Wir brauchen den Mut und müssen lernen, Verantwortung zu übernehmen.
Vor ein paar Tagen besuchte mich eine Schulfreundin aus einer früheren Zeit. Denn ich gehöre zu denjenigen Menschen, die am entferntesten von ihrem Geburtsort leben und arbeiten und sich circa 3.000 km entfernt eine Existenz – gegen alle Widrigkeiten – aufgebaut haben. Veronika kam mit ihrem Mann Bert und einem Wohnmobil mit Dachgepäckträger aus Deutschland nach Portugal, um das Land kennenzulernen und um ihren Urlaub hier in Portugal sorgenfrei zu verbringen. Portugal ist ein Land, das ungemein vom Tourismus lebt und der Jahresurlaub ist das Highlight eines jeden Urlaubers.
Das ist gehörig schiefgegangen. Nein, sie haben nicht die Standseilbahn in Lissabon bestiegen und sind nicht mit dem „Fahrstuhl des Teufels“ die 285 Meter in den Tod gerast. Nein, sie waren auch nicht in einem Waldbrand in Monchique gefangen und haben persönlich Schaden erlitten. Sie hatten Glück im Unglück, so sagen wir das in unserer Sprache. Sie sind nur in Sesimbra in eine Tiefgarage gefahren, um ihren Wagen sicher zu parken. Die Höhe war mit 2.20 m angegeben, also hätte das Wohnmobil mit Dachgepäckträger locker in diese Tiefgarage hineingepaßt. Sollte nicht sein. Der Wagen mit Dachgepäckträger war 2,10 m hoch und der Einlaß in die Tiefgarage in der Wirklichkeit nur zwei Meter. Also hat es den Dachgepäckträger abgerissen. Selber schuld?


Niemand ist verantwortlich für den Schaden, der einem Menschen in Portugal passiert, oder? Oder anders gesagt, jeder ist für sich selbst verantwortlich für den Schaden, der einem im äußersten Südwesten Europas geschieht. In die „Funicular da Glória“ eingestiegen und bei einem Unfall tödlich verletzt. Selber schuld? Es ist nicht unüblich, daß tragische Unfälle auch in Portugal passieren. Es ist auch nicht unüblich, daß Instandhaltungsarbeiten an technischen Projekten an externe Dienstleister abgeben werden, wenn man sparen muss. Es musste aber nicht gespart werden. Denn wer € 3,10 für eine Faht von 285 Metern nimmt, ist geldgierig. Ich möchte nicht wissen, wie es um die Brücken und deren Instandhaltung bestellt ist.
Aber eines ist absolut unüblich. Daß niemand für nichts verantwortlich ist. Ich habe in einem Opferverein die EDP vor einem Gericht dafür verklagt, daß sie verantwortlich gemacht wird für den Waldbrand 2018 in Monchique. Ich hätte besser den Bürgermeister gleich mit verklagt, den Zivilschutz und die PS-Regierung unter dem ehemaligen Primierminister António Costa. Bei der Klage ist nichts herausgekommen. Das Gericht hat das Verfahren gar nicht eröffnet, mit der Begründung, daß es keine Erfolgsgarantie gäbe. Dabei hatte die PJ und die GNR die Verantwortlichen klar benannt. Bis heute, sieben Jahre nach dem verheerenden Waldbrand ist niemand dafür verantwortlich gemacht worden, niemand dafür bestraft worden, den Waldbrand initiiert zu haben, sei es vorsätzlich oder fahrlässig…
Und so passieren jeden Tag in Portugal Unfälle – in Krankenhäusern mißlingen Operationen, werden Fehldiagnosen gestellt, werden Operationen von Chirurgen versaut… passieren Unfälle in sogenannten Fahrstühlen in Lissabon, für die niemand verantwortlich ist. Sie sehen, worauf ich hinaus will? Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen. Es beginnt damit, sich zu überlegen, was alles passieren kann, wenn man etwas macht. Wer also in einem Gebiet, das austrocknet, heute noch Eukalyptus pflanzt, muß damit rechnen, daß es kein Wasser zum Löschen bei Waldbränden gibt. Die Strafe? Keine.
Wir alle wissen, daß sogenannte soziale Netzwerke mit die größte Gefährung der Demokratie sind. Soziale Netzwerke sind Wirtschaftsunternehmen, deren Geschäftszweck die Ausforschung und Manipulation von Menschen ist. Es wird Werbung verkauft und wir wissen, wohin diese sozialen Netzwerke führen. Wir haben solche Horrorszenarien wie den Brexit erlebt, der ohne die sozialen Netzwerke gar nicht möglich gewesen wäre. Und wir haben Donald Trump, der sich vor ein paar Tagen hingestellt und gesagt hat, daß er ohne diese Netzwerke nicht da wäre, wo er heute steht. Wir wissen, daß wir Facebook und Instagram sofort verbieten müßten und auch X und TikTok. Aber wir lassen sie gewähren, Menschen werden beleidigt und Lügen bleiben ungestraft. Im Gegenteil: wenn ich hier die Unwahrheit sage, werde ich zur Rechenschaft gezogen. Soziale Meden aber können lügen und betrügen, wie sie wollen und bleiben immer ungestraft. Und sie müssen nicht mal Steuern dafür in Portugal zahlen …
Na dann, bis zum nächsten Unfall…
Eco123 Revista da Economia e Ecologia
