler: den Geschichtenirrtum (story 0bias). Unser Hirn sehnt sich nach Geschichten, die \u201eSinn machen\u201c &#8211; ob sie der Wirklichkeit entsprechen, ist nebensachlich. Journalisten versorgen uns gern mit solchen Pseudogeschichten. Statt zu berichten, dass der Aktienmarkt um zwei Prozent gesunken (oder gestiegen) ist, erz\u00e4hlen uns die Reporter: \u201eDer Markt ist um zwei Prozent gesunken wegen X. Dieses X kann die Erwartung eines Bankgewinns sein, die Angst um den Euro, die Bekanntgabe von Arbeitsmarktstatistiken, eine Entscheidung der Notenbank, ein Terroranschlag, ein Streik der Untergrundbahnen in New York, ein Handschlag zwischen zwei Pr\u00e4sidenten, was auch immer.<br \/>\nDies erinnert mich an meine Gymnasialzeit. Mein Geschichtslehrbach nannte drei Grunde (nicht zwei, nicht sieben) f\u00fcr den Ausbrach der Franz\u00f6sischen Revolution. Tatsache ist: Wir wissen nicht, warum es zur Franz\u00f6sischen Revolution kam, und vor allem nicht, warum es genau 1789 soweit war. Genauso wenig wissen wir, warum sich der Aktienmarkt so entwickelt, wie er sich eben gerade entwickelt. Zu viele Faktoren spielen hinein. Wir wissen nicht, warum ein Krieg ausbricht, warum es zu einem technologischen Durchbruch kommt oder warum der Silberpreis in die H\u00f6he schnellt. Jeder Journalist, der schreibt \u201eDer Markt hat sich so entwickelt wegen X\u201c oder \u201eDas Unternehmen ging in Bankrott wegen Y\u201c, ist entweder ein Dummkopf \u2014 oder er wei\u00df ganz genau, dass er seinen Lesern etwas vormacht. Gewiss, X und Y m\u00f6gen kausalen Einfluss haben, aber dieser ist keineswegs bewiesen, ganz abgesehen davon, dass andere Einfl\u00fcsse vielleicht viel st\u00e4rker sind. In weitem Ma\u00dfe bestehen Newsberichte blo\u00df aus Geschichten und Anekdoten, die als zusammenh\u00e4ngende Analysen verkauft werden. Ich habe die Nase voll von dieser billigen Art und Weise, die Welt zu erkl\u00e4ren. Sie ist unsachgem\u00e4\u00df. Sie ist irrational. Sie ist schlicht falsch. Und ich will nicht, dass diese billigen Erkl\u00e4rungen mein Denken beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<h4>6. News hemmen das Denken<\/h4>\n<p>Denken braucht Konzentration, Konzentration braucht ungest\u00f6rte Zeit. Wenn Sie sich dem Pseudofaktenstrom \u00f6ffnen, geht Ihre Konzentrationsf\u00e4higkeit unter. News machen seichte Denker aus uns. Aber nicht nur das. Sie beeintr\u00e4chtigen unser Ged\u00e4chtnis. Es gibt zwei Arten von Ged\u00e4chtnis. Das Langzeitged\u00e4chtnis hat eine nahezu unendliche Speicherkapazit\u00e4t, w\u00e4hrend das Arbeitsged\u00e4chtnis auf eine Minimalmenge glatter Daten begrenzt ist (versuchen Sie mal, eine zehnstellige Telefonnummer zu wiederholen, nachdem Sie sie blo\u00df einmal geh\u00f6rt haben). Der Weg vom Arbeits- zum Langzeitged\u00e4chtnis f\u00fchrt an einer Art Nadel\u00f6hr im Hirn vorbei; was auch immer Sie verstehen m\u00f6chten, es muss diesen Punkt passieren. Das geht bei abstrakten Informationen nur \u00fcber Konzentration. Weil News die Konzentration st\u00f6ren, schw\u00e4chen sie aktiv das Verstehen.