{"id":56057,"date":"2018-06-25T18:10:30","date_gmt":"2018-06-25T17:10:30","guid":{"rendered":"https:\/\/eco123.info\/de\/?p=56057"},"modified":"2018-06-25T18:10:30","modified_gmt":"2018-06-25T17:10:30","slug":"zurueck-in-die-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eco123.info\/de\/portugal-de\/interviews\/zurueck-in-die-zukunft\/","title":{"rendered":"Zur\u00fcck in die Zukunft"},"content":{"rendered":"<h2>Ein \u00d6ko-Unternehmen im Wandel<\/h2>\n<p>Das Landgut Freixo do Meio, ein land \u2013 und forstwirtschaftlicher Betrieb mit 560 Hektar guter Erde, liegt im s\u00fcdlichen Alentejo, in der N\u00e4he von Montemor-o-Novo, ungef\u00e4hr 100 km \u00f6stlich von Lissabon. Das Unternehmen arbeitet auf der Grundlage ethischer Standards der Agrar\u00f6kologie mit dem schon im Mittelalter bekannten \u00d6kosystem der Montados* und praktiziert Permakultur, um zuk\u00fcnftigen Generationen ein Leben mit grundlegenden Ressourcen und Nahrungsmittelsouver\u00e4nit\u00e4t zu erm\u00f6glichen. Der Landwirt Alfredo Cunhal Sendim (52) hat mit seinen 40 Mitarbeitern ein Unternehmen organisiert, an dem die Gemeinschaft aktiv teilnehmen kann. T\u00e4glich werden \u00fcber 200 verschiedene Lebensmittel ausgeliefert. ECO123 besuchte das Gut, um sich den Tagesablauf der Mitarbeiter und die Beziehung zwischen Menschen und Ressourcen (Boden, Wasser, Biodiversit\u00e4t, Energie, Wissenschaft und Kultur) genauer anzusehen. Wir wollten wissen, wie ein landwirtschaftliches Unternehmen seinen \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck und seinen Abfall reduzieren kann. Dar\u00fcber haben wir mit Alfredo Cunhal Sendim in seiner K\u00fcche beim Fr\u00fchst\u00fcck gesprochen.<\/p>\n<p><strong>Wo hat diese Erfolgsgeschichte begonnen?<br \/>\n<\/strong>Der wichtigste \u00dcbergang, den wir zurzeit erleben, h\u00e4ngt zweifellos mit der Einstellung des Menschen zusammen. Nat\u00fcrlich versuchen wir, die Technik und die Herangehensweise an die Landwirtschaft zu \u00e4ndern. Der gro\u00dfe Wandel, den wir durchleben, bewegt sich weg von einer sehr mechanischen, individualistischen und widerspr\u00fcchlichen Sichtweise, nicht nur die Trennung von Geist und Materie betreffend, sondern auch die Trennung von Mensch und Natur. Dies unterscheidet sich grunds\u00e4tzlich von der Perspektive der wirklichen Zugeh\u00f6rigkeit zu einem System. Diese Ver\u00e4nderung zu erreichen ist vielleicht die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung, vor der wir heute stehen. Es geht um die Umwandlung eines privaten, individuellen Projekts, dessen Besitzer und Arbeitgeber ich bin, in ein Konzept, dass es erlaubt, die Gemeinschaft wirklich einzubeziehen. Und warum? Weil es sich hier um eine Grundsatzfrage handelt. Tats\u00e4chlich geh\u00f6ren wir zu einem System. Das Leben besteht aus einer Reihe von Wechselbeziehungen und Bindungen zwischen Lebewesen. In den letzten zehntausend Jahren hatten wir eine Idee entwickelt, von der wir nun abgewichen sind. Das m\u00fcssen wir \u00e4ndern und zu der Einsicht kommen, Teil eines gro\u00dfen Ganzen zu sein, das viel gr\u00f6\u00dfer ist als wir. Dieses Ganze ist mehr als Natur \u2013 wir nennen es Leben.<\/p>\n<p><strong>Auch der Mensch ist Natur und lebt in ihr. Es ist ein integratives Problem, nicht wahr?