{"id":9245,"date":"2014-06-21T01:59:10","date_gmt":"2014-06-21T01:59:10","guid":{"rendered":"http:\/\/eco123.info\/?p=9245"},"modified":"2014-09-23T12:11:42","modified_gmt":"2014-09-23T12:11:42","slug":"der-kreislauf-des-lebens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eco123.info\/de\/im-mittelpunkt\/der-kreislauf-des-lebens\/","title":{"rendered":"Der Kreislauf des Lebens"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber die H\u00e4lfte aller Nahrungsmittel landet auf dem M\u00fcll. Die industrielle Landwirtschaft verschlingt riesige Mengen an Energie, Wasser, D\u00fcnger und Pestiziden. Regenw\u00e4lder werden f\u00fcr Weidefl\u00e4chen und f\u00fcr den Anbau von Industriesoja und Palm\u00f6l gerodet. Mehr als ein Drittel der Treibhausgase entsteht durch die Landwirtschaft und den weltweiten Transport von Lebensmitteln.<br \/>\nWir wissen, dass \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Verzehr von Fleisch und Milchprodukten krank macht. Warum kaufen wir dennoch Industriefleisch im Supermarkt von Tieren aus Massentierhaltung, die mit genmanipuliertem Sojafutter aufgezogen werden? \u00dcberlassen wir die Verantwortung f\u00fcr unsere Ern\u00e4hrung einer Agrar- und Lebensmittelindustrie, die im globalen Konkurrenzkampf nur Wirtschaftswachstum und Profit kennen? 2014 ist das Europ\u00e4ische Jahr gegen Lebensmittelverschwendung.<br \/>\nWie k\u00f6nnen wir eine ausgewogene Ern\u00e4hrung verwirklichen, die unserer Gesundheit, dem Wohl der Tiere und auch der Erde als Ganzes dient? ECO123 beginnt in seiner heutigen Ausgabe mit einer Serie \u00fcber Landwirtschaft, Lebensmittel und Ern\u00e4hrung und sucht nach gesunden und regionalen L\u00f6sungen. Haben wir den Bezug zu unserer Erde und zu unseren Lebensmitteln verloren und wie finden wir ihn zur\u00fcck?<\/p>\n<p><strong>ECO123 sprach mit Filipe Baiona, (28) auf der \u201cQuinta da Hortensia\u201d bei Caldas de Monchique, Algarve.<\/strong><\/p>\n<p><strong>ECO123: Ihr Supermarkt ist der Garten?<\/strong><br \/>\n<strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-7607\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Filipe-Baiona1-300x300.jpg\" alt=\"Filipe Baiona - Filipe Baiona - selbstversorgende Landwirtschaft\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Filipe-Baiona1-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Filipe-Baiona1-150x150.jpg 150w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Filipe-Baiona1-55x55.jpg 55w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Filipe Baiona<\/strong>: So ist es. Das ist auch gut so, denn hier wei\u00df ich was ich habe und das alles ist ziemlich gesund. Aber es hat auch seinen Preis und der spiegelt sich in der Arbeit wider. Alles, was wir als Familie hier haben, ist nat\u00fcrlich gewachsen. Wenn wir uns das jetzt mal genauer anschauen, stellen wir fest, wie viele verschiedene Dinge \u00fcberhaupt angebaut werden. Um es kurz zu machen, z\u00e4hle ich alles was wir hier ges\u00e4t haben mal auf: Melone, Wassermelone, Zwiebeln, Salat, Tomaten, Paprika, Gurken, Zucchini, drei oder vier Sorten Bohnen, S\u00fc\u00dfkartoffeln, zwei andere Kartoffelsorten, eine Menge verschiedener Arten von Kohl, Saubohnen, Erbsen und M\u00f6hren auch. Wir haben noch Zitronen, Orangen und andere Fr\u00fcchte. All das ist das Resultat harter Arbeit und fordert seinen Tribut: samstags und sonntags fr\u00fch raus, aber das macht auch gesund und es gelingt dabei zu wachsen.