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Aus der Zeit gefallen.

19/09/2026 – 25/09/2026  von Uwe Heitkamp

Ausgabe 37.2026

Es war zu einer Zeit, als die Menschen noch zehn Finger an den beiden Händen hatten und diese auch benutzten. Sie gruben mit einer Hacke kleine Löcher und pflanzten Bäume an einer Straße oder in ihren Gärten. Als ich das erste Mal von Portimão nach Monchique fuhr, nahm ich den 94er Bus von VAMUS und hatte Zeit, aus den Panoramafenstern die Bäume zu bestaunen, die vor vielleicht 50 Jahren am Straßenrand gepflanzt worden waren: Johannisbrotbäume, Korkeichen, Oliven u.v.m. zum Beispiel auch Jacaranda. Wenn einer einen Baum pflanzt, denkt er sich etwas dabei. Dann hat er eine Vorstellung davon, wie dieser später einmal aussehen könnte, wenn sie Schatten spenden, wenn die Bäume lila Blüten tragen und den Weg schmücken. Die Kunst, eine Allee mit Bäumen anzulegen, beherrschen die Architekten und Landschaftsgärtner heute kaum noch. Bäume haben ihre Wichtigkeit eingebüßt. Sie werden, wenn überhaupt noch, als Dekoration betrachtet. Wenn sie stören werden sie gefällt, und irgendwo wird dann vielleicht ein neuer Baum gepflanzt. Dabei ist die Vielfalt der Bäume so wichtig, wie kein Smartphone es sein könnte.

Es war zu einer Zeit, als die Menschen noch zehn Finger an den beiden Händen hatten, als sie mit diesen Händen wunderschöne Alleen kreierten, so dass ganze Stadtteile heute im Schatten liegen, wenn die Temperaturen des Sommers die 40 Grad Marke knacken und Hitze und Dürre die meisten großen Städte nahezu unbewohnbar machen. Der vom Menschen verursachte Klimawandel entsteht dadurch, dass er Benzin und Diesel in Autos und Flugzeugen verbrennt. Er entsteht aber auch dadurch, dass er seine zehn Finger immer seltener benutzt. Junge Bäume pflanzen ist eine Aufgabe, die Geist, Phantasie und Kreativität stimuliert. Man ist aktiv dabei, inmitten des Geschehens. Wer ein Dutzend Bäume pflanzt, weiß, was er getan hat. Es geht in die Muskeln und Sehnen und bleibt ein Erlebnis. Wer bei uns im jungen Botanischen Waldgarten von Caldas de Monchique einen Nußbaum pflanzen möchte, oder eine Monchique-Eiche, oder eine Linde, der kann sich ab Oktober anmelden. Wir pflanzen nach dem ersten Regen im Herbst einhundert junge Bäume. Dabei ist uns die Vielfalt der Baumarten und der Farben der Natur ein Vorbild.

Wir arbeiten mit unseren zehn Fingern an einer Oase in der Natur von Monchique. Sie können daran teilhaben, mitmachen und Samstag vormittags für zwei Stunden Teil einer internationalen Gemeinschaft werden und etwas über die Botanik erfahren. Kommen Sie nach Caldas de Monchique und pflanzen Sie mit Ihren eigenen Händen Ihren eigenen Baum. Verewigen Sie sich mit einer Eiche im Wald von Esgravatadouro. Anmeldungen per E-Mail unter theobald.tiger8550@gmail. Ich freue mich, Sie kennenzulernen.

Uwe Heitkamp (66)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobbybotaniker, Vater von zwei erwachsenen Kindern, kennt Portugal seit 35 Jahren, Gründer von ECO123.
Übersetzer: Dina Adão, John Elliott
Fotos: Jeremy Walton

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