{"id":74543,"date":"2026-01-10T09:17:07","date_gmt":"2026-01-10T09:17:07","guid":{"rendered":"https:\/\/eco123.info\/?p=74543"},"modified":"2026-01-10T10:03:13","modified_gmt":"2026-01-10T10:03:13","slug":"die-kuenstlerin-mit-ihrem-reisenden-webstuhl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eco123.info\/de\/short-stories-de\/die-kuenstlerin-mit-ihrem-reisenden-webstuhl\/","title":{"rendered":"Die K\u00fcnstlerin mit ihrem reisenden Webstuhl"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_74562\" aria-describedby=\"caption-attachment-74562\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-74562 size-medium\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/\/dsc-7829-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7829-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7829-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7829-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-74562\" class=\"wp-caption-text\">Foto von Uwe Heitkamp<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Die K\u00fcnstlerin <\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><b>Andrea Milde<\/b><\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"> wurde vor sechs Jahrzehnten in Ennepetal (NRW) geboren, ist dort aufgewachsen und bis zum Abitur dort zur Schule gegangen. Mit einigen kurzen Reisen durch Europa und einer langen nach Mexico und Guatemala beginnt ihre Odissee. Dann wechelt sie nach Aubusson, Frankreich, um dort an der <\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">\u00c9cole Nationale d&#8217;Art D\u00e9coratif (\u00c9NAD)<\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"> die Kunst und das Handwerk der Bildwirkerei zu erlernen. Damals gab es in Deutschland keine Einrichtung mehr, an der sie das Handwerk und die Kunst h\u00e4tte studieren k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">1986 wird Spanien (Madrid) ihre Wahlheimat. Dort findet sie ihren Lebenspartner mit dem sie eine Familie gr\u00fcndet. Arbeit als \u00dcbersetzerin und &#8211; wann immer sie sich Zeit erk\u00e4mpfen konnte \u2013 beginnt die Arbeit am Webstuhl. Mit der Finanzkrise 2008 und der beginnenden Gentrifizierung packte sie die Koffer und verlie\u00df die Gro\u00dfstadt, um in einem kleinen Ort im Norden Spaniens neu zu beginnen, in der Hoffnung, dass ein anderes Umfeld es ihrer Familie einfacher machen w\u00fcrde, den Traum von einem nachhaltigen Leben zu erf\u00fcllen. Mutter einer erwachsenen Tochter und eines erwachsenen Sohnes.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Ganz anders als erwartet, hat sich dieser Lebenstraum erf\u00fcllt. Aber erst nachdem ein weiterer Umzug sie 2017 nach Berlin bringt und sie dort die Menschen, den Raum und die finanzielle Unterst\u00fctzung findet, um das KUKUmobil zu bauen, das seit 2022 zu ihrem Lebensmittelpunkt wird. <\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><b>ECO123 online <\/b><\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">war neugierig, als es das KUKUmobil in Monchique sah, und bat die reisende K\u00fcnstlerin um ein Interview.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Die andere, sehr pers\u00f6nliche Seite der Andrea Milde sieht so aus: in eine Familie von \u201eZugezogenen\u201c hineingeboren (ihre Eltern kamen als Kriegsfl\u00fcchtlinge aus dem Osten), nach der Scheidung ihrer Eltern als \u201eSchl\u00fcsselkind\u201c gro\u00df geworden, hat sie viel Zeit alleine verbracht, in einem m\u00e4nnerlosen Haushalt ohne Auto, ohne Fernseher und ohne Bohrmaschine. Die freie Zeit am Abend verbrachten ihre Mutter und sie strickend, stickend oder h\u00e4kelnd, die Wochenenden auf langen Wanderungen mit der Mutter durch die umliegenden W\u00e4lder. F\u00fcr Konsum-Vergn\u00fcgen wie Kino, Urlaub oder \u00e4hnliches, gab es kein Geld. Es war also leise daheim, es wurde zu Fu\u00df gegangen und \u201ewir waren immer auf der Suche nach maschinenfreien L\u00f6sungen\u201c.