<br \/>\nSie reisen nicht f\u00fcr eine Minute nach Paris. Sie rennen nicht in drei\u00dfig Sekunden durch das Museum of Modern Art. Warum nicht? Well Ihr Hirn eine Aufw\u00e4rmphase braucht, um f\u00fcr neue, starke Eindr\u00fccke \u00fcberhaupt empf\u00e4nglich zu sein. Um Konzentration beim Lesen aufzubauen, m\u00fcssen Sie der Lekt\u00fcre mindestens zehn Minuten widmen. Steht weniger Zeit zur Verf\u00fcgung, verarbeitet Ihr Gehirn die Informationen blo\u00df oberfl\u00e4chlich und kann sie nicht speichern. Fragen Sie sich mal: Welches sind die wichtigsten zehn Newsmeldungen des letzten Monats (die heute nicht mehr in den News sind)? Wenn Sie so ticken wie die meisten Menschen, gelingt es Ihnen nicht, auch nur f\u00fcnf aufzuz\u00e4hlen. Warum also sollten Sie etwas konsumieren, das nichts zu Ihrem Wissen beitr\u00e4gt? Die schlimmsten News sind \u00fcbrigens Online-News: Eine Studie (Nicholas Carr: \u201eThe Web Shatters Focus, Rewires Brains\u201c, Wired, May 2010) hat gezeigt, dass das Textverst\u00e4ndnis abnimmt, je mehr Hyperlinks ein Dokument hat. Warum? Well Ihr Hirn bei jedem Link entscheiden muss, ob Sie darauf klicken sollen oder nicht, was eine st\u00e4ndige Ablenkung bedeutet.<\/p>\n<h4>7. News ver\u00e4ndern die Struktur Ihres Gehirns<\/h4>\n<p>Ihr Hirn besteht aus 100 Milliarden Neuronen (Nervenzellen), die durch mehr als 100 Billionen Synapsen miteinander verbunden sind. Die Wissenschaft ging lange davon aus, dass das Hirn komplex ausgebildet ist, wenn wir das Erwachsenenalter erreicht haben. Heute wissen wir, dass es st\u00e4ndig umgeformt wird. Nervenzellen brechen routinem\u00e4\u00dfig alte Verbindungen ab und bilden neue (genauer: die Rezeptoren an den Synapsen ver\u00e4ndern ihre Sensitivit\u00e4t). Wenn wir uns von einem neuen kulturellen Ph\u00e4nomen wie beispielsweise der Newsschwemme \u00fcberfluten lassen, so finden wir uns am Ende mit einem physisch andern Denkapparat wieder. Gehirnw\u00e4sche, buchst\u00e4blich.<br \/>\nDie Anpassung an News vollzieht sich tats\u00e4chlich auf der Ebene der Biologie. News verkabeln uns neu. Unser Hirn arbeitet anders, selbst wenn wir gerade keine News konsumieren. Je mehr News wir konsumieren, desto mehr trainieren wir neuronale Schaltkreise, die auf das \u00dcberfliegen von Informationen und auf Multitasking angelegt sind. Gleichzeitig werden jene Schaltkreise atrophiert, die f\u00fcr vertiefte Lekt\u00fcre und tiefgr\u00fcndiges Denken n\u00f6tig sind. Ich stelle immer wieder fest, dass die meisten Newskonsumenten \u2014 selbst wenn sie einst leidenschaftliche B\u00fccherleser waren \u2014 nicht mehr die F\u00e4higkeit haben, l\u00e4ngere Artikel oder B\u00fccher zu lesen. Nach vier, f\u00fcnf Seiten werden sie m\u00fcde, ihre Aufmerksamkeit schwindet und sie werden unruhiger. Nicht, weil sie \u00e4lter wurden oder ihr Zeitplan straffer. Vielmehr hat sich die physische Struktur ihre Hirns ver\u00e4ndert. In den<br \/>\nWorten von Michael Merzenic (University of California San Francisco): \u201eWir trainieren unsere Hirne daf\u00fcr, irgendwelchem Mist Aufmerksamkeit zu schenken.\u201c Vertiefte Lekt\u00fcre ist unl\u00f6sbar mit tiefem Denken verkn\u00fcpft. Wenn Sie die F\u00e4higkeit zur\u00fcckgewinnen wollen, sich zu konzentrieren und sich in ein Thema zu versenken, f\u00fchrt kein Weg an einer newsfreien geistigen Di\u00e4t vorbei. Nach meiner Erfahrung braucht das Hirn etwa ein Jahr Newsabstinenz, bis es wieder die Struktur hat, um lange Texte erm\u00fcdungsfrei aufzunehmen.<\/p>\n<h4>8. News sind Zeitverschwendung<\/h4>\n<p>News verursachen exorbitante Kosten, weil sie Zeitverschwendung sind &#8211; und das gleich in dreierlei Hinsicht. Da ist erstens die Zeit, die der Konsum von News verschlingt &#8211; also die Zeit, die Sie verschwenden, indem Sie News lesen, h\u00f6ren oder am Fernsehen verfolgen. Zweitens ist da die Neufokussierung \u2014 das sind die Umschaltungskosten, die Zeit also, die Sie verlieren, bis Sie zur T\u00e4tigkeit zur\u00fcckfinden, die Sie verrichteten, bevor die Nachrichten Sie abgelenkt hatten. Sie m\u00fcssen Ihre Gedanken wieder sammeln. Drittens beeintr\u00e4chtigen News Ihre Aufmerksamkeit auch