{"id":56704,"date":"2018-12-24T03:29:55","date_gmt":"2018-12-24T03:29:55","guid":{"rendered":"https:\/\/eco123.info\/de\/?p=56704"},"modified":"2019-10-08T22:15:43","modified_gmt":"2019-10-08T21:15:43","slug":"der-wald-ist-keine-wurstfabrik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eco123.info\/de\/portugal-de\/interviews\/der-wald-ist-keine-wurstfabrik\/","title":{"rendered":"Der Wald ist keine Wurstfabrik"},"content":{"rendered":"<p>Jo\u00e3o Camargo (35 Jahre) lebt in Lissabon und hat zwei T\u00f6chter, ein und vier Jahre alt. Er hat einen Universit\u00e4tsabschluss im Fachbereich Nutztierhaltung, entdeckte seine Vorliebe f\u00fcr den Journalismus, fand dann aber doch im Studium der Umwelttechnik seine intellektuelle Herausforderung. Jo\u00e3o Camargo arbeitete einige Jahre auf diesem Gebiet und ging dann nach Mozambique, wo er zun\u00e4chst an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Agrarwissenschaften in Lichinga und dann sp\u00e4ter an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Biologie in Pemba unterrichtete. Nach Ablauf von zwei Jahren kehrte er nach Portugal zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Sein Interesse an gesellschaftspolitischer Bet\u00e4tigung f\u00fchrte ihn zur Naturschutzorganisation Liga para a Prote\u00e7\u00e3o da Natureza (LPN), f\u00fcr die er vier Jahre t\u00e4tig war. Danach erfolgte die Promotion im Fachbereich Klimawandel und Nachhaltige Entwicklung. Umweltthemen mit sozialem Aspekt spielen immer eine Rolle, weil es niemals einen Weg gibt, ein Problem zu l\u00f6sen, ohne das Gesamtbild im Blick zu behalten.<\/p>\n<p><strong>Wie entstand Ihr Buch Portugal in Flammen?<\/strong><\/p>\n<p>Das Thema hat mich immer umgetrieben, besonders in Portugal. Angesichts des riesigen Bestandes gab es in den 80er Jahren und einem Teil der 90er Jahre wenig Diskussion. Der Protest nahm in gleichem Ma\u00dfe ab, wie die Ausdehnung des Eukalyptusanbaugebiets zunahm und das Landesinnere und die l\u00e4ndlichen Gebiete mehr und mehr von der Bev\u00f6lkerung verlassen wurden. In Mosambik habe ich das auch oft gesehen: riesige Gebiete, in denen heimische W\u00e4lder zur Einf\u00fchrung von Eukalyptuspflanzungen abgeholzt wurden.<\/p>\n<p>Damals waren es schwedische Unternehmen. Inzwischen wei\u00df ich, dass auch Portucel Mo\u00e7ambique &#8211; das zur Navigator-Gruppe geh\u00f6rt &#8211; dort t\u00e4tig ist. Als ich wieder bei LPN arbeitete, begann ich dar\u00fcber zu schreiben. Im Jahr 2012 wurde dann das Gesetz von Assun\u00e7\u00e3o Cristas verabschiedet. Ich war einer derjenigen, die mitgeholfen haben, die Kampagne zur Aufhebung des Gesetzes zur Genehmigung von Eukalyptusplantagen in Gebieten mit weniger als zwei Hektar ins Leben zu rufen. Als ich anfing, \u00f6ffentlich dar\u00fcber zu schreiben, wurde ich \u2013 wesentlich h\u00e4rter als erwartet &#8211; angegriffen.<\/p>\n<p><strong>Von wem?<\/strong><\/p>\n<p>Von mehreren Personen, von denen viele mit dem Sektor in Verbindung standen &#8230; anonyme Angriffe. Mir wurde klar, dass diese Reaktion viel st\u00e4rker war als ich zun\u00e4chst erwartet hatte, als ich feststellte, wie strukturiert und planvoll sie erfolgte. R\u00fcckblickend war es sehr naiv von mir anzunehmen, dass das Land nur aus lauter Tr\u00e4gheit \u00fcber das weltweit gr\u00f6\u00dfte Eukalyptusgebiet verf\u00fcgt. Als ich 2012 in einem Artikel dar\u00fcber schrieb, fiel mir auf, dass noch nie zuvor dar\u00fcber berichtet worden war.