{"id":56691,"date":"2018-12-24T03:29:57","date_gmt":"2018-12-24T03:29:57","guid":{"rendered":"https:\/\/eco123.info\/de\/?p=56691"},"modified":"2019-10-08T22:14:44","modified_gmt":"2019-10-08T21:14:44","slug":"das-projekt-naturwald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eco123.info\/de\/portugal-de\/interviews\/das-projekt-naturwald\/","title":{"rendered":"Das Projekt Naturwald"},"content":{"rendered":"<p>Die 39-j\u00e4hrige Evgenia Emets wuchs in Moskau und Kiew auf und kam sp\u00e4ter \u00fcber London nach Portugal, wo sie zehn Jahre lang lebte und ihr Kunststudium abschloss. In London lernte sie \u2013 durch Zufall oder nicht &#8211; ihren zuk\u00fcnftigen Ehemann Victor aus Polen kennen, mit dem sie gemeinsam durch Portugal reiste und das Solardorf Tamera im s\u00fcdlichen Alentejo besuchte. Kurz danach begannen sie Pl\u00e4ne f\u00fcr einen Umzug zu machen. Ihr urspr\u00fcnglicher Traum war die Gr\u00fcndung einer Gemeinschaft in einem der verlassenen D\u00f6rfer irgendwo in Portugal. So sind sie im Oktober 2017 in Ericeira gelandet. Evgenia hatte gerade ihren ersten 40-min\u00fctigen Dokumentarfilm mit dem Titel Eternal Forest fertiggestellt. ECO123 pr\u00e4sentierte den Film auf dem letzten Leserseminar. Uwe Heitkamp traf sie im Botanischen Garten in Lissabon zu einem l\u00e4ngeren Gespr\u00e4ch \u00fcber ihre \u00f6kologischen Ansichten und zuk\u00fcnftigen Kunstprojekte.<\/p>\n<p><strong>Wie kam es zu ihrem Interesse an Wald, B\u00e4umen und der Natur? Was hat Ihnen den n\u00f6tigen Ansto\u00df gegeben?<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, dieses Interesse war schon immer da. Aber nun, nach einem Jahr Arbeit an Eternal Forest ergeben sich neue Perspektiven. Ich fange an zu verstehen, dass dieses Interesse eigentlich in jedem von uns steckt und es nur eines kleinen Impulses bedarf, um es wieder zu erwecken. Ich bin ein Stadtmensch, obwohl ich umgeben von B\u00e4umen aufgewachsen bin. Ich habe in St\u00e4dten gelebt, sogar in Gro\u00dfst\u00e4dten. Nat\u00fcrlich hatte ich immer Kontakt mit der Natur, aber das ist nicht das Gleiche, wie in der Natur zu leben. Was mir wirklich den Ansto\u00df gab, den ich brauchte, war die Einladung eines unserer Freunde, das erste Treffen zur Wiederaufforstung zu besuchen, das nach den Br\u00e4nden von Pedrog\u00e3o in Elvas stattfand. An diesem dreit\u00e4tigen Treffen nahmen etwa 80 bis 90 Personen teil. Der Grundgedanke war, dar\u00fcber nachzudenken, wie verschiedene Gemeinschaften in einem lebendigen Netzwerk zusammenarbeiten k\u00f6nnen, um die Wiederaufforstung in Portugal und Spanien zu unterst\u00fctzen. Im Grunde ging es also eher um eine Vision f\u00fcr die Iberische Halbinsel. Das Ganze wurde zu einer Art Weltcaf\u00e9, in dem die Leute konkrete Vorschl\u00e4ge zur Diskussion stellten. Ein Teilnehmer schlug vor zu diskutieren, wie Kultur und Kunst uns zuk\u00fcnftig dabei unterst\u00fctzen k\u00f6nnen, die Wiederaufforstung zu forcieren, bestimmte Sachverhalte zu verstehen und uns helfen zu erkennen, was getan werden muss. Ich schloss mich also dieser Gruppe an und nat\u00fcrlich wurde dort sehr emotional diskutiert. Es war kurz nach den Br\u00e4nden und es gab Menschen im Raum, die Land verloren hatten, oder deren Pl\u00e4ne zunichte gemacht wurden. Sie fragten, wie Kunst und Kultur ein Mittel sein k\u00f6nnten, um konkrete Projekte zur Wiederaufforstung zu f\u00f6rdern und so eine Ver\u00e4nderung einzuleiten. In diesem Moment begann ich wirklich als K\u00fcnstlerin zu denken. Mir wurde bewusst, dass ich mit der Natur arbeite. Als ich das Treffen verlie\u00df, fuhren wir viele Kilometer durch verbranntes Land. Diese Bilder lassen mich nicht mehr los, sie sind immer gegenw\u00e4rtig und bleiben in steter Erinnerung.