{"id":58597,"date":"2019-12-18T23:15:47","date_gmt":"2019-12-18T23:15:47","guid":{"rendered":"https:\/\/eco123.info\/de\/?p=58597"},"modified":"2020-03-30T22:10:34","modified_gmt":"2020-03-30T21:10:34","slug":"noch-sind-nicht-alle-schaetze-verloren-gegangen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eco123.info\/de\/im-mittelpunkt\/noch-sind-nicht-alle-schaetze-verloren-gegangen\/","title":{"rendered":"Noch sind nicht alle Sch\u00e4tze verloren gegangen"},"content":{"rendered":"<p>Algarve:<\/p>\n<p><em>Filipe da Palma ist Fotograf und wei\u00df die Algarve mit all ihren unterschiedlichen Facetten sehr zu sch\u00e4tzen. Er liebt es, ins Freie zu gehen, um zu fotografieren&#8230; und zu f\u00fchlen. &#8222;Das gibt mir eine tiefe innere Zufriedenheit und h\u00e4lt mich gesund&#8220;. Er fotografiert, weil er das Bed\u00fcrfnis versp\u00fcrt, das Sch\u00f6ne, aber auch das H\u00e4ssliche, etwas zwischen Harmonie und Realit\u00e4t weiterzugeben: &#8222;Ich zeige auch gern die verwundete Algarve, die Narben und kleinen Tumore, die \u00fcber das ganze Gebiet verteilt sind&#8220;. Filipe da Palmas \u00fcber 20 Jahre entstandene Fotosammlung bietet einen sehr klaren Blick auf das reiche Erbe und die Kultur der Region, auf eine vergessene Algarve, die wir &#8211; seiner Meinung nach &#8211; viel st\u00e4rker w\u00fcrdigen m\u00fcssten. Nicht um in Nostalgie zu verfallen, sondern um darauf aufmerksam zu machen, dass es immer noch einige Sch\u00e4tze gibt, die Filipe weiterhin erhalten will \u2013 zur bleibenden Erinnerung oder um sie zu neuem Leben zu erwecken.<\/em><\/p>\n<div class=\"clear\"><\/div><div style=\"margin-top:5px; margin-bottom:5px;\" class=\"divider divider-double\"><\/div>\n<p>&#8222;Sie kommen per Flugzeug oder Schiff und steigen gleich nach ihrer Ankunft in den Bus, um nach Sagres oder Monchique zu fahren. So verhalten sich Touristen, die an der Algarve Urlaub machen. Angesichts eines sehr d\u00fcnnen Verkehrsnetzes, mit einem inad\u00e4quaten Angebot an \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln, gibt es nicht viele M\u00f6glichkeiten\u201c, erkl\u00e4rt der Fotograf.<\/p>\n<p>&#8222;Unser heutiges System macht uns mehr und mehr zu Verlierern. Die Wahl der Transportmittel erfolgt nur nach wirtschaftlichen Faktoren und dann haben wir die gro\u00dfen Billigreiseveranstalter, die viele Millionen Gewinn machen. Niemand kommt auf die Idee, hier die Bremse zu ziehen. Solange die Maschinerie mit Millionen am Laufen gehalten wird, Millionen, die haupts\u00e4chlich den Unternehmen und einigen wenigen Beg\u00fcnstigten zugutekommen, schlie\u00dft man die Augen solange die offensichtlichsten Sch\u00e4den kompensiert werden&#8220;, sagt er.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-58572\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/0IMG_1499.jpg\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"440\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/0IMG_1499.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/0IMG_1499-13x24.jpg 13w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/0IMG_1499-19x36.jpg 19w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/0IMG_1499-25x47.jpg 25w\" sizes=\"auto, (max-width: 235px) 100vw, 235px\" \/>\u00a0\u201eSo wie die Menschen bereits in den 1960er Jahren vor dem wachsenden Tourismus an der Algarve und seiner Zerst\u00f6rung gewarnt haben (darunter auch Sophia de Mello Breyner Andresen), ist dies auch heute noch ein Thema in Bezug auf die Transportmittel \u2013 speziell Flugzeuge und Schiffe. Es gibt Studien, die belegen, dass sowohl Flugzeuge als auch Schiffe absolut klimasch\u00e4dlich sind, aber alle schlie\u00dfen Augen und Ohren. Niemand nimmt Stellung, alle kehren das Thema unter den Teppich und wollen das Touristenaufkommen immer weiter steigern.