<br \/>\n<\/strong>Das ist die gro\u00dfe Ver\u00e4nderung. Seit Newton machen wir einen Unterschied zwischen Mensch und Natur, obwohl wir gar nicht anders sind. Die Natur ist ein Raum von Beziehungen, in dem der Mensch nur seine Funktionen wahrnehmen muss, so funktioniert das. Die Gesamtheit steht an erster Stelle. Nicht der St\u00e4rkste \u00fcberlebt im System, geschweige denn, wer sich anpasst, wie Darwin sagte, sondern derjenige, der das System st\u00e4rkt und zu seiner besseren Funktion beitr\u00e4gt. Diese Perspektive muss auch auf Organisationsmodelle \u00fcbertragen werden. Es kommt nicht nur darauf an, welcher Art unsere Beziehung mit der Umwelt, mit der Erde ist, sondern auch darauf, wie wir miteinander umgehen.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie uns erkl\u00e4ren, wie die forst- und landwirtschaftliche Arbeit auf dem Gut aussieht?<br \/>\n<\/strong>Die Menschen, die hier arbeiten, sind in den vergangenen Jahren &#8211; wie alle Menschen, die auf diesem Planeten leben &#8211; von der Zusammenarbeit ausgeschlossen worden, ihnen wurde regelrecht verboten sich gegenseitig zu helfen. Wir wissen heute, dass sich die Entwicklung unseres Gehirns durch unsere Lebensumst\u00e4nde beeinflusst wird. Wenn wir nur an Aggressionen, Individualismus und Wettbewerb teilnehmen, werden wir dadurch konditioniert. Es ist wichtig, Szenarien zu entwickeln, in denen Menschen teilnehmen k\u00f6nnen. Das ist ein langsamer Prozess. Niemand f\u00fchlt sich von heute auf morgen einem System zugeh\u00f6rig, auch weil es an Wissen mangelt und dem Glauben an die enorme Bedeutung dieses Wandels. Seit \u00fcber 15 Jahren treffen wir uns alle um acht Uhr morgens. Jeder hat das Recht sich einzubringen und wir versuchen gemeinsam Verantwortung zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p><strong>Sie versammeln sich jeden Morgen um 8.00 Uhr?<br \/>\n<\/strong>Ja, au\u00dfer samstags und an Sonn-und Feiertagen. Und es sind alle dabei. Wir m\u00fcssen begreifen, dass es wichtig ist, unsere Einstellung zu \u00e4ndern \u2013 nicht nur in Bezug auf die Natur, sondern auch was uns pers\u00f6nlich angeht. Dazu geh\u00f6rt die F\u00f6rderung gegenseitiger Hilfeleistung und die Bereitschaft zur Kooperation. Wenn wir heute nicht Mitglied bei den Pfadfindern oder einer der wenigen \u00e4hnlichen Organisationen sind, haben wir keine \u00dcbung und sind nicht daran gew\u00f6hnt uns gegenseitig zu helfen, da es uns fast verboten wurde. Wenn ich meine H\u00e4nde trainiere, kann ich ein guter Metzger sein. Aber wenn ich nicht regelm\u00e4\u00dfig Fleisch schneide, verliere ich diese F\u00e4higkeit. Das passiert auch in Bezug auf die Natur. Wenn wir diese Einstellung zu uns selbst nicht haben, wie k\u00f6nnen wir sie dann gegen\u00fcber anderen Wesen haben? Auf dem Gut Freixo do Meio setzen wir weiterhin auf das Verst\u00e4ndnis des nat\u00fcrlichen Systems, um zu begreifen, wie wir f\u00fcr dieses n\u00fctzlich sein k\u00f6nnen, wie wir in unserer bescheidenen Funktion dazu beitragen k\u00f6nnen, dass es besser, harmonischer, effizienter und sch\u00f6ner wird.<\/p>\n<div class=\"tie-full-width-img\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-56049\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/entrevista-alfredo-sendim_05-e1529943820306.jpg\" alt=\"entrevista alfredo sendim\" width=\"1024\" height=\"519\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/entrevista-alfredo-sendim_05-e1529943820306.jpg 1024w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/entrevista-alfredo-sendim_05-e1529943820306-768x389.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/div>\n<p><strong>Wenn die Leute das Wort System h\u00f6ren, haben sie Angst. Sie bef\u00fcrchten als Teil eines Systems ihre Individualit\u00e4t zu verlieren und fremdbestimmt zu werden.