noch, nachdem Sie die Schlagzeilen des Tages konsumiert haben. Newsgeschichten und -bilder geistern noch Stunden sp\u00e4ter in Ihrem Kopf herum und unterbrechen immer wieder Ihren Gedankenfluss. Eine kleine Rechnung: Wenn Sie am Morgen die Zeitung lesen, am Mittag 15 Minuten lang die Schlagzeilen im Radio h\u00f6ren und sich am Abend die \u201eTagesschau\u201c reinziehen, haben Sie wertvolle Zeit vernichtet. Z\u00e4hlen Sie ein bisschen Online-News w\u00e4hrend der Arbeit, f\u00fcnf Minuten Informationsbeschaffung hier und da und die Zeit f\u00fcr die Refokussierung hinzu, so kommen Sie schnell auf eine Stunde pro Tag. Im Verlauf einer Woche verlieren Sie zwischen einem halben und einem ganzen Tag. Warum tun Sie sich das an?<br \/>\nGlobal betrachtet, ist der Verlust an Produktivit\u00e4t immens. Nehmen Sie die Terroranschl\u00e4ge in Mumbai im Jahr 2008. Terroristen t\u00f6teten in einem Akt k\u00fchler Geltungssucht 200 Menschen. Stellen Sie sich vor, dass eine Milliarde Menschen durchschnittlich eine Stunde ihrer Aufmerksamkeit auf die Trag\u00f6die in Mumbai verwendeten: Sie haben die News verfolgt und sich das Geplapper irgendwelcher \u201eExperten\u201c und \u201eKommentatoren\u201c im Fernsehen angeschaut. Eine durchaus realistische Sch\u00e4tzung. Denn Indien allein hat mehr als eine Milliarde Einwohner. Viele von ihnen d\u00fcrften den ganzen Tag damit verbracht haben, das Drama zu verfolgen. Doch rechnen wir konservativ. Eine Milliarde Menschen mal eine Stunde Ablenkung ergibt eine Milliarde Stunden Ablenkung, was mehr als 100.000 Jahren entspricht. Die Lebenserwartung eines Menschen betr\u00e4gt im globalen Durchschnitt 66 Jahre. Durch Newskonsum wurden also an die 2.000 Menschenleben vernichtet. Zehnmal mehr, als durch das Attentat ums Leben kamen. In einem gewissen Sinn sind die Nachrichtenorganisationen so zu unfreiwilligen Erf\u00fcllungsgehilfen der Terroristen geworden. Noch extremer verh\u00e4lt es sich mit der verlorenen Zeit, als Michael Jackson starb \u2013 kein wirklicher Gehalt in den Nachrichten und Millionen vergeudete Stunden.<br \/>\nInformation ist nicht l\u00e4nger eine knappe Ressource \u2013 Aufmerksam hingegen schon. Warum gehen Sie so unverantwortlich mit ihr um? Mit Ihrer Gesundheit, Ihrem Ruf oder Ihrem Geld sind Sie auch nicht so verschwenderisch.<\/p>\n<h4>9. News unterh\u00f6hlen die Beziehung zwischen Ruhm und Leistung<\/h4>\n<p>Eine funktionierende Gesellschaft erfordert, dass Menschen miteinander kooperieren. Der Ruf einer Person ist ein Signal, das etwas \u00fcber deren Qualit\u00e4t als Kooperationspartner aussagt. Leider ist dieses Signal in der medialen Welt unzuverl\u00e4ssig geworden. In unserer evolution\u00e4ren Vergangenheit stand der Ruhm einer Person in direkter Beziehung zu ihren Leistungen. Wer einen Tiger mit eigenen H\u00e4nden erlegte, fand entsprechendes Ansehen.<br \/>\nMit den News begann der kuriose Begriff der Prominenz unsre Gesellschaft zu durchdringen. Doch der Ruhm der Prominenten f\u00fchrt uns in die Irre: Leute werden aus Gr\u00fcnden bekannt, die sowohl f\u00fcr die Gesellschaft als auch f\u00fcr unser Leben vollkommen bedeutungslos sind. Die Medien verleihen Fernsehstars und Talkshow-Hosts aus nichtigen Gr\u00fcnden \u201eProminenz\u201c und unterh\u00f6hlen so die Beziehung zwischen Ruhm und Leistung. Das w\u00e4re an sich nicht schlimm. Bedauerlich ist jedoch, dass Prominenz den Ruhm jener verdr\u00e4ngt (crowding out), die tats\u00e4chlich etwas Wertvolles leisten.