<\/p>\n<p><strong>Sie sind also Bauer?<\/strong><br \/>\nAm Ende sind wir alle Landwirte: mein Vater, ich und ein Mann, der noch kommt, um uns zu helfen. Aber die Basis daf\u00fcr, dass uns das Land das Gem\u00fcse gibt ist die Vorbereitung der Erde: Maschinen, Samen und Setzlinge, Kraftstoff; das alles und vieles mehr. Es liegt alles in unserer Verantwortung. Das ist die Praxis einer kleinen Subsitenzwirtschaft f\u00fcr den Eigenverbrauch. Viele Menschen hier in Monchique nutzen ihre Grundst\u00fccke auf diese Art und Weise. Die Dinge werden mit Sorgfalt und Hingabe getan und wir versuchen, ein wenig von allem zu produzieren, was wir brauchen.<\/p>\n<p><strong>Hier sp\u00fcrt keiner den Hunger wie in den St\u00e4dten?<\/strong><br \/>\nNein, bei uns ist es ganz anders, denn wir sind eine Familie. F\u00fcnf Personen oder mehr leben hier im Haushalt. In der Tat gibt es mehrere Familien und Generationen, die sich von diesem Grundst\u00fcck ern\u00e4hren. Da ist ein pensionierter Herr, der mit seiner Frau lebt. Die Renten sind heute sehr niedrig in unserem Land, wie wir alle wissen. Er steht jeden Tag in der Fr\u00fch auf und kommt hierher. Er ergreift die Initiative, um hier zu arbeiten und ein wenig von allem mit nach Hause zu nehmen. So hilft er uns und wir helfen ihm. Das ist der Zyklus. Er nimmt einige Sachen mit nach Hause und mit seiner und unserer Kraft bestellen wir das Land gemeinsam.<\/p>\n<p><strong>Das lernt einer nicht von einem Tag auf den anderen, nicht wahr?<\/strong><br \/>\nExakt.<\/p>\n<p><strong>Mal angenommen, jemand z\u00f6ge von der Stadt hinaus aufs Land und w\u00fcrde ohne konkretes Wissen in der Landwirtschaft arbeiten wollen, wo sollte der beginnen?<\/strong><br \/>\nIch muss mir das gerade einmal bildlich vorstellen: ein Leben mit einem Stadtbewohner hier auf dem Land. Die Grundlagen und Ideen, die Stadtbewohner haben, sind ganz andere. Sie leben einen ganz anderen Stil und werden ganz anders erzogen. Ich denke, dass die Landwirtschaft verlieren w\u00fcrde. Drehen wir einmal die Zeit zur\u00fcck und ziehen wir in Betracht, dass meine Vorfahren schon immer auf dem Land zu leben pflegten. Sie lebten mit der Natur, kultivierten das Land und nahmen, was die Natur ihnen gab. Das setzt sich fort. Heute leben meine Eltern auf dem Land und selbst ich lebe immer noch gerne hier. Ich fahre jeden Tag viele Kilometer zur Arbeit und zur\u00fcck, der Lebensqualit\u00e4t wegen und weil ich mich hier wohl f\u00fchle. In diesem Sinne bin ich erzogen worden und so wuchs ich auf. Und das gibt mir die St\u00e4rke und versetzt mich in die Lage, hier mitzumachen, die Erde zu bestellen und weiter zu lernen. Und am Ende ernten wir die Fr\u00fcchte dessen und bekommen wir zur\u00fcck, was wir reingesteckt haben. Ich kann sogar zu meinen Kollegen in Portim\u00e3o gehen und ihnen einen Sack Kartoffeln schenken und ihnen zeigen, dass dies die Fr\u00fcchte meiner Arbeit sind. Ich bin autark und kann anderen helfen.<\/p>\n<p><strong>Gerade in den St\u00e4dten stecken viele Familien in gro\u00dfen finanziellen Schwierigkeiten. Kredite m\u00fcssen abgezahlt werden. Alte Menschen mit sehr geringen Renten leben ohne Garten. Kinder gehen ohne Fr\u00fchst\u00fcck zur Schule, w\u00e4hrend man in Monchique die Kunst der Landwirtschaft beherrscht.