{"id":68356,"date":"2022-12-22T23:20:21","date_gmt":"2022-12-22T23:20:21","guid":{"rendered":"https:\/\/eco123.info\/de\/?p=68356"},"modified":"2022-12-16T22:17:42","modified_gmt":"2022-12-16T22:17:42","slug":"zurueck-aufs-land-und-zum-einfachen-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eco123.info\/de\/botgarten\/zurueck-aufs-land-und-zum-einfachen-leben\/","title":{"rendered":"Zur\u00fcck aufs Land und zum einfachen Leben"},"content":{"rendered":"<p><em>Lesley Martin unterrichtet und praktiziert mit ihren 76 Jahren weiterhin Permakultur. Ihr Vater war bei der Royal Air Force, weshalb sie als Kind oft den Wohnort wechselte. Ein Umstand, der ihr heute die Antwort auf die Frage ihrer Herkunft erschwert: \u201eIch wurde in Wales geboren, doch es verbindet mich wenig mit Wales. Ich habe Architektur studiert, wollte jedoch eigentlich Landwirtin werden\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Nach vier Jahren war ihr klar, dass sie nicht Architektin werden wollte und sie brach das Studium ab. Ihr Vater war zwar nicht gl\u00fccklich dar\u00fcber, gab ihr aber trotzdem das Geld f\u00fcr den Kauf einer Farm in Cornwall. Dort wuchsen dann auch Lesleys sieben Kinder auf, von denen nur noch eins auf der Farm lebt. 1998 zog sie dann von England nach Portugal, wo sie sich in\u00a0 Monchique niederlie\u00df.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wir hatten seit 1991 f\u00fcnf Waldbr\u00e4nde \u2013 2003, 2004, 2016 und 2018. Den Wald von damals gibt es nun nicht mehr, er ist zu einer Monokultur geworden und viele Gebiete sind verlassen. Was f\u00fcr einen Wald w\u00fcrden sie f\u00fcr Monchique vorschlagen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sollten den Wald mit Korkeichen aufforsten und den Eukalyptus ausrei\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>\u2026 mit Wurzeln ausrei\u00dfen?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist eine gro\u00dfe Herausforderung. Neulich sah ich, dass die Besitzer einer gro\u00dfen Eukalyptusplantage auf der anderen Seite von Monchique dabei waren, sie umzugestalten. Ich denke, die Besitzer meinten, der Wald habe das Haltbarkeitsdatum \u00fcberschritten, und ich fand es spannend, da ich hoffte, sie w\u00fcrden etwas anderes pflanzen. Ist der Wille da und eine gro\u00dfe Maschine verf\u00fcgbar, so ist es m\u00f6glich, Eukalyptus aus der Erde zu rei\u00dfen. Es geht in dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung wirklich um den politischen Willen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/xDSC_7195.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-68344\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/xDSC_7195.jpg\" alt=\"\" width=\"651\" height=\"465\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/xDSC_7195.jpg 1000w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/xDSC_7195-768x548.jpg 768w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/xDSC_7195-24x17.jpg 24w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/xDSC_7195-36x26.jpg 36w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/xDSC_7195-66x47.jpg 66w\" sizes=\"auto, (max-width: 651px) 100vw, 651px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Ein Mischwald besteht aus\u2026 <\/strong><strong>was f\u00fcr B\u00e4umen?<\/strong><\/p>\n<p>Er besteht aus den Arten, die hier nat\u00fcrlich wachsen ohne viel Wasser zu brauchen. Wir k\u00f6nnen hier Olivenb\u00e4ume, <em>Quercus Ilex<\/em> \u2013 Steineichen<em> \u2013 <\/em>oder Korkeichen pflanzen. Es gibt auch viele Str\u00e4ucher, die gut f\u00fcr das Wildleben sind und der Erosion vorbeugen.<\/p>\n<p><strong>Und Erdbeerb\u00e4ume\u2026?