Monchique. Erstmals fiel mir der strenge Geruch bei einer Wanderung auf. Irgendetwas passte nicht zu der Natur und dem Weg, den ich von Caldas de Monchique aus nahm. Ich überquerte die N 266 von Montinho aus, ich kam vom viel zu großen Ressort Hotel, das vor kurzen noch Longevity geheißen hatte und welches vor einem Jahrzehnt hier ohne aktuelle Baugenehmigung errichtet worden war, aber im Nachhinein genehmigt wurde und ging Richtung Dorfmitte, bog von der Teerstraße in einen Lehmweg ab. Das war noch vor der Wasserfabrik. Da gab es links einen unscheinbaren Abzweig, da ging ich hinunter und über eine kleine Brücke, die den Bach der von Monchique kam überspannte, und stieg hinauf auf einen Pfad, der mich nach Nave bringen sollte. Hier fielen mir die vielen Gullideckel auf, die den Lehmweg säumten, alle paar Meter gab es einen Gullideckel und aus denen stank es nach Scheiße. Kein guter Anfang für eine Wanderung im Monchique Gebirge, dachte ich noch.
Anfang dieses Jahrhunderts lebte in Monchique noch ein letztes Exemplar eines Dinosaurus Rex. Jedenfalls nannte man einen Politiker so, der 27 Jahre lang Monchique regierte und dann endlich im Herbst 2009 abgewählt worden war. Dieses letzte Exemplar kam eines schönen Tages auf die spinnige Idee, eine 27 km lange Abwasserleitung von Monchique nach Portimão bauen und das Hirngespinst auch noch von der EU co-finanzieren zu lassen. Damals ging das. Da war der José Manuel Durão Barroso noch Kommissionspräsident. Was war passiert?
Der Clou: Steuergelder aus Brüssel für eine Papeline.
Die eigene Kläranlage in Nave, einem kleinen Ort südlich von Monchique, war seit vielen Jahren verwaist. Der Wärter des Gefängnisses, in dem die eigenen Fäkalien aufbereitet worden waren, hatte sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet und es gab keinen adäquaten Nachfolger. Es ließ sich auch niemand in Monchique finden, der diese Arbeit machen wollte, die Einarbeitung war obendrein kompliziert. Und wer wollte sich in Monchique schon mit seiner eigenen Scheiße befassen? Also lief die Kläranlage über und (fast) alle Fäkalien aus Monchique ergossen sich in den Bach, der bergab weiterfloss und durch den schönen Ort Caldas de Monchique und so weiter und so fort…

Die ersten Touristen machten bereits Fotos vom Toilettenpapier und den Würstchen, die bergab schwammen. Die Geschäftsleitung aus Caldas beschwerte sich. Deswegen kam man in Monchique auf die Idee, die „Würstchen“ dem „Outsourcing“ anheimzustellen. Portimão! Und einige Schlaumeier streuten das Gerücht, der Landkreis Monchique würde demnächst dicht gemacht und käme direkt unter die Fuchtel des Bürgermeisters von Portimão. Der Bürgermeister Nuno Mergulhão wurde von Manuel da Luz abgelöst, der dadurch Berühmtheit erlangte, weil er ein Autodrom in die Natur bauen ließ. Die Eingemeindung Monchiques nach Portimão allerdings stimmte so nicht. Denn es wurden ja Mittel aus Brüssel aufgetrieben und man baute ein fantastisches Hirngespinst, eine 27 km lange Pipeline immer am Rande des Baches entlang, der von Monchique südwärts Richtung Meer floß, eine Pipeline, die was hinten rauskam, immer weiter transportierte, immer weiter und weiter, bis in die Vororte von Portimão und dann in den Rio Arade und ins Meer.

Die Kläranlage in Portimão selbst war nämlich auch noch ein Hirngespinst. So ging Politik an der Algarve in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute. Es gab Kläranlagen vorerst nur auf dem Papier. In der Realität sollten sie erst noch gebaut werden, was die Firma Aguas do Algarve SA dann später vollbrachte. Und so flossen die ganzen Fäkalien viele Jahre von Monchique nach Caldas de Monchique und weiter nach Rasmalho und dann nach Porto de Lagos und hinunter nach Portimão über eine Pipeline bis ins Jahr 2022 und dann ungeklärt in den Fluß Arade und von dort ins Meer: aus den Augen, aus dem Sinn. Während in anderen Länden Gas durch Pipelines geschickt wurde, ließ man von Monchique nach Portimão die Fäkalien rinnen. Und wenn die Badegäste in Praia da Rocha sich Gedanken machten, was hier denn so streng roch, so war es das Parfum, welches aus den Monchique Bergen kam. Und mit diesem Geruch machte ich mich auf den Weg zum Festival der Wanderungen, das mal wieder in Monchique stattfand, wie jedes Jahr im nahenden Winter, wenn es beginnt zu regnen…
Fortsetzung nächste Woche
Eco123 Revista da Economia e Ecologia