\u201d<\/p>\n<p>&#8222;Ich habe keine L\u00f6sung daf\u00fcr&#8220; sagt er, mit einer gewissen M\u00fcdigkeit in den Augen. &#8222;Ich glaube nicht an diesen Massentourismus, Saisonarbeitspl\u00e4tze zum Preis eines v\u00f6llig zerst\u00f6rten K\u00fcstenstreifens sind f\u00fcr mich nicht akzeptabel&#8220;, macht er seinem \u00c4rger Luft.<\/p>\n<p>Filipe da Palma benutzt wiederholt den Begriff Autophagie und f\u00fchrt aus, dass &#8222;die Region sich bei der Erschlie\u00dfung der f\u00fcr den Tourismus attraktivsten Orte selbst verzehrt und deren Schutz dabei vergessen hat. Jetzt m\u00fcssen wir im Tourismus Angebote schaffen, die zu Wertsteigerung und mit Wertsch\u00e4tzung zu etwas f\u00fchren, dessen eigentlicher Wert bisher nicht erkannt und gesch\u00fctzt wurde&#8220;.<\/p>\n<p>Sonne und Sand &#8222;lassen sich immer gut verkaufen&#8220;, best\u00e4tigt er, &#8222;aber wir haben gesehen, wohin uns das gef\u00fchrt hat. Mit einer auf Sonne und Sand basierenden Wirtschaft, kann sich eine Region nicht qualifizieren und wenn der Tourismus sich zum Massentourismus entwickelt, wird beispielsweise auch die gesamte Meeresflora- und Fauna \u2013 speziell die Population der Seepferdchen &#8211; im Naturpark Ria Formosa durch den Bootsverkehr in Mitleidenschaft gezogen \u2026&#8220;<\/p>\n<p>Au\u00dferdem m\u00fcssen zum Erhalt der Badestr\u00e4nde immer wieder viele Tonnen Sand an die schmalen K\u00fcstenstreifen transportiert werden. Ganz besonders ber\u00fchrt den in S\u00e3o Br\u00e1s an der Algarve geborenen Fotografen das Beispiel Praia Dona Ana in Lagos \u2013 ein Strand, der als einer der sch\u00f6nsten der Algarve gilt. \u201eDona Ana wurde regelrecht vergewaltigt. Es wurde ein Ponton errichtet und der Strand mit f\u00fcr diesen K\u00fcstenstreifen un\u00fcblichen Sand k\u00fcnstlich aufgef\u00fcllt. Eine traumhafte Landschaft wurde zerst\u00f6rt. Sie ist verschwunden. \u201c<\/p>\n<p>Wenn wir versuchen w\u00fcrden, 50 Jahre Tourismus an der Algarve im Bildnis einer Frau darzustellen, wie w\u00fcrde sich Filipe da Palma ein solches vorstellen?\u00a0 Er l\u00e4chelt und sagt: &#8222;Heute ist die Algarve eine reife, aber v\u00f6llig vom Leben gezeichnete Frau: vergewaltigt, ruiniert, geschlagen. Wenn wir uns \u00fcber die Algarve unterhalten, sprechen wir \u00fcber einen schmalen K\u00fcstenstreifen &#8211; es gibt die Algarve aber auch n\u00f6rdlich der EN 125. Diese ist jedoch in Vergessenheit geraten durch Landflucht verlassene Gebiete, zerfallene H\u00e4user&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-58575\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/0C69B0351a.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/0C69B0351a.jpg 650w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/0C69B0351a-24x17.jpg 24w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/0C69B0351a-36x26.jpg 36w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/0C69B0351a-66x47.jpg 66w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n<p>F\u00fcr einige Zeit sind die Einwohner der Algarve aus dem Landesinneren ausgewandert (sowohl in den Alentejo als auch an die K\u00fcste) und sp\u00e4ter wieder zur\u00fcckgekehrt \u2013 \u201cdies haben sie dann jedoch aufgegeben und sich an der K\u00fcste angesiedelt, wo es Arbeit und moderne Lebensbedingungen gibt&#8220;, sagt er. &#8222;Und die Vergangenheit wird mit Armut in Verbindung gebracht. Sowohl die Lebensmittel, von denen sie sich ern\u00e4hrten, als auch die H\u00e4user, in denen sie lebten, erinnern an Zeiten der Entbehrung. Wenn es diesen Menschen nun wirtschaftlich besser geht, geben sie mehr Geld in Bereichen wie Bauen, Lebensmittel, Kleidung aus &#8211; Dinge, die sie sich aufgrund ihrer neu erreichten \u00f6konomischen Voraussetzungen jetzt leisten k\u00f6nnen.