{"id":55148,"date":"2020-05-11T07:41:00","date_gmt":"2020-05-11T06:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/eco123.info\/de\/?p=55148"},"modified":"2020-05-10T21:57:36","modified_gmt":"2020-05-10T20:57:36","slug":"die-natur-lebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eco123.info\/de\/portugal-de\/interviews\/die-natur-lebt\/","title":{"rendered":"Die Natur lebt!"},"content":{"rendered":"<h2>Urspr\u00fcnglicher Wald<\/h2>\n<p><strong>Vor kurzem erweckte eine aktuelle Webseite meine journalistische Aufmerksamkeit. Dazu muss ich anmerken, dass ich nur noch Webseiten empfehle, auf denen die Macher sich mit Namen und Adresse kenntlich machen. Anonymen Mist schaue ich mir grunds\u00e4tzlich nicht mehr an. Ich halte das auch bei Telefonaten so. Wer mich anruft und seine Nummer unterdr\u00fcckt, dem schenke ich weder kostbare Zeit noch Aufmerksamkeit. Da die Macher dieser neuen Webseite transparent vorgingen, rief ich sie einfach an und bat um ein Gespr\u00e4ch zum Thema, das sie veranlasst hatte, diese Webseite ins Internet zu stellen. Wir vereinbarten einen Termin zum Mittagessen in Porto. So kaufte ich mir einen Fahrschein, der mich im Alfa Pendula Zug um 7h30 von Tunes nach Vila Nova de Gaia bringen sollte. Das gemeinsame Mittagessen mit Interview fand im Restaurant des Botanischen Gartens statt und dauerte 120 Minuten. Am Nachmittag fuhr ich dann wieder zur\u00fcck an die Algarve, wo ich gegen 20 Uhr eintraf. Meine Zugfahrt von rund 1.200 km f\u00fcr dieses Interview verursachte 15 kg CO2, wie mir der Internet-Rechner der Bahn (CP) mitteilte und dauerte knapp elf Stunden (hin und zur\u00fcck).<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Webseite lautet:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.florestautoctone.webnode.pt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.florestautoctone.webnode.pt<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-55131 size-large\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/01_site-floresta-autoctone-1024x640.jpg\" alt=\"site floresta autoctone\" width=\"618\" height=\"386\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/01_site-floresta-autoctone.jpg 1024w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/01_site-floresta-autoctone-768x480.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 618px) 100vw, 618px\" \/><\/p>\n<figure id=\"attachment_55134\" aria-describedby=\"caption-attachment-55134\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-55134\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/01_floresta-autoctone-300x300.jpg\" alt=\"Jorge Moreira\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/01_floresta-autoctone-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/01_floresta-autoctone-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-55134\" class=\"wp-caption-text\">Jorge Moreira<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ich hei\u00dfe Jorge Moreira, bin 52 Jahre alt, habe Umweltwissenschaften studiert und bin Umweltsch\u00fctzer und \u00d6kologe. In meinem eigenen Betrieb repariere ich elektrische und elektronische Ger\u00e4te. Bei der Aus\u00fcbung meiner Arbeit versuche ich m\u00f6glichst viel Material wiederzuverwenden, was nicht nur der Umwelt dient, sondern mir auch meinen Unterhalt sichert. Die meisten meiner T\u00e4tigkeiten im Umweltbereich sind jedoch gemeinn\u00fctziger Art.<\/p>\n<p><strong>Wie viele Kilometer fahren Sie pro Jahr?<br \/>\n<\/strong>Ich fahre durchschnittlich f\u00fcnfhundert Kilometer pro Woche, da ich viel Reparaturmaterial aus den D\u00f6rfern im Landesinneren hole.<\/p>\n<p><strong>Lohnt sich dieser Aufwand \u00fcberhaupt?<\/strong><br \/>\nOb es sich lohnt?<\/p>\n<p><strong>Wir alle hinterlassen unseren pers\u00f6nlichen CO2-Fu\u00dfabdruck.<br \/>\n<\/strong>Ja.<\/p>\n<p><strong>Ein Portugiese verbraucht durch-schnittlich sieben Tonnen pro Jahr.<\/strong><br \/>\nUnter der Woche, von Montag bis Donnerstag, arbeite ich normalerweise zu Hause und muss nicht wegfahren. Freitag ist der Tag, an dem ich die meisten Kilometer mache. Ich kompensiere also, indem ich versuche nur zu Hause zu arbeiten und an diesen Tagen meinen CO2-Fussabdruck niedrig zu halten. Was an Fahrten wirklich n\u00f6tig ist, mache ich dann am Freitag.<\/p>\n<p><strong>Ich habe gefragt, da ich meinen Fu\u00dfabdruck kenne, n\u00e4mlich drei Tonnen pro Jahr.