Blicken wir mal einen Moment zurück? Ins Jahr 2018? Als die Waldbrände in Monchique nach rund zehn Tagen zum größten Teil gelöscht waren und sich das Feuer bis vor die ersten Häuser von Silves totgelaufen hatte. Jetzt im Winter haben wir ja mal Zeit, uns Gedanken zu machen, wie wir künftige Waldbrände vermeiden können. Wenn Sie Ideen und Vorschläge dazu haben, bitte wenden Sie sich an ECO123. Schreiben Sie uns an theobald.tiger8550@gmail.com
Nach dem großen Feuer wurde eine Bestandsaufnahme der verursachten Schäden gemacht. Der größte Waldbrand in Europa des Jahres 2018 hatte eine Fläche von 280 km² zerstört: Fauna und Flora, also Tiere und Wald, Häuser und Infrastruktur in sechs Landkreisen der Algarve. Man sah die Schäden sogar aus dem All von der internationalen Raumstation ISS, die um die Erde kreist. Dabei stellte sich heraus, dass nur einer von zehn geschädigten Hausbesitzern eine Versicherung auf sein Zuhause abgeschlossen hatte. Eine echte Katastrophe. Die überwiegende Mehrzahl der Geschädigten oder sollen wir von Opfern sprechen, hatte keine Versicherung. Das war auch der Grund, warum sich Ende August 2018 mehr als 100 neue Mitglieder an einem Tag entschlossen, dem gerade gegründeten Selbsthilfeverein „Monchique Alerta“ beizutreten. Er versprach, sich für eine Entschädigung juristisch einzusetzen, was bedeutete, dass man eine juristische Aufarbeitung des Desasters anstrebte und einen Rechtsanwalt beim Gericht benötigte.
Welche Methode wandte der Vorstand des Vereins bei seiner Analyse an? Die Betroffenen des Waldbrandes schlossen sich in einem Selbsthilfeverein zusammen. Im Zuge der Aufarbeitung des Waldbrandes trafen sich 150 Mitglieder im Restaurant Ceceira oberhalb von Monchique und beschlossen, einen Rechtsanwalt mit ihren Interessen zu beauftragen. Ihr ureigenstes Interesse war, erstmals den oder die Verantwortlichen des Waldbrandes zu ermitteln und Schadensersatzklage vor dem Amtsgericht in Portimão einzureichen.
Im Zuge der Ausarbeitung der Klage meldeten sich viele Geschädigte des Waldbrandes beim Verein, um ihre Schadenslisten einzureichen. Jedes Mitglied bekam eine Stunde Zeit zugesprochen, seinen Fall vorzutragen und genauestens aufzulisten, was während des Waldbrandes beschädigt oder zerstört worden war. In der landwirtschaftlichen Genossenschaft in Monchique trafen sich ein Vorstandsmitglied des Vereins, der Rechtsanwalt und der oder die Geschädigten, und sie berichteten von ihren Verlusten und fügten ihren Berichten belastbare Unterlagen bei. Dabei stellte sich heraus, dass nur ein einziger Hausbesitzer gegen Brandschäden versichert war. Die Frage lautete, warum war nur ein einziger Bürger gegen Brandschäden versichert und alle anderen nicht? Eine bis heute unbeantwortete Frage.

Die Basis für die Schadensersatzklage waren sowohl die Polizeiberichte der GNR als auch der Spezialbericht der Polícia Judíciaria in Portimão und der Bericht des Sachverständigenrates um Professor Domingos Viegas von der Universität Coimbra (CEIF: Observatório Técnico Independente) an das Parlament, die Assembleia Nacional in Lissabon vom Mai 2019. Darin wurde auf 82 Seiten genauestens beschrieben, wie das Feuer ausgelöst wurde und wer dafür die Verantwortung trug und wie sich das Feuer durch das Land fraß und ausbreitete, obwohl mehr als 1.500 Feuerwehrleute aus dem gesamten Land versuchten, die Kontrolle über den Waldbrand zurückzugewinnen. Dass das Kommando über die Feuerwehren während zweier Tage überhaupt nicht anwesend war, weil eine Ablösung von der Zentrale der Protecão Civil in Lissabon angeordnet wurde, aber Monchique erst zwei Tage später erreichte, war nur ein Grund für das Desaster. Denn der regionale Chef des Zivilschutzes der Algarve war ab Montag, dem 6. August nicht mehr verantwortlich für die Bewegungen seiner Feuerwehrleute. Dafür war die spätere Staatssekretärin Patricia Gaspar ab Sonntag, dem 5. August 17 Uhr – zumindest theoretisch – für das Kommando verantwortlich – aber eben noch nicht in Monchique. Sie erreichte die Kommandozentrale erst am Dienstagnachmittag. Zwei Tage gab es keine Führung unter den kopflosen Feuerwehrleuten, die aus allen Richtungen des Landes nach Monchique geeilt waren, um zu helfen, das Feuer kontrolliert zu bekommen. Die Feuerwehren standen mit ihren Fahrzeugen an strategisch wichtigen Kreuzungen und warteten auf Befehle, zu löschen. Doch diese Befehle kamen nicht, weil das Kommando der Zivilschutzes zwischen Sonntagnachmittag und Dienstnachmittag nicht besetzt war. Das Kommando war „fahnenflüchtig“. Mittlerweile erreichte der Waldbrand die Korkeichenhaine von Monchique und drohte auf das Dorf überzugreifen.