<\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-56691 gallery-columns-4 gallery-size-medium'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/eco123.info\/de\/portugal-de\/interviews\/das-projekt-naturwald\/attachment\/andreia-santos-2-2\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Andreia-Santos-300x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-56653\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Andreia-Santos-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Andreia-Santos-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-56653'>\n\t\t\t\tAndreia Santos\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/eco123.info\/de\/portugal-de\/interviews\/das-projekt-naturwald\/attachment\/carla-duarte-2-2\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Carla-Duarte-300x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-56656\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Carla-Duarte-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Carla-Duarte-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-56656'>\n\t\t\t\tCarla Duarte\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/eco123.info\/de\/portugal-de\/interviews\/das-projekt-naturwald\/attachment\/cesar-do-santos-neves-2-2\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Cesar-do-Santos-Neves-300x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-56659\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Cesar-do-Santos-Neves-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Cesar-do-Santos-Neves-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-56659'>\n\t\t\t\tCesar do Santos Neves\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/eco123.info\/de\/portugal-de\/interviews\/das-projekt-naturwald\/attachment\/detlaf-schafft-2-2\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Detlaf-Schafft-300x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-56662\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Detlaf-Schafft-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Detlaf-Schafft-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-56662'>\n\t\t\t\tDetlaf Schafft\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p><strong>Wie haben Sie es geschafft, einen engeren Kontakt mit der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung herzustellen? Sie sprechen noch kein Portugiesisch.<\/strong><\/p>\n<p>Ich beschloss, irgendwo in Portugal in der N\u00e4he der Br\u00e4nde einen Platz zu suchen und fand die K\u00fcnstlerresidenz Raizvanguarda in G\u00f3is. Das war der perfekte Ort, um dieses Projekt zu beginnen. Die Gegend um G\u00f3is hatte unter den Br\u00e4nden gelitten. Die Feuer waren gro\u00dffl\u00e4chig und hatten sich schnell ausgebreitet. Alles geschah \u00fcber einen kurzen Zeitraum von 24 Stunden. Es war ein verheerendes Feuer, das \u00e4u\u00dferst schnell um sich griff. Und die Kunstresidenz befand sich sehr nahe an diesem Ort. Also schlug ich das Projekt Eternal Forest vor. Ich hatte vor, dort anderthalb Monate f\u00fcr meine Recherche zu verbringen. Mein Fokus lag darauf, mit den Menschen zu sprechen und bei diesen ersten Treffen zu lernen und etwas mitnehmen zu k\u00f6nnen, um daraus meine Ideen zu entwickeln. Meine Vorstellung war, die Meinung der einfachen Menschen zu h\u00f6ren, die hier zu Hause sind, in der unmittelbaren N\u00e4he der Plantagen und des Waldes, in den Naturr\u00e4umen und auf ihrem eigenen Ackerland. Ich wollte wissen, was diese Leute zu sagen haben. Mein Vorschlag, den ich in der K\u00fcnstlerresidenz Raizvanguarda unterbreitete war: \u201eIch gehe dorthin, um mit den Einwohnern zu sprechen und Interviews zu f\u00fchren, die dann zur Grundlage einer Dokumentation werden. Die Interviews werden &#8211; so wie sie sind &#8211; Teil eines Films, in dem die Menschen ihre Gef\u00fchle ungefiltert zum Ausdruck bringen und sie sollen auch meine eigene Poesiearbeit inspirieren.