<br \/>\n<\/strong>Da haben Sie Recht, aber wir m\u00fcssen diese Angst verlieren, weil wir Teil eines Systems sind. Wir wurden f\u00fcr das System geschaffen. Und wenn wir erkennen, dass wir dem System n\u00fctzlich sein k\u00f6nnen, sind wir gl\u00fccklich und werden unsterblich, weil das System unsterblich ist. Wir sprechen nicht \u00fcber das menschliche System, sondern \u00fcber ein vollkommen anderes und wesentlich intelligenteres.<\/p>\n<p>Was das Vorgehen in der Landwirtschaft betrifft, haben wir begriffen, dass wir pr\u00e4sent sein und unsere Aufgaben wahrnehmen m\u00fcssen. Dies beinhaltet im Wesentlichen dem System organische Substanz mit Hilfe von Photosynthese hinzuzuf\u00fcgen. Wir brauchen einen Anstieg der Photosynthese pro Quadratmeter, das hei\u00dft eine Zunahme der Zellen, die Sonnenenergie in Energie f\u00fcr das System transformieren. Dazu ben\u00f6tigen wir viele Pflanzen, und das d\u00fcrfen nicht nur Annuelle und Pionierpflanzen sein. Wir m\u00fcssen jene pflanzen, die in der \u00d6kologie als Teile eines reichhaltigen \u00d6kosystems bezeichnet werden. Diesen, in unterschiedlichen H\u00f6hen wachsenden und offensichtlich auf Diversit\u00e4t basierenden Pflanzen, kommen verschiedene Funktionen zu, wie Komplementarit\u00e4t, Kooperation und Symbiose. Wir werden es schaffen, den Zerst\u00f6rungskreislauf in einen Erfolgszyklus mit vermehrter Aufkl\u00e4rung, Information, Energie und Ressourcen umzukehren, der zu nat\u00fcrlichen und reichhaltigen Landschaften f\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Die Menschen haben Portugals Hinterland verlassen. Wie k\u00f6nnen wir sie dazu ermutigen, aufs Land zur\u00fcckzukehren und die Botschaft zu verstehen, wie wir \u00fcberleben k\u00f6nnen?<br \/>\n<\/strong>Im Grunde genommen ist das ein ethisches Problem. Was wir brauchen ist das was ich W\u00fcrde nenne: keinen Hunger leiden, nicht frieren und keine Schmerzen haben. Solange das nicht gew\u00e4hrleistet ist, lohnt es sich nicht, \u00fcber etwas anderes nachzudenken. Hierbei handelt es sich um drei Bedingungen, die wir im Moment auf dem Land in Portugal kaum erf\u00fcllen, ganz zu schweigen vom Zugang zur Kultur. Dazu bedarf es keiner \u00c4nderung der Politik oder neue Regierungen &#8211; um all dies m\u00f6glich zu machen, brauchen wir ein starkes gesellschaftliches Engagement.<\/p>\n<p><strong>Ein Landwirt bekommt 25 Cent f\u00fcr einen Liter Milch. Es macht keinen Sinn, wenn wir hier \u00fcber W\u00fcrde sprechen wollen.<br \/>\n<\/strong>Da stimme ich Ihnen zu. Unter diesen Umst\u00e4nden macht das keinen Sinn. Also m\u00fcssen wir die Umst\u00e4nde \u00e4ndern \u2013 es liegt in unserer Hand. Fragen wir zehn Personen, die Ziegenmilch m\u00f6chten und bereit sind nachzudenken: was ist die Ziegenmilch wert? Wenn du deinem Milchproduzenten 20 Cent pro Liter bezahlst, wird er in zwei Jahren nicht mehr existieren k\u00f6nnen und du wirst keine Milch haben. Wenn die zehn Personen eine Ziege nutzen und sich auf einen Preis einigen, am Prozess teilnehmen, sich einbringen und verantwortlich handeln, dann k\u00f6nnen wir bei dieser Aktivit\u00e4t von W\u00fcrde sprechen.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen wir das in der Genossenschaft Herdade Freixo do Meio?