\u201d<\/p>\n<p>Der Tourismus f\u00fchrt nicht nur zur Aufgabe der Lebensweise und traditioneller wirtschaftlicher Bet\u00e4tigungsfelder, sondern hat auch noch zahlreiche weitere Folgen f\u00fcr die betroffenen Gemeinden. &#8222;In Lissabon, Porto und anderen St\u00e4dten des Landes macht sich jetzt auch bemerkbar, was man an der Algarve schon seit Jahrzehnten kennt. Im S\u00fcden des Landes ein Haus zu finden, das f\u00fcr das gesamte Jahr gemietet werden kann, ist eine Odyssee. Viele bewohnbare H\u00e4user werden bis zum n\u00e4chsten Sommer nicht genutzt, bis wieder zahlreiche Touristen an die Algarve kommen, um ihren ersehnten Strandurlaub zu verbringen. Wenn wir die Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche, die Problematik durch die Schlie\u00dfung vieler Schulen und die M\u00e4ngel im \u00f6ffentlichen Personennahverkehr betrachten, k\u00f6nnen wir leicht verstehen, warum es so schwierig ist, \u00c4rzte, Krankenschwestern, Lehrer und qualifiziertes Personal f\u00fcr die Algarve zu finden&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Und&#8220;, f\u00fcgt er hinzu, &#8222;warum sollen die B\u00fcrger an der Algarve im Supermarkt h\u00f6here Preise zahlen m\u00fcssen? Wohin gehen die Millionen Euro, die die Region produziert und warum kommt nur sehr wenig davon bei den B\u00fcrgern an?<\/p>\n<p>Relevante Fragen in einer Region, die seiner Meinung nach nicht &#8222;leicht zu lesen&#8220; ist. &#8222;Es ist eine fantastische Region mit einer immensen Vielfalt. Wir haben ausgedehnte Sandstr\u00e4nde aber auch Felsenstr\u00e4nde mit kleinen Buchten; wir haben den Sandstein von Silves, einen roten Felsstreifen mit herrlichem Blick auf den Atlantik, der die Algarve bis nach Sagres durchquert; wir haben den Barrocal, mit einer F\u00fclle von Kalkstein; Berge mit Schiefer; Monchique mit dem Foia\u00edte (Granitgestein), dem ein\u00a0 Wasser entspringt das weltweit einmalig ist. All dies wird unterstrichen durch eine einzigartige Fauna und Flora, sowie die regionale Gastronomie.&#8220;<\/p>\n<p>Aber Filipe da Palma distanziert sich von der nostalgischen Idee einer R\u00fcckkehr in die Vergangenheit. &#8222;Ich glaube nicht, dass die Algarve das sein kann, was wir in den 30er oder 40er Jahren hatten. Ich interessiere mich f\u00fcr alle Aspekte, auch f\u00fcr die unsch\u00f6nen. Wir sind hier keine Ausnahme, der Verlust der Individualit\u00e4t eines Landes ist auch im S\u00fcden Spaniens, in Italien, in Frankreich oder in Irland zu beobachten. Es gibt heute keine Stra\u00dfe mehr, die noch dem alten Bild der Algarve entspricht&#8220;, sagt er. Und, er erw\u00e4hnt Olinda, einen kleinen als Kulturerbe gesch\u00fctzten Ort in Brasilien, &#8222;dessen Stra\u00dfenbild durchaus an die alte Algarve erinnert.&#8220;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-58578\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/IMG_7639.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"466\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/IMG_7639.jpg 650w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/IMG_7639-24x17.jpg 24w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/IMG_7639-36x26.jpg 36w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/IMG_7639-66x47.jpg 66w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n<p>Seiner Meinung nach liegen immer noch die gr\u00f6\u00dften Sch\u00e4tze der Algarve im Sotavento. &#8222;Was mir viel Freude bereitet, ist das Fotografieren in Olh\u00e3o, Tavira, Vila Real de Santo Ant\u00f3nio&#8230; Besonders mag ich Olh\u00e3o. Die gesamte Ostalgarve befand sich sozusagen in einer Art Blase, wurde vergessen, weshalb eine ganze Reihe architektonischer Zeugnisse noch erhalten sind. Heute bieten diese Regionen einen Reichtum, der im Barlavento nicht mehr zu finden ist. &#8222;Um diesen Reichtum auch zu bewahren, bedarf es laut Filipe da Palma &#8222;Sensibilit\u00e4t&#8220; und &#8222;einer Portion Mut seitens der lokalen Beh\u00f6rden; der Fortschritt muss sich an Parametern und Regeln orientieren.