Jeder Waldbrand beschädigt die Natur, vernichtet Eigentum, hinterlässt Opfer, Leid und Trauer und – noch mehr Asche und Millionen Tonnen CO2, das Klimagas. Nach jedem Waldbrand ist immer auch vor dem nächsten Waldbrand. Das gehört seit vielen Jahren in Portugal u.a. südlichen Ländern zum Leben dazu. Warum eigentlich? Das Land mit seinen knapp 93.000 km² Fläche beherbergt um die 10.000 km² umweltschädliche Eukalyptus Monokulturen. Plantagen, die hoch brennbar und sehr leicht entzündlich sind und der Papierindustrie für ihre gewerblichen Zwecke als lebendes Rohstofflager dienen – und dem Boden das Grundwasser entziehen. Wozu sollte Wald auch anders verwendet werden? Diese Frage sollte man in Portugal, und speziell in Monchique noch einmal genauer diskutieren. Im Wald und um ihn herum leben neben Menschen auch noch viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Man lebt ja nicht allein in dieser Welt, nicht wahr?
Da sollte es doch den nationalen Organen des Zivilschutzes, der Feuerwehr und dem für den Forstschutz verantwortlichen ICNF (Instituto da Conservação da Natureza e das Florestas) ein Leichtes sein, das Risiko zukünftiger Waldbrände zu begrenzen, zu minimieren. Das Problem sollte endlich in den Griff zu bekommen sein, speziell auch dann, wenn man über viele Jahre die Materie Natur genauer kennengelernt hat. Immerhin erhält Portugal und der ICNF aus den Töpfen der EU genug Geld, um in diesem Jahr und auch in Zukunft mal Erfolge nach Brüssel melden zu können. Und die Universität von Coimbra, im Zentrum Portugals, besitzt ein exzellentes Forschungszentrum für Waldbrände und deren Verhütung bzw. Bekämpfung und eine technische Besetzung, die viele Jahre von Professor Domingos Xavier Viegas geleitet wurde, den man auch in Europa bestens kennt.

Nehmen wir eine Lupe zu Hilfe und schauen wir einmal genauer hin? Im Süden Portugals, in Monchique mit dem gleichnamigen Gebirge, existiert ein Landkreis mit knapp 400 km². In ihm leben noch knapp 5.000 in- und ausländische Residenten: Portugiesen, Engländer, Iren, Südafrikaner und Deutsche usw. Tendenz weiter abnehmend. Da gehören Eukalyptus Monokulturen und die Handhabung der Motorsäge zum täglichen Broterwerb. Über 300 km², 76 % der ehemaligen Mischwälder konvertierten seit 1974 großflächig zu Monokulturen. Jeder will viel Geld verdienen, aber bitte nicht auf Kosten der anderen… Dementsprechend oft hat es in den vergangenen 50 Jahren in Monchique großflächig gebrannt: 1986, 1991, 2003, 2004, 2016 und 2018. Tausende von Hektar guten Mischwaldes nebst traditioneller Landwirtschaft sind verloren gegangen. Und die Zukunft des Landkreises Monchique steht heute in den Sternen.
Zum Thema „Kontrolliertes Feuer“ trafen sich nun über 60 Funktionsträger des ICNF, der Proteção Civil (Zivilschutz), der Feuerwehren und der regionalen Politik zu einem Seminar der ganz besonderen Art in einem Hotel in Caldas de Monchique. Man wolle sich auf die Waldbrandsaison 2026 vorbereiten. Interessant?

Der Bürgermeister von Monchique gehört der Sozialistischen Partei an und wurde gerade im letzten Jahr bei den Kommunalwahlen ein zweites Mal in seinem Amt mit absoluter Mehrheit bestätigt: Paulo Alves, ein früherer Sparkassenleiter der staatlichen Caixa Geral de Depositos, hat das Wohl seines Landkreises vor Augen, wenn er zu einem zweitägigen Seminar ins Monchique-Resort & Spa Hotel einlädt. ECO123 war für Sie dabei und hat sich die Vorträge zum Thema angehört und bei dem Selbstversuch „kontrolliertes Feuer“ nahe dem Berggipfel Foía (902 Meter) zugeguckt: bis der Hubschrauber mit dem Wasser kam…

