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Menschgemachter Klimawandel: Wenn die Waldbrandsaison in Portugal beginnt.

Wenn Sie auf dem Land – und nicht nur in Portugal leben – wissen Sie, daß Sie eine Deadline, wie wir bei dieser Zeitung einen Redaktionsschluss haben. Die Deadine ist Sonntag, der 15. Juni 2025. Ab Montag haben Sie ihr Land, ihren Wald und ihr Unterholz sauber zu haben: Das heisst auf Portugiesisch „Gestao de combustivel“… alles was brennbar ist, muss einem möglichen Feuer vorenthalten werden: Unkraut geschnitten, Totholz gefällt und sogar im Wald müssen die Kräuter auf ein Minimum reduziert werden. Der Grundstücksbesitzer muß sein Land also „sauber“ machen, putzen, in Ordnung bringen. Diese Reste schreddern Sie zu Mulch. Ob das hilft, das Risiko vor einem Waldbrand zu minimieren? Die Regierung hat darüber ein Gesetz erlassen. Informieren Sie sich! In jedem Rathaus gibt es dazu klare Vorgaben.

Beim Management eines Grundstücks muß ein Besitzer gleich mehrere Dinge beachten. Erstens: Aus welchem Material ist sein Haus gebaut? Bauen Sie Brandmauern. Hat das Haus einen Dachstuhl aus Holz, erhöht sich das Feuerrisiko. Denn ein Waldbrand nähert sich einem Haus entweder über die Türen und Fenster, um in das ungeschützte Haus zu gelangen, oder aber über den Dachstuhl. Brennt erst einmal der Dachstuhl, ist das Haus bereits verloren. Brandmauern halten das Feuer auf. Also wie sähe hier eine adäquate Lösung aus? Es gibt Dachkonstruktionen aus Eisen und Beton – aus nicht brennbarem Material. Statt Fenster und Türen aus Holz oder PVC, empfehlen Archtikten ihren Kunden bereits Aluminiumfenster und Fensterläden aus nicht brennbaren Materialien, aus Metall. Sie schließen die Läden ihres Hauses, und lassen das Feuer nicht ins Haus. Ein Waldbrand ist im Anmarsch, der Hausbesitzer verrammelt sein Haus wie eine Burg. Er zieht die Zugbrücke hoch und hat nasse Handtücher und griffbereit einen Eimer mit Wasser an der Haustür liegen.

Grundsätzlich. Sie leben in einem Waldbrandgebiet wie wir in Monchique. Sie haben immer ihre Gasmaske griffbereit und Sie tragen Schutzkleidung, wie die Männer von der Feuerwehr. Kommen Sie nicht in Shorts und Hawaihemd! Schützen Sie ihr Haus, in dem Sie sich dick anziehen vor dem Feuer. Also feuerfeste Kleidung!

Haben Sie mal daran gedacht, es wie die Menschen, die vor uns lebten, zu machen? Eine Zisterne bauen, um eine große Kapazität Wasser zu speichern. Wir haben eine Zisterne mit 50.000 Litern Wasser und einen Überlauf. Der Regen des Winters – von dem es in diesem Jahr wahrlich genug gab – fießt über das Dach in die Dachrinnen und von dort aus in die Zisterne. Ist sie voll, hat sie einen Überlauf und das Regenwasser fließt in eine zweite Zisterne. Schaffen Sie sich mehrere Wasserspeicher an. Wasser ist Leben. Wasser rettet Leben. Notfalls bauen Sie einen SwimmingPool, in den Sie bei Feuer hüpfen können, immer besser als nichts…

www.wetnet.pt

Aus unserer Zisterne und mit unserer Zisterne haben wir etwas gemacht: ein Rohr mit 1 ½ Zoll Durchmesser geht von hier ab und mündest in ein Sprinklersystem. Wir benutzen Regenwasser, um mögliche Waldbrände präventiv anzugehen. Bei uns im und am Wald stehen zehn Hochleistungssprinkler, so wie sie in der Landwirtschaft benutzt werden. Wir benutzen nur Sprinkler, die aus Metall gebaut sind und damit unbrennbar. Seit vielen Jahren experimentiert der Waldbrandspezialist Professor Domingos Viegas an der Universität Coimbra mit Sprinkleranlagen und hat diese perfektioniert. Auf dem Testgelände der Universität hat er während verschieden, simulierter Feuer etwas gemacht, was im praktischen Alltag sehr nützlich ist und sich bewährt hat: Hochleistungssprinkler gegen Waldbrände eingesetzt und ausprobiert. Seine Expetise ist noch heute mehr denn je gefragt, obwohl der Professor längst in Rente gegangen ist: die EU-Kommission in Brüssel hat seine Arbeiten gewürdigt und ihn zum Waldbrandspezialisten der EU nominiert. Immer wieder brennen die Wälder durch Brandstiftung, ob in Griechenland oder in Frankreich, aber auch aus Nachlässigkeit von Menschen, die keine Erfahrung im Umgang mit dem Wald haben. Sie machen Feuer, um ein BBQ zu veranstalten. So eine Party ist strengstens untersagt und auch brennende Zigrattenstummepl werden einfach ins Unterholz geworfen und dann passiert das Unvorstellbare, das Inferno bricht aus und zerstört nicht nur Wald und Häuser, sondern tötet Menschen und Tiere.