<br \/>\n<\/strong>Selbstverst\u00e4ndlich. Wir k\u00f6nnen viel tun, es liegt in unserer Hand. Wir haben in der Genossenschaft eine Struktur aufgebaut, die die verschiedenen Akteure in der Nahrungskette systematisch involviert. Es handelt sich um eine ausschlie\u00dflich menschliche Organisation, da wir noch keinen Weg gefunden haben, andere Wesen der Natur miteinzubeziehen. Doch die Menschen sind auch Nachbarn, Bewohner, Besitzer, Arbeiter, Konsumenten der Erde und tragen weitere Interessen in sich. Wir stellen uns dieser Herausforderung: innerhalb einer demokratischen und transparenten Organisation zu erreichen, dass die verschiedenen Menschen, die dieses Gemeingut nutzen und von ihm leben, auch im Falle unterschiedlicher Interessen, nicht aufh\u00f6ren zu sehen, dass dieses Gut f\u00fcr alle von grunds\u00e4tzlicher Bedeutung ist. Dies ist eine \u00e4u\u00dferst anspruchsvolle Aufgabe, die in den letzten Jahren auf den Schultern nur eines Individuums &#8211; dem Besitzer \u2013 lastete, der dies alleine jedoch nicht leisten kann. Es ist auch nicht nur sein Problem, sondern es betrifft eine ganze Gruppe von Menschen. Deshalb haben wir seit f\u00fcnfzehn Jahren unsere t\u00e4glichen Zusammenk\u00fcnfte um acht Uhr morgens. Und vielleicht wird das auch in den kommenden 150 Jahren notwendig sein. Ich wei\u00df es nicht, aber wir m\u00fcssen uns darauf vorbereiten. Zum Beispiel haben wir jetzt eine Versammlung mit Verbrauchern, die billigere Lebensmittel m\u00f6chten, Arbeiter werden h\u00f6here L\u00f6hne wollen und Anwohner m\u00f6chten, dass die Stra\u00dfe ausgebessert wird. Wie werden wir das alles l\u00f6sen? Ich wei\u00df es nicht. Aber wir fangen gerade erst an. Zumindest sind wir organisiert, wir haben Strukturen und wir packen es an.<\/p>\n<p><strong>Muss ich einen Beitrag bezahlen, wenn ich der Genossenschaft beitreten m\u00f6chte?<br \/>\n<\/strong>Ja, 100 Euro. Die Genossenschaft Freixo do Meio ist eine offene Genossenschaft, die auf dem Gemeingut der Herdade Freixo do Meio gegr\u00fcndet wurde. Zurzeit verf\u00fcgen wir \u00fcber 560 Hektar. Es handelt sich um eine integrale Genossenschaft, die eines Tages weiter ausgebaut werden kann, um sich weiteren wichtigen, unsere W\u00fcrde betreffenden Themen zu widmen, wie Bildung, Wohnen, Gesundheit. Gegenw\u00e4rtig jedoch hat sich die Genossenschaft die Ern\u00e4hrung zur Aufgabe gemacht.<\/p>\n<p><strong>Welche Rechte und Pflichten habe ich als Genossenschaftsmitglied?<br \/>\n<\/strong>Zuerst sollte man wissen, dass es nicht f\u00fcr jeden sinnvoll ist, dieser Kooperative beizutreten. Die Genossenschaft ist in einer ersten Phase, die mit der Produktion von Lebensmitteln zu tun hat, die von nur einem Landgut stammen. Damit k\u00f6nnen wir keine 10 Millionen Portugiesen ern\u00e4hren, sondern vielleicht 300, 400.<\/p>\n<div class=\"tie-full-width-img\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-56052\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/entrevista-alfredo-sendim_07.jpg\" alt=\"Uma eco-empresa na transi\u00e7\u00e3o\" width=\"1024\" height=\"628\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/entrevista-alfredo-sendim_07.jpg 1024w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/entrevista-alfredo-sendim_07-768x471.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/div>\n<p><strong>Das Landgut befindet sich in der Entwicklungsphase. Was ist ihr Ziel?