<br \/>\n<\/strong>Das Gewicht meines Fu\u00dfabdrucks in Tonnen oder Kilogramm kenne ich leider nicht &#8211; diese Rechnung habe ich noch nie gemacht.<\/p>\n<p><strong>500 km pro Woche sind ca. f\u00fcnf Tonnen pro Jahr, wenn Ihr Fahrzeug mit\u2026<\/strong><br \/>\n\u2026es f\u00e4hrt mit Diesel. Aber es hat Filter und so weiter. Als ich es gekauft habe, galt es als das \u00f6kologischste Fahrzeug auf dem Markt. Erst nach dem Kauf erf\u00e4hrt man dann, dass dies doch nicht ganz stimmte, nicht wahr? Aber das sind Dinge, die ich nicht \u00e4ndern kann.<\/p>\n<p><strong>Und Sie sind\u2026?<\/strong><br \/>\n\u2026 Miguel Dantas da Gama. Ich bin Elektronikingenieur. Das hei\u00dft, ich war Elektronikingenieur, denn ich habe damit aufgeh\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong>Ein Ingenieur, wie Jos\u00e9 Socrates?<\/strong><br \/>\nNein, nein, nein. Ich habe an der Universit\u00e4t Porto studiert, \u00fcbe meinen Beruf zurzeit jedoch nicht aus. 2009 bin ich dem Naturschutzbund beigetreten. Ich war bei der Gr\u00fcndung von Quercus beteiligt und sp\u00e4ter entstand dann FAPAS \u2013 der Fond zum Schutz von Wildtieren. Bis dahin arbeitete ich in meinem Beruf. In 2009 transformierte ich mein Hobby in einen Vollzeitjob. Ich widme mich der Herausgabe von B\u00fcchern und habe sehr viel im Parque Nacional do Ger\u00eas zu tun.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie davon leben?<\/strong><br \/>\nSeit ich aufgeh\u00f6rt habe zu arbeiten, hat sich mein Leben etwas ver\u00e4ndert. Ich fahre weniger mit dem Auto; in Porto bin ich nur zu Fu\u00df unterwegs. Wenn ich in der Gegend zu tun habe, benutze ich meinen Motorroller und auch sehr oft das Fahrrad. Um ins Gebirge zu fahren, nehme ich den Jeep.<\/p>\n<p><strong>Sind Sie gl\u00fccklich?<\/strong><br \/>\nIch bin mit meinem Leben zufrieden. In der Welt, in der wir leben, f\u00fchle ich mich privilegiert. Was in meinem Land passiert, macht mich aber nicht wirklich gl\u00fccklich. Mich machen die fortbestehenden, sich verschlimmernden Probleme und Aspekte besorgt, die uns ja auch hierhergebracht haben. Wir haben schon seit langem gesagt, dass es so weit kommen w\u00fcrde, doch niemand will uns zuh\u00f6ren. Die Dinge \u00e4ndern sich normalerweise nicht von allein zum Guten. Es gibt interessante Privatinitiativen, aber bei grundlegenden Fragen, die von staatlicher Seite in Angriff genommen werden m\u00fcssten, sehe ich keine gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen. Heute wird Nutznie\u00dfung sehr oft mit Schutz verwechselt. Die Tatsache, dass die Menschen sich gerne in der Natur aufhalten bedeutet nicht, dass sie sie auch sch\u00fctzen. F\u00fcr die Natur wird nicht viel getan.<\/p>\n<p><strong>Wie alt sind Sie?<\/strong><br \/>\n60.<\/p>\n<p><strong>Kommen wir nun zu Ihnen, junger Mann.<\/strong><br \/>\nIch hei\u00dfe Jer\u00f3nimo Pinto Gama und bin ausschlie\u00dflich \u00d6kologe. Vor einigen Jahren war ich Mitglied eines Umweltverbandes namens GAIA, dessen Kurs recht hart und radikal war. Aber im Lauf der Zeit stellte ich fest, dass die wichtigsten Umweltprobleme mit denen wir konfrontiert sind, mehr Tiefe und Engagement ben\u00f6tigen. Sie erfordern einen gewissen Einsatz und mehr Ernsthaftigkeit. Deshalb begann ich, mich mit den Problemen st\u00e4rker auseinanderzusetzen und sie scharfsinniger zu betrachten, um so zu langfristigen L\u00f6sungen zu kommen.<\/p>\n<p><strong>Haben Sie eine Lebenspartnerin?<\/strong><br \/>\nIch? Nein. Was hat das damit zu tun\u2026 (Lachen)?<\/p>\n<p><strong>Wie alt sind Sie?<\/strong><br \/>\nHeute bin ich achtunddrei\u00dfig Jahre alt geworden. Als Geschenk w\u00fcrde ich gerne einen wiederhergestellten, regenerierten Wald sehen. Ich glaube, das w\u00e4re das sch\u00f6nste Geburtstagsgeschenk, das man mir machen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Gl\u00fccklich?<\/strong><br \/>\nEin bisschen gl\u00fccklich, aber auch ein bisschen unvollkommen.<\/p>\n<p><strong>Unvollkommen? Ja.<\/strong><br \/>\nDas ist das Thema dieser Ausgabe: Was k\u00f6nnen wir tun, um zu erreichen, was unser Leben erf\u00fcllt?<\/p>\n<p><strong>Bei uns ist auch Jos\u00e9 Marques, 74 Jahre alt, richtig?