<\/strong><br \/>\nSo ist das. Sie k\u00f6nnen einige Dinge hier miteinander vergleichen. Ich habe einen Freund, der liebt die Landwirtschaft \u2013 und so haben wir uns zusammengeschlossen. Jetzt lebt er im Ruhestand und er hat auch Kinder, und unterst\u00fctzt sie mit seinem Geld. Ich bin absolut sicher, dass dieser Freund im Grunde von all dem lebt, was er hier erntet. Er kommt um zu helfen und nimmt auf dem Nachhauseweg immer seine Lebensmittel von hier mit, denn unsere Erde gibt immer in H\u00fclle und F\u00fclle. Das ist der Vorteil eines Grundst\u00fccks. Wenn er ein wenig faul w\u00e4re und vielleicht k\u00fcrzer arbeiten w\u00fcrde, w\u00fcrde sich die Natur das Grundst\u00fcck zur\u00fcckholen und alles \u00fcberwuchern.<\/p>\n<p><strong>Wie viele Hektar Land bestellen Sie?<\/strong><br \/>\nMehr oder weniger sind das drei Hektar.<\/p>\n<p><strong>Gibt ein Hektar genug her f\u00fcr eine Familie?<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-7608\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Baiona-regar-300x300.jpg\" alt=\"Bew\u00e4sserung des Gem\u00fcseanbaus\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Baiona-regar-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Baiona-regar-150x150.jpg 150w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Baiona-regar-55x55.jpg 55w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Ein Hektar? Das h\u00e4ngt davon ab, wie dieser alte Boden genutzt wird. Fr\u00fcher wurde er auch vielseitig genutzt. Wir haben hier f\u00fcnf ganz verschiedene Fruchtb\u00e4ume im Feld: verschiedene Tangerinen-B\u00e4ume, einen Orangenbaum und eine andere Sorte die sich \u2018Laranja da Ba\u00eda\u2019 nennt, eine sehr gute alte Qualit\u00e4t\u2026<\/p>\n<p><strong>\u2026Sie haben ja auch japanische Mispeln da vorn&#8230;<\/strong><br \/>\n&#8230; und Feigenb\u00e4ume und auch viele Rebst\u00f6cke auf den Terrassen. Das ist alles auf altem Wissen aufgebaut und wir bewirtschaften das Land auf logische Weise. Zum Beispiel kann ein solcher Baum zwischen 200 und 300 kg Mandarinen geben. In Monchique gibt es verschiedene Sorten von \u00c4pfeln, die es nur hier und nirgendwo anders gibt. Zwei von ihnen sind sehr bekannt: der &#8222;Pero Mal\u00e1pio&#8220; und der &#8222;Bravo Pero Mofo&#8220;. F\u00fcr mich sind sie wie Gew\u00fcrz\u00e4pfel, sehr geschmackvoll. Diese Gew\u00fcrz\u00e4pfel wurden fr\u00fcher auf eine ganz besondere Art geerntet. Am Fu\u00df verknotete man einen Draht und dann wurden 20, 30, 40 \u00c4pfel daran aufgereiht, alle in der gleichen Entfernung voneinander. Im Vorratsraum hingen sie w\u00e4hrend eines ganzen Winters von der Decke herunter. Das war die traditionelle Art unserer Konservierung.<\/p>\n<p><strong>Und Weintrauben?<\/strong><br \/>\nWeintrauben auch. Wir ernten sogar tropische Fr\u00fcchte wie zum Beispiel Goiaba.<\/p>\n<p><strong>Wie viel Male ernten sie im Jahr Kartoffeln?