{"id":57278,"date":"2019-04-15T20:01:40","date_gmt":"2019-04-15T19:01:40","guid":{"rendered":"https:\/\/eco123.info\/de\/?p=57278"},"modified":"2019-10-02T23:08:02","modified_gmt":"2019-10-02T22:08:02","slug":"erst-retten-wir-den-sado-dann-den-ganzen-planeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eco123.info\/de\/portugal-de\/interviews\/erst-retten-wir-den-sado-dann-den-ganzen-planeten\/","title":{"rendered":"Erst retten wir den Sado, dann den ganzen Planeten"},"content":{"rendered":"<p>Als Gastgeber des ersten BEACON-Regional-Workshops trat Set\u00fabal k\u00fcrzlich dem B\u00fcrgermeisterkonvent bei: Bis 2030 sollen die Emissionen in der Gemeinde um mindestens 40% gesenkt werden. Der Klimawandel ist nicht mehr nur ein Bedrohungsszenario: Um die zunehmenden \u00dcberschwemmungen in den Griff zu bekommen, f\u00fchrt die Stadt bisher beispiellose Ma\u00dfnahmen durch. Mit dem geplanten Ausbau des Hafens von Set\u00fabal und Industriebetrieben, die zu den schlimmsten Umweltverschmutzern des Landes z\u00e4hlen, wird es der Stadtverwaltung sehr schwerfallen, das gesteckte Ziel nur mit dem Austausch der herk\u00f6mmlichen Beleuchtung durch LEDs zu erreichen. Set\u00fabals Strategie f\u00fcr Klima und Energie liegt auf dem Tisch \u2013 die Bev\u00f6lkerung wurde zur Beteiligung an einer \u00f6ffentlichen Konsultation aufgerufen. ECO123 setzte sich mit Carla Guerreiro, Dezernentin f\u00fcr Umwelt und Energie, zusammen.<\/p>\n<p><strong>Wie sieht man in Set\u00fabal das Problem des Klimawandels?<br \/>\n<\/strong>Das Thema hat Priorit\u00e4t. Besonders in Bezug auf den Fluss Sado und den Hochwasserschutz in unserem Landkreis \u2013 ein Anliegen, dass uns schon lange besch\u00e4ftigt. Die Menschen beginnen die Auswirkungen des Klimawandels zu sp\u00fcren und in den meisten Kommunen steht das Problem der Erderw\u00e4rmung bereits im Vordergrund.<\/p>\n<p><strong>Welche Risiken bestehen f\u00fcr die Stadt, wenn sich die klimatischen Bedingungen weiter verschlechtern?<br \/>\n<\/strong>Wir haben bereits ernsthafte Probleme mit dem Hochwasser. Starke und ausgiebige Regeng\u00fcsse, die mit der gezeitenabh\u00e4ngigen Flut zusammenfallen, k\u00f6nnen in den tiefer gelegenen Stadtteilen zu \u00dcberschwemmungen f\u00fchren. Zurzeit ist das kein Problem, die Sorge jedoch ist gro\u00df, da Wetterkapriolen keine Ausnahme mehr sind &#8211; wie man heute sehen kann! [Drau\u00dfen pfeift ein starker Wind und Regen prasselt auf die D\u00e4cher der Stadt] \u00dcber mehrere Jahre verteilt gab es Situationen, in denen wir manche Stadtteile nur mit dem Boot erreichen konnten. Vor diesem Hintergrund haben wir F\u00f6rdermittel f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Errichtung einer gro\u00dfen Anlage beantragt, die haupts\u00e4chlich aus zwei R\u00fcckhaltebecken zur Wasserspeicherung bestehen wird. Die Planung des Projekts, mit einem Investitionsvolumen von 3.2 Mio. Euro ist nahezu abgeschlossen. Das ist unsere umfangreichste Intervention zur Abschw\u00e4chung der Auswirkungen des Klimawandels.<\/p>\n<p><strong>Und wie sieht es mit der Pr\u00e4vention aus. Was wird zur Emissions-Minderung getan?<br \/>\n<\/strong>Wir haben unseren Mobilit\u00e4tsplan erheblich ver\u00e4ndert und konnten die Emissionen, im st\u00e4dtischen Zust\u00e4ndigkeitsbereich reduzieren. Es handelt sich hier aber um eine Aufgabe, die von der Gemeinschaft insgesamt bew\u00e4ltigt werden muss: der Industrie und der Bev\u00f6lkerung im Allgemeinen \u2013 das Rathaus spielt hier nur eine kleine Rolle.<\/p>\n<p><strong>Was wurde ge\u00e4ndert?