<\/strong><br \/>\nDas stimmt, im Mai werde ich f\u00fcnfundsiebzig. Ich bin in Porto geboren und komme aus der Generation vor dem 25. April. Die siebziger Jahre hier in Porto waren \u00e4u\u00dferst unruhig, aber andererseits auch sehr interessant.<br \/>\nIn Frankreich &#8211; wo ich seit 1970 lebte, da ich nicht am Krieg in Afrika teilnahm &#8211; wurde ich auf die \u00d6kologie aufmerksam. Damals war das in Portugal praktisch kein Thema. Im Laufe der Jahrzehnte habe ich an unterschiedlichen \u00f6kologischen Initiativen teilgenommen. Im Jahr 2000 gr\u00fcndete eine Gruppe von Leuten den Verein Campo Aberto, dem ich seither angeh\u00f6re. Obwohl den l\u00e4ndlichen Gebieten immer gro\u00dfe Aufmerksamkeit gewidmet wurde, tauchte das Problem der Waldbr\u00e4nde immer wieder auf. Mein Hauptinteresse drehte sich immer mehr um das, was wir l\u00e4ndliche Wiederbelebung nennen, eine Bewegung zur Schaffung neuer Vitalit\u00e4t der l\u00e4ndlichen Gebiete im Landesinneren.<br \/>\nAber entgegen den Erwartungen ist genau das Gegenteil eingetreten. Jahrzehnt f\u00fcr Jahrzehnt verlie\u00dfen die Menschen das Landesinnere, zogen in die K\u00fcstenregionen und das Hinterland ver\u00f6dete infolgedessen. Das begann sich dann in immer heftigeren und h\u00e4ufigeren Br\u00e4nden widerzuspiegeln. Langsam wurde dieser Aspekt f\u00fcr mich immer wichtiger, aber erst 2016 bestand die Dringlichkeit, ihn in den Mittelpunkt zu r\u00fccken.<\/p>\n<p><strong>Welche Gef\u00fchle bewegen Sie?<br \/>\n<\/strong>Das vorherrschende Gef\u00fchl ist, nicht mehr viel Zeit zu haben und diese so gut wie m\u00f6glich nutzen zu wollen. Ich m\u00f6chte diese Zeit nutzen, etwas Sinnvolles zu tun \u2013 etwas, was anderen hilft und wenn es auch nur ein oder zwei Personen sind. Ich m\u00f6chte dazu beitragen, die vielen Grausamkeiten der letzten Jahrzehnte zu korrigieren.<\/p>\n<p><strong>Sie sind Lehrer?<\/strong><br \/>\nIch war Lehrer, hatte aber noch andere Berufe. Auch die F\u00e4cher, die ich unterrichtete, waren unterschiedlich und deckten den gesamten literarischen Bereich ab: Sprachen, Portugiesisch, Franz\u00f6sisch und Geschichte. Ich war auch \u00dcbersetzer, Redaktionsberater &#8211; einschlie\u00dflich Herausgeber einer Enzyklop\u00e4die in den siebziger Jahren in Brasilien.<\/p>\n<p><strong>Sind Sie eher \u00e4ngstlich oder mutig?<\/strong><br \/>\nAngst und Sorge sind Gef\u00fchle, die sehr oft durchlebt und in einem inneren Prozess verarbeitet werden. Ich kann nicht sagen, ob ich sie habe oder nicht. Das ist irgendetwas, das auf ein gewisses Ma\u00df sublimiert und auch auf bestimmte Art f\u00fcr mich beherrschbar wurde, so dass ich nicht mehr einfach sagen kann, ob ich Angst habe oder nicht. Aber nat\u00fcrlich gibt es ganz konkrete Situationen in denen ich Angst versp\u00fcre.<\/p>\n<div class=\"tie-full-width-img\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-55137\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/02_floresta-autoctone.jpg\" alt=\"floresta autoctone\" width=\"1024\" height=\"393\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/02_floresta-autoctone.jpg 1024w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/02_floresta-autoctone-768x295.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Jorge Moreira (1967), Miguel Dantas da Gama (1958), Jer\u00f3nimo Pinto Gama (1981) e Jos\u00e9 Carlos Marques (1945)<\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Was hat Sie bewegt, das Projekt www.florestautoctone.webnode.pt zu gr\u00fcnden?<br \/>\nJorge Moreira:<\/strong> In den sozialen Netzwerken entstand im letzten Jahr eine Bewegung, aufgrund eines Fotos, das ich ver\u00f6ffentlicht hatte. Es war eine Hommage an die durch die Br\u00e4nde im vergangenen Jahr verschwundenen B\u00e4ume. Da haben sich ein halbes Dutzend Leute zusammengetan, die das gleiche Gef\u00fchl hatten und sich w\u00fcnschten, das Paradigma der Waldbr\u00e4nde zu \u00e4ndern.<br \/>\nJos\u00e9 Carlos erfuhr von der Existenz dieser Bewegung und berief als Koordinator ein Treffen ein, um \u00fcber die Themen Br\u00e4nde und Vegetation zu diskutieren. Bei einem sp\u00e4teren Treffen entwickelte sich eine Idee, die in einem Appell f\u00fcr den urspr\u00fcnglichen Wald gipfelte. Ich sehe den Wald mit anderen Augen. Der Wald hat seine Rechte, die Rechte der Natur. Der Wald darf nicht auf autorit\u00e4re, nur den Menschen in Betracht ziehende Weise, die einzig und alleine seinen Interessen dient, genutzt werden. Es gibt einen Fachbereich, den ich sehr sch\u00e4tze, das ist die Umweltethik, die Beziehung die wir alle mit der Natur und den anderen Lebewesen haben.