<\/p>\n<p><strong>Eine Million Hektar, 12 Prozent des Staatsgebiets.<\/strong><\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend besch\u00e4ftigte ich mich mit den bestehenden Problemen, insbesondere mit der sehr ernst zu nehmenden Landflucht und dem Verlust von Waldertr\u00e4gen und Forsterzeugnissen. Ich habe mehrere Leute getroffen, die diese Meinung mit mir teilten. Mit einem von ihnen, Paulo Pimenta de Castro, habe ich das Buch Portugal in Flammen geschrieben. Er steht politisch wesentlich weiter rechts, aber f\u00fcr diese Analyse haben wir uns zusammengefunden, weil die gigantischen Ausma\u00dfe des Problems eine Herausforderung f\u00fcr die Zukunft darstellen.<\/p>\n<p><strong>Was bedeutet das Element Feuer f\u00fcr Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Feuer ist im Mittelmeerraum ein nat\u00fcrliches Element, es besteht offensichtlich keine M\u00f6glichkeit, das Entstehen von Br\u00e4nden permanent zu vermeiden.<\/p>\n<p><strong>Das Feuer oder die Br\u00e4nde? Ich spreche vom Element.<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Element existiert seit es die Erde gibt, und innerhalb bestimmter Dimensionen hat es seine Berechtigung und spielt sogar eine regenerierende Rolle in den \u00d6kosystemen. Es kann aber auch Biomasse und Biodiversit\u00e4t zerst\u00f6ren. Wir alle haben jedoch einen sehr gro\u00dfen Einfluss auf die Dimension, die das Feuer in einem \u00d6kosystem, einem Gebiet und der dort lebenden Bev\u00f6lkerung einnimmt. Kleine Br\u00e4nde mit begrenzten Folgen sind eine Sache, immer h\u00e4ufiger auftretende Katastrophen, bei denen Tausende Hektar ununterbrochen brennen, sind jedoch etwas ganz anderes. Ab einem bestimmten Ausma\u00df kann dem Brand nichts mehr entgegengesetzt werden, Feuerwehren und sonstige Einheiten der Brandbek\u00e4mpfung k\u00f6nnen nichts mehr ausrichten. Gro\u00dffl\u00e4chige Monokulturen leicht brennbarer Spezies beg\u00fcnstigen die Brandh\u00e4ufigkeit. Wenn wir diese Bedingungen selbst schaffen, verst\u00e4rken wir globale brandbeg\u00fcnstigende Faktoren wie erh\u00f6hte Temperaturen und verringerte Luftfeuchtigkeit. Wir erschaffen die H\u00f6lle!<\/p>\n<p><strong>Welche Alternativen gibt es?<\/strong><\/p>\n<p>Was wir als Alternative zu entwickeln versuchen, besteht erst einmal darin, auf diesem Gebiet mit Vernunft vorzugehen, was bis heute kaum gemacht wurde. Die bestehende Situation der Eukalyptus-Expansion wurde haupts\u00e4chlich durch Pflanzungen geschaffen. Wir sprechen hier nicht von einer normal vorkommenden invasiven Expansion, die Entwicklung ist vorwiegend menschengemacht \u2013 aufgrund von Interessen der Zellstoffindustrie. Die gesamte l\u00e4ndliche Wirtschaft wurde f\u00fcr dieses Produkt erstickt. Was bedeutet Vernunft? Wir haben sehr abwechslungsreiche Landschaften. Alle 100 Kilometer \u00e4ndern sich die klimatischen Bedingungen, die vorherrschenden Arten und die Topographie.<br \/>\nVon der Algarve bis in den Minho scheint es, als w\u00fcrden wir von Marokko nach Norddeutschland reisen. Wir st\u00fctzen uns bei unserer Beurteilung auf Karten zur bioklimatischen Anpassung des Territoriums.