\u201c<\/p>\n<p>Und das habe ich dann gemacht. Am Ende der Arbeit in der Kunstresidenz veranstalteten wir eine Ausstellung, mit einer Kombination aus visuellen poetischen Werken, stellten ein K\u00fcnstlerbuch mit allen Gedichten vor und zeigten den ebenfalls in diesen k\u00fcnstlerischen Kontext eingebunden Film mit 12 Interviews der Menschen aus der Umgebung von G\u00f3is, Lous\u00e3 und Arganil, in denen wir mit ihnen \u00fcber ihre Beziehung zum Wald sprechen. Ich wollte wirklich, dass sich die Leute \u00f6ffnen, um zu sehen, was dabei herauskommt. Wenn ich den Menschen spezifische Fragen stellte, antworteten sie nat\u00fcrlich auch auf Umwegen und fingen an, ihre eigenen Geschichten zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p><strong>Was war die wichtigste Frage?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gab es viele Ideen in Bezug auf m\u00f6gliche L\u00f6sungen: dies und das m\u00fcsste passieren, die politischen Entscheidungstr\u00e4ger ausgewechselt werden und es m\u00fcsste ein st\u00e4rkeres Bewusstsein von Gemeinschaft und Selbstorganisation entstehen. Es gab eine Menge unterschiedlicher Ideen, aber die grundlegende Frage war: &#8222;Was hindert uns daran, diese \u00c4nderungen heute einzuleiten? Warum passiert eigentlich nichts?\u201c Dazu m\u00fcssten die Leute ihr Umfeld analysieren, aber auch in sich selbst hineinschauen, um festzustellen, welche Art von unverr\u00fcckbaren Eckpfeilern bestehen und um herauszufinden, was ge\u00e4ndert werden kann. Aber aus irgendeinem Grund geschieht dies nicht, irgendetwas scheint die Sicht zu blockieren &#8211; das entdeckte ich, als ich mit immer mehr Menschen sprach. Die Ursachen daf\u00fcr liegen im kulturellen Bereich. Kultur \u00e4ndert sich nicht \u00fcber Nacht, es dauert sehr lange, ihre Muster zu verschieben. Es gibt auch Bereiche, zu denen wir nur sehr schwer Zugang finden, wie beispielsweise Religion, die in der menschlichen Psyche so starke und strenge Muster geschaffen hat, dass es Jahre dauert, diese zu ver\u00e4ndern. Und nat\u00fcrlich existiert auch die Idee der Naturverbundenheit immer in uns. Wie k\u00f6nnen wir diese Verbundenheit neu definieren, um sie tats\u00e4chlich sinnvoll einsetzen zu k\u00f6nnen? Obwohl sich diese Verbindung in tausenden von Jahren sowohl im physischen als auch im psychischen Bereich unserer Existenz &#8211; als Teil des \u00d6kosystems &#8211; entwickelt hat, dringt sie erst jetzt langsam an die Oberfl\u00e4che und beginnt uns zu kontrollieren und sogar zu manipulieren. Es stellt sich jedoch immer wieder die Frage: \u201eWarum machen wir diesen n\u00e4chsten Schritt nicht?\u201c F\u00fcr mich ist diese Frage sehr wichtig und ich mache mir nat\u00fcrlich meine eigenen Gedanken dazu.<\/p>\n<div id='gallery-2' class='gallery galleryid-56691 gallery-columns-4 gallery-size-medium'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Elsa-Claro-300x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-2-56667\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Elsa-Claro-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Elsa-Claro-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-2-56667'>\n\t\t\t\tElsa Claro\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Filipe-Serra-300x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-2-56670\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Filipe-Serra-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Filipe-Serra-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-2-56670'>\n\t\t\t\tFilipe Serra\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Jorge-Lucas-300x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-2-56673\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Jorge-Lucas-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Jorge-Lucas-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-2-56673'>\n\t\t\t\tJorge Lucas\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Manuel-Claro-300x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-2-56676\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Manuel-Claro-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Manuel-Claro-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-2-56676'>\n\t\t\t\tManuel Claro\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p><strong>Haben Sie herausfinden k\u00f6nnen, warum wir nicht in Harmonie mit der Natur leben? Welche Erkenntnisse konnten Sie gewinnen, als Sie den Film gemacht haben?