<br \/>\n<\/strong>Landwirt kann man nicht alleine sein. In der Landwirtschaft wird unsere Interaktion mit dem Makroorganismus am deutlichsten. Landwirtschaft, Fischerei und Forstwirtschaft sind die Aktivit\u00e4ten, die uns am unmittelbarsten an dieses System binden. Wir sprechen nicht nur von Nahrungsmitteln, sondern von Rohstoffen, dar\u00fcber, wie wir das grundlegende Problem l\u00f6sen k\u00f6nnen, zu \u00fcberleben, ohne zu zerst\u00f6ren. Wir sprechen von einer Kultur, einer menschlichen Vision, einer Einstellung des Menschen gegen\u00fcber diesem System. Und diese Kultur sollte eigentlich die Landwirtschaft sein. Daher kommt der Spruch. Landwirt kann man nicht alleine sein. Der Landwirt steht in Verbindung mit anderen Wesen. Es macht keinen Sinn alleine zu handeln. Niemand kann einen Kopfsalat herstellen, wir k\u00f6nnen den Produktionsprozess unterst\u00fctzen und verstehen \u2013 den Salat aber nicht alleine produzieren. Das gleiche gilt in Bezug auf die Menschen &#8211; auch hier ist es unerl\u00e4sslich, dass sie wirklich zusammenarbeiten, daran glaube ich. Wie kann ich es bewerkstelligen gut zu essen und zusammen mit anderen Lebewesen Teil des Systems zu sein &#8211; und was ist gutes Essen? Das sind Nahrungsmittel, die das \u00d6kosystem nicht sch\u00e4digen, durch ihre Zubereitung das \u00d6kosystem verbessern, ihm mehr Energie, mehr Komplexit\u00e4t und mehr Widerstandskraft geben \u2013 diese Nahrungsmittel sollte ich essen. Das wird mir nicht m\u00f6glich sein, wenn ich mich nicht engagiere, wenn ich nicht in einem Projekt bin, das mir nicht nur den Zugang zu Informationen erm\u00f6glicht, sondern auch erlaubt zu handeln, was bedeutet, wirklich verantwortlich zu sein.<\/p>\n<p>Ich muss integriert sein. Nicht an einem Ort, an dem ich von Zeit zu Zeit teilnehmen kann. Nein! Es ist ein Ort, dem ich zugeh\u00f6re. Wir m\u00fcssen organisatorische Formen finden k\u00f6nnen, daher die Genossenschaft. Dies kann nicht die Summe verschiedener Teile sein, es muss eine kollektive Arbeit sein. Kollektiv bedeutet nicht, dass wir alle dasselbe tun, dass wir die Vielfalt vergessen. Wir m\u00fcssen nicht alle in der Landwirtschaft t\u00e4tig sein. Aber wir sind alle ein Teil des Systems.<\/p>\n<p><strong>W\u00e4re es heute nicht besser, statt Landwirtschaft, Philosophie zu studieren? Und dann von der Philosophie direkt in die Landwirtschaft zu wechseln? Herdade Freixo do Meio bietet Praktika, um Landwirtschaft zu lernen, schaffen Sie auch Arbeitspl\u00e4tze?<br \/>\n<\/strong>Ja, bei uns arbeiten 40 Festangestellte von denen 12 eine Hochschulausbildung haben. Das ist \u00fcberdurchschnittlich gut in der Gegend.<\/p>\n<p>Unsere Arbeit umfasst f\u00fcnf T\u00e4tigkeitsbereiche; der erste ist die Produktion, die in drei verschiedene Fachgebiete unterteilt ist: Tiere, Gartenbau und Agroforstwirtschaft. Im zweiten Bereich geht es um die Transformation aller Rohstoffe, die aus der Prim\u00e4rproduktion stammen, aus der direkten Beziehung zur Natur. Die Transformation findet in sieben Mikrofabriken statt: B\u00e4ckerei, Wurstwaren, Gefl\u00fcgel, Fleischverarbeitung. Dann haben wir eine industrielle K\u00fcche, die Suppen, Quiches, Fertiggerichte herstellt; und die Transformation von Gem\u00fcse in Konserven, S\u00fc\u00dfigkeiten, Essig, Wein, Oliven\u00f6l.<\/p>\n<p>Im dritten T\u00e4tigkeitsbereich, dem Vertrieb, k\u00fcmmern wir uns um die Verteilung an andere Gesch\u00e4fte und Restaurants. Und im vierten Bereich geht es um alles rund um den Kunden. Dieser Bereich ist wiederum auf drei Gebiete verteilt: ein Ladengesch\u00e4ft in Lissabon, ein Online-Shop und das CSA-Programm &#8222;Community Supported Agriculture\u201d, dessen Aufgabe darin besteht, die Gesellschaft mit einzubeziehen. Die anderen beiden, der Laden und der Online-Shop sind Werkzeuge, um Leute f\u00fcr das CSA zu gewinnen. Und dann haben wir einen f\u00fcnften T\u00e4tigkeitsbereich, den wir touristisch oder didaktisch nennen. Hier geht es im Grunde um zwei Punkte: \u00dcberlebenssicherung (wir m\u00fcssen die Menschen auf uns aufmerksam machen, um ihnen erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen was wir tun und warum) und Austausch.