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, Arbutus unedo. Und wir haben den <em>Vibernum Tinus<\/em>, und den Johannisbrotbaum, die sehr gut zu unserem Klima passen.<\/p>\n<p><strong>Sie sind Permakultur Lehrerin?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Ich entdeckte die Permakultur kurz bevor ich England verlie\u00df und als ich wegen einer Schulterverletzung nicht arbeiten konnte. Jemand sagte mir, ich solle einen Permakulturkurs besuchen. Ich entdeckte zuf\u00e4lligerweise einen Kurs, an dem ich gratis teilnehmen durfte und die Organisatoren meinten auch, sie br\u00e4uchten dringend mehr Lehrer. Ich sagte \u201eNein, nicht ich\u201c, aber sie waren verzweifelt und \u00fcberredeten mich dazu, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Zu dieser Zeit war in England die Nachfrage gro\u00df. Ich denke, es war 1995 oder 1996. Bill Mollison, der Gr\u00fcnder der Bewegung, war 91 in England gewesen und hatte das Paar ausgebildet, das mich in Permakultur unterrichtet hat. Ich geh\u00f6re sozusagen zur Gruppe der Gr\u00fcnder.<\/p>\n<p>Ich half also hier und da aus. Sie lie\u00dfen mich auch gelegentlich unterrichten und gaben mir Feedback und Tipps zu dem, was ich anders machen k\u00f6nnte. Das habe ich drei Jahre lang gemacht und ich erwarb auch die Zertifizierung f\u00fcr Erwachsenenbildung.<\/p>\n<p>In Monchique habe ich auch einige Kurse gegeben\u2026 Im ersten kamen nur Ausl\u00e4nder, aber im zweiten waren schon zwei Portugiesen dabei. Pl\u00f6tzlich waren dann die meisten Teilnehmer Portugiesen und ich wurde nach \u00fcberall hin im Land eingeladen. In einem der Jahre gab ich elf Kurse, praktisch alle hintereinander. Danach wurde es etwas weniger, aber ich gebe heute noch zwei oder drei Kurse pro Jahr.<\/p>\n<p><strong>Wir sind jetzt im Jahre 2022 und Sie sind in Vale da Lama verantwortlich f\u00fcr die Pflanzenzucht und&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 f\u00fcr einen kleinen Waldgarten. Wir haben einen Waldgarten f\u00fcr Trockengebiete geschaffen, nachdem die letzten drei Winter sehr trocken waren und wir bemerkt haben, wie das auf unseren ersten Waldgarten wirkte. Viele der B\u00e4ume sind exotische Arten, die relativ viel Wasser brauchen. Jetzt k\u00f6nnen wir sie nicht bew\u00e4ssern und sie leiden darunter. Uns wurde bewusst, dass wir uns auf eine Zukunft mit viel Trockenheit vorbereiten m\u00fcssen. Es ist ein Experiment, bei dem ich vor allem B\u00e4ume ausw\u00e4hlte, die gut mit Trockenheit auskommen.<\/p>\n<p><strong>Welche B\u00e4ume sind es?<\/strong><\/p>\n<p>Irgendwo habe ich eine Liste: Korkeiche, Kasuarine, Schirmpinie&#8230;<\/p>\n<p><strong>Sie haben also Ihr gesamtes Leben der Natur gewidmet?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, mehr oder weniger. Ich wollte Landwirtin werden, weil mein Vater st\u00e4ndig den Wohnort wechselte, da er bei der Air Force war. Ich wurde oft zu einer Tante gebracht, die auf einem Bauernhof arbeitete. Da war ich ungef\u00e4hr acht Jahre alt und lief schon zwischen den K\u00fchen herum, fuhr Traktor, gab den H\u00fchnern Futter, melkte, es war tats\u00e4chlich das, was ich sp\u00e4ter machen wollte. Nur mein Vater meinte, ich sei zu intelligent, um Landwirtin zu werden. Das sagte er nat\u00fcrlich nicht dem Landwirt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und jetzt, mit 76 Jahren, was f\u00fcr einen Wert hat f\u00fcr Sie die Natur, wenn Sie auf Ihr Leben zur\u00fcckschauen?