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Vamos lixar o lixo?

Von Theobald Tiger

Ein schlauer europäischer Philosoph aus Dänemark hinterließ uns Anfang des letzten Jahrhunderts folgenden Satz: Verstehen kann man das Leben oft nur rückwärts, aber leben muss man es vorwärts…

Lissabon. Die portugiesische Umweltagentur (APA) hat das Thema ihrer Informationskampagne 2026 „Vamos lixar o lixo“ zum Anfang des neuen Jahres verschlafen. Erst am 12. Januar 2026 wachte sie im Neujahrsmüll der Geschichte auf und schickte ECO123 noch schnell die folgende Presseerklärung: „Zu Beginn des Jahres 2026 schlägt die APA (Agencia Portuguesa do Ambiente) als guten Vorsatz zum Neuen Jahr vor, dass die Gesellschaft sich eines monumentalen Problems bewusst wird und zu dessen Lösung beiträgt: Jährlich werden drei Millionen Tonnen Abfall auf Deponien eingelagert…“

Ach so. Ach ja. Da war ja noch was. Der Müll. Hatten wir in ECO123 nicht bereits im vergangenen Jahr zum Ärger vieler Lokalpolitiker über das Thema „Null Müll“ (DESPERDICIO ZERO) in mehreren Editionen einige kurze Geschichten des Gelingens veröffentlicht? Hat das (noch) nicht gereicht? Das Thema raubt uns noch den Schlaf in der Nacht. Und so kommen wir zu der Einsicht, nicht Müll trennen ist das Ziel einer sinnvollen Kampagne, sondern Müll vermeiden ist die einzig wahre Lösung …

Wir kürten einen Supermarkt zum umweltfreundlichsten der Algarve. Einen Supermarkt, der Getränke in Pfandflaschen verkauft und die leeren Flaschen gegen Auszahlung von Pfand wieder zurücknimmt. Keine große Leistung, aber immerhin … Nur ein einziger Supermarkt macht das an der gesamten Algarve: APOLONIA in Almancil, Galé und Lagoa. Und die anderen? LIDL? Fehlanzeige. Continente? Fehlanzeige. Pingo Doce? Fehlanzeige. Die Liste liesse sich noch vervollständigen. Wollen wir innovativ sein, oder weiterschlafen? Hallo, lieber Leser! Hallo, liebe Bürokraten, die Ihr von unseren Steuergeldern das neue Jahr verschlafen habt…

Statt eines Gesetzentwurfes, in dem der Handel gesetzlich verpflichtet wird, Lebensmittel, Kleidung und Getränke usw. in Mehrwegverpackungen zu verkaufen und ein Pfandsystem in Portugal einzuführen, um die Müllmenge in ihrem gesamten Dilemma zu verringern, schlägt die APA vor, den Müll zu trennen. Ja, Guten Morgen, die Damen und Herren Bürokraten, da war doch noch etwas, was man anzumerken hat, wenn man sonst nichts zu sagen hat… Mülltrennung, das machen wir dich schon seit Jahren und es ändert sich nichts. In welchem Jahrhundert leben Sie denn? Die APA schlägt schlaftrunken zum neuen Jahr den Slogan ihrer Multimedia-Kampagne „Vamos separar o lixo antes que o futuro se lixe” (Lasst uns den Müll trennen, bevor die Zukunft im Müll versinkt) die unter anderem im Fernsehen, Radio, auf Plakatwänden, digitalen Kanälen und anderen Online- und Offline-Medien zu sehen sein wird. Ganz toll. ECO123 gratuliert! Welch tolle Aktion die APA da wieder anschiebt…

In der Fernsehkampagne präsentiert ein Reiseführer aus Lissabon, der ein Tuk Tuk fährt, einige Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt: den Nationalpalast von Ajuda, das Hieronymuskloster und ein unerwartetes Denkmal… drei Millionen Tonnen Müll, die jährlich in Portugal auf Deponien eingelagert werden. Ganz schlimm…

Wir schlagen die APA für den Müll-Innovationspreis des Jahres 2026/27 innerhalb der Europäischen Union vor. Das „Denkmal” aus Müll, das die Kampagne illustriert, sei eher eine Warnung an die APA, sich einmal radikal mit den Abfällen zu befassen, die in unseren Haushalten anfallen und aufgrund mangelnder Mülltrennung die portugiesischen Deponien überfüllen. Wirklich? Gut geschlafen? Müllvermeidung! Ist die einzige Lösung.

Jedes Jahr werden etwa drei Millionen Tonnen Müll auf diesigen Deponien eingelagert – mehr als 50 % der von uns (Gesellschaft!) produzierten Abfälle. Die Lösung läge in der Reichweite aller und bestünde in der ordnungsgemäßen Trennung (nicht etwa Vermeidung) des in unseren Haushalten anfallenden Abfalls (Glas, Kunststoff- und Metallverpackungen, Papier und Pappe sowie Bioabfälle) mit dem Ziel, ihn anschließend dem Recycling zuzuführen. Glauben wir denn immer noch an den Weihnachtsmann? Glauben Sie denn wirklich, das Müllproblem auf diese Weise zu lösen?

Während der Winterschluss-Verkaufszeit ist die Sensibilisierungskampagne im Einkaufszentrum Colombo in Lissabon und im NorteShopping in Matosinhos präsent, mit einer Aktion, die klären soll, was Bioabfälle sind (= Speisereste und Grünabfälle aus Gärten), und die Bedeutung einer ordnungsgemäßen Mülltrennung zu Hause und des Recyclings für eine nachhaltige Zukunft des Landes hervorheben soll. Wer es glaubt, wird selig. Steuergelder für nahezu nutzlose Maketingkampagnen vergeuden…(Anm. der Redaktion)

Der Stand der APA in den Einkaufszentren ist ein Informationsbereich zum Thema Bioabfälle, der einen Kinderbereich mit Spielen und spielerischem Lernen sowie einen Quizbereich umfasst, in dem das Wissen über Recycling getestet wird. Die Aktionen der APA im Einkaufszentrum Colombo finden vom 13. bis 18. Januar statt, während sie im NorteShopping zwischen dem 27. Januar und dem 1. Februar stattfinden. Und was machen wir den Rest des Jahres?

Das Konzept der Kampagne wurde von der Kreativagentur NOSSA entwickelt, mit dem Ziel, die „Zurückgebliebenen“ für die Dringlichkeit zu sensibilisieren, die übermäßige Abfallproduktion in Portugal anzugehen. Die Portugiesen, die im Ausland leben sind damit vermutlich nicht gemeint. Die Agentur Nova Expressão ist für die Verbreitung der Botschaft über verschiedene Kanäle verantwortlich, mit einer Strategie, die Millionen von Portugiesen in Portugal zu erreichen.

Die Kampagne „Vamos lixar o lixo” läuft noch bis Ende 2026 und die Informationen werden auf der Website der Kampagne ständig aktualisiert: https://vamoslixarolixo.pt/.

Zusammenfassend sei gesagt: Verstehen kann man das Leben oft nur rückwärts, aber leben muss man es vorwärts.“ Was hat der bedeutende europäische Philosoph uns Bürgern damit wohl sagen wollen?

Antworten an editor@eco23.info

Uwe Heitkamp (66)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobbybotaniker, Vater von zwei erwachsenen Kindern, kennt Portugal seit 35 Jahren, Gründer von ECO123.
Übersetzer: Dina Adão, John Elliot

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