<\/p>\n<h4>10. News werden von Journalisten gemacht<\/h4>\n<p>Gute Journalisten nehmen sich Zeit f\u00fcr ihre Artikel. Sie \u00fcberpr\u00fcfen Fakten, sind darum bem\u00fcht, die Komplexit\u00e4t eines Sachverhalts abzubilden und die Dinge zu Ende zu denken. Aber wie in jedem Beruf gibt es auch im Journalismus inkompetente Genossen, die sich nicht die Zeit f\u00fcr tiefgehende Analysen nehmen oder denen die F\u00e4higkeit dazu fehlt. Als Medienkonsument k\u00f6nnen Sie meistens nicht zwischen den beiden unterscheiden.<br \/>\nMeine Sch\u00e4tzung: weniger als 10 Prozent der Newsgeschichten sind origin\u00e4r. Weniger als 1 Prozent sind investigativ. Und h\u00f6chstens einmal alle 50 Jahre decken Journalisten einen Watergateskandal auf. Der track record des Journalismus f\u00fcr neue Erkenntnisse ist schlecht. Sehr schlecht. Viele Reporter klauben ihre News von Berichten anderer Journalisten zusammen, von Gemeinpl\u00e4tzen, oberfl\u00e4chlichem Denken und was auch immer sie im Internet finden m\u00f6gen. Einige Journalisten schreiben auch einfach von anderen ab oder beziehen sich auf alte Berichte, ohne den zwischenzeitlichen Ver\u00e4nderungen Rechnung zu tragen. Das Abschreiben und das Abschreiben von Abschriften vervielf\u00e4ltigen die Fehler in den Artikeln und erh\u00f6hen deren Irrelevanz. So l\u00e4sst sich denn John Kenneth Galbraiths Spruch \u00fcber die \u00d6konomen auf die Journalisten \u00fcbertragen: \u201e Sogenannter Journalismus ist eine extrem praktische Form der Besch\u00e4ftigung f\u00fcr Journalisten.\u201c<\/p>\n<h4>11. Berichtete Tatsachen sind manchmal, Prognosen immer falsch<\/h4>\n<p>\u201eThe New Yorker\u201c ist eine Zeitschrift, die daf\u00fcr bekannt ist, alle Fakten akribisch zu pr\u00fcfen. Wir in einem Artikel das Empire State Building erw\u00e4hnt, geht jemand von der Faktenpr\u00fcfabteilung (factchecking department) an die frische Luft, um sich mit den eigenen Augen davon zu \u00fcberzeugen, dass das Geb\u00e4ude noch steht. Die Geschichte ist kolportiert, aber sie weist auf etwas Wichtiges hin: Fehler passieren selbst den besten Journalisten. Heutzutage ist der Faktenpr\u00fcfer in den meisten Medienorganisationen eine vom Aussterben bedrohte Spezies.<br \/>\nFalsche Informationen sind das eine. Das andere sind falsche Vorhersagen: \u201eRegimewechsel in Nordkorea in den n\u00e4chsten zwei Jahren\u201c, Argentinische Weine bald beliebter als franz\u00f6sische\u201c, \u201edie Eurozone wird auseinanderbrechen\u201c, Weltraumspazierg\u00e4nge f\u00fcr jedermann in zehn Jahren\u201c, \u201eKein Roh\u00f6l mehr in 15 Jahren\u201c, \u201eJapan wird als erstes Land ein Durchschnittsalter von 100 Jahren erreichen\u201c. T\u00e4glich bombardieren uns Journalisten, \u201eExperten\u201c und \u201eKommentatoren\u201c mit ihren Prognosen. Wie verl\u00e4sslich sind sie? Bis vor wenigen Jahren hat sich niemand die M\u00fche gemacht, deren Qualit\u00e4t zu \u00fcberpr\u00fcfen. Dann kam Philip Tetlock. Der Berkeley-Professor lie\u00df \u00fcber einen Zeitraum von zehn Jahren 82.361 Vorhersagen auswerten. Das Resultat: die Vorhersagen h\u00e4tten genauso gut zuf\u00e4llige Aussagen sein k\u00f6nnen. Jene \u201eExpertenprognosen\u201c, die die h\u00f6chste Medienaufmerksamkeit hatten, waren besonders unzuverl\u00e4ssig. Warum also sollten wir diesen Ramsch konsumieren?<br \/>\nHaben die Zeitungen den Ersten Weltkrieg vorausgesagt? Die Gro\u00dfe Depression? Die sexuelle Revolution? Den Zusammenbruch der Sowjetunion? Den Aufstieg des Internets? Die Resistenz gegen Antibiotika? Den Fall der europ\u00e4ischen Geburtenraten? Die Unruhen in Tunesien? Oder die explosionsartige Zunahme von Depressionen? Haben sie nicht. Okay, vielleicht finden sich zuf\u00e4llig zwei, drei korrekte Voraussagen in einem Meer von falschen, doch das kommt einer Nullaussage gleich. Gl\u00fccklicherweise gibt es einen angenehmeren Weg, um zu gleichwertigen Prognosen zu kommen: Klinken Sie sich aus dem News-Zirkus aus und w\u00fcrfeln Sie. Noch besser als W\u00fcrfeln sind die Lekt\u00fcre von B\u00fcchern, langen Artikeln und das Selberdenken.