<\/strong><\/p>\n<p>Ich sehe eine weitgehende Verfremdung und Abkopplung von der Natur. Die Naturverbundenheit ist zwar Teil unseres Wesens, wird aber von uns unterdr\u00fcckt. Ich glaube jedoch, dass sie sich befreien und lebendig werden muss. Das bedeutet jeden Tag, beim Aufwachen, den Drang, ja die Notwendigkeit zu sp\u00fcren, mit der Natur in Kontakt zu treten. Das geht uns allen so. F\u00fcr manche Leute beginnt es vielleicht mit Spazierg\u00e4ngen im Park. F\u00fcr andere mit dem Pflanzen von B\u00e4umen. Es k\u00f6nnte aber auch viel tiefschichtiger sein \u2013 sozusagen ein Versuch zur Selbstfindung. Manche Menschen wollen vielleicht in die Wildnis, um sich dort zu verlieren und neu zu finden. Aber ich denke, damit uns das bewusst wird, muss dieses Bed\u00fcrfnis so klar artikuliert sein, dass wir nicht dagegen ank\u00e4mpfen k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen uns sagen: &#8222;Ok, diese Gedanken sind so stark, dass sie jetzt realisiert werden m\u00fcssen. Ich muss das heute tun, denn morgen kann es zu sp\u00e4t sein.&#8220; Es beginnt mit dieser pers\u00f6nlichen, emotionalen und mentalen &#8211; wenn Sie m\u00f6chten auch &#8222;spirituellen&#8220; oder &#8222;energetischen&#8220; &#8211; Verbindung. Rein rational k\u00f6nnen wir uns das auf diese Weise erkl\u00e4ren: \u201eOk, ich f\u00fchle mich besser. Ich wei\u00df, es ist besser f\u00fcr meinen K\u00f6rper, besser f\u00fcr meine Gesundheit, barfu\u00df zu laufen, selbst etwas zu ernten, zu beobachten oder einfach nur Spa\u00df zu haben, als w\u00fcrde ich im Wald baden.\u201c Alles f\u00e4ngt dort an\u2026<\/p>\n<p><strong>Sie haben in einem brandgesch\u00e4digten Gebiet gearbeitet. Welche Beziehung haben Sie zum Element Feuer entwickelt?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe definitiv eine freundschaftliche Beziehung zum Feuer, weil ich viel Feuer in mir habe. Es dr\u00e4ngt mich, aktiv zu sein. Daf\u00fcr mag ich das Feuer sehr, habe aber durchaus auch Angst und Respekt davor. Wenn die Energie des Feuers zu gro\u00df wird und au\u00dfer Kontrolle ger\u00e4t, wenn sie nicht mehr mit den anderen Elementen Wasser, Erde und Luft im Gleichgewicht ist, dann f\u00fchrt dieses Ungleichgewicht, dieses \u00dcberhandgewinnen eines Elements, zu Katastrophen. Seit Jahrhunderten machen sich Menschen das Feuer zunutze. Aber erst jetzt wird uns richtig bewusst, dass Feuer nicht von selbst existiert, nicht wahr? Feuer existiert nur unter bestimmten Bedingungen und in einer bestimmten Umgebung. Diese beiden Faktoren wurden von uns derart ver\u00e4ndert, dass es sich unkontrolliert ausbreiten kann. Die Energien, derer wir uns bedienen, m\u00fcssen beherrschbar bleiben. Wasser wird durch Erde kontrolliert. Auch Feuer muss durch andere Elemente kontrolliert werden. Bei den von uns geschaffenen Monokultur-Landschaften aus leicht brennbarem Material ist das Feuer jedoch nicht aufzuhalten. Anders ausgedr\u00fcckt: In dieser Umgebung gibt es kein Gleichgewicht der Elemente, das durch seine Biodiversit\u00e4t verhindern k\u00f6nnte, dass sich das Feuer geradlinig ausbreitet. Feuer erlischt, wo es auf zu viel Feuchtigkeit st\u00f6\u00dft. Auch gibt es feuerresistente Baumarten, die helfen k\u00f6nnen, das Feuer zu stoppen.<\/p>\n<p><strong>Sind diese Br\u00e4nde unkontrollierbar?<\/strong><\/p>\n<p>Ja genau. Und ich m\u00f6chte dabei nicht einmal auf die dunkle Seite der menschlichen Beteiligung eingehen. Ich wei\u00df nicht, ob ich das sagen sollte, aber als ich die Einheimischen fragte, waren sich alle einig, dass diese Br\u00e4nde leider nicht von allein entstehen. Es ist alles miteinander verbunden: Die abgebrannten Gebiete, werden von den Unternehmen zu viel niedrigeren Preisen von den Eigent\u00fcmern erworben &#8211; so entsteht ein Teufelskreis &#8230;<\/p>\n<p><strong>Die Schattenwirtschaft des Feuers?