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Andrea Milde: Wie viele Eltern der Generation, die als Kinder die Kriegszeit erlebt haben, ist ihre Mutter nie zur Schule gegangen. Bildungsfern nennt man das heute. Das hat auch ihr Selbstbewu\u00dftsein gepr\u00e4gt. Denn die Mutter hat ihr viel mitgegeben, zum Beispiel einen unersch\u00fctterlichen Optimismus. Aber was sie ihr nicht mitgegeben hat, vielleicht auch nicht mitgeben konnte, war das Streben nach sozialem \u201eAufstieg\u201c. Ihre Vorstellungswelt reichte bis zur Hauptschule, und dass die K\u00fcnstlerin ihre eigene schulische Laufbahn mit dem Abitur abgeschlossen hat, verdankt sie ihren Lehrer:innen &#8211; und nicht ihrem Selbstbewu\u00dftsein, dem R\u00fcckhalt oder der Erwartungshaltung ihrer Eltern. Das hat sie sehr gepr\u00e4gt. Zusammenfassend sagt sie im Interview mit <\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><b>ECO 123<\/b><\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">: \u201eIch habe gelernt, aus den N\u00f6ten, oder aus dem Mangel, oder den Abwesenheiten von allem zusammen, Tugenden zu machen\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><u>Das Interview:<\/u><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><b>ECO123: Andrea, Sie haben den Winter \u00fcber Weihnachten und Neujahr in Monchique verbracht. Welchen Unterschied haben Sie bemerkt, wenn Sie Monchique mit Berlin vergleichen, wo Sie normalerweise leben? Und warum gerade Monchique? Wie haben Sie das s\u00fcdlichste Gebirge Westeuropas gefunden?<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><b>Andrea Milde:<\/b><\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"> Nun, neben dem Zeitunterschied, den ich immer noch nicht verinnerlicht habe, liegen Welten zwischen beiden Orten. Berlin ist, als Hauptstadt mit einer besonderen Geschichte, nach wie vor ein Hotspot f\u00fcr Kunst und Kultur, selbst wenn auch dort die Gentrifizierung zu sp\u00fcren ist und Berlin in den letzten Jahren zunehmend an Charme und Attraktivit\u00e4t verloren hat. Aber nat\u00fcrlich ist es weiterhin laut und schnell und bunt und divers und \u201eopen-minded\u201c, was manchmal aber auch zu einer gewissen Oberfl\u00e4chlichkeit und einer \u201e\u00dcbers\u00e4ttigung\u201c f\u00fchrt.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Monchique scheint mir da das genaue Gegenteil zu sein. Ich m\u00f6chte Portim\u00e3o und alles, was dort an Konsum angeboten und nat\u00fcrlich auch wahrgenommen wird, mal au\u00dfen vor lassen. Wenn ich mich auf Monchique beschr\u00e4nke, dann wirkt das Leben in der jetzigen Winterzeit auf mich leise, gem\u00e4chlich, beschaulich, \u00fcberschaubar und zeigt irgendwie \u00fcberall eine menschliche Dimension. Und das liegt mir wesentlich mehr, als das k\u00fcnstliche \u00dcberdimensionieren auf allen Ebenen, wie ich es in Berlin oft erlebt habe.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Parallel dazu versuche ich mir vorzustellen, wie sich Monchique im Sommer anf\u00fchlt, mit mehr Tourismus, auch mit einigen Graden mehr auf dem Thermometer. Denn mein Bild von einem Standort umfasst immer nur eine von vielen seiner Facetten.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><i>Warum Monchique?<\/i><\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"> Um ehrlich zu sein, stand am Anfang etwas so Anekdotisches wie meine tschechische Wander-App. Den Erinnerungen meiner Kindheit treu geblieben und einem der Grundprinzipien des KUKUmobil-Projekts folgend, das die k\u00f6rperliche Dimension in den Mittelpunkt r\u00fcckt, erwandere ich mir die Umgebung an meinen Standorten. Daher sind, im Umkehrschlu\u00df, Standorte mit einem hohen \u201eWanderpotential\u201c f\u00fcr mich besonders interessant. Und da die gro\u00dfe Route das KUKUmobil vom Nordwestzipfel (das galicische Finisterra) bis zum S\u00fcdwestzipfel des europ\u00e4ischen Festlandes bringen soll, mit etwas Gl\u00fcck also bis Vila do Bispo oder Sagres, ging mein Blick auf der Karte meiner App in diese Richtung und traf auf das dichte Netz rot markierter Wanderwege um Monchique. Dann kamen einige Recherchen dazu, \u00fcber