<\/p>\n<h4>12. News manipulieren<\/h4>\n<p>Die evolution\u00e4re Vergangenheit hat uns mit einem guten Gesp\u00fcr daf\u00fcr ausgestattet, Schwachsinn in der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht zu entlarven. Unbewusst st\u00fctzen wir uns auf verschiedene Hinweise, um Manipulationen aufzusp\u00fcren &#8211; Hinweise jenseits der verbalen Botschaft: Gesten,<br \/>\nGesichtsausdr\u00fccke und Anzeichen der Nervosit\u00e4t wie zitternde H\u00e4nde, Err\u00f6ten und K\u00f6rpergeruch. Als wir in kleinen Menschengruppen lebten, kannten wir fast immer den Hintergrund des Boten. Informationen kamen mit einem umfangreichen Set an Metadaten daher. Heute allerdings ist es schwierig und energieraubend, unvoreingenommene Newsgeschichten von solchen zu unterscheiden, die einen Hintergedanken verfolgen.<br \/>\nDie PR-Industrie ist so gro\u00df wie die News-Industrie &#8211; der beste Beweis daf\u00fcr, dass Journalisten und Konsumenten manipuliert, beeinflusst oder f\u00fcr eine Sache eingenommen werden k\u00f6nnen. Unternehmen, Interessengruppen und andere Organisationen w\u00fcrden nicht solche Summen f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit ausgeben, wenn sie keinen Erfolg h\u00e4tten. Wenn PR-Berater sogar Journalisten manipulieren k\u00f6nnen \u2014 die meist eine berufsbedingte Skepsis gegen\u00fcber m\u00e4chtigen Organisationen haben &#8211; warum glauben Sie dann, dass Sie ihrer geschickten Einflussnahme entgehen k\u00f6nnen?<br \/>\nNehmen wir die Geschichte der Krankenschwester Nayirah. Es handelt sich um eine 15-j\u00e4hrige Kuwaiterin, die vor dem amerikanischen Kongress im Vorfeld des Golfkriegs von 1991 aussagte. Sie wollte beobachtet haben, wie irakische Soldaten in ihrem Spital in Kuwait S\u00e4uglinge get\u00f6tet hatten. Fast jedes Medium berichtete \u00fcber die Geschichte. Das amerikanische Publikum war au\u00dfer sich. Die Story trug dazu bei, dass der Kongress dem Krieg zustimmte. Nayirahs Zeugnis, das damals alle Medien als glaubw\u00fcrdig einsch\u00e4tzten, wurde sp\u00e4ter als von langer Hand geplante Kriegspropaganda entlarvt.<br \/>\nEin weiterer Aspekt der Manipulation: Journalisten formen so etwas wie ein gemeinsames Bild der Welt und ein gemeinsames Set von Geschichten, um die Welt zu beschreiben \u2014 und bestimmen damit zu einem gro\u00dfen Teil die \u00f6ffentliche Agenda. Aber halt \u2014 wollen wir wirklich, dass die Angestellten eines kleinen Wirtschaftszweigs die \u00f6ffentliche Agenda bestimmen?<\/p>\n<h4>13. News machen uns passiv<\/h4>\n<p>Newsgeschichten befassen sich zur gro\u00dfen Mehrheit mit Dingen, die Sie nicht beeinflussen k\u00f6nnen. Die t\u00e4gliche Wiederholung von News \u00fcber Dinge, die wir nicht \u00e4ndern k\u00f6nnen, macht uns passiv. Wir werden zermalmt, bis wir am Ende eine pessimistische und fatalistische Weltsicht haben. Wenn das Hirn auf zweideutige Information trifft, ohne handeln zu k\u00f6nnen, nehmen wir eine Opferrolle ein. Der wissenschaftliche Begriff daf\u00fcr ist \u201elearned helplessness\u201c (angelernte Hilflosigkeit). Es mag eine forcierte Interpretation sein, aber es w\u00fcrde mich nicht erstaunen, wenn der Newskonsum seinen Teil zur Zivilisationskrankheit Depression beitr\u00fcge. Zeitlich betrachtet, f\u00e4llt die Verbreitung von Depressionen jedenfalls genau mit dem Wachsturn und der Bl\u00fcte der Massenmedien zusammen.