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind zu \u00e4ngstlich, um dieses Thema anzusprechen. Es ist schwierig. Wenn ich beispielsweise meinen Freunden aus S\u00fcditalien sage, \u201eH\u00f6rt mal zu, es k\u00f6nnte m\u00f6glich sein, dass diese Br\u00e4nde keine nat\u00fcrlichen Ursachen haben&#8220;, antworten sie mir: &#8222;Das kennen wir, so ist es auch in Italien.\u201c Deshalb bin ich der Meinung, dass wir unbedingt an den Punkt kommen m\u00fcssen, an dem wir \u201eStop!\u201c sagen. Dazu m\u00fcssen wir einen Weg finden, eine Diskussion in Gang zu bringen, bei der alle an dieser Frage interessierten Teilnehmer die gleichen M\u00f6glichkeiten bekommen sich einzubringen. An diesem Tisch m\u00fcssen verschiedene Gemeinden, Organisationen und normale B\u00fcrger, Gesch\u00e4ftsleute und \u00d6kologen, Philosophen, K\u00fcnstler und \u00d6konomen vertreten sein. Ich glaube nicht, dass wir ohne ein solches Diskussionsforum weiterkommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Wie setzen Sie das um?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben den Film \u00fcber zwanzigmal vorgef\u00fchrt und werden das auch noch weiter tun. Jedes Mal, wenn ich den Film bei bestimmten Organisationen zeige, f\u00fchren wir anschlie\u00dfend eine Diskussion. Nat\u00fcrlich ist jede Diskussion anders. Die letzten Vorf\u00fchrungen haben mich jedoch veranlasst, diese Diskussion in eine Podiumsdiskussion umzuwandeln. Zurzeit sind drei Podiumsdiskussionen in Lissabon in Planung, eine in der Beira Baixa &#8211; eine weitere in der Roca Galerie, und es wird hoffentlich noch eine an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Bildende K\u00fcnste der Universidade de Lisboa stattfinden. Wir m\u00fcssen uns auf bestimmte Themen konzentrieren, zum Beispiel wie wir mit unseren Naturr\u00e4umen verantwortlich umgehen k\u00f6nnen \u2013 nicht aus einem Blickwinkel der Ausbeutung, sondern um etwas Neues zu schaffen. Warum brauchen wir diese R\u00e4ume und warum brauchen wir Biodiversit\u00e4t? Darauf m\u00fcssen wir die Diskussion aufbauen. Versuchen wir, uns nicht auf Problembeschreibung und Feststellung der menschlichen Schuld zu beschr\u00e4nken, sondern konstruktive Ans\u00e4tze zu entwickeln und L\u00f6sungen zu finden.<\/p>\n<p>Dann w\u00fcrde ich gerne ein Modell f\u00fcr Workshops erstellen. Ich habe dazu folgende Idee: Stellen Sie sich vor, Sie treffen sich mit Ihren Gemeindemitgliedern in Monchique, mit den Menschen, die in der Region leben, die dort sein wollen und bereit sind, sich in die Diskussion einzubringen. Dann laden Sie aber auch Vertreter des Rathauses, und auch Vereine ein, die sich f\u00fcr diese Aufgabe interessieren und sich an ihr beteiligen wollen. Laden sie alle Interessierten. Sie m\u00fcssen wirklich versuchen, Menschen mit verschiedenen Blickwinkeln und Meinungen \u2013 die sich nat\u00fcrlich auch widersprechen k\u00f6nnen \u2013 zusammenzubringen. Vielleicht sollten Sie dies zuerst an ein oder zwei Orten ausprobieren, um herauszufinden, welche Struktur f\u00fcr einen solchen Workshop am besten geeignet ist. Ziel dieses Workshops ist es, dass die Leute anfangen, regelm\u00e4\u00dfig zu diskutieren, Fragen zu stellen und die richtigen L\u00f6sungen f\u00fcr ihre Region zu finden. Ich m\u00f6chte, dass die Menschen dabei die M\u00f6glichkeit haben, ihre Bed\u00fcrfnisse und Tr\u00e4ume zum Ausdruck zu bringen und klar zu sagen, wof\u00fcr sie k\u00e4mpfen. Denn nur wenn wir alle interessierten Parteien h\u00f6ren und ihre Bed\u00fcrfnisse verstehen, k\u00f6nnen wir die richtige L\u00f6sung f\u00fcr den Wald finden. Ich w\u00fcrde gerne eine Reihe von Organisationen gewinnen, mit denen dieser Diskussionsprozess initiiert werden kann, und dieses Modell an alle Interessierten weitergeben, um zu sehen, was nach einem Jahr dieser Arbeit herauskommt.