<\/p>\n<p>Manuela Raposo Guimar\u00e3es leistete an der Hochschule f\u00fcr Agronomie (Abteilung f\u00fcr Landschaftsarchitektur) unsch\u00e4tzbare Arbeit, die uns wertvolle Informationen gibt, welche land- und forstwirtschaftlichen Arten in einem bestimmten Gebiet sinnvoll sind \u2013 und dies sehr pr\u00e4zise in sehr kleinem Ma\u00dfstab. Ich w\u00fcrde nicht sagen quadratmetergenau, aber nahezu. Sie sagt uns, welche Arten am Hang sinnvoll sind, und beschreibt die Eigenschaften der Art in Bezug auf Bodenbeschaffenheit, Sonneneinstrahlung, allgemeiner Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Soweit ist das ganz einfach. Wir m\u00fcssen jedoch auch die Auswirkungen des Klimawandels mitber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Unter den heutigen Bedingungen sind bestimmte Artengemische sinnvoll. Wir m\u00fcssen uns von der Idee der Monokulturen verabschieden, denn es ist v\u00f6llig absurd in einem derart abwechslungsreichen Territorium \u00fcberall die gleiche Art anzupflanzen und zu glauben, dass diese \u00fcberall gedeiht.<\/p>\n<p>Aber welche Arten werden in Zukunft sinnvoll sein? Welche sind heute geeignet, welche bei einem Temperaturanstieg von 1 oder 2 Grad und weniger Niederschlag? Das Land muss im Hinblick auf den Klimawandel f\u00fcr die Zukunft ger\u00fcstet sein, wobei indigenen, weniger feuergef\u00e4hrdeten und eher trockenheitsresistenten Arten Vorrang einger\u00e4umt werden sollte. Wenn es keine entsprechenden autochthonen Arten gibt, m\u00fcssen wir kontinentale und mediterrane Arten w\u00e4hlen, die denen unseres Bioms m\u00f6glichst \u00e4hnlich sind, da die Ausbreitung der Sahara das W\u00fcstenklima weiter in den Norden verschiebt.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen schon jetzt \u00fcber Arten nachdenken, die es in Marokko &#8211; aber nicht in Portugal &#8211; gibt, wie zum Beispiel Arganb\u00e4ume, Atlaszedern, Kalabrische Kiefern und Aleppo-Kiefern. Diese k\u00f6nnen \u2013 und m\u00fcssen &#8211; nat\u00fcrlich in einem kleinen experimentellen Rahmen getestet werden. Wir m\u00fcssen die Artenvielfalt, die wir in den letzten Jahrzehnten durch massive Expansion von Pinien und Eukalyptus zerst\u00f6rt haben, wiederherstellen. Um dies umzusetzen, m\u00fcssen Menschen im Landesinneren und in l\u00e4ndlichen Gebieten leben. Die Restrukturierung des l\u00e4ndlichen Raumes dient nicht dem schnellen finanziellen Ertrag, sondern der Wertsch\u00f6pfung f\u00fcr die Zukunft, um sicher zu stellen, dass Portugal auch bei einem Temperaturanstieg von 2 oder 3 Grad ein lebensf\u00e4higes und lebenswertes Land bleibt. Das meine ich nicht in finanzieller oder wirtschaftlicher Hinsicht \u2013 dies sind subjektive menschliche Ma\u00dfst\u00e4be &#8211; sondern in Bezug auf die Ressourcen wie Wasser und Nahrungsmittelproduktion.<\/p>\n<p>Leider wird sich durch die vom Klimawandel bedingten Einschr\u00e4nkungen auch unsere enorme wirtschaftliche Komplexit\u00e4t vereinfachen m\u00fcssen. Entweder bereiten wir uns vor (von diesem Prozess kann die Gesellschaft und das Gemeinwohl sogar profitieren) oder wir werden einen enormen Schock erleben, der die Sparma\u00dfnahmen der letzten Jahre wie einen Witz erscheinen l\u00e4sst. Wir m\u00fcssen uns entscheiden: Entweder Anpassung oder unausweichlicher Zusammenbruch.<\/p>\n<p><strong>Haben wir in unserem t\u00e4glichen Leben denn die Zeit, \u00fcber diese beiden Optionen nachzudenken?<\/strong><\/p>\n<p>Die m\u00fcssen wir uns nehmen.<\/p>\n<p><strong>Wie sollen Menschen, die vierzig oder mehr Stunden pro Woche arbeiten m\u00fcssen, es schaffen zusammenzukommen, um sich eine Meinung zu bilden und f\u00fcr Naturschutz und Biodiversit\u00e4t des Waldes einzutreten?