<\/p>\n<h4>14. News t\u00f6ten die Kreativit\u00e4t<\/h4>\n<p>Pseudowissen schr\u00e4nkt unsere Kreativit\u00e4t em. Das ist einer der Grunde, weshalb Mathematiker, Schriftsteller, Komponisten und Unternehmer ihre kreativsten Leistungen zumeist in jungen Jahren hervorbringen. Ihre Gedanken fuhren durch einen weiten, unbewohnten Raum, was sie ermutigt, neuartige Ideen zu entwickeln und zu verfolgen.<br \/>\nIch kenne keinen einzigen kreativen Kopf, der ein News-Junkie ist &#8211; keinen Schriftsteller, keinen Komponisten, keinen Mathematiker, keinen Physiker, keinen Wissenschaftler, keinen Musiker, keinen Designer, keinen Architekten oder Maler. Anderseits kenne ich einen Haufen extrem unkreativer K\u00f6pfe, die News in rauen Mengen konsumieren.<br \/>\nDie kreativit\u00e4tszerst\u00f6rende Wirkung der News mag aber auch mit einer ganz simplen Sache zu tun haben, die wir zuvor betrachtet haben: Konzentration. Wer durch News abgelenkt wird, kann keine neuen Ideen hervorbringen. Fazit: Wenn Sie an alten L\u00f6sungen festhalten wollen, sollten Sie News konsumieren. Wenn Sie auf der Suche nach neuen L\u00f6sungen sind, sollten Sie auf Newskonsum verzichten.<\/p>\n<h4>15. News geben uns die Illusion von Mitgef\u00fchl<\/h4>\n<p>News lullen uns ein in ein warmes, globales Gef\u00fchl. Wir alle sind Weltb\u00fcrger. Wir alle sind miteinander verbunden. Der Planet ist ein globales Dorf. Wir singen \u201eWe are the World\u201c und schwenken die kleine Flamme unseres Feuerzeugs in perfekter Harmonie mit Tausenden von anderen. Das gibt uns ein angenehm flauschiges Mitgef\u00fchl \u2014 was uns oder die Welt freilich \u00fcberhaupt nicht weiterbringt. Dieser Zauber einer allumfassenden, weitweiten Verbundenheit ist ein gigantischer Selbstbetrug. Tatsache ist, dass nicht der Newskonsum uns mit anderen Menschen verbindet; wir sind miteinander verbunden, weil wir kooperieren, Handel treiben oder (in Ausnahmef\u00e4llen) gegeneinander Krieg f\u00fchren.<br \/>\nWann immer ich von meiner Newsdi\u00e4t berichte, kommt unweigerlich der Vorwurf: \u201eAber Sie nehmen ja gar nicht am Leiden der \u00c4rmsten der Welt teil, an den Kriegsgeschehnissen und Gr\u00e4ueltaten.\u201c Meine Antwort: Erstens, muss ich denn das? Vielleicht passieren noch viel gr\u00f6\u00dfere Gr\u00e4ueltaten auf anderen Planeten. M\u00fcsste ich an diesen nicht auch teilnehmen? Zweitens, \u201eteilnehmen durch Medienkonsum\u201c \u2014 gibt es einen gr\u00f6\u00dferen Selbstbetrug? Echte Teilnahme ist Handeln. Sich am eigenen Mitgef\u00fchl aufgeilen, indem man in der Tagesschau haitianischen Erdbebenopfern dabei zuschaut, wie sie aus den Tr\u00fcmmern hervorkriechen, ist einfach nur widerlich.<\/p>\n<h4>Was Sie stattdessen tun sollten<\/h4>\n<p>Leben Sie ohne News. Klinken Sie sich aus. Radikal. Erschweren Sie sich selbst den Zugang zu News, so gut es geht. L\u00f6schen Sie die News-Apps auf Ihrem iPhone. Verkaufen Sie Ihren Fernseher. Greifen Sie nicht nach Zeitungen und Zeitschriften, die in den Flugh\u00e4fen und Z\u00fcgen herumliegen. Lenken Sie Ihren Blick von den Schlagzeilen ab. L\u00f6schen Sie alle Newsseiten aus der Lieblingsliste Ihres Browsers. W\u00e4hlen Sie als Startseite Ihres Browsers kein Newsportal. Entscheiden Sie sich stattdessen f\u00fcr eine Seite, die sich nie \u00e4ndert; je langweiliger, desto besser.