die Natur, die Waldbr\u00e4nde\u2026\u2026<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_74572\" aria-describedby=\"caption-attachment-74572\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-74572 size-medium\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/\/kuku-map-300x300.webp\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/kuku-map-300x300.webp 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/kuku-map-150x150.webp 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-74572\" class=\"wp-caption-text\">Karte von kukumobil.eu\/de<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Und ganz wichtig: Da die Route nicht lange im Voraus geplant, sondern offen ist f\u00fcr Ideen, Vorschl\u00e4ge und Kontakte, die auf der Reise entstehen, und ich in Viana do Alentejo, meinem vorherigen Standort, mit der Unterst\u00fctzung des Vereins \u201eTerras Dentro\u201c rechnen durfte und dieser mich, man k\u00f6nnte sagen, \u201eweitergereicht\u201c hat an einen \u00e4hnlich arbeitende Verein an der Algarve, n\u00e4mlich dem Verein Vicentina, und der wiederum bereit war, mir die T\u00fcren zur Camara Municipal in Monchique zu \u00f6ffnen, kam es letztendlich zu meinem hiesigen Gastspiel. Es ist also immer eine Verkettung von Zufall und Kooperationsbereitschaft. Erst hier angekommen wurde mir erz\u00e4hlt, dass es auch eine textile Tradition gibt und inzwischen habe ich einiges dar\u00fcber gelernt.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><b>ECO123: Sie schlafen nicht im Hotel, sondern in Ihrem KUKUmobil, einem gut isolierten Holzhaus auf R\u00e4dern, einem Anh\u00e4nger, den man hinter einen SUV oder Trecker, einen kleinen LKW oder hinter ein KFZ spannt, das drei Tonnen Nutzlast ziehen kann, wie eine Kutsche, die von Pferden gezogen wird \u2026 und wenn Sie demn\u00e4chst von Monchique nach Vila do Bispo kutschiert werden, wie f\u00fchlt sich dieses Reisen in einem fahrenden Holzhaus eigentlich an?<\/b><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_74547\" aria-describedby=\"caption-attachment-74547\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-74547 size-medium\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/\/dsc-7837-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7837-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7837-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7837-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-74547\" class=\"wp-caption-text\">Foto von Uwe Heitkamp<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Andrea Milde: Wenn es um den Umzug geht, wie er jetzt bevorsteht, steht nach der Genehmigung f\u00fcr den neuen Standort die Suche nach einem Zugfahrzeug nat\u00fcrlich im Mittelpunkt. Es gibt mehrere Gr\u00fcnde, warum ich kein eigenes Zugfahrzeug habe, der wichtigste vielleicht, weil ich solch ein Fahrzeug nur alle zwei oder drei Monate f\u00fcr einen Tag brauche und ich es nachhaltiger fand und finde, daf\u00fcr ein Fahrzeug zu suchen, statt ein eigenes zu besitzen. Der banalste: weil ich, als ich bereit war, die Reise zu beginnen, kein Geld hatte, um mir ein Fahrzeug anschaffen zu k\u00f6nnen und nicht warten wollte auf etwas, das vielleicht nie passieren wird; und auch, weil ich nicht gerne und nicht gut Auto fahre und andere das viel besser k\u00f6nnen, als ich und ich nicht das Bed\u00fcrfnis habe, alles selbst machen zu m\u00fcssen, sondern gerne anderen die M\u00f6glichkeit einr\u00e4ume, das KUKUmobil auf seiner Reise auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen, zum Beispiel durchs Transportieren, unterst\u00fctzen zu k\u00f6nnen. Was diese Entscheidung an Konsequenzen mit sich bringen w\u00fcrde, war mir damals zugegebenerma\u00dfen nicht im vollen Umfang bewusst. Inzwischen, nach \u00fcber 20 Umz\u00fcgen, habe ich gelernt, diese Konsequenzen wertzusch\u00e4tzen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Zuallererst ist es eine \u00dcbung des Vertrauens in mir fremde Menschen, denn egal ob es ein professioneller Fahrer ist oder ein KUKUmobil-Fan, der aus seiner Begeisterung heraus das Projekt auf diese Art unterst\u00fctzen m\u00f6chte\u2026 Ich gebe &#8211; um das Bild einer Weberin zu benutzen &#8211; die F\u00e4den aus der Hand. Da gibt es schon immer noch eine gewisse Nervosit\u00e4t, aber ich \u00fcbe und werde immer besser darin, dieses Grundvertrauen zu geben und zu leben.