<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-56697\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/02_joao-camargo-300x300.jpg\" alt=\"Jo\u00e3o Camargo\" width=\"300\" height=\"300\" \/>Ich glaube, dass es mehrere Handlungsebenen gibt, die sich alle gegenseitig erg\u00e4nzen. Es gibt bereits Menschen, die einen wichtigen Teil dieser Arbeit leisten. Jeder von uns hat seinen pers\u00f6nlichen Lebensstil, ist aber auch in kollektive Prozesse eingebunden, dadurch k\u00f6nnen Ver\u00e4nderungen entstehen. Andererseits erzeugt schon allein die Auseinandersetzung mit einem Thema gl\u00fccklicherweise immer einen gewissen Ver\u00e4nderungsdruck. St\u00e4ndig h\u00f6ren wir, dass ein Mensch allein kaum eine Ver\u00e4nderung bewirken k\u00f6nne, aber diese obrigkeitsorientierte Denkweise ist eine Falle. Tats\u00e4chlich finden wir sie jedoch in allen Bereichen unserer Kultur; in Institutionen, in Schulen, in der Presse, in Justizsystemen, in den Gesetzen. Wir brauchen sozusagen einen antiautorit\u00e4ren Impuls gegen diese Obrigkeitsdenkweise, die uns in unseren M\u00f6glichkeiten einschr\u00e4nkt. Es entsteht das Gef\u00fchl, dass es uns gar nicht m\u00f6glich ist, Dinge zu \u00e4ndern. Es ist leichter, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Wirtschaftssystems, in dem wir leben. Wir wurden tats\u00e4chlich in eine Falle gelockt, die bereits den Weg in unsere K\u00f6pfe gefunden hat.<\/p>\n<p><strong>Durch jeden Brand werden die Einwohner \u00e4rmer. Welche Konsequenzen hat die Landflucht? Wie k\u00f6nnen wir diesen Exodus stoppen? Wie k\u00f6nnen junge Menschen motiviert werden, aufs Land zur\u00fcckzukehren, um dort nach Kriterien der Biodiversit\u00e4t zu arbeiten?<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt bereits eine kleine Bewegung zur\u00fcck zur Natur, die sich dringend vergr\u00f6\u00dfern muss, aber dazu braucht man einen Plan. Das Buch versucht diesen Plan zu umrei\u00dfen, zum Beispiel bez\u00fcglich der Eignung der L\u00e4ndereien und einer vern\u00fcnftigen Vorgehensweise. Wir m\u00fcssen viel von dem, was in den letzten Jahren zerst\u00f6rt wurde wiederaufbauen, denn das Ph\u00e4nomen der Landflucht ist kein Thema das ausschlie\u00dflich Portugal betrifft, sondern \u00fcberall auf der Welt stattfindet. Es ist zum einen auf die Attraktivit\u00e4t der St\u00e4dte und zum anderen auf fehlende Investitionen in l\u00e4ndlichen Regionen zur\u00fcckzuf\u00fchren. In Portugal erfolgte ein Abbau im Bereich des Netzes \u00f6ffentlicher Dienste &#8211; Krankenh\u00e4user, Justiz, Schulen &#8230; Dies sind Faktoren, die die Menschen entmutigen. Die Landflucht ist ohne gro\u00dfe Investitionen nicht umkehrbar, es bedarf eines Masterplans, um die Bev\u00f6lkerung zur R\u00fcckkehr in die l\u00e4ndlichen Regionen zu motivieren.<\/p>\n<p>Von diesem Plan w\u00fcrden auch die K\u00fcstenregionen und die Gro\u00dfst\u00e4dte profitieren, denn sie sind auf das Wasser angewiesen, das aus dem Landesinneren kommt. Die Nahrungsmittelproduktion wird zunehmend auf nationaler oder sogar lokaler Ebene stattfinden, weil die gro\u00dfen Verteilungssysteme und der internationale Lebensmittelhandel enormen Spannungen unterliegen und auf immer gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten sto\u00dfen werden. Portugal hat jedoch seine Nahrungsmittelproduktion aufgrund einer Reihe von externen Anreizen bis auf einen unbedeutenden Rest heruntergefahren. Es ist noch autark bei drei oder vier Produkten, wie Oliven\u00f6l und anderen \u00d6len, aber nicht bei Nahrungsmitteln des direkten Verbrauchs&#8230; Die Lebensmittelproduktion h\u00e4ngt also vom Landesinnern und nat\u00fcrlich vom Wasser ab.