<\/p>\n<p><strong>Der Vorsitzende von Portucel und Navigator sieht das vielleicht etwas anders, meinen Sie nicht?<br \/>\n<\/strong>Ich wei\u00df, dass er das tut. Er betrachtet den Wald nur als Wirtschaftsfaktor der Gewinne erbringen muss.<\/p>\n<p><strong>Und Arbeitspl\u00e4tze schafft.<br \/>\n<\/strong>Ja, aber die sind nicht wirklich sicher. Wenn wir n\u00e4mlich eine Monokultur von Eukalyptus anlegen, w\u00e4chst eben nur diese und wir k\u00f6nnen beten, dass sie nicht innerhalb eines Jahrzehnts abbrennt und wir am Ende mit Nichts dastehen.<br \/>\nBei einem urspr\u00fcnglichen Wald ist das anders: gew\u00f6hnlich muss man vor Ort sein und sich um ihn k\u00fcmmern, zumindest in den ersten Phasen. Am Anfang braucht er viel Pflege bis er autark wird. Danach bietet er eine Vielzahl von Bet\u00e4tigungsfeldern, zus\u00e4tzlich zum Management des \u00d6kosystems, der Basis unseres Wohlbefindens, unseres Lebens.<\/p>\n<p><strong>Es geht darum, Verluste zu minimieren.<br \/>\n<\/strong>Selbstverst\u00e4ndlich. Und die Br\u00e4nde w\u00e4ren weniger schwer. St\u00e4rke und Zerst\u00f6rungskraft eines Brandes in einem gewachsenen Wald erreichen nie das verheerende Ausma\u00df, das wir bei den Monokulturen von Eukalyptus oder Pinien haben. Es gibt gen\u00fcgend Studien, die dies belegen: der Schweregrad bei einer Verbreitung von leicht entflammbarem Eukalyptus und Pinien ist wesentlich h\u00f6her, als beispielsweise bei Eichen, Korkeichen, oder Birken. Au\u00dferdem spielt auch die Sch\u00f6nheit eine Rolle und das ist f\u00fcr mich nicht nur ein touristischer Aspekt, auch wenn Sch\u00f6nheit dazu dient, Portugal als Reiseziel noch ansprechender zu machen. Wir m\u00fcssen unseren Horizont erweitern und endlich erkennen, dass wir tief mit der Natur verbunden sind.<\/p>\n<p><strong>Und wir brauchen die Schattenspender.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-55140\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/05_floresta-autoctone-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/05_floresta-autoctone-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/05_floresta-autoctone-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/strong><\/p>\n<p><strong>Jos\u00e9 Carlos Marques<\/strong>: Ganz genau. Diese Initiative &#8211; die Allianz f\u00fcr den urspr\u00fcnglichen Wald \u2013 nahm ihren Anfang im Sommer 2016, in dem das Ausma\u00df der Br\u00e4nde erheblich gr\u00f6\u00dfer war und es wesentlich mehr Todesopfer als in den Jahren zuvor zu beklagen gab, mit Ausnahme der Jahre 2003 und 2005, in denen wir es auch mit Br\u00e4nden gro\u00dfer Waldfl\u00e4chen \u00e4hnlicher Dimension zu tun hatten.<br \/>\nDie Partnerschaft zwischen einer Gemeinde im Raum Porto und dem Verein Campo Aberto, f\u00fcr den ich t\u00e4tig bin, wurde damals auf Vorschlag eines Anwohners aus Passos de Sousa, wo viele Br\u00e4nde gew\u00fctet hatten, wieder neu belebt. Wir sprachen dann \u00fcber ein sehr langfristig angelegtes Projekt von zweihundert Jahren.<br \/>\nDas war f\u00fcr mich ein interessanter Denkansto\u00df. Denn es gab zwar st\u00e4ndig Veranstaltungen und Diskussionen dar\u00fcber, was mit unserem Wald und unseren Naturfl\u00e4chen passiert, die Situation wurde aber immer nur aus einer kurzfristigen Perspektive betrachtet, ohne die grundlegenden Probleme in einen Zusammenhang zu bringen.<br \/>\nZu diesem Zweck schlug ich die partnerschaftliche Organisation eines Treffens vor, dem wir den Titel Allianz zur endg\u00fcltigen Verhinderung von Waldbr\u00e4nden gaben. Ich habe dann die drei Personen eingeladen, die jetzt hier sitzen und die ich &#8211; dank meiner Interessen und Aktivit\u00e4ten &#8211; schon kannte. Miguel, Jer\u00f3nimo und Jorge haben dann die Einf\u00fchrung bei der Diskussionsveranstaltung \u00fcbernommen, die am 29. Oktober 2016 stattgefunden hat.<br \/>\nEin Gro\u00dfteil der Br\u00e4nde hatte bereits W\u00e4lder zerst\u00f6rt, besonders viele im August. Zu Beginn dieses Treffens mit fast drei\u00dfig Teilnehmern, wurde jeder aufgefordert einen kurzen Vortrag dar\u00fcber zu halten, wie den Br\u00e4nden, die derart riesige Ausma\u00dfe annehmen, ein Ende gesetzt werden k\u00f6nnte.