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Au\u00dferdem bringt mir dieser \u201etechnische Aspekt\u201c Zugang zu einem Publikum, das ich sonst erfahrungsgem\u00e4\u00df kaum erreichen w\u00fcrde. Denn: Textile Kunst und textiles Handwerk werden immer noch schnell in eine Ecke abgeschoben, in der sich vor allem Frauen tummeln. Leider. Jetzt weckt das KUKUmobil die Neugier des m\u00e4nnlichen Publikums und ich komme \u00fcberraschend oft ins Gespr\u00e4ch dar\u00fcber wie ich es gebaut habe, wie es transportiert wird\u2026 Und wenn wir dann erst einmal gemeinsam unterwegs sind, und vielleicht drei oder vier Stunden Fahrt vor uns liegen, dann kommen auch andere Dinge zur Sprache\u2026. Das liebe ich!!<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_74566\" aria-describedby=\"caption-attachment-74566\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-74566 size-medium\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/\/tapestry-300x300.webp\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/tapestry-300x300.webp 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/tapestry-150x150.webp 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-74566\" class=\"wp-caption-text\">Foto von kukumobil.eu\/de<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Nat\u00fcrlich pr\u00e4gt diese Art des Reisens das ganze Projekt, denn ich kann nicht immer pr\u00e4zise durchplanen, manchmal ist es schwer oder scheint fast unm\u00f6glich, jemanden zu finden, der den Transport \u00fcbernehmen kann, und ich muss immer darauf achten, dass das Budget des Projektes, das sich durch die angebotenen Kurse, durch ein kleines Crowdfunding und durch den Verkauf meiner Arbeiten finanziert, ausreicht, um die Kosten zu \u00fcbernehmen, wenn es sonst niemand tut. Zusammengefasst: Es war eine gute und es war die richtige Entscheidung. Nach zwei Jahren Erfahrung w\u00fcrde ich es nicht anders machen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><b>ECO123: KUKUmobil hei\u00dft <\/b><\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><i><b>Kunst &amp; Kultur mobil,<\/b><\/i><\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><b> auf R\u00e4dern. Erz\u00e4hlen Sie uns bitte ein wenig von dem Projekt und beteiligen Sie unsere LeserInnen an Ihren Vorstellungen, <\/b><\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><b>an Ihren <\/b><\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><b>Ideen und Gedanken.<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Andrea Milde: Auf der Website des Projekts, <a href=\"http:\/\/www.kukumobil.eu\/\">www.kukumobil.eu<\/a>, habe ich versucht, einige \u201eGrundgedanken\u201c zusammenzufassen, die sich um drei Themenfelder gruppieren und hinter dem Projekt stehen:<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><b>KULTURGUT.<\/b><\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"> Zuallererst geht es mir darum, mit der wandernden Webwerkstatt eine der \u00e4ltesten Kulturtechniken der Menschheit sichtbar zu machen. Und im Zuge dessen<\/span><b> <\/b><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">die Erhaltung dieses immateriellen Kulturgutes zu unterst\u00fctzen, auch wenn ich denke, dass dies nicht die Aufgabe einiger weniger sein sollte, sondern einer Gesellschaft, die sich daf\u00fcr einsetzt, dass auch k\u00fcnftige Generationen \u00fcber diesen Schatz verf\u00fcgen k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt meines Erachtens, dass die Wissensvermittlung in den \u00f6ffentlichen Raum gebracht wird. Das KUKUmobil definiert den \u00f6ffentlichen Raum als einen Ort, an dem Gemeinschaft und kollektive Identit\u00e4t erlebt werden k\u00f6nnen. Es bringt Lernen und k\u00fcnstlerisches Schaffen in den Alltag der Menschen und macht beides f\u00fcr alle zug\u00e4nglich.