<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/P1080071-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-68347 alignleft\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/P1080071-1.jpg\" alt=\"\" width=\"457\" height=\"379\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/P1080071-1.jpg 1382w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/P1080071-1-768x637.jpg 768w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/P1080071-1-24x20.jpg 24w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/P1080071-1-36x30.jpg 36w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/P1080071-1-57x47.jpg 57w\" sizes=\"auto, (max-width: 457px) 100vw, 457px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das ist eine schwierige Frage. Es ist wohl das Einzige, das sehr tief in mir verwurzelt ist. Ich geh\u00f6re keiner Religion an, ich bin keine Agnostikerin, ich bin nicht Atheistin, ich glaube eben an den Geist dieses Planeten, und ich denke, dies ist meine Religion, das kann man so sagen. Das versuche ich, so gut es geht, zu befolgen. Es ist nicht einfach, wir leben in schwierigen Zeiten und es ist sehr schwer, dem Gef\u00fchl zu den nat\u00fcrlichen Prozessen vollkommen gerecht zu werden. Was f\u00fcr eine schreckliche Frage [Sie lacht.]. Aber es ist auch eine gute Frage! Ich wollte doch blo\u00df immer Dinge wachsen sehen. Ich habe eine sehr dunkle Erinnerung an die Zeit, in der ich acht Jahre alt war und in einer Stadt n\u00f6rdlich von Yorkshire wohnte. Dort gab es einen kleinen alten Mann, der in unserer Stra\u00dfe wohnte. Er hatte einen Garten und ein Gew\u00e4chshaus und ich habe immer fasziniert zugesehen, wie er im Gew\u00e4chshaus arbeitete. Eines Tags lie\u00df er mich hinein und zeigte mir, wie man Erbsen, Lupinen und Bohnen aufzieht, und f\u00fcr mich war das wie ein Wunder. Ich meine, dass wahrscheinlich hiermit alles begann. Davor wollte ich Stewardess werden oder machte mir keine Gedanken dar\u00fcber. Zu sehen, wie etwas aus einem kleinen Samen w\u00e4chst, hat mich fasziniert. Und es fasziniert mich heute noch. Ich habe Kasuarinen ausges\u00e4t; die Samen sind winzig\u2026<\/p>\n<p>\u2026und zu sehen, wie sie wachsen, und ich frage mich, wie ist das so riesig geworden? Was f\u00fcr eine Kraft, welcher Geist schuf dieses Wunder? Ja, es ist die Kraft der B\u00f6den und der Pflanzen und der Sonne, nat\u00fcrlich. Das ist im Grunde, worum es hier geht\u2026<\/p>\n<p><strong>Vergessen wir nicht, dass B\u00e4ume keine Beine oder F\u00fc\u00dfe haben. Sie k\u00f6nnen nicht einfach von England nach Portugal wandern und einen besseren Ort zum Leben suchen. Die B\u00e4ume bleiben ihr ganzes Leben an derselben Stelle. Wo immer sie gepflanzt werden, m\u00fcssen sie alleine zurechtkommen.<\/strong><\/p>\n<p>Das ist das Problem der aktuellen Tendenz, Kohlenstoff \u00fcber das Pflanzen von B\u00e4umen zu binden: Die meisten B\u00e4ume werden in Monokultur und f\u00fcr Profit gepflanzt. Ich denke, dass wir uns tats\u00e4chlich auf lange Sicht von der kapitalistischen Wachstumswirtschaft wegbewegen m\u00fcssen, denn sie funktioniert \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p><strong>Aus welchem Grund w\u00fcrden Sie einen Baum pflanzen?<\/strong><\/p>\n<p>Weil es ein fantastisches lebendes Wesen ist!<\/p>\n<p><strong>Brauchen wir es?<\/strong><\/p>\n<p>Wir brauchen es!<\/p>\n<p><strong>Wir brauchen Sauerstoff. Und der Baum braucht Kohlenstoff?<\/strong><\/p>\n<p>Ohne gr\u00fcne Materie w\u00fcrden wir nicht existieren. Das Zusammenwirken von der Sonne, den Pflanzen und den B\u00f6den ist ausschlaggebend f\u00fcr das Leben auf diesem Planeten und den meisten Menschen ist dies nicht bewusst. Fast alles auf diesem Planeten kommt durch die Sonne zustande, \u00fcber die Pflanzen und deren Symbiose mit den Bakterien im Boden. Sie sind es, die das Sagen haben. Wir meinen, wir h\u00e4tten das Sagen, aber ohne dieses Zusammenwirken g\u00e4be es uns nicht.<\/p>\n<p><strong>Photosynthese?