<\/p>\n<p><strong>Welches Ziel hatten Sie sich gesetzt, als Sie an dem Film gearbeitet haben?<\/strong><\/p>\n<p>Als ich begann, hatte ich folgendes Bild von Portugal vor Augen: \u201eOk, ich bin jetzt hier und wei\u00df, dass es auch intakte Natur gibt, aber ich habe keine Ahnung wieviel Fl\u00e4che dieses Landes einfach nur aus verheerenderer Monokultur besteht. Au\u00dferdem brennt es und dies hat enorme negative Folgen f\u00fcr den Lebensunterhalt der Menschen. H\u00e4user werden zerst\u00f6rt, Mieteinnahmen fallen weg&#8220;.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich war das ein bisschen schockierend. Mit dem Film versuchte ich zu verstehen, wie es aktuell in den Herzen und K\u00f6pfen der Menschen aussieht, ob die Verbindung zur Natur besteht und wenn ja, wie sie sich auswirkt. Ich wollte die Menschen direkt befragen und in ihren Antworten h\u00f6ren, ob und in welcher Form diese Verbindung besteht oder nicht. Mich interessierte ihre Sicht auf die Dinge und nat\u00fcrlich auch ihre Visionen und Tr\u00e4ume f\u00fcr die Zukunft, wobei eine der Fragen lautete: &#8222;Was ist Ihr Traum f\u00fcr das Land, in dem Sie leben?&#8220; und eine andere: &#8222;Wie sehen Sie dieses Land in hundert Jahren?&#8220; Ich hatte ein wirklich gro\u00dfes Problem, darauf Antworten zu bekommen, weil niemand dar\u00fcber reden wollte. Nur ein oder zwei Leute haben mit von ihren Tr\u00e4umen erz\u00e4hlt. Die erste Reaktion auf diese Frage war eher wie folgt: \u201eAus diesen und jenen Gr\u00fcnden wird es so und so sein, so ist das eben.\u201c Die Visionen basieren somit einzig auf dem aktuellen Stand der Dinge &#8211; das war schockierend f\u00fcr mich. Ich sagte: \u201eVielen Dank f\u00fcr ihre Meinung, aber was w\u00fcrden Sie sich wirklich w\u00fcnschen? Wenn Sie die jetzige Situation einmal vergessen, wenn Sie etwas ver\u00e4ndern k\u00f6nnten, was w\u00e4re dann Ihr Traum f\u00fcr diesen Ort? \u201c<\/p>\n<p>Ich brauchte also Zeit, um die Menschen dazu zu bringen, sich zu \u00f6ffnen und mir von ihren Tr\u00e4umen zu erz\u00e4hlen. Ebenso m\u00f6chte ich durch das Organisieren dieser Diskussionsrunden und Workshops, dass die Menschen sich mehr \u00f6ffnen und zu tr\u00e4umen beginnen, das Tr\u00e4umen von etwas nicht Existentem erfordert Vorstellungskraft. Dazu sind Zusammenarbeit, Gemeinschaftsgef\u00fchl und Selbstorganisation n\u00f6tig, wovon im Moment leider nicht viel vorhanden ist. Bevor wir dies nicht haben wird es, denke ich, nicht m\u00f6glich sein, gute, dauerhafte und nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.<\/p>\n<p><strong>Ist es nicht interessant, dass die Menschen keine Zukunftstr\u00e4ume haben?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, das ist es.<\/p>\n<div id='gallery-3' class='gallery galleryid-56691 gallery-columns-4 gallery-size-medium'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Maria-do-Rosario-Oliveira-300x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-3-56679\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Maria-do-Rosario-Oliveira-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Maria-do-Rosario-Oliveira-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-3-56679'>\n\t\t\t\tMaria do Rosario Oliveira\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Randal-James-Black-300x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-3-56682\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Randal-James-Black-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Randal-James-Black-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-3-56682'>\n\t\t\t\tRandal James Black\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Rita-Serra-300x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-3-56685\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Rita-Serra-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Rita-Serra-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-3-56685'>\n\t\t\t\tRita