<br \/>\nWenn Sie die Illusion aufrechterhalten m\u00f6chten, \u201enichts Wichtiges zu verpassen\u201c, schlage ich vor, dass Sie einmal pro Woche die Seite mit den Zusammenfassungen des \u201eEconomist\u201c \u00fcberfliegen. Verwenden Sie nicht mehr als f\u00fcnf Minuten daf\u00fcr. Lesen Sie lange Artikel, B\u00fccher und Buchzusammenfassungen, die nicht davor zur\u00fcckschrecken, die Komplexit\u00e4t der Welt darzustellen \u2014 Science, Nature, The New Yorker, The Atlantic Monthly, getAbstract, Brandeins, Schweizer Monat, ja auch Firmenpublikationen wie die Anlagekommentare der Bank Wegelin oder der Private Markets Navigator der Partners Group. Die Welt ist nun mal komplex. Versuchen Sie, ein Buch pro Woche zu lesen, besser noch: zwei oder drei. Geschichte ist gut, Biologie, Psychologie. Besuchen Sie die kostenlosen Kurse im Internet \u2014 viele haben Weltklasseniveau: iTunes-University, Khanacademy und AcademicEarth. So werden Sie die Mechanismen verstehen, die der Welt zugrunde liegen. Gehen Sie in die Tiefe statt in die Breite. Befassen Sie sich mit Inhalten, die Sie wirklich interessieren. Lesen Sie mit Freude.<br \/>\nDie erste Woche Ihrer Newsdiat wird die schlimmste sein. Die News nicht abzurufen, erfordert viel Disziplin. Am Anfang werden Sie sich ausgeschlossen oder sogar sozial isoliert f\u00fchlen. Sie werden jeden Tag versucht sein, einen Blick auf Ihre liebsten Newsportale im Internet zu werfen. Widerstehen Sie der Versuchung. Halten Sie an Ihrem Plan einer radikalen Newsdi\u00e4t fest. Leben Sie 30 Tage ohne News. Danach werden Sie ein Gef\u00fchl der Gelassenheit und der inneren Ruhe versp\u00fcren. Sie werden feststellen, dass Sie viel mehr Zeit haben, konzentrierter sind und die Welt besser verstehen. Nach einer Weile erkennen Sie, dass Sie trotz Ihrer pers\u00f6nlichen Newsabstinenz weder relevante Fakten verpasst haben noch welche verpassen werden. Wenn eine Information wirklich wichtig f\u00fcr Ihren Beruf, Ihr Unternehmen oder Ihre Familie ist, werden Sie fr\u00fch genug davon erfahren \u2014 von Ihren Freunden, Ihrer Schwiegermutter oder von jemand anderem, mit dem Sie sich unterhalten. Wenn Sie Ihre Freunde treffen, fragen Sie sie, ob etwas Wichtiges in der Welt geschehen sei. Die Frage ist ein idealer Gespr\u00e4chsbeginn. Die Antwort ist zumeist: \u201eeigentlich nicht\u201c.<br \/>\nHaben Sie Angst davor, dass Sie durch Ihre newsfreie Existenz an Partys ausgesto\u00dfen werden? Nun, Sie wissen vielleicht nicht, dass Lindsay Lohan ins Gef\u00e4ngnis musste, aber Sie haben mehr intelligente Fakten, die Sie mit anderen teilen k\u00f6nnen \u2014 \u00fcber die kulturelle Bedeutung dessen, was Sie gerade essen, oder \u00fcber die Entdeckung extrasolarer Planeten. Haben Sie keine Hemmungen, \u00fcber Ihre Newsdi\u00e4t zu reden. Man wird Ihnen fasziniert zuh\u00f6ren.<\/p>\n<h4>Good News<\/h4>\n<p>Ich bin nicht gegen die Medien. Aber ich bin entschieden gegen den News-Journalismus. Ich w\u00fcnsche mir eine Berichterstattung, die unsere Gesellschaft kritisch be\u00e4ugt, die die Wahrheit ans Licht bringt und die Welt in ihrer Komplexit\u00e4t darstellt. Solcher Journalismus ist bei weitem schwieriger als News-Reporting.<br \/>\nDas leuchtende Beispiel f\u00fcr investigativen Journalismus ist Watergate. M\u00fcssen solche Befunde in Gestalt von News daherkommen? Nein. Ob sie eine Woche oder gar einen Monat fr\u00fcher oder sp\u00e4ter erfolgen, ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass die Hintergr\u00fcnde, die Generatoren, die Verkn\u00fcpfungen der Welt ausgeleuchtet werden. Gute Gef\u00e4\u00dfe f\u00fcr investigativen Journalismus und intelligente Publizistik sind lange Zeitschriftenartikel, die Feuilletons der gro\u00dfen Zeitungen und tiefgr\u00fcndige B\u00fccher.<br \/>\nUnd nun, da Sie eine radikale Newsdi\u00e4t begonnen haben, haben Sie endlich Zeit, sie auch wirklich zu lesen.