&#8220;<\/p>\n<p>Dann f\u00e4hrt er fort: &#8222;In Olh\u00e3o, Tavira oder Vila Real de Santo Ant\u00f3nio treffen wir auf den Reisenden, wie es ihn heute kaum noch gibt, wie er aber in der Vergangenheit in Portim\u00e3o, Lagos oder Albufeira existiert haben k\u00f6nnte. Er kommt nicht wegen des Wetters, sondern ist auf Entdeckungsreise, will durch die Stra\u00dfen gehen, die Ria Formosa durchqueren&#8230;&#8220;.<\/p>\n<h3>Wer soll an die Algarve kommen?<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-58581 alignright\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/JANELAS.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/JANELAS.jpg 400w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/JANELAS-150x150.jpg 150w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/JANELAS-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/JANELAS-24x24.jpg 24w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/JANELAS-36x36.jpg 36w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/JANELAS-47x47.jpg 47w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>ECO123 fragt, welchen Besucher m\u00f6chten Sie gern in der Region sehen? Filipe spricht langsam: &#8222;Jemand, der kommt, um etwas anderes zu entdecken, der auf der Suche nach der Identit\u00e4t eines Volkes ist, herausfinden m\u00f6chte, wo und wie es lebt, was ein Volk sch\u00e4tzt&#8230; ein Tourist, der das Urspr\u00fcngliche sucht und nicht fragt, wo ein irischer Pub, McDonald&#8217;s oder der n\u00e4chste Supermarkt ist&#8230;\u201c<\/p>\n<p>&#8222;Ich glaube nicht, dass Leute, die an die Algarve kommen, um sie kennenzulernen, Zigarettenkippen auf den Boden werfen. Sie machen sich Gedanken dar\u00fcber, in welchem Lokal sie essen gehen &#8211; sie interessieren sich f\u00fcr die Gastronomie, das Handwerk und die Handwerker der Region&#8230; sie wollen ihr Reiseziel erkunden. Ich kann nicht sehen, dass von diesen Besuchern irgendein Schaden ausginge. Es werden nicht Tausende von Menschen kommen, um zu wandern oder V\u00f6gel zu beobachten. In Mealha oder Cachopo gibt es keine chinesischen Billigl\u00e4den, aber es gibt Weber und andere Handwerker, die gute Arbeit leisten. F\u00fcr sie w\u00e4re es wichtig, unter anderen Bedingungen leben zu k\u00f6nnen, als st\u00fcndlich Busse voller Touristen, wie in Pi\u00f3d\u00e3o, vorgesetzt zu bekommen.&#8220;<\/p>\n<p>Und wie soll das gehen, fragt ECO123? &#8222;In Cachopo weiss man, wie k\u00f6stlich Wildschwein oder ein leckerer Kichererbseneintopf schmecken, sch\u00e4tzt den Genuss eines guten Weines oder hausgemachten Medronhos (Schnaps aus Fr\u00fcchten des Erdbeerbaums) &#8230; Aber wir schaffen es nicht, das zu vermitteln. Die Einzigartigkeit dieser Region, ihre Geologie, Flora und Fauna \u2026, stellt einen gro\u00dfen Reichtum dar, den es zu nutzen gilt&#8220;.