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><b>NACHHALTIGKEIT.<\/b><\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"> \u201eNicht nur weil man kann, muss man auch\u2026\u201c. Das KUKUmobil versucht, den Impuls des Menschen in einem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Ma\u00df zu planen und zu handeln, die Versuchung des \u201el\u00e4nger, h\u00f6her, lauter und weiter\u201c und das vielen zur Gewohnheit gewordene Besitzdenken mit der dringenden Notwendigkeit in Einklang zu bringen, nachhaltige und gerechte Praktiken zu entwickeln. Dazu bedarf es meiner Meinung nach einer R\u00fcckbesinnung auf das, was Mensch ausmacht und ein Bem\u00fchen darum, nicht der Maschine nachzueifern in Effektivit\u00e4t, Optimierung, Produktivit\u00e4t, Gr\u00f6\u00dfe und Geschwindigkeit, sondern das zu kultivieren, was an Verst\u00e4ndnis und Entfaltung sch\u00f6pferischer Kraft als Potential im Menschen liegt.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_74569\" aria-describedby=\"caption-attachment-74569\" style=\"width: 720px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-74569 size-full\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/weaving.webp\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"540\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/weaving.webp 720w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/weaving-24x18.webp 24w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/weaving-36x27.webp 36w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/weaving-63x47.webp 63w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-74569\" class=\"wp-caption-text\">Foto von kukumobil.eu\/de<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Dabei hilft es, den Faktor Zeit anders zu verstehen, sowohl in einem allt\u00e4glichen als auch in einem philosophischen Kontext; <\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><i>Slow Art<\/i><\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"> und <\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><i>Slow Living<\/i><\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"> k\u00f6nnen die T\u00fcr zu einer bewu\u00dfteren Lebensweise \u00f6ffnen, zu einer anderen Form von Zufriedenheit und Wohlstand, zu einer Art von Wachstum, das in die Tiefe, oder in die H\u00f6he geht und eine gesamtgesellschaftliche Bereicherung darstellt, die nicht auf die Kosten unserer Umwelt geht. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass Mensch sich Gedanken zu \u201eartgerechter Haltung\u201c von Tieren, zur Naturvertr\u00e4glichkeit und Naturschutz macht, und das ist gut so, aber es irgendwie nicht schafft, sich darauf zu besinnen, was denn eine artgerechte Haltung f\u00fcr die Gattung Mensch sein k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><b>EUROPA.<\/b><\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"> Ich bin, auch in diesen turbulenten Zeiten, \u00fcberzeugte Europ\u00e4erin. Ich bin in einem Land gro\u00df geworden, dass eine Mauer geteilt hat und habe Europa bereist, als es noch Grenzen gab und bin dankbar daf\u00fcr, dass es beides nicht mehr gibt. F\u00fcr mich ist es ein erster Schritt in Richtung Weltb\u00fcrgertum.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Meine Vision von Europa ist die eines solidarischen, eines gerechten und sozialen Kulturraums f\u00fcr alle, der auf einer langen gemeinsamen, nicht immer einfachen und nicht immer r\u00fchmlichen Vergangenheit gr\u00fcndet. Ein Raum, der eine gro\u00dfe Vielfalt an Kulturen, Landschaften, V\u00f6lkern, Sprachen und Lebensweisen beherbergt.