<br \/>\n<\/strong>Wir haben mehrere Verbesserungen im Bereich der Verkehrsinfrastruktur vorgenommen. Viele Ampeln wurden durch Kreisverkehre ersetzt und zur Verkehrsberuhigung Fahrbahnen verengt. Wir haben Radwege eingerichtet und unsere Mobilit\u00e4tsmodi auf sanfte Mobilit\u00e4t umgestellt. Unsere Topografie bietet sich daf\u00fcr geradezu an: Das Stadtgebiet ist flach und es ist gut m\u00f6glich, sich zu Fu\u00df oder mit dem Fahrrad zu bewegen.<br \/>\nWir haben auch versucht, die Energieeffizienz zu verbessern:<br \/>\nWir haben schon etwa 25% der Beleuchtung und auch alle Ampeln durch LEDs ersetzt. Bei neuen Projekten kommen nur noch LEDs zum Einsatz und einige darunter werden bereits von einer Zentrale aus ferngesteuert.Au\u00dferdem k\u00fcmmern wir uns um die kommunalen Geb\u00e4ude im Hinblick auf Energie- und Wassereffizienz, wann immer sich M\u00f6glichkeiten zu einer Sanierung ergeben.<\/p>\n<p><strong>Welche Ziele verfolgt die Stadt?<br \/>\n<\/strong>Wir sind dem B\u00fcrgermeisterkonvent beigetreten, eine gro\u00dfe Verpflichtung, die wir im vergangenen Jahr eingegangen sind: Reduzierung der Emissionen um 40% bis 2030. Das kann nicht allein durch st\u00e4dtische Ma\u00dfnahmen erreicht werden, sondern nur in Zusammenarbeit mit allen Mitgliedern der Gemeinschaft. F\u00fcr eine Reduzierung von 40% im ganzen Landkreis m\u00fcssen alle an einem Strang ziehen.<\/p>\n<div class=\"tie-full-width-img\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-57273\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/carla-guerreiro_Sketch-e1555353444265.jpg\" alt=\"welcoming to Setubal\" width=\"1000\" height=\"707\" \/><\/div>\n<p><strong>Wird dieses Ziel nicht durch die geplanten Baggerarbeiten im Sado und die Vergr\u00f6\u00dferung des Hafens von Set\u00fabal gef\u00e4hrdet?<br \/>\n<\/strong>Ganz im Gegenteil. Heute kann unser Hafen nur bestimmte Schiffe aufnehmen. Sehr oft sind das \u00e4ltere, die eine gr\u00f6\u00dfere Verschmutzung verursachen. Da diese Schiffe nur \u00fcber eine geringe Kapazit\u00e4t verf\u00fcgen, m\u00fcssen mehrere Schiffe einlaufen, um eine bestimmte Ladungsmenge zu transportieren. Die neuesten und modernsten Schiffe k\u00f6nnen in unseren Hafen nicht einlaufen. Unter Ber\u00fccksichtigung der Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung halten wir die Modernisierung des Hafens f\u00fcr grundlegend. Das ist kein Novum, hier in unserem Hafen wurden schon mehrmals Baggerarbeiten durchgef\u00fchrt &#8230;<\/p>\n<p><strong>&#8230;nicht in diesem Ausma\u00df.<\/strong><br \/>\nDas stimmt. Das Ganze wird auch nicht auf einmal sondern in zwei Schritten und unter strenger technischer Kontrolle durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Set\u00fabals Bev\u00f6lkerung hat vor der Gefahr einer Verseuchung des Flusses und den Folgen f\u00fcr das \u00d6kosystem, insbesondere f\u00fcr Delphine, gewarnt.<br \/>\n<\/strong>Von der Bauherrin wurde eine Informationsveranstaltung abgehalten. Die Stadtverwaltung ist f\u00fcr dieses Gebiet nicht zust\u00e4ndig, sondern die Hafenbeh\u00f6rde von Set\u00fabal. Das Thema Sedimente und m\u00f6gliche Kontaminationen wurde behandelt. Uns wurde gesagt, dass Tests durchgef\u00fchrt worden seien und keine Gefahr best\u00fcnde und dass eine \u00dcberwachung beim Abtragen der Sedimente geplant sei. Wir sind genauso besorgt wie der Rest der Bev\u00f6lkerung. Wir d\u00fcrfen aber auch nicht au\u00dfer Acht lassen, dass unsere Stadt schon immer einen Hafen hatte, der ihre Entwicklung mitgepr\u00e4gt hat. Die geplante Modernisierung des Hafens ist von grundlegender Bedeutung. Das Projekt ist jedoch noch viel weitreichender und beinhaltet auch eine Verbesserung der Infrastrukturen, einschlie\u00dflich des Schienenverkehrs. Wir glauben, dass dies f\u00fcr die Unternehmen einen hohen Stellenwert besitzt. Nat\u00fcrlich m\u00f6chten wir auch, dass dieses einzigartige \u00d6kosystem nicht gef\u00e4hrdet wird. Hier braucht es ausgewogene L\u00f6sungen.