<\/p>\n<h3>Sch\u00e4tzen und sch\u00fctzen wir, was uns geblieben ist<\/h3>\n<p>Wie auch viele Ausl\u00e4nder hat Filipe da Palma vor einigen Jahren ein kleines Haus in Mealha bei Cachopo gekauft, das heute sein R\u00fcckzugsort ist. Hier gibt es die mei-<br \/>\nsten <em>palheiros<\/em> (Speicher), runde, rustikale Steinh\u00e4uschen mit einem konischen aus Roggenstroh gedeckten Dach, die den sogenannten <em>castros<\/em> im Norden Portugals sehr \u00e4hnlich, jedoch kleiner sind. Dieser von IN LOCO wiederaufgebaute Ort zieht haupts\u00e4chlich Ausl\u00e4nder an und ist f\u00fcr Filipe ein \u00fcberholtes Erbe. \u201eIn dem Dorf Mealha wird die j\u00fcngste Person um die 60 Jahre alt sein und die <em>palheiros<\/em> werden schon lange nicht mehr zum Lagern von landwirtschaftlichen Ger\u00e4ten oder Heu verwendet. Obwohl sie restauriert wurden, ist das ganze Stroh bereits wieder weggeflogen und was noch steht sind fleischlose Skelette.\u201d Dann fragt er: \u201eInwieweit ist es sinnvoll, ein Erbe wiederherzustellen, das seinen Nutzen verloren hat und heute nur noch die Landschaft ziert? \u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-58584\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/C69B9510A.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/C69B9510A.jpg 650w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/C69B9510A-24x16.jpg 24w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/C69B9510A-36x24.jpg 36w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/C69B9510A-71x47.jpg 71w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n<p>Diesen Gedanken folgend, weist der Fotograf darauf hin, dass innerhalb der n\u00e4chsten zehn Jahre viele der T\u00e4tigkeiten, die nicht l\u00e4nger von Nutzen sind, in Vergessenheit geraten werden. &#8222;Es macht keinen Sinn mehr&#8220;, sagt er und fragt dann: &#8222;Zu welchem Zweck sollen wir die Werkst\u00e4tten erhalten, die dem Bau von Eselkarren dienen, wenn es keine Menschen mehr gibt, die ihr Land mit Hilfe von Maultieren kultivieren? Das Ende hier ist unvermeidlich\u201c. Oder nicht?<\/p>\n<p>Bei der Bedeutung von Erzeugnissen deren Gebrauchswert verloren gegangen ist, spielen Romantik oder auch Nostalgie immer eine Rolle. Filipe erz\u00e4hlt: &#8222;Das Projekt TASA [Alte Technik &#8211; Neue Konzepte] in Loul\u00e9 hat in Zusammenarbeit mit einigen Handwerkern eine Menge geleistet, um die f\u00fcr die Region typischen Berufsfelder wiederzubeleben. Es ist nicht viel, aber das, was gegenw\u00e4rtig m\u00f6glich ist.\u201c<\/p>\n<p>In seiner Fotosammlung finden sich daher Aufnahmen der letzten Kalk\u00f6fen in der Region, von Ziegelbrennereien in Santa Catarina da Fonte do Bispo (Fliesen, Dachziegel und Ziegelsteine, die aus dem \u00f6rtlichen Tonvorkommen hergestellt werden), Flechtarbeiten aus Palmbl\u00e4ttern und Espartogras, Zinnarbeiten und Ornamentfliesen aus Zement, aber auch wirtschaftliche Aktivit\u00e4ten wie die Herstellung von Salz und \u201cFlor de Sal\u201d, S\u00fc\u00dfwaren sowie der Fischfang oder das Schlachten von Schweinen wurden von ihm fotografisch dokumentiert. Seine Arbeit zeigt die Traditionen einer einzigartigen Algarve, Lebenserfahrungen vom Landesinneren bis zur K\u00fcste und die Koexistenz von Heiligem und Allt\u00e4glichem.<\/p>\n<h3>Platibandas(1)\u00a0\u2013 eine Passion<\/h3>\n<p>Wir sprechen jetzt \u00fcber ein Thema, bei dem Filipe da Palma seine Begeisterung zur\u00fcckgewinnt. Bewertung und Einordnung dieses popul\u00e4ren architektonischen Erbes sind sein Steckenpferd.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir uns unterhalten, l\u00e4uft er nur langsam weiter. Vor sich eine Fotostrecke, die f\u00fcnf Gemeinden zeigt. Wir befinden uns in seiner Fotoausstellung im Museum von Portim\u00e3o mit dem Titel: &#8222;Sehe ich von meinem Fenster aus noch die Algarve?