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_74553\" aria-describedby=\"caption-attachment-74553\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-74553 size-medium\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/\/dsc-7839-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7839-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7839-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7839-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-74553\" class=\"wp-caption-text\">Foto von Uwe Heitkamp<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Ich habe mich gefragt, was ich als Bildwirkerin dazu beitragen kann, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen. So wurde die Idee geboren, sie auf einem Webstuhl festzuhalten. Denn ein Bildteppich ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr, was ein so vielf\u00e4ltiges und buntes soziales Gef\u00fcge wie das europ\u00e4ische an Sch\u00f6nheit und Reichtum entfalten kann, wenn man darauf achtet, dass es fest und dicht gewebt ist und gut zusammenh\u00e4lt.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Alle F\u00e4den sind wichtig, und alle F\u00e4den sind n\u00fctzlich, aber nicht lose und wirr, sondern nur dann, wenn sie sorgf\u00e4ltig miteinander verwoben sind.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Eins meiner Anliegen ist es daher, gemeinsam \u00fcber die Zukunft des europ\u00e4ischen Raums und die Zukunft unserer Gesellschaft nachdenken. Der Teppich, der auf der Reise entstehen soll, soll die Vielfalt der europ\u00e4ischen Realit\u00e4ten und Identit\u00e4ten widerspiegeln; er versteht sich sowohl als Metapher f\u00fcr das soziale und kulturelle Gef\u00fcge, als auch als ein Manifest f\u00fcr ein soziales Europa im Dienste der Zivilgesellschaft.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><b>ECO123: Ich stelle mir gerade vor, ich k\u00f6nnte den Uhrzeiger zur\u00fcckdrehen und befinde mich im Leben an einem anderen Ort und in einer anderen Zeit und vielleicht sogar in der Haut eines anderen Menschen. Wenn wir mal zwei Jahrhunderte in der Geschichte der Mode und der Stoffe zur\u00fcckgehen, was k\u00f6nnten wir da entdecken?<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Andrea Milde: Also, als Bildwirkerin bin ich nicht unbedingt eine Fachfrau f\u00fcr Fragen zu Mode und Stoffen. Das sind eher meine Weber-Kolleg:innen. Als Bildwirkerin bin ich eher in der Welt der Kunst unterwegs, durchaus immer schon einer elit\u00e4ren Welt, denn gewebte Bilder waren seit eh und je extrem zeitaufw\u00e4ndig und daher teuer, oder besser gesagt kostbar, fanden als Prestigeobjekt ihre Klientel bei Adel und Kirche, sp\u00e4ter dem reichen B\u00fcrgertum. Das hat nicht unbedingt dabei geholfen, sie breit aufzustellen, damit sie f\u00fcr die Gegenwart \u00fcberlebensf\u00e4hig ist. Und nat\u00fcrlich ist auch die Kunst von Moden und Trends abh\u00e4ngig, wenn man sie als reines Investitionsobjekt versteht. Aber nicht mit der gleichen Eile.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Wenn wir zur\u00fcckschauen in die Vergangenheit, dann sehen wir auf der einen Seite wie wichtig Textilien immer schon waren. Textilien geh\u00f6ren zu unseren Grundbed\u00fcrfnissen, seitdem wir begonnen haben, unsere K\u00f6rper zu bedecken. Sie sind unsere zweite Haut, nichts, au\u00dfer der Sonnencreme, ist uns so nah, wie unsere Kleidung. Sie ist Ausdruck von Identit\u00e4t und Individualit\u00e4t, ein Zeichen von Klassen- und Standeszugeh\u00f6rigkeit. Darin liegt ein gro\u00dfes Potential f\u00fcr die Wirtschaft. Und so stand die industrielle textile Produktion sehr schnell schon unter dem Zeichen massiver Ausbeutung der Arbeitskr\u00e4fte und menschenunw\u00fcrdiger Arbeitsbedingungen. Als diese in Europa nicht mehr zul\u00e4ssig waren, ist die Textilindustrie nach Asien abgewandert. Auf meiner Reise durch Portugal habe ich viele Orte besucht, an denen noch vor einigen Jahrzehnten die Textilindustrie relevant war. Und auch wenn inzwischen das \u201eAus dem Auge, aus dem Sinn\u201c-Prinzip nicht mehr greift, und wir alle darum wissen, unter welchen Bedingungen unsere Kleidung an anderen Orten der Welt hergestellt wird, scheint sich das kritische Bewu\u00dftsein, das zu einer Ver\u00e4nderung unserer Gewohnheiten f\u00fchren k\u00f6nnte, nur sehr langsam herauszubilden. Immerhin, es bildet sich. Mode