<\/p>\n<h4>Haftungsausschluss<\/h4>\n<p>Die obigen Aussagen spiegeln meine aufrichtige Sicht zur Zeit des Schreibens wider. Ich behalte mir das Recht vor, meine Ansichten jederzeit zu \u00e4ndern. Ich k\u00f6nnte mir sogar vorstellen, mir die Freiheit zu nehmen, mir selbst zu widersprechen. Ich habe dies in der Vergangenheit getan und werde das sicherlich auch in Zukunft so handhaben. Der einzige Grund, warum ich meine Ansichten allerdings \u00e4ndern w\u00fcrde ist, dass eine neue Version des Textes der Wahrheit n\u00e4her kommt und nicht etwa, weil ich einen pers\u00f6nlichen Vorteil davon h\u00e4tte.<\/p>\n<div class=\"box info  alignleft\" style=\"width:90%\"><div class=\"box-inner-block\"><i class=\"fa tie-shortcode-boxicon\"><\/i>\n\t\t\t\n<p><strong>O livro<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/eco123.info\/evite-as-noticias\/capa\/\" rel=\"attachment wp-att-3589\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3589\" alt=\"Capa Arte de Pensar\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Arte_Pensar_Clareza-190x300.jpg\" width=\"190\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Arte_Pensar_Clareza-190x300.jpg 190w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Arte_Pensar_Clareza-651x1024.jpg 651w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Arte_Pensar_Clareza.jpg 751w\" sizes=\"auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a>Dieses Manifest wurde im August 2010 auf www.dobelli.com erstmals ver\u00f6ffentlicht. Ich habe seither kleine \u00c4nderungen angefertigt. Im Fr\u00fchjahr des Jahres 2013 kam \u201eDie Kunst des klaren Denkens\u201c in deutscher Sprache heraus. Das Buch beleuchtet einige der kognitiven Fehler, die mit dem Nachrichtenkonsum verbunden sind. Dieses Buch wurde nun am 7. Juni auch in portugiesischer Sprache publiziert<span style=\"font-size: small;\">. <em>Die portugiesische Version enth\u00e4lt Illustrationen von Birgit Lang.<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(1) IPCC &#8211; Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC &#8211; Painel Intergovernamental sobre Altera\u00e7\u00f5es Clim\u00e1ticas<br \/>\n(2) Nota do tradutor: O termo News original, tanto se pode referir a novo como a not\u00edcias.<br \/>\n(3) Nicholas Carr: The Web Shatters Focus, Rewires Brains, Wired, May 2010<br \/>\n(4) Nota do tradutor: Spinmeisters, no original<br \/>\n(5) Nota do tradutor: \u201cWe Are the World\u201d, no original\n\t\t\t<\/div><\/div>\n<div class=\"clear\"><\/div><div class=\"author-info\"><img decoding=\"async\" class=\"author-img\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Rolf-Dobelli.png\" alt=\"\" \/><div class=\"author-info-content\"><h3>About the author<\/h3>\n\t\t\tStudierte Betriebswirtschaft an der Universit\u00e4t St. Gallen (HSG) und promovierte an der gleichen Universit\u00e4t. Er gr\u00fcndete zusammen mit Freunden die Firma getAbstract. Er ist Gr\u00fcnder und Kurator von ZURICH.MINDS, einer Community von f\u00fchrenden Pers\u00f6nlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft.\n\t\t\t<\/div><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr eine gesunde Nachrichtendi\u00e4t News sind f\u00fcr den Geist, was Zucker f\u00fcr den K\u00f6rper ist Wir Anzug- und Kleidertr\u00e4ger sind doch in unserem tiefsten Inneren noch immer H\u00f6hlenmenschen. Unsere Gehirne wurden f\u00fcr das J\u00e4ger- und Sammlerleben geschaffen und f\u00fcr Kleingruppen von 25 bis 100 Menschen, die mit begrenzten Lebensmittel- und Informationsquellen auskommen. 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