<\/strong><br \/>\nManchmal bauen wir drei Mal im Jahr Kartoffeln an. Die Kartoffel wird das ganze Jahr \u00fcber angebaut. Es gibt sehr gute Ernten in unserer Region. Wir ernten zum Beispiel gerade jetzt und im September setzen wir neue. Dann dauert es drei Monate bis zu Weihnachten und wir haben wieder neue Kartoffeln. Danach kultivieren wir wieder neue im Januar, um sie jetzt zu essen, gegen Ende Mai. Und in den kommenden Wochen pflanzen wir wieder neue und ernten mitten im Sommer. Durch alle vier Jahreszeiten hindurch haben wir immer neue Kartoffeln.<\/p>\n<p><strong>Sie sind Mitglied in einem Verein?<\/strong><br \/>\nJa, ich geh\u00f6re dem Jagd- und Anglerverein Monchique an und bin dort im Vorstand.<\/p>\n<p><strong>Wie viel Mal in der Woche essen Sie Fleisch?<\/strong><br \/>\nDas Fleisch geh\u00f6rt f\u00fcr mich zur Ern\u00e4hrung dazu. Es kann vorkommen, dass ich zwei oder drei Mal \u2013 und es kann vorkommen &#8211; dass ich vier oder sogar f\u00fcnf Mal Fleisch esse, oder auch nur ein Mal pro Woche. Im Durchschnitt sind es wohl drei Tage pro Woche, aber mindestens vier Mal pro Woche auch Eint\u00f6pfe. Zuhause, in diesem Fall in meiner Familie, kommen verschiedene Eint\u00f6pfe auf den Tisch. Unser Organismus hat sich regelrecht an Eint\u00f6pfe gew\u00f6hnt, dass wenn mal nach zwei Tagen keiner auf den Tisch kommt, irgendwas mit der K\u00fcche nicht stimmt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-9235\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Filipe-Baiona19.jpg\" alt=\"Baum mit Fr\u00fcchten\" width=\"594\" height=\"179\" \/><\/p>\n<p><strong>Fr\u00fcher a\u00dfen die Menschen viel weniger Fleisch als heute. Gucken wir uns nur die Speisekarten in den Restaurants an; nur Fleisch- oder Fischgerichte. Sehr selten treffen wir in Portugal auf fleischloses, vegetarisches Essen.<\/strong><br \/>\nUnsere Vorfahren haben vielleicht weniger Fleisch gegessen, daf\u00fcr aber vermutlich von besserer Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>In ihrer Familie isst man auch die landestypischen S\u00fc\u00dfspeisen?<\/strong><br \/>\nJa, auf jeden Fall. Meine Mutter kennt sich da am besten aus. Sie ist eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Person, kein Zweifel, eine tolle Frau, eine gro\u00dfe K\u00f6chin. Sie kennt viele Rezepte traditioneller S\u00fc\u00dfigkeiten, und speziell der Kuchen, Torten und S\u00fc\u00dfigkeiten von Monchique.<\/p>\n<p><strong>Mit Feigen Johannisbrot und Mandeln?<\/strong><br \/>\nSie benutzt sie alle. Die Minze, um Lik\u00f6r zu machen, den Martunho um Kekse herzustellen, und auch die Pflaume. Eigentlich alles, was uns die Natur gibt, nimmt sie als Zutaten.<\/p>\n<p><strong>Guten Medronho-Schnaps gibt es auch bei ihnen zuhause?<\/strong><br \/>\nEinen guten Medronho auch, Gott sei Dank. Das ist es, was ich es am liebsten trinke und was mich am meisten interessiert.<\/p>\n<p><strong>Falls sie zum Beispiel mehr Zwiebeln ernten als sie selbst verbrauchen k\u00f6nnen, aber selbst nicht genug Erbsen haben, tauschen sie dann?<\/strong><br \/>\nDie Idee k\u00f6nnte bald Wirklichkeit werden. Die Leute k\u00e4men zu mir nach Hause und bieten beispielsweise einen Sack Kartoffeln gegen einen Sack Zwiebeln. Aber ich habe nicht den Anspruch, ein Gut durch ein anderes auszutauschen. Was wir haben, teilen wir. Dann besteht die M\u00f6glichkeit dass ein anderer auch teilt was sein ist und so schaffen wir einen Zyklus. Ich arbeite in Portim\u00e3o und die Leute dort haben das Meer vor ihrer Haust\u00fcre, mit dem Fisch als Nahrungsmittel. Das Essen ist ges\u00fcnder dort, aber Fisch essen ohne Kartoffeln oder Tomaten ist nicht dasselbe. Daher ist Tauschen wirklich sinnvoll. Manchmal teile ich meine Sachen, wie Orangen, wenn ich eine Kiste mitnehme, um sie meinen Kollegen in der Cafeteria zu geben.