hat aber auch mit \u00c4sthetik zu tun, mit Kreativit\u00e4t und Innovation und somit mit einem Grundbed\u00fcrfnis des Menschen nach Sch\u00f6nheit. Das \u00dcbel ist die Schnelligkeit, mit der sich die Modetrends jagen. Also t\u00e4te auch hier ein \u201eSlow\u201c vor der \u201eFashion\u201c gut. Fr\u00fcher wurde Kleidung vererbt, hielt, je nachdem, ein ganzes Leben lang. Nicht, dass fr\u00fcher alles besser war, aber es war auch nicht alles schlecht. Mein Winterpullover ist inzwischen fast 40 Jahre alt. Ich freue mich jedes Jahr, wenn es kalt genug wird, um ihn aus der Kiste zu holen. Er ist wie ein guter Freund, altvertraut, und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Und ich bin kein Modemuffel.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_74550\" aria-describedby=\"caption-attachment-74550\" style=\"width: 3008px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-74550 size-full\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7835.jpg\" alt=\"\" width=\"3008\" height=\"2000\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7835.jpg 3008w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7835-768x511.jpg 768w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7835-1536x1021.jpg 1536w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7835-2048x1362.jpg 2048w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7835-310x205.jpg 310w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7835-24x16.jpg 24w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7835-36x24.jpg 36w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7835-71x47.jpg 71w\" sizes=\"auto, (max-width: 3008px) 100vw, 3008px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-74550\" class=\"wp-caption-text\">Foto von Uwe Heitkamp<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><b>ECO123: Ihre Arbeit wird Bildgestalterin genannt. Sie arbeiten mit Wolle und anderen Materialien und an einem Webstuhl, den das fahrende Holzhaus beheimatet bzw. durch Europa kutschiert. Wie lernt man so einen Beruf und was geben Sie in Ihren Workshops an die TeilnehmerInnen weiter?<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Andrea Milde: Darf ich Sie korrigieren? Wenn ich jetzt mal ganz penibel sein darf, dann wird unsere Disziplin \u201eBildwirkerei\u201c genannt. Es gibt leider keine wirklich gute oder griffigere Bezeichnung f\u00fcr unsere Arbeit. Je nachdem, welcher Generation Ihre Leserschaft angeh\u00f6rt, werden sich einige eher etwas unter dem Begriff Bildteppiche vorstellen k\u00f6nnen, der den Bezug zum Bild deutlich machte, f\u00fcr viele jedoch gleichzeitig eine Abh\u00e4ngigkeit von der Bildvorlage evozierte, von der man sich aber eigentlich emanzipieren wollte; anderen wird die Bezeichnung Wandteppiche vertrauter sein, die dazu diente, sie von den gekn\u00fcpften Bodenteppichen und den Kelims zu differenzieren und davor zu sch\u00fctzen, mit F\u00fc\u00dfen getreten zu werden. Wer in der textilen Welt unterwegs war, dem war \u201eGobelin\u201c ein Begriff, was aber eigentlich eine Art von gesch\u00fctzter Herkunftsbezeichnung ist, bezieht sie sich doch auf die in der Manufaktur von Gobelin, in Paris, hergestellten Arbeiten. Ich benutze gerne diesen etwas sperrigen Begriff der \u201eBildwirkerei\u201c, weil mir die Befremdung, mit der wir diesem Begriff begegnen wie ein weisses Blatt ist, auf dem ich eine neue Definition festschreiben kann.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Aber zur\u00fcck zu Ihrer Frage: Wie lernt man die Bildwirkerei? In der Vergangenheit war es, wie bei fast allen Handwerken, meist so, dass das Wissen innerhalb des famili\u00e4ren Umfelds weitergegeben wurde. Man wuchs sozusagen hinein. Mit der Industrialisierung haben wir dieses Format weitgehend verloren. \u00dcber einen bestimmten Zeitraum \u00fcbernahmen die Kunstgewerbeschulen diese Aufgabe. Aber auch davon gibt es nicht mehr viele. Ich bin damals nach Frankreich gegangen, weil es in Deutschland keinen Ort mehr gab, an dem ich mich umfassend h\u00e4tte ausbilden lassen