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Essen & Trinken hält Leib und Seele zusammen

22/08/2026 – 28/08/2026  von Uwe Heitkamp

Ausgabe 33.2026

Es gibt Lebensmittel, die einem Konsumenten zu einem besseren Leben verhelfen. Ich war viele Jahre meines Lebens ein Fleischesser, obwohl ich mir genau so viele Jahre ernste Sorgen machte, dass ein Tier für meinen Fleischkonsum getötet wird. Wir Menschen erfinden einen Euphemismus für „töten“ – es soll nicht so schrecklich klingen – also töten wir Tiere, in dem wir sie schlachten. Ich versuchte, Fleisch zu vermeiden, aber die Gewöhnung an Fleisch über viele Jahre machte es mir nicht leicht, einfach darauf zu verzichten. Eine Krankheit half mir letzten Endes. Sie war die Lösung des Problems. Und es ging ja nicht nur um Fleisch. Der schlaue Schlachter verarbeitet Fleisch, das er nicht so gut verkaufen konnte, zu Wurst und anderen Derivaten und nennt es Delikatessen. Bis ich merkte, dass eine ganze Industrie um mich herum, mich tagtäglich mit „totem Tier“ zum Kaufen von Lebensmitteln animierte, mich damit bombardierte …

Fleisch und Wurst können krank machen, oder auch nicht. Mich machte es krank. Ich bekam eine Krankheit von meinen Vorfahren vererbt, die sich Gicht nennt. Und diese Krankheit tritt meist dann auf, wenn man sich ein Bierchen gönnt, oder ein Glas Wein, oder Meeresfrüchte isst und so weiter. Sie tritt meist dann auf, wenn man nicht damit rechnet. Das war nicht einfach herauszufinden, was mich gesund hält und was krank. Fleisch! Ich begann von einem Tag auf den anderen auf Fleisch zu verzichten, auch auf alle alkoholischen Getränke inklusive heimischen Medronho-Schnaps nach dem Essen, auf Meeresfrüchte wie Krabben und Sardinen. Eine bestimmte Milchschokolade provozierte ebenfalls Gicht. Und Gicht ist so ziemlich das Schlimmste, was einen Menschen erwartet, die Gelenke in den Füßen, den Knien, in den Armen und den Händen frieren ein. Langsam erstarrte ich zu einer bewegungslosen Mumie. Jeder Anfall war schlimmer als der vorherige. Ich konnte einfach nicht mehr gehen. Nachdem ich Fleisch und Alkohol etc. von meinem Speiseplan strich, begann sich die Gesundheit zu verbessern …

Wenn man ein langes Leben lang unbekümmert und ohne sich Gedanken zu machen ernährt hat, wie die überwiegende Mehrzahl der Menschheit, der beginnt im Alter noch einmal völlig neu zu denken, zu fühlen, zu lernen, wie man totes Tier vermeidet. Man stellt sein Leben komplett um. Schön für den Menschen, schön für die Tiere, in einer Symbiose miteinander zu leben, wo Anspruch und Realität zusammenfinden. Man macht das, was man seit vielen Jahren vorhatte, aber sich nicht getraut hat, zu verwirklichen. Jetzt hat man die Chance, sich konsequent fleischlos zu ernähren – ohne Gicht…

Foto von https://thefootpractice.com/ankle-gout/

Ich war viele Jahre lang ein Mensch, der Wanderungen liebte und viel zu Fuß ging. Eines Tages schwoll mein rechter Fuß zu der doppelten Größe an. Kein Schuh passte mehr, kein Wanderstiefel. Ich ging ins private Krankenhaus in Alvor und ließ mich untersuchen. Sie wollten die Fuß aufbohren, die Flüssigkeit absaugen und dann mit Knochenmehl wieder verschließen. Ich bat den behandelnden Arzt um eine schriftliche Zwei-Jahres-Garantie nach der OP. Er lehnte natürlich ab. Ich fragte noch einmal, welche Garantien ich vom Krankenhaus bekäme, dass die OP gelänge und der Fuß nicht nach ein paar Wochen wieder anschwoll? Für jede Reparatur in einer Autowerkstatt bekommt man eine Garantie. Der rechte Fuß hatte sich auf den doppelten Umfang im Vergleich zum linken Fuß vergrößert, ein sogenannter Klumpfuß. Ich bat um eine zweite ärztliche Meinung im Hospital da Luz in Lissabon und um eine dritte Meinung vom Universitätsspital in Zürich, in dem alle Fußballspieler behandelt wurden. Die Ärzte wollten den Fuß invasiv behandeln, also bohren, saugen und wieder verschließen.

Ich habe mir die ärztlichen Meinungen angehört, ich habe die schriftlichen Erläuterungen sorgfältig gelesen und dann entschieden, dass ich mich nicht in die Behandlung dieser Ärzte begebe. Denn meiner Auffassung nach schwillt ein Fuß nicht einfach so ohne Grund an. Mich überzeugte die Herangehensweise der Ärzte nicht. Und ich verfolgte den ganzheitlichen Ansatz, dass ein Fuß auch wieder abschwillt, man muss nur wissen wie. Ich ging in die Behandlung meiner Familienärztin in Aljezur. Sie ist gesegnet mit verschiedenen Zusatzausbildungen. Diese untersuchte mich gründlich auf ihre Art und regte an, auf Gluten in der Ernährung zu verzichten. Gluten? Ein Klebstoff, der sich im Weizen befindet und der sowohl im Brot, in Brötchen als auch in Nudeln und in Gebäck verarbeitet wird. Gluten, der unsichtbare Klebstoff, provoziert bisweilen Entzündungen…

Ich ließ Gluten weg, in dem ich Brot kaufte, dass aus Buchweizen hergestellt wurde, Nudeln, die aus Maismehl bestanden usw. Es gibt Lebensmittel, die einem Konsumenten zu einem besseren Leben verhelfen. Den Unterschied zwischen Weizen und Buchweizen werde ich Ihnen in der kommenden Ausgabe von ECO123, am nächsten Samstag beschreiben. Und nicht nur das. Ich sage Ihnen auch, wo an der Algarve Sie sich das beste glutenfreie, frisch gebackene Brot besorgen können. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein schönes Wochenende…

Uwe Heitkamp (66)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobbybotaniker, Vater von zwei erwachsenen Kindern, kennt Portugal seit 35 Jahren, Gründer von ECO123.
Übersetzer: Dina Adão, John Elliot

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