<br \/>\nWenn wir zur\u00fcck zu unserem Gespr\u00e4ch \u00fcber das Problem des Hungers zu kommen, glaube ich, dass die Leute von Monchique fast autark sein k\u00f6nnen und das garantiert gro\u00dfe Lebensqualit\u00e4t. Portim\u00e3o befindet sich in einer anderen Klasse &#8211; obwohl sie dort das Meer haben. Aber sie leben nicht nachhaltig. Ich erfahre das immer wieder, wenn ich zur Arbeit gehe und Kartoffeln, Zwiebeln oder Kohl f\u00fcr einige Leute mitnehme und es f\u00fcr sie ein gro\u00dfartiges Angebot ist. Denn es wird gern gegessen und oft fragen mich die Kollegen, wann ich wieder etwas mitbringe.<\/p>\n<p><strong>Was empfinden sie bei der Vorstellung, dass falls die Superm\u00e4rkte einmal drei, vier oder f\u00fcnf Tage keinen Nachschub erhielten, schlie\u00dfen machen m\u00fcssten?<\/strong><br \/>\nMein Gott, das d\u00fcrfte nicht passieren, aber ich glaube&#8230;<br \/>\n\u2026erinnern sie sich an den Streik der Tanklastwagenfahrer vor f\u00fcnf Jahren?<br \/>\nDas war ein Chaos. Ich habe das noch vor Augen. Das war, als ob das Ende nahte. Ich erinnere mich, dass viele Autos auf der Autobahn geparkt waren, mit leeren Tanks. Da fragten mich Leute, die eine Suppe kochen wollten, wie sie das ohne Kartoffeln machen sollten, denn in den Superm\u00e4rkten leerten sich die Regale. \u00dcberall fehlten Lebensmittel und die Leute gingen hamstern. Was war das f\u00fcr ein Chaos! In diesem Fall bin ich mir sicher, dass diejenigen, die von ihrer Landwirtschaft hier in Monchique leben eine solche Krise \u00fcberstehen w\u00fcrden, egal ob diese nun lang oder kurz sei. Heute ist f\u00fcr mich ein gutes Zuhause, wo Menschen gl\u00fccklich und autark sein k\u00f6nnen, verbunden mit einem guten St\u00fcck Ackerland mehr wert, als vielleicht ein sch\u00f6nes Apartment mit Meerblick in Praia da Rocha.<\/p>\n<p><strong>Gibt es Ihrer Meinung nach eine Alternative zu dieser Abh\u00e4ngigkeit?<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7611 size-medium\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Filipe-Baiona11-300x300.jpg\" alt=\"Filipe Baiona Im Gem\u00fcsegarten\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Filipe-Baiona11-300x300.jpg 300w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Filipe-Baiona11-150x150.jpg 150w, https:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Filipe-Baiona11-55x55.jpg 55w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Das Leben in Monchique er\u00f6ffnet einem vielf\u00e4ltige M\u00f6glichkeiten. Man muss daf\u00fcr allerdings was tun. Von nichts kommt nichts. Wenn wir der Erde etwas geben, erhalten wir immer etwas daf\u00fcr zur\u00fcck. Aber viele junge Menschen schieben lieber Hunger, statt ein oder zwei Stunden am Tag ein Beet abzulegen, um die Basis daf\u00fcr zu schaffen, wenn man ein eigenes Grundst\u00fcck hat, diese M\u00f6glichkeiten auch sinnvoll zu nutzen. Aber die meisten wollen das nicht. Sie ziehen in die Stadt, geben die Felder auf. Dann sterben die Eltern und die jungen Leute haben keine Verwendung f\u00fcr das Land. Sie lassen alles im Stich. Das Grundst\u00fcck verwahrlost. Das Gras w\u00e4chst und auch das Unkraut. Und das alles passiert, obwohl das Land ihnen ein nachhaltiges Leben mit gesunder Nahrung anbietet. Heutzutage wollen viele Menschen gar nicht im Garten arbeiten, sie wollen sich nicht anstrengen, vielleicht auch, weil das Grundst\u00fcck zu klein ist und man auf die traditionelle Art mit dem Spaten und der Hacke arbeiten muss. Da kriegt man ja R\u00fcckenschmerzen.