k\u00f6nnen. An manchen Kunsthochschulen und in Textilwerkst\u00e4tten kann man hier und da noch Praktika absolvieren, aber die Aussichten sind nicht rosig. Das mag auch daran liegen, dass es das Berufsbild \u201eBildwirkerei\u201c wenn man ehrlich ist, nicht mehr gibt, weil ich bisher noch niemandem begegnet bin, der von der Bildwirkerei alleine leben k\u00f6nnte. Und eine Ausbildung, egal zu welchem Handwerk, bedeutet eine Zeitinvestition von drei bis f\u00fcnf Jahren. Die m\u00fcssten finanziert werden, auf beiden Seiten, d.h. f\u00fcr die Lehrenden und f\u00fcr die Lernenden. Wissen Sie, ich setze mich seit mehreren Jahrzehnten f\u00fcr das <i>Bedingungslose Grundeinkommen <\/i>ein, unter anderem, weil ich davon \u00fcberzeugt bin, dass viele junge Menschen gerne ein Handwerk, vielleicht auch ein textiles, lernen und aus\u00fcben w\u00fcrden, wenn sie w\u00fc\u00dften, dass sie dann ihr Auskommen h\u00e4tten.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana, serif;\">Aber solange es das nicht gibt, bleibt nur der Weg \u00fcber die Praktika, \u00fcber Kurse, \u00fcber autodidaktisches Weiterlernen\u2026 Das ist auch der Grund daf\u00fcr, dass ich immer, an jedem Ort, unterschiedliche Kursformate anbiete. Ich m\u00f6chte die Menschen einladen, die F\u00e4den selbst in die Hand zu nehmen. Im wortw\u00f6rtlichen Sinne, aber auch im \u00fcbertragenen. Denn Weben und Leben stehen nah beieinander und man kann beim Weben viel \u00fcber das Leben nachdenken und lernen. Es geht nicht nur um Techniken, es geht vor allem darum, sich die Zeit zu nehmen, um Geist, Herz und Seele zusammenzubringen. Darum sind handwerklich entstandene Objekte etwas Besonderes, sie sind beseelt. Und darum verarmt eine Gesellschaft, die diese R\u00e4ume nicht schafft, in denen solch eine \u201eKommunion\u201c stattfinden kann, zusehends. Und alle, die wir Instrumente haben, die wir Wissen angesammelt haben, die wir Wege kennen, um das zu verhindern, oder anders herum, das zu erm\u00f6glichen, sind wir, meiner Meinung nach, in der Pflicht, das mit gro\u00dfer Beharrlichkeit und Ausdauer immer wieder zu versuchen. <\/span><span style=\"font-family: Verdana, serif;\"><i>Auch gegen den Wind.<\/i><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_74559\" aria-describedby=\"caption-attachment-74559\" style=\"width: 3008px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-74559 size-full\" src=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7828.jpg\" alt=\"\" width=\"3008\" height=\"2000\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7828.jpg 3008w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7828-768x511.jpg 768w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7828-1536x1021.jpg 1536w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7828-2048x1362.jpg 2048w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7828-310x205.jpg 310w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7828-24x16.jpg 24w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7828-36x24.jpg 36w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/dsc-7828-71x47.jpg 71w\" sizes=\"auto, (max-width: 3008px) 100vw, 3008px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-74559\" class=\"wp-caption-text\">Foto von Uwe Heitkamp<\/figcaption><\/figure>\n<div class=\"author-info-content\">\n<div class=\"author-info\">\n<p><img decoding=\"async\" class=\"author-img alignleft\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Uwe-Heitkamp.png?w=618\" alt=\"\" \/><\/p>\n<div class=\"author-info-content\">\n<h3>Uwe Heitkamp (66)<\/h3>\n<p>ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobbybotaniker, Vater von zwei erwachsenen Kindern, kennt Portugal seit 35 Jahren, Gr\u00fcnder von ECO123.<br \/>\n\u00dcbersetzer: Dina Ad\u00e3o, John Elliot<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die K\u00fcnstlerin Andrea Milde wurde vor sechs Jahrzehnten in Ennepetal (NRW) geboren, ist dort aufgewachsen und bis zum Abitur dort zur Schule gegangen. 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