Ein Sprinklersystem kann man durch ein Crowdfunding mitfinanzieren. An diesem Punkt setzt das Konzept von Wetnet an: Waldbrände im Entstehen behindern und verhindern, oder Waldbrände sogar löschen. Der Feuerwehr behilflich sein. Im Botanischen Garten von ECO123 haben wir mitten im Wald einen kleinen Bunker gebaut, in dem eine Person Platz hat, das Sprinklersystem zu bedienen. Jeder Sprinkler hat ein eigenes Wasserrohr. Bevor wir wieder einige tausend neue, junge Bäume pflanzen, die der nächste Waldbrand dahinrafft, wollten wir sicher gehen, daß wir die Neupflanzungen auch schützen können. Wir nahmen uns eine Karte des Geländes und zeichneten darauf das Sprinklersystem ein. Wichtig ist, die Hauptrichtung des Windes richtig zu erkennen und zu markieren. Denn jeder Sprinkler wird gegen den Wind montiert. Jedes Feuer wird vom Wind angetrieben. In Monchique ist die Hauptwindrichtung NORD, Nordwest und Nordost. Die Waldbrände von 1991, 2003, 2004, 2016 und 2018 wurden alle von der Hauptwindrichtung NORD angetrieben.

Wenn ich mich in den Bunker begebe, habe ich dort einen Schalter, der die Elektrizität anschaltet und zu einer Pumpe bringt, die alle Sprinkler antreibt. Wer sich feuerfest machen möchte, besorge sich einen Notstrom-Generator (mindestens 7.000 Watt Leistung) und lege ein Stromkabel in den Bunker, mit dem das System arbeitet. Denn bei einem Waldbrand gibt es sofortigen Stromausfall der EDP etc. und man braucht unbedingt ein eigenes, potentes Notstrom-Aggregat. Wir empfehlen den italienischen Hersteller Ducati, mit dem wir gute Erfahrungen gemacht haben. Der Botanische Garten hat eine Fläche von 3,5 Hektar Waldland. Der weitest entfernte Sprinkler steht ca. 200 Meter vom Bunker und der Pumpe enfernt. Vom Bunker zum Sprinkler haben wir einen Graben gebuddel, in das wir das PVC Rohr in 40 cm Tiefe verstaut haben, damit es von keinem Waldbrand beschädigt werden kann. Dort wo der Sprinkler steht, montieren wir eine gusseiserne Kurve und diese mündest in ein drei Meter oder in ein sechs Meter langes Stahlrohr, in das oben wie unten ein Gewinde geschnitten wurde, um oben den Sprinkler anzuschrauben und unten die gusseiserne Kurve vom PVC-Rohr zu montieren.

Im Fall eines Waldbrandes sind wir innerhalb von weniger als fünf Minuten einsatzbereit. Als erstes wird der trockene Waldboden naß gemacht, denn brennende Blätter fliegen kilometerweit und tragen das Feuer weiter. Rekapitulieren wir: Schritt 1. Klären Sie rund um ihr Haus alles brennbare Material. Schritt 2. Reduzieren Sie beim Hausbau-Material alle brennbaren Materialien. Tauschen Sie Fenster aus, montieren Sie nicht brennbare Fensterläden. Gehen Sie sicher, daß Ihr Dachstuhl kein Feuer fängt. 3. Ein ganz besonderer Schutz verdient ihr Wald, auch weil keine Versicherung für den Schaden aufkommt. Ein Sprinklersystem näßt nicht nur den Waldboden ein, es löscht auch brennende Bäume.

Im Übrigens kann solch ein Sprinklersystem bei Open-Air-Festivals Leben retten. Jeder Parkplatz ist eine tickende Zeitbombe. Solange Autos mit Benzinmotoren betrieben werden, können auch diese KFZ in die Luft fliegen und brennen. Ein gut montiertes Sprinklersystem kann Wunder bewirken. Wenn Sie Interesse haben, können Sie jeden Samstag den Botanischen Garten Esgravatadouro in Caldas de Monchique von 10 bis 13 Uhr besuchen und sich über das Sprinklersystem informieren oder auf https:// www.wetnet.pt (ab 21. Juni)

 

Uwe Heitkamp (65)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobbybotaniker, Vater von zwei erwachsenen Kindern, kennt Portugal seit 35 Jahren, Gründer von ECO123.
Übersetzer: Dina Adão, John Elliot, Patrícia Lara
Fotos: Jeremy Walton

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