<\/p>\n<p><strong>Was erwartet uns, wenn wir nichts tun?<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde sagen, wenn die Temperatur in diesem Tempo weiter ansteigt, wird die Versteppung Auswirkungen bis zum Tejo haben.<\/p>\n<p><strong>Wird Portugal also unbewohnbar werden?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, das nicht.<\/p>\n<p><strong>Aber mit wesentlich mehr Stress.<\/strong><\/p>\n<p>Ja und mit weit weniger Leuten. Es leben auch Menschen in der Sahara. Aber dort ist die Bev\u00f6lkerungsdichte sehr niedrig und der Lebensstil vergleichsweise sehr hart. Selbst in den schlimmsten Szenarien gibt es gro\u00dfe bewohnbare Streifen. In nationalen und vor allem internationalen Territorien ist der Druck aufgrund der Bev\u00f6lkerungsdichte viel h\u00f6her \u2013 dort leben wesentlich mehr Menschen auf viel weniger Raum und mit viel gr\u00f6\u00dferem Ressourcenverbrauch. Dies sind die perfekten Bedingungen f\u00fcr alle Arten von Barbarei. Die Natur treibt uns vor sich her, erdr\u00fcckt uns und dann erdr\u00fccken wir uns gegenseitig.<\/p>\n<p><strong>Und so kommt es zur V\u00f6lkerwanderung nach Norden?<\/strong><\/p>\n<p>So ist es. Das hei\u00dft wir wandern ins Zentrum und in den Norden Europas, w\u00e4hrend dann die V\u00f6lker Nordafrikas zu uns kommen \u2013 das f\u00fchrt zu immensen Belastungen. Aber die Einbeziehung der Menschen in diesen Anpassungsplan kann auch dazu beitragen, das Land wiederzubeleben.<\/p>\n<p><strong>Wie k\u00f6nnen wir in unserem Alltag dazu beitragen, den Klimawandel zu reduzieren?<\/strong><\/p>\n<p>Ich versuche immer, au\u00dfer zum Beispiel bei der Nutzung des Flugzeugs, die Hauptverantwortung nicht im individuellen Handeln zu sehen, obwohl auch diese offensichtlich wichtig ist. Wir brauchen eine Bewegung, die politischen Druck auf internationalem Niveau erzeugt, um auf zwei Ebenen zu handeln\u2026<\/p>\n<p><strong>Zuckerbrot oder Peitsche? Wie erreicht man die n\u00f6tige Motivation?<\/strong><\/p>\n<p>Der aktuelle Bericht des Zwischenstaatlichen Programms f\u00fcr Klimaver\u00e4nderungen (IPCC) wurde jetzt ver\u00f6ffentlicht. Er trifft eine grundlegende Feststellung, die schon lange \u00fcberf\u00e4llig war: Um den Temperaturanstieg unter eineinhalb Grad zu halten, m\u00fcssen wir bis 2030 f\u00fcnfzig Prozent der Treibhausgasemissionen reduzieren. Das sind noch 12 Jahre. Das hei\u00dft nicht nur, dass es keine neuen Erschlie\u00dfungen von Gas, \u00d6l und Kohle geben darf &#8211; sondern auch die heute bestehende Produktion muss zur\u00fcckgefahren werden. Dies bedeutet eine sehr radikale Energiewende. Und leider ist ein Bericht, der Ver\u00e4nderungen einer solch radikalen Dimension fordert in der Zivilgesellschaft unattraktiv. Die Zivilgesellschaft muss die Energiewirtschaft und das Transportwesen \u00e4ndern, aber auch Land- und Forstwirtschaft und die Gestaltung des l\u00e4ndlichen Raumes m\u00fcssen ver\u00e4ndert werden. Daher ist dieser Druck sehr wichtig. Auf der Ebene des individuellen Verhaltens wissen wir alle, was wir tun sollen&#8230;.