<br \/>\nUnd weil sich die Menschen nicht plagen wollen, machen sie es sich einfach und gehen in den Supermarkt und kaufen irgendwas wovon sie nicht wissen, woher es stammt und was drin ist. Ich denke, es fehlt all jenen an Initiative und Willenskraft, speziell jenen, die die M\u00f6glichkeit zu einem eigenen Garten haben, um diesen zu kultivieren und um anschlie\u00dfend hochwertige Lebensmittel zu haben. Ich denke, die jungen Leute sollten sich ein wenig mehr anstrengen und dar\u00fcber nachdenken, dass ihnen ihre Vorfahren etwas Wertvolles hinterlassen haben, von dem sie heute leben k\u00f6nnten. Warum lassen Sie ihre Grundst\u00fccke so verkommen? Warum lassen sie es erst dazu kommen, so dass es sp\u00e4ter enormer Anstrengung bedarf, um ein Grundst\u00fcck wieder zu sanieren, was wiederum mit einer hohen Investition einhergeht oder sie verlieren alles. Ich denke, wer gesunde Arme und Beine hat, sollte sich mit drei oder vier Personen zusammentun, dann kann man jedes Grundst\u00fcck wieder urbar machen. Und von jedem kultivierten Feld kann man eine gute Ernte einfahren. Ein kleiner Bauernhof lebt von seinen G\u00e4rten und von den Tieren. Wir haben eigene Schweine und H\u00fchner, Enten und Puten, von denen wir die Eier essen und die wir mitunter schlachten. Alles funktioniert in einem Zyklus und dieser erlaubt uns, das eine mit dem anderen zu kombinieren.<\/p>\n<p>Der Kreislauf des Lebens?<br \/>\nDer Kreislauf des Lebens, ganz genau.<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<div class=\"clear\"><\/div><div class=\"author-info\"><img decoding=\"async\" class=\"author-img\" src=\"http:\/\/eco123.info\/wp-content\/uploads\/Uwe-Heitkamp.png\" alt=\"\" \/><div class=\"author-info-content\"><h3>About the author<\/h3>\n\t\t\tUwe Heitkamp, 53, Journalist und Filmemacher, ist seit 25 Jahren in Monchique, Portugal zuhause. Er unternimmt gern lange Wanderungen in den Bergen und schwimmt in Gebirgsb\u00e4chen und Seen. Schreibt und erz\u00e4hlt Geschichten \u00fcber Menschen und ihre Bez\u00fcge zur \u00d6kologie und \u00d6konomie. Sein aktueller Film \u201eErben der Revolution\u201c, erz\u00e4hlt \u00fcber 60 Minuten die Geschichte einer Wanderung durch Portugal. Zehn Menschen berichten aus ihrem Leben. Alle Protagonisten zusammen malen ein Bild vom Leben und Arbeiten in den Bergen Portugals. Der Film offenbart Einblicke in die Sch\u00f6nheit der Natur und das Leben der normalen Menschen. Welcher Weg bestimmt die Zukunft des Landes? (Abonnieren Sie ECO123 und sehen Sie den Film in der Mediathek)\n\t\t\t<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die H\u00e4lfte aller Nahrungsmittel landet auf dem M\u00fcll. Die industrielle Landwirtschaft verschlingt riesige Mengen an Energie, Wasser, D\u00fcnger und Pestiziden. 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