Nur so ist es zu erklären, dass nach dem Windwechsel vom Samstagnachmittag, (4. August, 15 Uhr) als der Wind auf Nordwest drehte und auffrischte, das bereits als „gelöscht“ geglaubte Feuer (Bürgermeister Rui André in den Nachrichten von RTP) wieder anfachte und mit voller Gewalt über das Land jagte. Hätte man das Feuer denn noch stoppen können, fragten sich damals einige Bewohner aus Monchique? Aber ja, wenn die Feuerwehren dem Waldbrand mit Wucht entgegengetreten wären, an der Straße von Monchique nach Nave Redonda erstmals. Doch man ließ das Feuer die Strasse überspringen und sich weiter ausdehnen. Noch einmal hätte der Waldbrand gestoppt werden können, als er die EN 267 von Monchique nach Alferce erreichte und die Feuerwehren ohne Kommando nur zuschauen konnten, wie das Feuer auch diese Hürde übersprang. Die Eukalyptusbäume, die die Straße säumten, brannten wie Fackeln und die Feuerwehren hatten zu diesem Zeitpunkt über 350 Feuerwehrautos in Monchique versammelt, die zusammengenommen den Weg zwischen Monchique und Alferce mit Wasser hätten fluten können. Nichts dergleichen geschah.
Bis heute, Anfang Dezember 2025, hat es auch keine inhaltlich-öffentliche Aufarbeitung des Waldbrandes von 2018 gegeben. Kein Gericht hat jemals einen Verantwortlichen angeklagt, geschweige denn „verurteilt“. Unglaublich, aber wahr: die sogenannte Bananenrepublik Portugal mit ihren schwachen Jurisdiktion versagte in diesem Fall komplett. Der Verein „Monchique Alerta“ der den nationalen Stromlieferanten EDP für das Feuer aufgrund der Polizeiberichte verantwortlich sah und einen Prozess anstrengte, wurde vom Richter, der sich des Falles annahm, ausgebremst. Dieser eröffnete das Verfahren erst gar nicht erst, mangels Erfolgsaussichten. Dabei ist es bis heute geblieben. Auch das Rathaus von Monchique hielt eine juristische Ausarbeitung nicht für nötig. Der Bürgermeister nahm von der EDP nach Waldbrand ein teures Geschenk entgegen: eine Schredderanlage für Baumabfälle im Wert von 50.000 Euro. Wer solche Geschenke bekommt, klagt doch nicht vor Gericht die EDP an…

Die Machenschaften haben Methode. 48 Jahre Diktatur von 1926 bis 1974 wurden auch nie juristisch aufgearbeitet. Die portugiesische Justiz hat nach 1974 nie einen Folterknecht der Geheimpolizei PIDE ins Gefängnis gebracht, weil diese Geheimpolizei politische Gefangene gequält und ermordet hat. Es ist Methode in Portugal, zu schweigen und eher mit dem Finger auf diejenigen zu zeigen, die Gerechtigkeit einfordert. Insofern beschmutze ich mit diesem Bericht das Nest der Verantwortlichen des Waldbrandes von 2018. Nach einem Waldbrand in Portugal ist immer vor einem nächsten Waldbrand. Es kommt niemand auf die Idee, den Wahnsinn zu stoppen und sich mal zu fragen, warum brennt es denn immer wieder? Der Waldbrand von 2018 hat 280 km² Land und Wald im Monchique Gebirge verwüstet und 280 mal 20.000 Tonnen CO2 in die Atmosphäre emittiert: 5.600.000 Tonnen CO2. Und wieder ist keiner für die Klimakrise verantwortlich. Der Papierindustrie werden keine Grenzen gesetzt und sie wird auch nicht an der Schadensregulierung beteiligt. Auf 10.000 km² Fläche steht hochbrennbarer Eukalyptusforst, von Nord bis Süd ist Portugal mit Monokulturen zugepflastert. Warten wir auf den nächsten Waldbrand?
Eco123 Revista da Economia e Ecologia