Serra\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Sofia-Buzaglo-300x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-3-56688\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Sofia-Buzaglo-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Sofia-Buzaglo-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-3-56688'>\n\t\t\t\tSofia Buzaglo\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p><strong>Und was bedeutet das? Warum haben die Menschen keine Tr\u00e4ume oder Vorstellungen \u00fcber ihre Zukunft? Warum sind sie nicht neugierig? Ist es eine Frage der Bildung?<\/strong><\/p>\n<p>Ich denke, Bildung spielt eine gro\u00dfe Rolle dabei, dass von Generation zu Generation der menschliche Geist nur innerhalb bestimmter Grenzen funktioniert, die dazu dienen, nur eine bestimmte Funktion zu erf\u00fcllen. Die Menschen m\u00fcssen in das System passen und innerhalb des Systems funktionieren. So wird das in den Familien in die n\u00e4chste Generation weitergetragen. Es gibt jedoch kaum Platz zum Tr\u00e4umen. Heute Morgen habe ich \u00fcber Altruismus nachgedacht. Existiert er oder nicht? Warum tun manche Leute unglaubliche Dinge, wie zum Beispiel ganze W\u00e4lder zu pflanzen? Haben sie das getan, weil dies der einzige Sinn in ihrem Leben war? Ihr wichtigster Traum, ihre Lebenserf\u00fcllung? Gab die Umsetzung ihren Tagen einen Sinn? Ich denke wir haben alle eine Aufgabe zu erf\u00fcllen. Ich denke auch, die Menschen nehmen das Leben f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich, allt\u00e4glich &#8211; das Leben kann aber nicht als selbstverst\u00e4ndlich betrachtet werden. Der wichtige Punkt ist doch: wenn wir anfangen das Leben als selbstverst\u00e4ndlich zu betrachten, sind wir nur mit unserer Routine besch\u00e4ftigt, wir k\u00f6nnen uns um gar nichts anderes k\u00fcmmern, weil wir nicht \u00fcber die n\u00f6tige Energie und Aufnahmef\u00e4higkeit verf\u00fcgen, zu erkennen, was um uns herum geschieht. Aber das Leben findet auf sehr vielen Ebenen statt und dennoch beteiligen wir uns nur an einem schmalen Streifen, der 0,01 Prozent des Geschehens unseres Umfelds ausmacht. Wir gehen zur Arbeit, erziehen unsere Kinder und schicken sie in die Schule. Ich wei\u00df es nicht, aber vielleicht reicht das nicht mehr. Vielleicht m\u00fcssen wir uns noch ein bisschen mehr engagieren, denn die Erfahrung zeigt, dass es nicht gut ist, die Entscheidungsbefugnis nur irgendwelchen Organisationen, Unternehmen oder Politikern zu \u00fcberlassen. Dieser Machtverlust ist auch einer der Gr\u00fcnde, warum wir keine Tr\u00e4ume haben. Weil wir uns nicht in der Lage sehen, Dinge zu \u00e4ndern, etwas f\u00fcr uns selbst zu tun, haben wir diese Leute gew\u00e4hlt, damit sie das an unserer Stelle erledigen.<\/p>\n<p><strong>Das Dilemma hei\u00dft Teilnahme oder Dominanz?<\/strong><\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns f\u00fcr die Teilnahme entscheiden, aber das bedeutet auch, sich von vielen Verhaltensweisen zu verabschieden.<\/p>\n<p><strong>Wie m\u00f6chten Sie in einem Workshop Personen, die auf Teilhabe setzen mit jenen zusammenbringen, denen ihre Dominanz wichtig ist? Leute, die Monokulturen pflanzen, haben kein Interesse an dieser Teilhabe.<\/strong><\/p>\n<p>Nein, das haben sie nicht.<\/p>\n<p><strong>Diese Leute bestimmen was im Boden w\u00e4chst. Wo liegt also die L\u00f6sung zwischen diesen beiden Positionen, zwischen Teilen und Dominieren?<\/strong><\/p>\n<p>Es wird ein langwieriger Prozess. Ich glaube nicht, dass sich das \u00fcber Nacht \u00e4ndern wird. Ich glaube, wenn Sie es nicht schaffen das Herz eines Menschen zu ber\u00fchren, dass Sie ihn auch nicht dazu bewegen werden, seine Meinung zu \u00e4ndern. Mit anderen Worten, wir m\u00fcssen bei gemeinsamen Veranstaltungen anfangen, einander zuzuh\u00f6ren. Jeder kann seine Gedanken zum Ausdruck bringen, weil jeder das Recht dazu hat, nicht nur die Leute mit Geld und Macht. Wichtig ist, dass wir lernen, unsere Ohren und Herzen zu \u00f6ffnen und dass wir uns wirklich bem\u00fchen, einander zuzuh\u00f6ren. Ich denke es ist wichtig, dass die Leute, die zu diesen Treffen kommen, zumindest diesem Minimalkonsens zustimmen.