08/08/2026 – 15/08/2026 von Uwe Heitkamp
Ausgabe 31.2026
Nach jedem Waldbrand ist vor dem nächsten Waldbrand? Wir leben in Monchique, Portugal und blicken von hier aus auf Europa. 1991 habe ich meine ersten Erfahrungen mit einem desaströsen Waldbrand hier gemacht. Ich ging davon aus, das dieser Waldbrand ein Einmal-Ereignis war. Und ja, der Friede hielt zwölf Jahre. 2003 erlebte ich dann meinen zweiten Waldbrand, dessen Feuer uns in den drei Gemeinden Monchique, Alferce und Marmelete mehr als 40.000 Hektar Wald zerstörte und zehn Tage brannte. Zurück blieben, was wir derzeit in Südwest-Frankreich sehen, tote Wälder, schwarze Baumskelette und Asche, verbrannte Häuser und Sondermüll. Portugal hat den anderen Ländern in Europa eines voraus, wir durchleben die Katastrophen immer ein wenig früher als Spanien und Frankreich, Italien und Griechenland.

Bei allen Geschichten über das Feuerwetter in den Sommern in Südeuropa, dürfen wir nicht vergessen, gleich nach der Zerstörung an neue Wälder zu denken, Bäume nachzupflanzen. Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren und den Wald imun gegen Feuer machen, dass die Bäume nicht gleich wieder Feuer fangen, beim nächsten Waldbrand. Und es geht darum, Mischwälder zu pflanzen: Korkeichen, Linden, Buchen, Ulmen, Walnussbäume, Johannisbrotbäume, Oliven und viele andere einheimische Baumarten, und auf gar keinen Fall hoch brennbare Pinien, kein Eukalyptus und keine invasiven Baumarten wie Akazien und Mimosen.

Die Waldpflege ist eine Arbeit, die viele vernachlässigen. Und sie beginnt beim Aussuchen der Baumarten, mit der Pflanzung und geht weiter mit der Pflege der jungen Bäume, der Bewässerung, dem Schutz der Bäume vor Tieren, die gern die jungen Spitzentriebe der jungen Bäume abbeißen. Ein Hirsch verbeißt sich bei uns immer in einen Aprikosenbaum und versucht ihn abzuknabbern…

Dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen bedeutet, nach einem Waldbrand das Bewußtsein und die Kraft aufzubringen, neue Bäume zu pflanzen, die CO2 zu Sauerstoff transformieren. Jeder intakte Wald stabilisiert das Klima. Das Unmögliche möglich machen. Und damit nicht genug: die Vermeidung von Waldbränden, trotz Hitzewellen und trotz hoher Klimarisiken, ist Teil der Feuer-Prävention.

Bislang ist die Vorsorge vor Klimaextremen ein ganz unbeliebtes Thema: Menschen wählen eher den Komfort und das Nichtstun, aber selten ein präventives Brandschutzkonzept. Die Dringlichkeit der Klimakrise zu betonen, bringt bislang wenig Sympathie. Im Gegenteil, wer Handlungsdruck aufbaut, dem wird schnell vorgeworfen, die Wirtschaft, die Verbraucher, die Gewohnheiten, das gesellschaftliche Gleichgewicht zu stören. Müssen wir den Wald denn durch die Brille des profitorientierten Forstwirtes betrachten?

In dem Bewußtsein, mit Wald keinen Profit zu machen, haben wir den Botanischen Waldgarten von Monchique 2020 gegründet. Er liegt etwa 1.000 Meter östlich der EN 266, in Esgravatadouro. Im Gegensatz zu vielen anderen Botanischen Gärten, in denen die exotischen Gewächse verschiedener Kontinente ausgestellt werden, entstand dieser Botanische Waldgarten im Bewußtsein, dass die heimischen Baumarten aus Monchique und Umgebung durch die Waldbrände vor dem Aussterben gerettet werden müssen.