<\/p>\n<p>Wir befinden uns auf der Suche und Suche ohne Austausch macht keinen Sinn. Deshalb haben wir unseren f\u00fcnften Bereich. Das einzige, was wir auf diesem Planeten tun k\u00f6nnen, ist herauszufinden, was wir sind, und das bedeutet im Grunde genommen, zu suchen. Dann haben wir die M\u00f6glichkeit, nicht nur mit Worten, sondern mit Beispielen Interesse zu wecken. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir die T\u00fcren \u00f6ffnen, zeigen und mitteilen, was wir tun. Im Grunde genommen ist es immer eine ethische Frage. Ich denke, die ganze Menschheit befindet sich im Moment in einem gro\u00dfen Boot, das in eine absolut falsche Richtung unterwegs ist. Nur wenn wir unsere Einstellung \u00e4ndern, k\u00f6nnen wir das Ruder noch herumrei\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Sie beginen ein Projekt zur Wiederaufforstung. Daf\u00fcr sind 100 Hektar reserviert. K\u00f6nnen Sie das genauer beschreiben?<br \/>\n<\/strong>In den letzten 150 Jahren haben mein Urgro\u00dfvater, mein Gro\u00dfvater, wie fast alle, den Montado abgeholzt. Auf diesen 100 Hektar gab es keinen Baum mehr, nur eine sehr geringe Artenvielfalt, sehr wenige Bioorganismen, geringe Samenvielfalt, wenige Pionierpflanzen und auch die Struktur des Montado ging verloren. Nach der Industriellen Revolution wurde uns dann bewusst, dass wir die 100 Hektar nicht weiter so ausbeuten durften, wie wir das zuvor getan hatten. Wir wollen die Anzahl der Arten, die Photosynthese produzieren, erh\u00f6hen, um im Wesentlichen zwei Dinge zu erreichen: eine Zunahme des organischen Materials, das dem Boden N\u00e4hrstoffe zuf\u00fchrt und die Temperatur der Bodenoberfl\u00e4che senkt, um so Wasser einlagern und weiterleiten zu k\u00f6nnen und den nat\u00fcrlichen Wasserkreislauf zu verst\u00e4rken, damit das Wasser wieder ins Grundwasser und in die Brunnen gelangen kann.<\/p>\n<p>Wir konnten mit dem Konzept des Montado bereits viel CO2 binden. Wir haben aber die M\u00f6glichkeit, sowohl die Bindung von CO2, als auch die Produktivit\u00e4t des Systems enorm zu steigern. Als Aktivator des Systems kann der Mensch nicht nur dessen Endergebnis hinsichtlich der Energie, sondern auch seine Komplexit\u00e4t grundlegend beeinflussen, was haupts\u00e4chlich eine Frage der \u201eInformation&#8220; ist.<\/p>\n<p>Deshalb sagte Fernando Pessoa, dass \u201calles nichts und nichts alles ist\u201c. Weil alles nur Information ist, nicht mehr als das. Je mehr Ordnung, Energie und Ressourcen in einem System vorhanden sind, desto besser funktioniert es. Aber das ist nur Information &#8230;<\/p>\n<p>Danke.<\/p>\n<div class=\"box info  alignleft\" style=\"width:100%\"><div class=\"box-inner-block\"><i class=\"fa tie-shortcode-boxicon\"><\/i>\n\t\t\t* www.herdadefreixodomeio.pt\n\t\t\t<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein \u00d6ko-Unternehmen im Wandel Das Landgut Freixo do Meio, ein land \u2013 und forstwirtschaftlicher Betrieb mit 560 Hektar guter Erde, liegt im s\u00fcdlichen Alentejo, in der N\u00e4he von Montemor-o-Novo, ungef\u00e4hr 100 km \u00f6stlich von Lissabon. 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