<\/p>\n<p><strong>Wenn von Modernisierung gesprochen wird, geht dies normalerweise mit einer Zunahme der Aktivit\u00e4t und notwendigerweise auch mit dem damit verbundenen Anstieg von Emissionen und Verschmutzung einher, sowohl die Atmosph\u00e4re als auch das Wasser betreffend. Werden die vorliegenden Pl\u00e4ne nicht genau dazu f\u00fchren?<br \/>\n<\/strong>Aus den uns zur Verf\u00fcgung gestellten Studien geht hervor, dass die Aufnahmekapazit\u00e4t des Hafens ausgebaut wird, sodass gr\u00f6\u00dfere, aber auch umweltfreundlichere Schiffe einlaufen k\u00f6nnen. Wie Sie wissen, werden von diesem Hafen aus unter anderem die Produktionen von Autoeuropa (VW) verschifft und schon jetzt haben wir einen erheblichen Umschlag zu verzeichnen.<\/p>\n<p><strong>Wenn wir \u00fcber den Klimawandel und die Region Set\u00fabal sprechen, m\u00fcssen wir auch \u00fcber die Industrie sprechen. Die Papierfabrik Navigator gilt als der zweitgr\u00f6\u00dfte Luft \u2013 und der gr\u00f6\u00dfte Wasserverschmutzer im ganzen Land. Sind Sie nicht beunruhigt wegen der von dieser Industrie ausgehenden Verschmutzung und der Tatsache, dass Eukalyptus-Monokulturen und Papierherstellung eng miteinander verkn\u00fcpft sind?<br \/>\n<\/strong>Die Firma Navigator ist schon lange bei uns ans\u00e4ssig. Sie hat eine Reihe von Arbeitspl\u00e4tzen geschaffen und zur Entwicklung unseres Bezirks beigetragen. Vor kurzem wurde eine Umweltkommission geschaffen, an der sowohl das Rathaus, die Gemeindeverwaltungen und andere \u00f6rtliche Beh\u00f6rden, als auch Naturschutzverb\u00e4nde wie Zero und Quercus beteiligt sind. Alle Bedenken werden in dieser Kommission besprochen. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern um mehr Informationen \u00fcber das Unternehmen zu erhalten. Dabei geht es um Fragen der Luftqualit\u00e4t und des Wasserverbrauchs, da f\u00fcr die Papierherstellung viel Wasser ben\u00f6tigt wird. F\u00fcr Mai ist ein neues Treffen geplant, bei dem Navigator die M\u00f6glichkeit hat, all diese Daten zur Verf\u00fcgung zu stellen. Die Firma versicherte uns, sich als zertifiziertes Unternehmen, im Vergleich zu fr\u00fcheren Jahren, auf allen Gebieten stark verbessert zu haben. Es ist aber auch richtig, dass es in der Bev\u00f6lkerung diesbez\u00fcglich viele Fragen gibt. Wer in Set\u00fabal lebt pflegt, wenn der Wind aus der entsprechenden Richtung kommt zu sagen \u201ees stinkt nach Socel\u201c \u2013 so hie\u00df die erste Zellstofffabrik. Die Menschen sind gewohnt, damit zu leben, machen sich aber auch immer mehr Gedanken und wir sind verpflichtet, ihre Sorgen zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<div class=\"tie-full-width-img\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-57269\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/cristina-daniel_Sketch-e1555353271687.jpg\" alt=\"ENA Arr\u00e1bida\" width=\"1000\" height=\"707\" \/><\/div>\n<p><strong>Mittlerweile hat sich das Rathaus aber auch dazu verpflichtet, die Emissionen zu reduzieren &#8230;<br \/>\n<\/strong>Und diese ganzen Anstrengungen werden auch dazu beitragen. Wir haben zudem andere Industriezweige, SECIL, SAPEC, Lisnave &#8230; darunter eine Industrie, die Bodensch\u00e4tze ausbeutet, deren gro\u00dfe Herausforderung heute darin besteht, eine M\u00f6glichkeit zu finden, unter Ber\u00fccksichtigung der Umweltanforderungen weiterarbeiten zu k\u00f6nnen. Es ist unsere Verpflichtung, diese Prozesse transparent zu machen. Ein vielversprechender Anfang ist schon gemacht.