&#8220; (From my window do I still see the Algarve?) Eine berechtigte Frage, auf die in den seit dem 18. Mai ausgestellten Fotos Antworten zu finden sind. Entlang dieser Strecke reihen sich Fassaden fotografierter H\u00e4user aneinander und zeigen, dass die Algarve nicht einfach wei\u00df ist. Die Gestaltung der Platibandas, T\u00fcren, Fenster, Kamine, D\u00e4cher, Dachterrassen, Gel\u00e4nder sowie eines manuelinischen Fensters aus dem 16. Jahrhundert, das das Museum aus der alten &#8222;Villa Nova de Portim\u00e3o&#8220; gerettet hat, f\u00fcllen den Raum mit Farbe. &#8222;Nicht alles war wei\u00df gestrichen, denn das h\u00e4tte nur die Schatten hervorgehoben, und nur im Schatten zu leben reicht nicht aus, um zu leuchten&#8220;, sagt er.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-58587\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/PLATIBANDAS-copy.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/PLATIBANDAS-copy.jpg 650w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/PLATIBANDAS-copy-24x13.jpg 24w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/PLATIBANDAS-copy-36x20.jpg 36w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/PLATIBANDAS-copy-84x47.jpg 84w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n<p>Dennoch \u201chat sich die Algarve nie von dem vom Estado Novo (47 Jahre Faschismus) geschaffenen Wei\u00df distanziert. Auch nach dem 25 (Nelkenrevolution, 25. April 1974). April wusste die Schule der Architekten nicht, wie man mit Kamin, Platibanda und der Farbfrage umgehen sollte. Man hatte keine Ahnung wie man all die auf den Platibandas \u2013 teils sogar prunkvoll &#8211; dargestellten Formen, Symbole, Farben und Tagtr\u00e4ume interpretieren sollte&#8220;, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p>Der Fotograf erinnert sich, dass &#8222;die Platibandas von den Gemeinder\u00e4ten unterst\u00fctzt und gesetzlich gef\u00f6rdert wurden. Das Anbringen einer kleinen Mauer oben auf der Fassade erm\u00f6glichte es, die Dachrinne zu verdecken, die das Regenwasser auffing, das dann auf die Stra\u00dfe oder in eine Zisterne floss. Aber, erkl\u00e4rt er, &#8222;nichts und niemand verpflichtete die Menschen, die Platibandas so reichhaltig und einzigartig zu verzieren. Sie schm\u00fcckten die Stra\u00dfen mit Farben und Formen, die \u00e4hnlich den Kaminen, alle einzigartige Meisterwerke sind&#8220;.<\/p>\n<p>In einer seiner Chroniken f\u00fcr die Zeitung \u201eSulinforma\u00e7\u00e3o\u201c beschreibt der Fotograf leidenschaftlich diesen einzigartigen Aspekt traditioneller s\u00fcdl\u00e4ndischer Architektur. \u201eWie auf einem Landschaftsbild spielten bei den Platibandas verschiedene Einfl\u00fcsse eine Rolle. Bunt und vielf\u00e4ltig &#8211; die einen Art-Deco, die anderen naive Motive zur Schau stellend. Auch einfache geometrische Muster und Motive mit verschiedenen esoterischen Bedeutungen und sogar barocke Verzierungen waren zu finden.\u00a0 Da es keine identischen Exemplare gibt, ist die Platibanda an der Algarve mit einer enormen Vielfalt vertreten.&#8220;<\/p>\n<p>Die Leidenschaft des Fotografen f\u00fcr Platibandas begann mit einem Buch von Jacinto Palma Dias: &#8222;Die Algarve neu aufgelegt&#8220;, mit dem zusammen er das Werk \u201cDie Algarve in 3D\u201d ver\u00f6ffentlicht hat. Seitdem sammelt Filipe da Palma vom Barlavento zum Sotavento, von der K\u00fcste bis in die Berge kleine Bilder dessen, was standgehalten hat. Unsere Frage, welche Symbole er w\u00e4hlen w\u00fcrde, um heute f\u00fcr die Algarve zu werben, konnte er wohl deshalb auch spontan beantworten: &#8222;den Kamin, die Platibanda, die Farben der traditionellen Architektur.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;In der heimischen Architektur sehe ich eine Marktl\u00fccke&#8220;, sagt uns der Fotograf, den einige Architekten schon um F\u00fchrungen gebeten haben.