<\/strong><\/p>\n<p>Photosynthese. Die Photosynthese ist ein wunderbarer Prozess; fast alle Vorg\u00e4nge des Lebens entstehen direkt oder indirekt durch die Photosynthese. Einer oder zwei nicht, aber gr\u00fcne Materie ist uns unentbehrlich um die Sonnenenergie aufzunehmen. Wir k\u00f6nnen noch so viele Photovoltaikmodule aufstellen, sie werden nie so effizient das Sonnenlicht in etwas Konkretes verwandeln wie ein Baum oder eine Kohlpflanze.<\/p>\n<p><strong>Und wir brauchen Wasser&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Und Wasser\u2026 <em>ohne Wasser geht gar nichts und w\u00e4chst gar nichts. <\/em>Wasser ist das Lebensblut dieses Planeten, es flie\u00dft und n\u00e4hrt. Wir haben ein falsches Verst\u00e4ndnis von Wasser und gehen davon aus, es sei erneuerbar. Wir sehen es aufsteigen, verdunsten, d.h. wir sehen es vielleicht nicht, aber wir wissen, dass es verdunstet. Wir sehen es als Regen fallen, und denken, es sei erneuerbar und es sei kein Problem, da die Menge an Wasser auf dem Planeten konstant ist. Doch das Problem liegt unter der Erde, bei den Aquiferen. Einige dieser Aquifere liegen sehr tief und deren Wasser sammelte sich vor Millionen Jahren an. Das Wasser, das wir derzeit entnehmen, liegt in den oberen Schichten und brauchte wahrscheinlich 300 Jahre um sich anzusammeln. Wenn wir nicht genau so viel Wasser nachsickern lassen, wie wir entnehmen, sinken diese Aquifere ab.<\/p>\n<p><strong>Wir erleben im Moment eine gro\u00dfe Trockenheit. Es ist nicht genug Wasser in den Stauseen, es regnet nicht genug&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Oft denkt man einfach, dass Regenwasser Fl\u00fcsse und Stauseen entstehen l\u00e4sst. Das stimmt nicht ganz. Sie entstehen aus dem Grundwasser, das sich lange vorher ansammelte. Dies ist die Hauptquelle der meisten Fl\u00fcsse und Stauseen. Es kommt aus den Quellen und der Fluss f\u00fcllt dann den Stausee, woraus man das Wasser f\u00fcr die Bew\u00e4sserungsanlagen entnimmt, doch dieses Wasser wird nicht so schnell erneuert. Wenn wir das gesamte Wasser den Aquiferen entnehmen, m\u00fcssen wir Jahrhunderte warten, bis es wieder in der entsprechenden F\u00fclle da ist.<\/p>\n<p><strong>Was empfehlen Sie um gut eine Trockenperiode zu \u00fcberleben?<\/strong><\/p>\n<p>Geht zur\u00fcck aufs Land und lebt ein einfaches Leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Man soll also aus der Stadt rausziehen, um wieder auf dem Land zu leben?<\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gibt es auch einige interessante Ma\u00dfnahmen, die man in der Stadt ergreifen kann.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/xDSC_7197.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-68350 alignright\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/xDSC_7197.jpg\" alt=\"\" width=\"537\" height=\"483\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/xDSC_7197.jpg 1000w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/xDSC_7197-768x690.jpg 768w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/xDSC_7197-24x22.jpg 24w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/xDSC_7197-36x32.jpg 36w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/xDSC_7197-52x47.jpg 52w\" sizes=\"auto, (max-width: 537px) 100vw, 537px\" \/><\/a><strong>Wir \u00f6ffnen den Wasserhahn und das Wasser flie\u00dft, bis keins mehr da ist&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Ja, aber es muss das Bewusstsein daf\u00fcr entstehen, dass es keine erneuerbare Ressource ist und dass wir es deshalb so effektiv wie m\u00f6glich mehrfach nutzen sollten. Und sehr wichtig ist auch die Aufforstung der Gebiete, wo das Wasser herkommt, denn die B\u00e4ume f\u00f6rdern durch ihre Wurzeln das Auff\u00fcllen der Aquifere. Sie entnehmen den Aquiferen auch Wasser und schaffen Regen durch Verdunstung.