<br \/>\nDie Dinge nahmen ihren Lauf, was dann zu einem etwas anderen Namen f\u00fchrte: eine Allianz f\u00fcr den urspr\u00fcnglichen Wald. Wir haben eine Reihe von Prinzipien und Ausgangspunkte erarbeitet, die auf einer im September ver\u00f6ffentlichen Webseite zusammengefasst sind.<\/p>\n<p><strong>Wir alle haben unsere Fehler \u2013 keiner ist perfekt. Wir m\u00fcssen in die Bildung der Menschen investieren, ihnen begreiflich machen, dass unser Planet ein empfindliches Biotop ist. Wie k\u00f6nnen wir diese Idee in die Praxis umsetzen?<\/strong><br \/>\n<strong>Jer\u00f3nimo Pinto Gama:<\/strong> Die Allianz ist eine Initiative, deren wichtigste Grundlage in der Reflektion besteht, bevor Projekte zur Wiederaufforstung entwickelt werden.<\/p>\n<p><strong>Fehlt es an Umwelterziehung in der Schule?<\/strong><br \/>\n<strong>Jos\u00e9 Carlos Marques:<\/strong> Ich habe mich mit dem Thema Umweltbewusstsein eingehend besch\u00e4ftigt und bin da sehr gemischter Ansicht. Zweifelsfrei bildet die Erziehung eine fundamentale Grundlage. Es gibt so viele Formen, diese zu vermitteln und in die Praxis umzusetzen, dass wir uns intensiv damit besch\u00e4ftigen m\u00fcssen, um nicht in Banalit\u00e4ten zu verfallen.<br \/>\nDie Kindererziehung ist sehr wichtig, da stimme ich ausdr\u00fccklich zu, ihre Wirkung wird jedoch bisweilen \u00fcbersch\u00e4tzt. Wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass aus Kindern Jugendliche und aus Jugendlichen Erwachsene werden; und es gibt eine Jugendkultur und eine Erwachsenenkultur. Die Kindheitskultur wird dann oft von der Jugendkultur und der Erwachsenenkultur verdr\u00e4ngt und verschwindet. Das passiert manchmal.<\/p>\n<p><strong>Was m\u00fcssen wir lernen?<br \/>\nMiguel Dantas da Gama:<\/strong> Es gibt viel zu lernen. Wir befinden uns in einer sehr schwierigen Lage. Die Problematik der W\u00e4lder und der Br\u00e4nde ist nur eine Folge dessen. Wir haben ein wesentlich tiefer gehendes Problem &#8211; die Vegetationsdecke &#8211; und damit verbunden eine ganze Reihe weiterer Problembereiche, die wir im Laufe der Jahrzehnte vergr\u00f6\u00dfert haben. Wir stecken in mehreren Teufelskreisen, aus denen sehr schwer zu entkommen ist. Unsere Gesellschaft kritisiert beispielsweise den amerikanischen Pr\u00e4sidenten, weil er schwerwiegende klimatische Probleme nicht zur Kenntnis nimmt, oder nicht akzeptiert. Aber dennoch verhalten wir uns genauso wie er. Auch wir ignorieren die Probleme, anstatt uns mit ihnen auseinanderzusetzten. Wir haben uns nicht ver\u00e4ndert. Das betrifft auch den l\u00e4ndlichen Raum. Erst gestern wurde im Fernsehen gezeigt, wie einige Leute nachts Feuer machten. Diese Leute haben nicht verstanden, dass sich die Dinge \u00e4ndern. Bilder die zeigen, dass die Menschen fliehen oder in den H\u00e4usern bleiben, wenn es brennt, demonstrieren nur, dass sie mit der Situation nicht umgehen, und auf eine ver\u00e4nderte Lage nicht angemessen reagieren k\u00f6nnen. Wir stehen nun vor dem Ergebnis einer Reihe von Fehlern, die im Zusammenhang mit der Zerst\u00f6rung der Waldfl\u00e4chen gemacht wurden. Das hat mit der Landflucht zu tun. Zuerst wurde die Vegetation ver\u00e4ndert und dann sind die Gebiete verlassen worden &#8211; vielleicht gibt es da einen Zusammenhang. Unser Problem jetzt besteht darin, dass die vom Menschen sehr stark ver\u00e4nderten und sich dann selbst \u00fcberlassenen Areale, nicht alleine \u00fcberleben k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen sie also soweit wiederherstellen, dass die Menschen schlie\u00dflich zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Land- und Forstfl\u00e4chen, wie wir sie aktuell haben \u2013 gro\u00dfe Fl\u00e4chen mit Monokulturen \u2013 helfen nicht dabei, Personen wieder anzusiedeln, die eben diese Gebiete verlassen haben, nachdem sie sie zerst\u00f6rten. Das ist ein Teufelskreis aus dem wir nicht so einfach herauskommen.<\/p>\n<p><strong>Was muss getan werden?