Dienstag, Januar 16, 2018
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Wenn wir die Natur bewahren…

Als ich noch ein Kind war, im Alter von acht Jahren, lernte ich im Erdkundeunterricht, dass auf der Erde noch keine drei Milliarden Menschen leben. Es hatte für mich keine Bedeutung, was sich hinter dieser Zahl an Leben verbarg. Heute bin ich 50 Jahre älter und in dieser Zeit soll sich die Weltbevölkerung fast verdreifacht haben. Ist das richtig? Verstehen Sie, was ich da gerade schreibe und selbst zu verstehen versuche? Es leben auf unserem schönen blauen Planeten ERDE nun bereits siebeneinhalb Milliarden Menschen. Und es werden nicht weniger. Ich schaue mir noch einmal die Zahlen der UN genau an. Sie sind nicht falsch. Wir werden sogar bald zehn Milliarden sein. Wie soll das gehen?

Ich könnte diese Geschichte auch aus der Perspektive eines Löwen, Tigers, Elefanten, Nashorns, Geparden, Orang-Utans, einer Koralle, eines Riesenpandas, Gorillas oder aus der Perspektive einer Biene erzählen. Was glauben Sie, haben alle diese Tiere gemeinsam? Wissen Sie es? Sie gehören zu den fast 83.000 Spezies, die einen Eintrag in die Rote Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) bekommen haben. Mehr als 23.900 von diesen Tierarten sind vom Aussterben bedroht, weil die Lebensweise von siebeneinhalb Milliarden Menschen anderen Tieren immer weniger Platz lässt. Die Nachricht, dass sich 75% aller Insekten in den vergangenen 30 Jahren durch des Menschen Lebensweise in Staub aufgelöst haben sollen, irritiert auch. Oder etwa nicht?

Aber vielleicht sollten mich diese Zahlen gar nicht irritieren. Vielleicht werden sie in absehbarer Zeit nicht weiter steigen. Absehbar? Was heißt das? Und nicht steigen? Wie könnte das aussehen? ECO123 Geschichten brauchen doch immer ein Happy End.

Auf Katastrophen zu bauen, die auf dem Klimawandel basieren, ist kein sicheres Fundament. Sie kommen so unverhofft daher und sind auch nicht fair. Wird der Klimawandel das weitere Wachsen der Menschheit verhindern? Die Menschheit als Kollektiv besitzt nicht den Mut und kaum die Intelligenz, sich selbst zu regulieren, um dem eigenen Untergang zu entgehen. Wir bringen uns lieber in zwischenmenschlichen Konflikten und Kriegen um, ernten dafür Wirbelstürme, Starkregen, Überflutungen, Waldbrände. Auf diese Weise werden zwangsläufig ganze Teile der Zivilisation unbewohnbar. Mehr als drei Mal werden Florida, Texas und Kalifornien nicht wieder aufgebaut. Denn nach jedem Hurrikan und Waldbrand werden Investitionen und Ressourcen knapper. Versicherungen werden irgendwann keine Häuser u.a. mehr versichern. Das Risiko ist zu hoch.

Was also könnten wir tun? In der Geschichte unseres Planeten kam es bisher fünf Mal zum Massenaussterben. Doch die Prognose des sechsten Aussterbens soll alle vorherigen Male in den Schatten stellen. Wirklich? Da die Weltbevölkerung stetig und exponentiell wächst, nehmen unsere falsche Lebensweise, der Konsum und unsere Emissionen ebenso stetig wie exponentiell zu, die natürlichen Ressourcen aber, sowie die Anzahl der Pflanzen- und Tierarten stetig und exponentiell ab. Wirklich keine guten Nachrichten, nicht? Es ist ein tödlicher Cocktail aus Klimawandel und Umweltverschmutzung, Krankheiten, Hunger, Kriegen und Verlust von Lebensraum.

Die einzige mögliche gute Nachricht baut auf einer einzigen Hypothese und die lautet: wir werden uns JETZT intellektuell und emotional weiterentwickeln, natürlich zum Besseren und investieren alle unsere Kenntnisse und Ressourcen in die Verbesserung von Bildung und Erziehung unserer nächsten Generation, weltweit. Und Portugal beginnt damit. Ich befürchte, dass wir das gemeinsam nicht hinbekommen, denn was heißt „Verbesserung“? Können wir das auf einen gemeinsamen Nenner bringen? Neben der weltweiten Ein-Kind-Politik für jedes Elternpaar (Ablehnung?) wäre eine nachhaltige Weitergabe von Wissen für unsere Kinder und unsere Spezie überlebensnotwendig. Portugal beschäftigt sich derweil erst einmal mit streikenden Lehrern und ihren ungelösten Problemen.

Die zentrale Frage ist nicht einmal beantwortet. Wo liegen die Wurzeln unserer Krisen? Liegen sie darin, dass wir in unseren staatlichen Bildungssystemen immer nur getrenntes Wissen auswendig, die Zusammenhänge des Lebens und ihrer Grundlagen aber nicht konkret verstehen lernen? Liegt es auch daran, dass wir uns selbst und die Lebensräume unserer Natur gar nicht verstehen? Wollen wir denn auf diese Weise immer so weitermachen wie bisher? Dieselbe Didaktik, dieselben Inhalte, dieselben Herangehensweisen?

ECO 123 beschäftigt sich in dieser Ausgabe mit dem Lernen; dem Lernen aus Fehlern und auch mit dem zielgerichteten Lernen von Fähigkeiten wie Achtsamkeit und Lieben und rückt sie in den Mittelpunkt der Betrachtung. ECO123 geht der Frage nach „Wie könnte das Leben unserer Kinder im 21. Jahrhundert aussehen, um in unserem Raumschiff, um auf dem Planeten ERDE doch noch zu überleben?

About the author

Uwe Heitkamp, 53, Journalist und Filmemacher, ist seit 25 Jahren in Monchique, Portugal zuhause. Er unternimmt gern lange Wanderungen in den Bergen und schwimmt in Gebirgsbächen und Seen. Schreibt und erzählt Geschichten über Menschen und ihre Bezüge zur Ökologie und Ökonomie. Sein aktueller Film „Erben der Revolution“, erzählt über 60 Minuten die Geschichte einer Wanderung durch Portugal. Zehn Menschen berichten aus ihrem Leben. Alle Protagonisten zusammen malen ein Bild vom Leben und Arbeiten in den Bergen Portugals. Der Film offenbart Einblicke in die Schönheit der Natur und das Leben der normalen Menschen. Welcher Weg bestimmt die Zukunft des Landes? (Abonnieren Sie ECO123 und sehen Sie den Film in der Mediathek)

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