<\/p>\n<p><strong>Wollen Sie also Portucel, die Papierfirma Navigator, einladen?<\/strong><\/p>\n<p>Warum nicht?<\/p>\n<p><strong>Und sie mit Naturschutzverb\u00e4nden wie Quercus und LPN zusammenbringen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen Diskussionen auf allen Ebenen beginnen, aber auf jeden Fall auch die Papierfirmen einbeziehen, was \u2013 sagen wir mal &#8211; das gr\u00f6\u00dfte Problem darstellt. Aber das gr\u00f6\u00dfte Problem k\u00f6nnte auch die gr\u00f6\u00dfte Chance sein. Ich glaube nicht, dass sie sich \u00fcber Nacht \u00e4ndern werden, aber dass sie sich \u00e4ndern m\u00fcssen. So wie ich es sehe, gibt es keine M\u00f6glichkeit, \u00c4nderungen zu vermeiden. Aber wie werden diese Ver\u00e4nderungen aussehen und wann werden sie passieren? Ich bin der Meinung, dass das schon viel zu lange dauert. Wir m\u00fcssen die Zeit aufholen, die wir verloren haben.<\/p>\n<p><strong>Ist es schon zu sp\u00e4t?<\/strong><\/p>\n<p>Das will ich nicht sagen, aber wir m\u00fcssen schneller vorgehen. Wir k\u00f6nnen einfach nicht l\u00e4nger warten. Ich bin sicher, dass es in diesen Unternehmen viele Leute gibt, die gerne etwas anderes machen w\u00fcrden, aber nicht wissen wie.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie in wenigen Worten sagen, was Sie mit Ihrem Film erreichen wollen?<\/strong><\/p>\n<p>Eines meiner Ziele war, den Menschen bewusst zu machen, dass etwas in ihrem Leben fehlt, etwas sehr Wichtiges. Etwas Existenzielles. Aber was genau ist das? Ich m\u00f6chte, dass sie Dinge in Frage stellen, anfangen ihren Gef\u00fchlen zu folgen und Antworten f\u00fcr sich selbst zu suchen. Diese Idee von einem Wald erscheint zur jetzigen Zeit fast wie ein Trugbild, denn wo findet man heute in Portugal noch einen Naturwald? Wir m\u00fcssen ihn wiederentdecken.<\/p>\n<p>Danke.<\/p>\n<div class=\"box info  alignleft\" style=\"width:100%\"><div class=\"box-inner-block\"><i class=\"fa tie-shortcode-boxicon\"><\/i>\n\t\t\t\nWir freuen uns, den 40-min\u00fctigen Dokumentarfilm Eternal Forest online auf <a href=\"https:\/\/eco123.info\/video\/Eternal%20Forest%20Evgenia%20Emets.mp4?\">www.eco123.info<\/a> auf Portugiesisch mit englischen Untertiteln \u00fcber Weihnachten (24., 25. und 26. Dezember) allen unseren Lesern als kleines Geschenk zu pr\u00e4sentieren. Wir w\u00fcnschen viel Freude und einen guten Rutsch!\n\t\t\t<\/div><\/div>\n<div class=\"clear\"><\/div><div class=\"author-info\"><img decoding=\"async\" class=\"author-img\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Uwe-Heitkamp.png\" alt=\"\" \/><div class=\"author-info-content\"><h3>About the author<\/h3>\n\t\t\tUwe Heitkamp, 53, Journalist und Filmemacher, ist seit 25 Jahren in Monchique, Portugal zuhause. Er unternimmt gern lange Wanderungen in den Bergen und schwimmt in Gebirgsb\u00e4chen und Seen. Schreibt und erz\u00e4hlt Geschichten \u00fcber Menschen und ihre Bez\u00fcge zur \u00d6kologie und \u00d6konomie. Sein aktueller Film \u201eErben der Revolution\u201c, erz\u00e4hlt \u00fcber 60 Minuten die Geschichte einer Wanderung durch Portugal. Zehn Menschen berichten aus ihrem Leben. Alle Protagonisten zusammen malen ein Bild vom Leben und Arbeiten in den Bergen Portugals. Der Film offenbart Einblicke in die Sch\u00f6nheit der Natur und das Leben der normalen Menschen. Welcher Weg bestimmt die Zukunft des Landes? (Abonnieren Sie ECO123 und sehen Sie den Film in der Mediathek)\n\t\t\t<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 39-j\u00e4hrige Evgenia Emets wuchs in Moskau und Kiew auf und kam sp\u00e4ter \u00fcber London nach Portugal, wo sie zehn Jahre lang lebte und ihr Kunststudium abschloss. 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