<br \/>\nMiguel Dantas da Gama:<\/strong> Private Initiativen sind wichtig. Betrachten wir jedoch die Tiefe und das Ausma\u00df des Problems, kommt dem Staat eine grundlegende Rolle zu. Und der Staat stellt wiederum selbst ein Problem dar, weil sich die derzeitige Politik und die Konzepte f\u00fcr die Zukunft darauf beschr\u00e4nken, die Verantwortung bei der L\u00f6sung des Problems von sich zu weisen. Nur wenn der Staat &#8211; mit dem Engagement aller Beteiligten auf nationaler und lokaler Ebene und auch in den Gemeinden, die wiederbelebt werden m\u00fcssen &#8211; sich wieder seiner Verantwortung stellt, um die notwendigen grundlegenden Ma\u00dfnahmen durchzuf\u00fchren, wird uns eine weitreichende Ver\u00e4nderung gelingen.<\/p>\n<p><strong>Was ist der erste Schritt?<br \/>\nMiguel Dantas da Gama:<\/strong> Ich sch\u00e4tze den Wert lokaler Ad-hoc-Initiativen, die manchmal durch eine Aufmerksamkeit erregende Aktion schnell eine bestimmte Dimension erhalten und sich verbreiten. Dies gelingt jedoch nicht immer. Die Gesellschaft muss mobilisiert werden, sie muss begreifen, dass wir mit einem sehr schwerwiegenden Problem leben, das gro\u00dfer Ver\u00e4nderungen bedarf, deren Durchf\u00fchrung Jahrzehnte dauern wird. Wir werden einen mehr oder weniger langen Zeitraum zu durchlaufen haben, in dem wir erst einmal investieren m\u00fcssen, um dann sp\u00e4ter etwas wieder zur\u00fcckzubekommen. Es gilt einen Wald, den wir \u00fcber Jahrhunderte zerst\u00f6rt haben, wiederherzustellen. In diesem Zeitraum ist sehr viel Hilfe und gro\u00dfes Engagement gefragt. Nur mit der Hilfe des Staates, mit seiner Pr\u00e4senz vor Ort bei der Wiederherstellung einiger alter Strukturen, die nicht immer sinnvoll genutzt wurden, jedoch gute Arbeitsgrundlagen sind: Durch Einf\u00fchrung von Forstbaumschulen und Einstellung von F\u00f6rstern, Privilegierung von Landbesitzern, die auf lange Sicht investiert haben, wird eine umfassende Wiederherstellung der Gebiete m\u00f6glich sein.<br \/>\nEs gibt Fehler, die nur schwer zu korrigieren sind, zum Beispiel bei der Raumplanung &#8211; hier wurde eine Reihe von Grausamkeiten genehmigt: H\u00e4user am Ende der Welt, Fabriken in Wohngebieten: hier im Norden und im Zentrum ist die Situation wesentlich komplizierter als im S\u00fcden. Verantwortlich f\u00fcr dieses Problem sind die seit Jahrzehnten gleichen Personen, die \u00fcber Einfluss verf\u00fcgen, in den Medien geh\u00f6rt werden und diese kontrollieren. Jetzt beschweren sich die Kommunalverwaltungen \u00fcber die Br\u00e4nde und \u00fcber fehlende Mittel, obwohl sie selbst es waren, die &#8211; gegen den Willen der Umweltsch\u00fctzer, die immer als Radikale und Extremisten bezeichnet wurden \u2013 f\u00fcr das Chaos bei der Fl\u00e4chennutzung verantwortlich sind. Es wurde gebaut wo nicht gebaut werden durfte, Monokulturen nahmen mehr und mehr Raum ein. Sie selbst haben die Probleme verursacht. Und heute dreht sich die Diskussion weiterhin um Zivilschutz, Feuerwehrleute und die ganzen Infrastrukturen. Jeder arbeitet gegen den anderen, weil es um den Schutz eigener Interessen geht und somit dem Kern der Sache nicht auf den Grund gegangen wird, n\u00e4mlich der Durchf\u00fchrung von entsprechenden Wiederherstellungsma\u00dfnahmen um Br\u00e4nde zu verhindern. Vielleicht w\u00fcrde es weniger Tote geben, wenn wir einen dynamischeren, effizienteren, besser kontrollierten Zivilschutz h\u00e4tten\u2026 Aber es wird nicht aufh\u00f6ren zu brennen, solange wir diese Art von Wald und diese Art der Nutzung haben.<br \/>\nUnd diese Art von Kosten-Nutzen Bilanz \u2013 denn heutzutage geht es um Aufforstung mit Monokulturen, die bei hoher Exportrate hohe Gewinne einbringen. Dabei entstehende Sch\u00e4den werden auf dieser Rechnung nicht ber\u00fccksichtigt. Sch\u00e4den, die von uns allen bezahlt werden m\u00fcssen und nicht von den Firmen, die die Monokulturen einrichteten und jetzt auch noch am verbrannten Holz verdienen. Bei solchen Rechnungen werden die Folgekosten vergessen \u2013 vom Verlust so vieler Menschenleben gar nicht zu sprechen.<\/p>\n<p><strong>Sprechen wir von L\u00f6sungen. Wer entscheidet?