\u00a0 &#8222;Ein Spaziergang durch Luz de Tavira, ein Ort, in dem direkt an der Stra\u00dfe EN 125 entlang zahlreiche Platibandas zu sehen sind, ist ein unglaubliches Erlebnis und viel sch\u00f6ner, als an den immer gleichen akkuraten und geraden Fassaden moderner Villen vorbeizugehen. Vielfalt und Farbe sind eine Bereicherung f\u00fcr uns&#8220;, sagt er begeistert.<\/p>\n<p>Viele dieser Platibandas finden sich auf den illustrierten Postkarten, die Filipe da Palma in sozialen Netzwerken ver\u00f6ffentlicht und deren Muster in anderen kunsthandwerklichen Produkten in den Bereichen Stoff, Geschirr, Kork und Pr\u00e4gearbeiten neu interpretiert wurden. &#8222;Es freut mich enorm, dass das Wort &#8222;Platibanda &#8220; auf diese Weise auf die Reise geht, bekannt wird und in den Wortschatz und den Alltag der Menschen Einzug h\u00e4lt\u201d, sagt er.<\/p>\n<p>Deshalb fragt er etwas traurig: \u201eWarum wird das volkst\u00fcmliche Erbe der Algarve nicht durch Gesetze gesch\u00fctzt?\u201d Und emp\u00f6rt sich: \u201cIn der Regionaldirektion f\u00fcr kulturelles Erbe finden Klassifizierungen normalerweise nach wissenschaftlichen, milit\u00e4rischen, religi\u00f6sen und industriellen Kriterien statt oder auch &#8211; im Falle der nach dem 25. April erbauten Stadtviertel &#8211; nach architektonischen Gesichtspunkten. Abgesehen von Geb\u00e4uden, die sich innerhalb von Mauern oder einem unter Denkmalschutz stehenden Bereich befinden, gibt es nur zwei oder drei als kulturelles Erbe anerkannte Beispiele.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr unsere Kamine, Platibandas und Fenster \u201egibt es praktisch nichts, was sie aufgrund ihres Wertes klassifiziert oder sch\u00fctzt, noch irgendwelche Programme, die ihren Erhalt f\u00f6rdern und unterst\u00fctzen&#8220;, sagt er.<\/p>\n<p>Um Klassifizierungsvorschl\u00e4ge einbringen zu k\u00f6nnen, versucht Filipe de Palma nun, eine Aktionsgruppe zusammenzustellen, die sich aus Menschen der unterschiedlichsten Bereiche zusammensetzt. \u201eEs ist notwendig, andere anzustecken und das Bewusstsein zu wecken, dass wir unser reiches kulturelles Erbe erhalten m\u00fcssen. Zu diesem Erbe geh\u00f6ren nicht nur Kirchen, Burgen, Festungen oder arch\u00e4ologische St\u00e4tten &#8230; Dieses Erbe zerf\u00e4llt von Tag zu Tag weiter. Es muss etwas getan werden, um das einf\u00f6rmige Wachstum und die Dominanz des Betons umzukehren.\u201c<\/p>\n<p>(1) &#8211; \u00a0Begriff aus der Architektur zur Beschreibung eines horizontalen Streifens auf dem Geb\u00e4ude, zur Verkleidung der Dachrinnen, die das aufgefangene Regenwasser auf die Stra\u00dfe oder in ein Auffangbecken leiten.<\/p>\n<div class=\"clear\"><\/div><div class=\"author-info\"><img decoding=\"async\" class=\"author-img\" src=\"http:\/\/\" alt=\"\" \/><div class=\"author-info-content\"><h3>Dina Ad\u00e3o<\/h3>\n\t\t\ttradu\u00e7\u00f5es: Chris Young &amp; Kersten Funck-Knupfer | fotografias: Filipe da Palma &amp; Dina Ad\u00e3o \n\t\t\t<\/div><\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-58590\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/loule-1.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"437\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/loule-1.jpg 650w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/loule-1-110x75.jpg 110w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/loule-1-24x16.jpg 24w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/loule-1-36x24.jpg 36w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/loule-1-70x47.jpg 70w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Algarve: Filipe da Palma ist Fotograf und wei\u00df die Algarve mit all ihren unterschiedlichen Facetten sehr zu sch\u00e4tzen. 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