<\/p>\n<p><strong>Worin bestehen die gr\u00f6\u00dften H\u00fcrden, bei der Umsetzung Ihres Vorhabens?<br \/>\n<\/strong>Eines der gr\u00f6\u00dften Hindernisse liegt im System, in dem wir leben. Wir tauschen uns aus und versuchen, pers\u00f6nliche Verantwortung zu \u00fcbernehmen &#8211; das ist auch wichtig. In unserer kapitalistischen Gesellschaft jedoch, in der es vorrangig um Gewinn geht, ist es schwierig, alle Aspekte zu integrieren. Wir sagen den Leuten &#8222;ihr m\u00fcsst euer Verhalten \u00e4ndern&#8220;, aber wir wissen, dass dies nur ein Tropfen auf den hei\u00dfen Stein ist, weil unter anderem nicht regulierte Industrien riesige Mengen an Kohlendioxyd freisetzten.<\/p>\n<p>Am wichtigsten ist es, die Menschen aufzukl\u00e4ren und zu sensibilisieren. Wir haben beantragt, eine Reihe von Ma\u00dfnahmen zum Thema Risiken des Klimawandels in Schulen und f\u00fcr bestimmte andere Zielgruppen durchf\u00fchren zu d\u00fcrfen. Wir sind auch Teil des Ballungsraums Lissabon, f\u00fcr den eine umfangreiche Studie zur Untersuchung der Auswirkungen des Klimawandels im Gange ist.<\/p>\n<p><strong>Im Landkreis Set\u00fabal ist der neue Flughafen Lissabon geplant. Der Plan der Regierung und des multinationalen Unternehmens Vinci sieht eine Verdoppelung der Luftbewegungen pro Stunde vor &#8230;! Macht Ihnen dieses Projekt keine Sorgen? Ist es \u00fcberhaupt mit der Verpflichtung zur Emissionsminderung vereinbar?<br \/>\n<\/strong>Wir denken, dass es sich hier um eine Investition handelt, die das Problem in der Zukunft m\u00f6glicherweise nicht l\u00f6sen wird. Es geht um eine Erweiterung des bestehenden Flughafens, nicht den Bau eines Neuen, der vor allem kleinere Billiganbieter anziehen w\u00fcrde, was eine enorme Belastung der Umwelt mit sich bringen k\u00f6nnte. Auch w\u00fcrde das Problem damit nicht gel\u00f6st werden, da schon jetzt davon ausgegangen wird, dass der neue Flughafen voraussichtlich 2050 an die Grenzen seiner Kapazit\u00e4t sto\u00dfen w\u00fcrde\u2026<\/p>\n<p><strong>Sie gehen also davon aus, dass eine weitere Steigerung des Luftverkehrs unumg\u00e4nglich ist&#8230;<br \/>\n<\/strong>Alles sieht danach aus&#8230; Wenn wir keinen ganz neuen Flughafen bauen wollen, sondern Portela erweitern und Montijo zu einem Zivilflughafen umbauen, k\u00f6nnte dies zu einem wesentlich h\u00f6heren Verkehrsaufkommen f\u00fchren. G\u00e4be es nur einen Flughafen, w\u00e4re das wahrscheinlich anders. Wir haben einen Flughafen mitten in der Stadt Lissabon, der nat\u00fcrlich auch Probleme verursacht. Und f\u00fcr Montijo warten wir noch auf das Ergebnis der Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung. Wir glauben, dass die vorliegenden Pl\u00e4ne nicht zielf\u00fchrend sind und das, was eigentlich unternommen werden m\u00fcsste, nicht getan wird. In zehn Jahren werden wir dann fragen &#8222;wo bauen wir einen neuen Flughafen?&#8220;<\/p>\n<p><strong>Aber ist ein ganz neuer, leistungsf\u00e4higerer Flughafen ein geeignetes Mittel, wenn wir hier in einem Workshop nach\u2028L\u00f6sungen f\u00fcr die durch den Klimawandel verursachten Ver\u00e4nderungen suchen?