<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-55143\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/03_floresta-autoctone-300x300.jpg\" alt=\"floresta autoctone, Monchique\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/03_floresta-autoctone-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/03_floresta-autoctone-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/strong><\/p>\n<p><strong>Miguel Dantes da Gama:<\/strong> Wir leben in keiner Traumwelt. Unser Idealismus geht nicht soweit, dass wir einen Wald fordern, der nur sch\u00f6n ist und biologische Vielfalt garantiert. Nein, auch wir wollen einen Wald, der am Ende rentabel ist, doch das braucht Zeit. Dieser Wald erlaubt den Menschen, ins Landesinnere zur\u00fcckzukehren, mit ihm zu leben und eine Vielzahl an Produkten zu erwirtschaften, wie beispielsweise Holz, Trockenfr\u00fcchte und Honig. Auch holzverarbeitende Betriebe k\u00f6nnten sich dort ansiedeln \u2013 wir importieren Holz f\u00fcr die M\u00f6belherstellung aus Brasilien und anderen L\u00e4ndern &#8211; und viele forstwirtschaftliche Berufe und Aktivit\u00e4ten, die in der Vergangenheit verloren gingen, k\u00f6nnten wieder neu entstehen.<br \/>\nEine nachhaltige Forstwirtschaft w\u00fcrde auch unsere gesamte Wirtschaft beleben. Zurzeit erleben wir, auch aufgrund der Probleme in anderen L\u00e4ndern, einen enormen Tourismusboom. Aber wer hat schon Lust, in einem Land Urlaub zu machen, in dem innerhalb von zwei oder drei Tagen hundert Menschen bei Waldbr\u00e4nden sterben? W\u00e4hrend meines ganzen Lebens gab es nach meiner Erinnerung, h\u00f6chstens drei Unf\u00e4lle in Portugal, bei denen so viele Menschen zu Tode kamen, darunter ein Flugzeugungl\u00fcck auf Madeira und ein Zugungl\u00fcck. Aber dieses Mal sind hundert Menschen auf offener Stra\u00dfe verbrannt!<br \/>\nBemerkenswert ist, dass viele, die sich jetzt beklagen, Opfer ihrer eigenen, teilweise auch selbstverschuldeten Unkenntnis, wenn nicht sogar Ignoranz, geworden sind. Ein in sich widerspr\u00fcchliches Problem, das dringend angegangen werden muss.<\/p>\n<p><strong>Was k\u00f6nnen wir tun gegen diese Ignoranz? Fangen wir in der Schule an?<\/strong><br \/>\n<strong>Miguel Dantas da Gama:<\/strong> Ja, genau. Aber auch im gesellschaftlichen Diskurs und in den Medien muss eine Ver\u00e4nderung stattfinden. Alle Ma\u00dfnahmen und Vorkehrungen, die getroffen werden k\u00f6nnen, um Br\u00e4nde zu vermeiden, sollten ins Tagesprogramm aufgenommen werden. Doch anstatt dem eigentlichen Problem auf den Grund zu gehen, wird das Leid der vom Brand Gesch\u00e4digten zur Schau gestellt und von \u00fcber die Regierung schimpfenden Feuerwehrleuten berichtet.<\/p>\n<p><strong>Was m\u00f6chten Sie als Verein tun?<\/strong><br \/>\nMiguel Dantas da Gama: Initiativen b\u00fcndeln und verkn\u00fcpfen. Zurzeit versuchen wir herauszufinden, wie unsere Ideen in der Gesellschaft ankommen und wie viele Menschen wir f\u00fcr deren Umsetzung gewinnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Wie viele Unterschriften haben Sie bekommen?<\/strong><br \/>\n<strong>Jos\u00e9 Carlos Marques<\/strong>: siebenhundertvierzig Unterschriften in einem Monat. Wir haben es hier aber nicht mit einer gew\u00f6hnlichen Petition zu tun, bei der tausende von Namen gesammelt werden, um diese dann bei irgendeiner Beh\u00f6rde einzureichen. Es handelt sich vielmehr um eine Art dauerhafter Solidarit\u00e4t hunderter aufmerksamer B\u00fcrger, deren Anzahl hoffentlich noch weiter steigen wird, die auf lokaler Ebene zusammenarbeiten m\u00f6chten, um die Entwicklung in ihrer Region zu beobachten, zu begleiten und Ma\u00dfnahmen zu Neuanpflanzungen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p><strong>Jorge Moreira:<\/strong> Wir ermuntern die Menschen zur Zusammenarbeit, zu einer gemeinsamen Suche nach L\u00f6sungen, um das was im Wald falsch l\u00e4uft, wieder in Ordnung zu bringen, indem sie beispielsweise heimische Baumarten anpflanzen, die wesentlich feuerresistenter sind und auf diese Weise den Wald sozusagen reparieren.<\/p>\n<p><strong>Jos\u00e9 Carlos Marques:<\/strong> Genau darum geht es: Kooperationsbereitschaft wecken und Br\u00fccken bauen, zusammenbringen was getrennt ist, aber zusammengeh\u00f6rt. Wir organisieren uns und wollen geh\u00f6rt werden. Das hier ist der erste Schritt dazu.