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Terra X – Wettlauf um die Welt, ZDF

Eine große öffentlich-rechtliche, europäische Fernsehanstalt hat gerade seinen kompletten Internetauftritt und sein Programm überarbeitet. Das hat mich bewogen, mal eine brandneue Filmproduktion nonstop in sechs Folgen zu jeweils 45 Minuten anzuschauen. Also habe ich mich vor meinen Laptop gesetzt – nein, nicht um unbegrenzt Filme und Fernsehsendungen wie bei Netflix zu streamen – sondern nur, um das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) in Mainz, Deutschland einzuschalten.

Was mich daran wirklich interessiert hat, ist der Anspruch des öffentlich rechtlichen Fernsehens in Europa und speziell in Deutschland, in Portugal ist das die RTP und in England die BBC, ein informatives und spannendes Programm in Konkurrenz zu einem privaten Anbieter zu streamen. Ob die das schaffen, fragte ich mich noch? Und falls ja, wie machen die das? Und siehe da, das ZDF hat einen Jules Verne Klassiker neu verfilmt.

Die Geschichte beginnt für den Zuschauer mit einer Reise im Zeitraffer: einmal quer durch Südamerika in etwas mehr als fünf Stunden Film: einen Kontinent in einer Filmreise in 42 Tagen entdecken. Vom Amazonas Gebiet in Peru bis ans Ende der Welt, der südlichsten Stadt Argentiniens: fünf Teams stellen sich einer unglaublichen Herausforderung, in einem einzigartigem Wettlauf (…) 12.000 Kilometer und sechs Wochen Zeit: aber Fliegen ist verboten. Es wird die Reise ihres Lebens – ohne Mobiltelefon und mit sehr kleinem Budget.

Der Film ist kein Spielfilm, sondern Wirklichkeit. Auf ihrer Strecke müssen die Teilnehmer*innen fünf Checkpoints erreichen. Auf jeder Etappe warten atemberaubende Highlights, sehr schön verfilmt. Mit Jobs (z.B. einen Tag in einer Salzmine, oder auf dem Fischmarkt und in einem Restaurant) können die Teilnehmer*innen ihre Reisekasse aufbessern. Wer schafft es, diesen anspruchsvollen Wettlauf bis zum Ziel durchzuhalten? Körperlich, mental und auch emotional…

Das Team von den fünf Teams, welches das Ende der Welt als Erstes erreicht, gewinnt 25.000 Euro. Die Reise beginnt für alle in Pucallpa, einer schnell wachsenden Stadt im Regenwald von Peru am Rio Ucayali, einem von zwei Quellflüssen des Amazonas. Aus dem deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt nimmt das Ehepaar Dania (49) und Mario (47) an dem Wettlauf teil. Aus Schwaben (Baden-Würtemberg) stellen sich die Brüder Timo und Markus (38, Zwillinge) dem Abenteuer. Und auch Jill (41) mit ihrem Sohn Jaimie (21) aus Hamburg fühlen sich mental stark genug, die Challenge in Südamerika gewinnen zu wollen. Lykka (23) und Carlo (24), zwei miteinander befreundete Studenten der Innenarchitektur aus Ostwestfalen, bilden das vierte Team. Für Carlo ist die Reise eine echte Herausforderung. Er ist nach einer Amputation seines rechten Beins aufgrund einer Krebsbehandlung gehbehindert und bewegt sich mit einer Prothese. „Ich möchte ein normales Leben (…) führen,“ betont er. Im fünften Team reisen die besten Freundinnen Lile (27) und Dilara (27) aus Köln an. Migrationskinder.

Der Kommentarsprecher sagt: „Gleich ist es soweit. Die Bürgermeisterin der Stadt Pucallpa erklärt die Spielregeln…“ Dann geht es los. Ausgerüstet sind die Teams nur mit Landkarten, Travelguides mit vorgegebenen Jobs und Highlights, sowie mit GPS Trackern zu ihrer Sicherheit und mit prall gefüllten Rucksäcken. Ketten aus peruanischen Samen sollten die Teilnehmer vor Unheil beschützen. Jeder erhält einen Briefumschlag mit nützlichen Informationen. Erst jetzt erfahren die zehn Abenteurer das genaue Ziel ihrer Reise: Uschuaya in Argentinien, Nahe Feuerland an der Maghellanstrasse. Die Reise beginnt mit dem Tuck-Tuck, im Linienbus und mit dem Taxi und setzt sich mit dem Zug und immer wieder mit dem Bus als Fortbewegungsmittel bis ans Ende der Welt fort. Die sechs Episoden des Films gewinnen ihre Spannung dadurch, dass die fünf Zweier-Teams in Konkurrenz zueinander diese Reise unternehmen und im Stil von Jules Verne erzählen. Mal sind die einen vorn, mal die anderen. Alle passieren die fünf Checkpoints in Brasilien, Chile, Argentinien, Paraguay und Uruguay. Dann macht das erste Team schlapp und scheidet aus, dann das zweite Team. Am Ende bleiben drei Teams auf der Route und entwickeln so etwas wie einen sportlichen Wettkampf. Die letzte Strecke müssen die Teilnehmer*innen mit dem Kanu gegen Wind und Strömung zurücklegen, um den allerletzten Checkpoint zu erreichen und siehe da, das Team aus Ostwestfalen, Lykka und Carlo, die beiden Studenten, die Verliebten gewinnen den Jackpot. Ein kleines Geheimnis allerdings bleibt dieser Geschichte vorbehalten. Die Überraschung am Ende soll besser der Film selbst erzählen, exklusiv. Denn es gibt ein richtiges Happy End, das alle Teilnehmer*innen gewinnen lässt. Denn wo es einen Gewinner gibt, müssen nicht unbedingt die anderen nun die Verlierer sein, oder?

https://www.zdf.de/play/shows/terra-x-wettlauf-um-die-welt-102/folge1-148

Kamera: Mohammed Alzamel und zehn weitere Kamerafrauen und -männer

Realisation: Alexandra Vierbaum und fünf weitere Filmemacher*innen

Redaktion ZDF: Johanes Geiger, Torsten Haas, Daniel Nemetschek

insgesamt 6 Folgen mit jeweils 45 Minuten in deutscher Sprache, leider fehlt die Übersetzung in Untertiteln.

Prädikat: unbedingt ansehen, weil sehr sehenswert.

Uwe Heitkamp (65)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobbybotaniker, Vater von zwei erwachsenen Kindern, kennt Portugal seit 35 Jahren, Gründer von ECO123.

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