<\/p>\n<p><strong>Wie w\u00fcrden Sie das Wurzelsystem unserer W\u00e4lder beschreiben? W\u00fcrden Sie sagen, es entnimmt nur Wasser, oder w\u00fcrden Sie sagen, es verwaltet die Wasserreserven und arbeitet wie ein Schwamm?<\/strong><\/p>\n<p>Es verwaltet das Wasser. Das Wurzelsystem entnimmt Wasser, aber es entsteht auch ein besonderes System an der Basis der B\u00e4ume, das das Wasser aufnimmt und \u00fcber den Humus und das Bodenleben den Aquiferen weitergibt. Es \u00f6ffnet Wege, damit das Wasser einsickern kann. Wenn an den H\u00e4ngen keine B\u00e4ume wachsen, gibt es nichts, was das Wasser h\u00e4lt, damit es im Boden versickern kann.<\/p>\n<p><strong>Damit wir \u00fcberleben, sollen wir also B\u00e4ume pflanzen? Die Welt wieder aufforsten?<\/strong><\/p>\n<p>Nicht unbedingt. Es gibt Gebiete, die von Natur aus Grasland sind. Gr\u00e4ser haben auch eine wichtige Funktion. Es gibt Gebiete, die zu trocken sind f\u00fcr W\u00e4lder, wo aber Gr\u00e4ser wachsen. Viele sagen nur \u201eB\u00e4ume pflanzen, B\u00e4ume pflanzen\u201c! Doch es ist in bestimmten Gebieten nicht sinnvoll, sie zu pflanzen, denn sie m\u00fcssten gegossen werden. Wir m\u00fcssen die richtige Pflanzenart f\u00fcr jede Situation und jeden Bodentyp ausw\u00e4hlen.<\/p>\n<p><strong>Was schlagen sie den kommenden Generationen vor, um ein \u00dcberleben auf diesem Planeten bei der drohenden Wasserknappheit f\u00fcr 10 Milliarden Menschen zu erm\u00f6glichen?<\/strong><\/p>\n<p>Es kommt darauf an, was man daraus macht, oder? Das ist auch die Hauptidee der Permakultur. Ein gro\u00dfes Problem f\u00fcr den Wasserkreislauf sind die einj\u00e4hrigen Kulturen. Einj\u00e4hrige Kulturen funktionieren vielleicht in bestimmten Regionen des Planeten gut, da es dort regelm\u00e4\u00dfig regnet. In Nordeuropa z.B., war es so\u2026<\/p>\n<p><strong>Aber hier in Portugal, in S\u00fcdeuropa?<\/strong><\/p>\n<p>Hier im S\u00fcden sollten wir auf viele verschiedene mehrj\u00e4hrige Pflanzen setzen, auf B\u00e4ume, die l\u00e4nger als ein Jahr wachsen, und uns nach und nach von den einj\u00e4hrigen Kulturen verabschieden. Das hei\u00dft nicht, dass es \u00fcberhaupt keine einj\u00e4hrigen Kulturen mehr geben soll, aber wir sollten den Anbau von Sonnenblume, Soja und Getreide \u00fcberdenken. Weizen, Reis, Mais, all das braucht enorme Mengen Wasser in dem aktuellen, von Monokultur gepr\u00e4gtem Landwirtschaftssystem. Wir k\u00f6nnen Reis oder Mais anbauen, aber auf kleineren Fl\u00e4chen.<\/p>\n<p><strong>Was ist f\u00fcr Sie ein Waldgarten?<\/strong><\/p>\n<p>Ein Waldgarten ist ein mehrj\u00e4hriges System. Es ist ein Konzept, bei dem die nat\u00fcrlichen \u00d6kosysteme beobachtet und nachgeahmt werden, um bestimmte Arten anzupflanzen, von denen man dann in F\u00fclle ernten kann. Das Ziel kann sein, etwas Holz, Obst, N\u00fcsse, Kr\u00e4uter, Fasern zu gewinnen. Man kann ein mehrj\u00e4hriges System schaffen, um zu erhalten, was man ben\u00f6tigt. Dabei braucht man auch keine sehr gro\u00dfe Fl\u00e4che, denn es wird, wie in einem nat\u00fcrlichen Wald, in mehreren Ebenen angebaut und auf diese Weise wird der Raum sehr effektiv genutzt. Es kann sechs, sieben oder acht Ebenen geben, von den Bodendeckern bis hin zu den Kronen der gro\u00dfen B\u00e4ume. Es werden auch Kletterpflanzen eingesetzt. Der Raum wird maximal genutzt. In der Permakultur nennen wir das \u201estacking\u201c \u2013 Schichten. Wir schichten den Ertrag, die Funktionen, indem wir dem Beispiel des nat\u00fcrlichen \u00d6kosystems \u201eWald\u201c folgen.<\/p>\n<p><strong>Und woher haben wir dann Wasser? F\u00fcr Permakultur brauchen wir auch Wasser.