<\/p>\n<p><strong>Miguel Dantas da Gama:<\/strong> Ich m\u00f6chte das Thema Bildung, das wir vor Kurzem schon angesprochen hatten, noch einmal aufgreifen, Jos\u00e9 Carlos stellte richtig fest, dass so manches Mal nach der Kindheit sehr viel vergessen wird. Der Bildung kommt meiner Meinung nach eine zentrale Bedeutung zu, sie muss uns jedoch ein ganzes Leben lang begleiten \u2013 ich nenne das transversale Bildung. Unsere Schulen brauchen viel mehr Kontakt zur Realit\u00e4t und wir m\u00fcssen eine Kultur entwickeln, die sich der Lebensrealit\u00e4t stellt. Nicht der Wettbewerb, sondern Kooperationsf\u00e4higkeit sollte auf dem Stundenplan stehen. Natur darf nicht mehr nur unter \u00f6konomischen Gesichtspunkten betrachtet werden, sondern mit Respekt, F\u00fcrsorge, Liebe und dem Verst\u00e4ndnis, dass wir sie alle zum Leben brauchen. Wenn die Schulen das vermitteln k\u00f6nnen, wird sich nicht nur unsere Einstellung zur Natur grundlegend \u00e4ndern, sondern es wird sich auch eine v\u00f6llig andere Gesellschaft entwickeln.<br \/>\nVon einer Gesellschaft, die beherrscht, zerst\u00f6rt, konsumiert und ausbeutet, w\u00fcrden wir uns zu einer integrativen Gesellschaft ver\u00e4ndern, die ihre Sorgfaltspflicht bei der \u00f6konomischen Wertsch\u00f6pfung wahrnimmt. Das ist f\u00fcr mich transversal: wir m\u00fcssen schon in der Kindheit damit beginnen &#8211; das ist unsere Aufgabe.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-60494\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/baum1-1.jpg\" alt=\"\" width=\"399\" height=\"289\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/baum1-1.jpg 650w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/baum1-1-24x17.jpg 24w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/baum1-1-36x26.jpg 36w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/baum1-1-65x47.jpg 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 399px) 100vw, 399px\" \/>Wie k\u00f6nnen wir das bewerkstelligen?<br \/>\n<\/strong><strong>Miguel Dantas da Gama:<\/strong> Wir m\u00fcssen unsere Lebensweise gr\u00fcndlich \u00fcberdenken.<br \/>\nJer\u00f3nimo Pinto Gama: Unsere Priorit\u00e4t liegt in der Ver\u00e4nderung des forstwirtschaftlichen Konzepts. Das hei\u00dft, uns geht es nicht einfach nur um Wiederaufforstung, sondern um eine grundlegende und organisierte Planung des Waldes. Wir brauchen Waldfachpl\u00e4ne auf lokaler, regionaler und sp\u00e4ter auch nationaler Ebene.<br \/>\nIch pers\u00f6nlich bin kein gro\u00dfer Bef\u00fcrworter nationaler Waldfachpl\u00e4ne. Es gibt regionale Pl\u00e4ne, da die W\u00e4lder im Norden anders sind, als im S\u00fcden und im Osten anders als im Westen. Auch die klimatischen Bedingungen sind regional unterschiedlich. Wir haben bisher keine konkreten angemessenen Ma\u00dfnahmen entwickelt, um diesen Paradigmenwechsel einleiten zu k\u00f6nnen.<br \/>\nMittlerweile sind wir aber dabei, die zur Schaffung eines urspr\u00fcnglichen Waldes notwendigen Rahmenbedingungen zu entwickeln, woraus sich folgende Planbereiche ergeben: ein Plan auf juristischer Ebene, ein Plan im Bereich der Gesetzgebung, ein Forstplan zur Umsetzung vor Ort, ein B\u00fcrgerplan\u2026und, im Lauf unseres Gespr\u00e4chs ist mir noch eingefallen, dass es auch einen Plan geben m\u00fcsste, der die Unternehmen einbindet, denn auch sie haben eine soziale Verantwortung, die sie hier wahrzunehmen haben.<\/p>\n<p>Danke.<\/p>\n<div class=\"clear\"><\/div><div class=\"author-info\"><img decoding=\"async\" class=\"author-img\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Uwe-Heitkamp.png\" alt=\"\" \/><div class=\"author-info-content\"><h3>About the author<\/h3>\n\t\t\tUwe Heitkamp, 55, Journalist und Filmemacher, ist seit 25 Jahren in Monchique, Portugal zuhause. Er unternimmt gern lange Wanderungen in den Bergen und schwimmt in Gebirgsb\u00e4chen und Seen. Schreibt und erz\u00e4hlt Geschichten \u00fcber Menschen und ihre Bez\u00fcge zur \u00d6kologie und \u00d6konomie. Sein aktueller Film \u201eErben der Revolution\u201c, erz\u00e4hlt \u00fcber 60 Minuten die Geschichte einer Wanderung durch Portugal. Zehn Menschen berichten aus ihrem Leben. Alle Protagonisten zusammen malen ein Bild vom Leben und Arbeiten in den Bergen Portugals. Der Film offenbart Einblicke in die Sch\u00f6nheit der Natur und das Leben der normalen Menschen. Welcher Weg bestimmt die Zukunft des Landes? (Abonnieren Sie ECO123 und sehen Sie den Film in der Mediathek)\n\t\t\t<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urspr\u00fcnglicher Wald Vor kurzem erweckte eine aktuelle Webseite meine journalistische Aufmerksamkeit. Dazu muss ich anmerken, dass ich nur noch Webseiten empfehle, auf denen die Macher sich mit Namen und Adresse kenntlich machen. 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