Nicht der Kommerz entscheidet bei uns, sondern der Schutz der Natur. 2019 begann eine Gruppe von interessierten einheimischen und ausländischen Bewohnern nach dem verheerenden Waldbrand von 2018, die Reste des ehemaligen Waldes aufzuräumen und neu zu ordnen. 2020 wurde die Genossenschaft „Esgravatadouro – Cooperativa do Ambiente, CRL“ gegründet und damit beauftragt, aus diesen Resten des Waldes einen Botanischen Waldgarten neu zu formen.

Noch eine Woche vor dem Waldbrand von August 2018, besuchte ich den „Großvater“ aller Korkeichen in Monchique, die 2.000-jährige Eiche in Corte Grande. Genau dieser alte und schöne Baum hatte allle anderen Feuer vorher überlebt, doch der Waldbrand von 2018 machte diesen großen, starken Baum nach mehr als 2.000 Jahren ein Ende. Er stand Pate für unseren Botanischen Garten und deshalb machten wir uns Gedanken, wie wir ihn schützen wollen…

Das begann damit, dass nach dem Pflanzen von circa einhundertfünfzig unterschiedlichen Baumkulturen, der Vorstand den Beschluss fasste, eine Sprinkleranlage auf der rund 2,5 Hektar großen Fläche zu installieren. Diese Art von Prävention für die Bäume umfasst zehn hochpotente Sprinkler, die von einer ESPA-Pumpe rund 50.000 Liter Regenwasser (aus Zisternen) im Fall eines weiteren möglichen Waldbrandes im Waldgarten versprühen. Die Sprinkler sind so angeordnet, dass sie eine Fläche von gut zwei Hektar gegen nordwestliche Winde mit Wasserfontainen bestreichen und unter Wasser setzen, um Feuer zu ersticken, zu löschen und präventiv die Feuerwehren zu unterstützen. Dazu wurden alle hoch entzündlichen Monokulturen gerodet und invasive Baumarten entfernt. Neben Eigenzüchtungen wird besonderes Augenmerk auf heimische Baumarten wie die Monchique-Eiche (lat.: quercus canariesis), die Korkeiche und den Johannisbrotbaum gelegt.

Die Familien Encarnaçcão und Nunes, die den Wald und die Terrassen jahrhundertelang bewirtschaftet hatten, haben der Genossenschaft ein Naturerbe hinterlassen, das es in Zeiten der Klimakrise zu schützen gilt. Hitze und Trockenheit haben Folgen. Die Waldbrände stoßen auf optimale klimatische Bedingungen. Deswegen haben wir uns für ein umfassendes Sprinklersystem entschieden, um den Wald zu schützen.
Durch den Botanischen Waldgarten führt ein Bach. Eine Quelle nährt ihn und fällt in kleinen Kaskaden zu Tal. Im Sommer gab es Jahre, in denen der Bach zu einem Rinnsal wurde und beinahe versiegte. Aber immer wieder, nach den herbstlichen Regenfällen, begann die Quelle wieder Wasser zu geben. In den kommenden Jahren bis 2035 werden die Baumpflanzarbeiten nun weitergeführt. Die Wurzeln der Bäume halten das Wasser im Berg. Eine Sprinkleranlage schützt den neuen und alten Baumbestand. Das Ziel ist, einen Wald mit rund 1.000 unterschiedlichen Bäumen zu pflanzen und groß zu ziehen. Zwischen den Bäumen soll ein Pfad mit Bänken den neuen Wald säumen, zum Ausruhen und zum Betrachten von Skulpturen. Der Vorstand der Genossenschaft des Waldgartens ist auch Herausgeber der Online-Zeitschrift www.eco123.info und beabsichtigt, alle zwei Jahre ein Bildhauer-Symposium zu veranstalten, um die Natur mit der Kultur in Frieden zu versöhnen. Der Vorstand der Genossenschaft freut sich, Sie einladen zu dürfen und den neuen Waldgarten zu besuchen. Lassen Sie sich vom neuen Wald inspirieren…
Eco123 Revista da Economia e Ecologia