<\/strong><\/p>\n<p>Ja, das brauchen wir. B\u00e4ume f\u00f6rdern den Regen. Sie s\u00e4hen Wolken. Wenn es weniger B\u00e4ume gibt, regnet es weniger; gibt es mehr B\u00e4ume, regnet es mehr. In nat\u00fcrlichen \u00d6kosystemen, sorgen die B\u00e4ume selbst daf\u00fcr, dass sie gen\u00fcgend Wasser haben. Davon sind wir jetzt weit entfernt\u2026<\/p>\n<p>\u2026 Es gibt eine Reihe fantastischer B\u00e4ume, die uns Nahrung, Kleidung und sogar Papier liefern k\u00f6nnen!<\/p>\n<p><strong>Ein Beispiel\u2026?<\/strong><\/p>\n<p>Maulbeeren!<\/p>\n<p><strong>Maulbeerb\u00e4ume, ja, die sind hier an der Algarve sehr \u00fcblich&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Und sie vertragen gut die Trockenheit.<\/p>\n<p><strong>Sie bekommen h\u00e4ufig zwei- oder dreimal im Jahr neue Bl\u00e4tter. Aber wie vermittelt man den Menschen die Bedeutung \u201edes Baumes\u201c. Wie kann man ihn daf\u00fcr interessieren, Neugierde wecken, und das Bild des Baumes als Partner und Freund vermitteln?<\/strong><\/p>\n<p>Und Lebensspender! Meiner Meinung nach unterst\u00fctzt die Allgemeinheit jetzt st\u00e4rker das Pflanzen von B\u00e4umen. Man wendet sich ab von den einj\u00e4hrigen Kulturen und sucht Konzepte zur Regeneration der B\u00f6den und W\u00e4lder \u2013 diese ganze \u201eRewilding\u201c-Bewegung. Als ich mit der biologischen Landwirtschaft begann, dachten alle, ich spinne. Ich war eine der ersten mit der Zertifizierung der Soil Association. Wir waren eine sehr kleine Gruppe und f\u00fchlten uns richtig in der Minderheit. Jetzt ist es ein gro\u00dfes Gesch\u00e4ft. Meine Kinder sagen, \u201eMutter, du warst deiner Zeit voraus!\u201c<\/p>\n<p><strong>Dann kann Naturschutz auch zum gro\u00dfen Gesch\u00e4ft werden?<\/strong><\/p>\n<p>Wahrscheinlich, und das ist auch ein Problem. Es besteht die gro\u00dfe Gefahr des \u201eGreenwashing\u201c. Bill Mollison hat die Bezeichnung \u201ePermakultur\u201c gesch\u00fctzt. Er sagte, er wolle nicht, dass sie jemand in Verbindung mit Waschpulver verwendet, um so zu tun, als sei es \u201e\u00f6ko\u201c oder \u201enachhaltig\u201c. Begriffe und Zertifizierungen werden oft veruntreut. Doch die Leute fangen an, es zu verstehen. Es sind nicht mehr nur die Menschen in Pakistan, die gegen Trockenheit und \u00dcberschwemmungen zu k\u00e4mpfen haben: Es passiert jetzt auch in Nordeuropa und das wird ihnen vielleicht die Augen \u00f6ffnen.<\/p>\n<p><strong>Kann ich Sie jetzt nochmals fragen, was f\u00fcr ein Wert die Natur f\u00fcr uns hat?<\/strong><\/p>\n<p>Ihr System h\u00e4lt uns am Leben. Wir sind ein Teil der Natur. Wir denken, wir sind unabh\u00e4ngig, aber wir sind nur ein kleiner Teil des gesamten \u00d6kosystems auf diesem Planeten. Es ist ein Ganzes, alles ist verbunden, und alles hat das Recht, zu existieren. Es ist nicht mehr als das. Wir sind nichts Besonderes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vielen Dank.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><div class=\"clear\"><\/div><div class=\"author-info\"><img decoding=\"async\" class=\"author-img\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Uwe-Heitkamp.png?w=618\" alt=\"\" \/><div class=\"author-info-content\"><h3>Uwe Heitkamp (62)<\/h3>\n\t\t\tausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobby-Botaniker, Vater zweier erwachsener Kinder, kennt sei 30 Jahren Portugal, Gr\u00fcnder von ECO123. tradu\u00e7\u00f5es: Ruth Correia &amp; Patricia Larapat | fotografias: Uwe Heitkamp\n\t\t\t<\/div><\/div><\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesley Martin unterrichtet und praktiziert mit ihren 76 Jahren weiterhin Permakultur. Ihr Vater war bei der Royal Air Force, weshalb sie als Kind oft den Wohnort wechselte. 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