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Vergessen und aus dem Gedächtnis getilgt?

Heute, am 17. Juni 2025 erinnere ich mich an einen Feiertag, den man in Deutschland während meiner Kindheit feierte. Am Morgen des 17. Juni brach im gesamten Gebiet der ehemaligen DDR etwas aus, was später als Aufstand des 17. Juni in die deutschen Geschichtsbücher eingehen sollte. Die Belegschaften vor allem großer Betriebe traten mit Beginn der Frühschicht in den Streik und formierten sich zu Demonstrationszügen. In den Tagen vor dem Aufstand war den meisten Protestierenden die nationale Dimension der Proteste noch nicht bewusst. Tatsächlich kam es neueren Forschungen zufolge in weit über 500 Orten in der ehemaligen DDR zu Streiks, Kundgebungen oder Gewalttätigkeiten gegen offizielle Personen oder Einrichtungen. Der Volksaufstand des 17.Juni wurde von der kommunistischen Partei in Zusammenarbeit mit den Besatzungstruppen der UDSSR niedergeschlagen.

Feiertage bringen etwas Unwirkliches mit sich. Sie kommen und dann gehen sie wieder und werden für immer vergessen. Den 17. Juni gibt es nicht mehr. Andere Daten werden hingegen nie in das Register der Feiertage aufgenommen: zum Beispiel der Samstag, 26. April 1986, der Tag, ab dem der Reaktorblock 4 des Atomkraftwerkes von Tschernobyl in die Luft flog und in der Folgewoche halb Europa verseuchte. Oder der durch ein Seebeben zerstörte japanische Reaktor von Fukoschima, der an einem Freitag, dem 11. März 2011 kollabierte. Um beide Städte herum gibt es bis heute eine 30 km weite Sperrzone. Viele tausend Menschen verloren ihre Heimat und ihr Zuhause. Sollte man nicht jedes Jahr wenigstens einen Gedanken daran verschwenden, was wir als Menschheit für unbewohnbare Ruinen auf Erden hinterlassen?

In Mozambique feiern sie den 25. September als Unabhängigkeitstag von Portugal, der alten faschistischen Kolonialmacht. Und in Portugal selbst wird der 25. April als der Tag der Nelkenrevolution gefeiert, den Beginn der Demokratie. Aber Moment mal. Feiern wir am 25. April wirklich den Beginn der Demokratie – oder feiern wir eher das Ende der Diktatur, die 48 Jahre dauerte? Vergessen wir nicht diese lange bleierne Zeit, die zwei Generationen lang das Leben der Portugiesen bestimmte und sie zu stillen Kollaborateuren der Diktatur erzog… Und noch etwas, diese Frage sei hier erlaubt. Hat es in Portugal jemals so etwas gegeben wie eine Aufarbeitung des Faschismus? Wurden die Opfer rehabilitiert? Wurden die Täter bestraft? Was geschah mit den Schergen der PIDE? Oder hat man über die ganzen 48 Jahre eine Decke gelegt und den fragenden Kindern hernach gesagt, da gäbe es nichts mehr zu fragen. Na, wovon lebt denn unsere Demokratie? Von Fragen und Antworten? Von offenen Gesprächen, davon, daß Kinder im Unterricht bisweilen auch quälende Fragen stellen, die kompetente Zeitzeugen beantworten müssen. Demokratie lebt vom offenen Gespräch. Oder?

 

Uwe Heitkamp (65)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobbybotaniker, Vater von zwei erwachsenen Kindern, kennt Portugal seit 35 Jahren, Gründer von ECO123.
Übersetzer: Dina Adão, John Elliot, Patrícia Lara
Fotos: Picture Alliance

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