<\/p>\n<p><strong>&#8230; oder anders machen k\u00f6nnen&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Genau. Zum Beispiel in den Bereichen Verkehr, \u00f6ffentliche Richtlinien &#8230; \u00d6ffentliche Richtlinien werden f\u00fcr die Menschen gemacht. So muss der Staat interpretiert werden, nicht nur als ein weit entferntes b\u00fcrokratisches Monster, sondern als etwas, das wir gestalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Weniger Br\u00e4nde.<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich auch weniger Br\u00e4nde.<\/p>\n<p><strong>Keine fossilen Energiequellen.<\/strong><\/p>\n<p>Richtig.<\/p>\n<p><strong>Diese drei Punkte.<\/strong><\/p>\n<p>Die Waldbr\u00e4nde m\u00fcssen so gut wie m\u00f6glich verhindert werden, nehmen tendenziell aber zu. Als Konsequenz aus den Ereignissen im Oktober 2017 brauchen wir einen Wald mit viel weniger leicht brennbarem Material, der sich nat\u00fcrlich entwickeln kann, dann sind auch gro\u00dffl\u00e4chige Br\u00e4nde viel leichter zu kontrollieren. Die gro\u00dfen Fl\u00e4chen des Eukalyptus- und Pinienwaldes sind unkontrolliert verbrannt, aber es gibt andere Waldgebiete mit viel gr\u00f6\u00dferer Artenvielfalt, wie beispielsweise den Margarida-Wald in der N\u00e4he von Arganil, der nur in den Randbezirken gebrannt hat. Die Artenvielfalt und die enorme Vielschichtigkeit unterschiedlicher Wechselwirkungen verlangsamen das Feuer, senken die H\u00f6he der Flammen und retten so das Waldesinnere.<\/p>\n<p>Es gibt viele Indizien, die zeigen, dass die Artenvielfalt bei der Brandbek\u00e4mpfung immense Vorteile bringt. Doch bietet uns ein biologisch vielf\u00e4ltiger Wald erheblich mehr, als eine \u201eWaldfabrik\u201c. Nicht nur in Bezug auf unser Wohlbefinden &#8211; auch die Wasserwirtschaft wird beg\u00fcnstigt und es gibt mehr forstwirtschaftliche Produkte wie Fr\u00fcchte, Pilze, Beeren, Wurzeln und Holz. Die Natur gibt uns sehr viel, aber sie ist keine Wurstfabrik.<\/p>\n<p>Danke.<\/p>\n<div class=\"clear\"><\/div><div class=\"author-info\"><img decoding=\"async\" class=\"author-img\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Uwe-Heitkamp.png\" alt=\"\" \/><div class=\"author-info-content\"><h3>About the author<\/h3>\n\t\t\tUwe Heitkamp, 53, Journalist und Filmemacher, ist seit 25 Jahren in Monchique, Portugal zuhause. Er unternimmt gern lange Wanderungen in den Bergen und schwimmt in Gebirgsb\u00e4chen und Seen. Schreibt und erz\u00e4hlt Geschichten \u00fcber Menschen und ihre Bez\u00fcge zur \u00d6kologie und \u00d6konomie. Sein aktueller Film \u201eErben der Revolution\u201c, erz\u00e4hlt \u00fcber 60 Minuten die Geschichte einer Wanderung durch Portugal. Zehn Menschen berichten aus ihrem Leben. Alle Protagonisten zusammen malen ein Bild vom Leben und Arbeiten in den Bergen Portugals. Der Film offenbart Einblicke in die Sch\u00f6nheit der Natur und das Leben der normalen Menschen. Welcher Weg bestimmt die Zukunft des Landes? (Abonnieren Sie ECO123 und sehen Sie den Film in der Mediathek)\n\t\t\t<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jo\u00e3o Camargo (35 Jahre) lebt in Lissabon und hat zwei T\u00f6chter, ein und vier Jahre alt. Er hat einen Universit\u00e4tsabschluss im Fachbereich Nutztierhaltung, entdeckte seine Vorliebe f\u00fcr den Journalismus, fand dann aber doch im Studium der Umwelttechnik seine intellektuelle Herausforderung. 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