<br \/>\n<\/strong>Die Menschen sind immer mehr unterwegs. Bei zunehmendem Verkehr von Personen und G\u00fctern brauchen wir einen leistungsf\u00e4higen Flughafen. Beim Flughafen von Portela sind die notwendigen Voraussetzungen nicht mehr gegeben. Aber wenn Sie mich fragen:\u201d Ist es gerechtfertigt f\u00fcr Strecken wie von Lissabon nach Porto, oder Faro das Flugzeug zu nehmen? Wahrscheinlich nicht, denn mit dem Zug zu fahren belastet die Umwelt wesentlich weniger. \u00dcber diese Fragen m\u00fcssen wir nachdenken.<\/p>\n<p><strong>Gibt es auch Gr\u00fcnde zum Optimismus? Beispiele f\u00fcr inspirierende \u00f6kologische Projekte im kommunalen Bereich?<br \/>\n<\/strong>Ja. Es besteht Grund zu der Annahme, dass es trotz Schwierigkeiten immer noch m\u00f6glich ist, vieles umzukehren. Ich gebe Ihnen ein Beispiel aus unserem Landkreis bez\u00fcglich der Austernzucht, von der in Set\u00fabal viele Menschen lebten. Mit der Ansiedlung der Schwerindustrie in den 1970er Jahren verschwanden die Austern oder waren kontaminiert. Jetzt im Jahr 2019 haben wir mehrere Austernz\u00fcchter, die sogar exportieren k\u00f6nnen. Eine von der ICNS durchgef\u00fchrte Studie lieferte sehr interessante Ergebnisse. Wir haben gesunde Austern, die sich wie in der freien Natur vermehren. Daraus d\u00fcrfen wir schlie\u00dfen, dass der Sado mit Sicherheit sauberer geworden ist. In den neunziger Jahren h\u00e4tte dies niemand f\u00fcr m\u00f6glich gehalten. Es war also m\u00f6glich, ein Problem unter die Lupe zu nehmen, zu analysieren und zielf\u00fchrende Ma\u00dfnahmen zu ergreifen. Daraus sollten wir lernen verantwortungsbewusst zu handeln. Noch ist Zeit umzukehren \u2013 aber nicht mehr lange. Wenn wir so weiter machen wie bisher, wird eine Umkehr mit Sicherheit unm\u00f6glich werden.<\/p>\n<p>Auch unsere Delphine stimmen uns zuversichtlich: In unserem Fluss Sado lebt eine Gruppe von Delphinen, die es uns erlaubt, mit Hoffnung in die Zukunft zu blicken.<\/p>\n<p><strong>Das sind wichtige Signale\u2026<br \/>\n<\/strong>Viele unserer Projekte machen mich optimistisch. Schulen, Organisationen, Genossenschaften haben diese eigenst\u00e4ndig entwickelt. Die Initiative kam nicht von der Kommune, diese hat jedoch die Aufgabe der unterst\u00fctzenden Begleitung.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie ein Beispiel nennen?<br \/>\n<\/strong>Ocean Alive, eine Kooperative, die in der Flussm\u00fcndung des Sado arbeitet, hat sich vor allem bei den Fischern daf\u00fcr eingesetzt, dass keine Artikel aus Kunststoff in den Fluss geworfen werden, viele Aktionen mit ehrenamtlichen Helfern organisiert und Tonnen von Plastik eingesammelt. Raquel Gaspar, der die Flussm\u00fcndung sehr am Herzen liegt, gr\u00fcndete die Kooperative mit dem Ziel, Fischern zu helfen, insbesondere den Fischerinnen und Muschelsammlerinnen.<\/p>\n<p>Dann unsere Schulen und unsere Sch\u00fcler, die sich unentwegt mit dem Thema Umwelt besch\u00e4ftigen. Wir m\u00f6gen denken, dass sich nur wenige Menschen daf\u00fcr interessieren, aber Kinder sind f\u00fcr Fragen des Umweltschutzes bereits sehr sensibilisiert. Ich bin neulich in einer Schule gewesen &#8211; eine der Hauptsorgen der Neuntkl\u00e4ssler war das Baggern. Das bedeutet, dass sie \u00fcber die Umweltprobleme der Stadt sehr gut informiert sind &#8211; ein sehr gutes Zeichen!<\/p>\n<p>Danke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Gastgeber des ersten BEACON-Regional-Workshops trat Set\u00fabal k\u00fcrzlich dem B\u00fcrgermeisterkonvent bei: Bis 2030 sollen die Emissionen in der Gemeinde um mindestens 40% gesenkt werden. Der Klimawandel ist nicht mehr nur ein Bedrohungsszenario: Um die zunehmenden \u00dcberschwemmungen in den Griff zu bekommen, f\u00fchrt die Stadt bisher beispiellose Ma\u00dfnahmen durch. 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