Es ging bei diesem Seminar nicht etwa darum, konkrete Lösungswege zu finden, wie Waldbrände schneller gelöscht werden könnten, sondern eher darum, die Geschichte und die Traditionen des Feuers verstehen zu lernen. Was für den Erzähler befremdlich wirkt ist, dass man die Natur mit kontrollierten Feuern bändigen will und so werden aus kleinen Feuern große Waldbrände, weil man die Kontrolle über das Feuer verliert. Klimawandel. Dabei lernen wir in und außerhalb des Landkreises Monchique doch, dass man Waldbrände auch mit Wasser löschen könnte. Das war nicht das Thema, zu dem die Teilnehmer in den ersten drei Stunden verschiedene Vorträge zu hören bekamen, bei denen sich alle Referenten überraschenderweise mehr Zeit nahmen, als laut Programm zur Verfügung stand. Und die Materie war langweilig und wenig professionell vorbereitet. Darüber hinaus geriet man völlig aus dem dafür vorgesehenen Zeitplan. Dafür wurden dann die Kaffeepausen und die Diskussionen gekürzt. Übrigens redeten nur Männer. Frauen hatten an diesen beiden Tagen nichts zu sagen. Das Thema Waldbrände scheint in Portugal eine Sache des Mannes zu sein. Die Frauen dürfen dann zugucken. Es wäre doch wichtig, mal zu erfahren, wie Frauen das Thema Waldbrandverhütung sehen. Und ganz wichtig, keine einzige Spezialistin der Universität Coimbra, dem einzigen Forschungszentrum Portugals in Europa, war eingeladen. Warum eigentlich nicht? Hatte man das vergessen? Oder war das geplanter Vorsatz?

Jede Menge Versäumnisse. Wie kann ein sozialistischer Bürgermeister, der das soziale Wohl seiner Bürgerinnen im Auge hat, zu einem Seminar einladen, das die Katastrophen der viel zu vielen Waldbrände in Monchique und Portugal völlig ausklammert? Ein Bürgermeister als oberster Katastrophenschützer, dem eine Armee an Feuerwehrleuten zur Verfügung steht, die im Alarmfall nichts anderes zu tun haben, als Däumchen drehen und zu warten, denn ihr regionaler Kommandant Senhor Vaz Pinto (Faro) wird während des letzten Waldbrandes 2018 während der Arbeit abgesetzt – und seine Nachfolgerin Gaspar (Lissabon) trifft nicht rechtzeitig im Katastrophenort ein. So stehen mehr als 1.500 Feuerwehrleute 48 Stunden ohne Führung und ohne Orientierung – und vor allen Dingen – ohne Einsatzplan Schlauch bei Fuß. Sollten die Fehler, die während eines Waldbrandes gemacht wurden, nicht endlich einmal aufgearbeitet werden, damit sie einem in Zukunft nicht wieder auf die Füße fallen? Jener Kommandant, der am 5. August 2018, von der Zentralregierung abberufen wurde, steht im Programm des Seminars als einer von drei Eröffnungsrednern. Sein Platz bleibt leer. Warum?
Kann ich bei einem solchen Seminar erwarten, dass die Teilnehmer noch einmal den Bericht an das Portugiesische Parlament in Lissabon (Relatório da Assembleia Nacional) genau besprechen und die Fehler studieren können, die im August 2018 gemacht wurden – auch um solche Fehler zukünftig zu vermeiden. Auf 78 Seiten wurde von unabhängigen Spezialisten bis ins Detail genau recherchiert, was in den Tagen von Freitag, dem 3. August bis zum Freitag, dem 10. August alles passierte: die Entwicklung des desaströsen Waldbrandes wurde auf die Stunde genau analysiert und die Verantwortlichen genannt, inklusive meteorologischer Fakten. (Temperaturen, Windwechsel, Windstärken etc.)

Bis heute, acht Jahre danach, wird dieser Parlamentsbericht von der Politik ignoriert, kein Verantwortlicher angeklagt, (geschweige denn verurteilt) und viele tausend Geschädigte nicht entschädigt, so das Tür und Tor offen gelassen werden, und ein solches Desaster morgen gleich wieder passieren könnte. Die Kunst des Ignorierens wird in Monchique groß geschrieben. Die Probleme der Waldbrandbekämpfung beginnen bei der Prävention. Am Thema vorbeigeredet, das ist das Fazit, das der Journalist zieht. Vielleicht waren die Erwartungen an dieses Seminar zu groß, weil die Lösungsansätze so klein sind. Wer mit dem Feuer in einem Eukalyptusforst spielt, dem sollte man die Streichhölzer wegnehmen. Der Zivilschutz sollte es ganz sicher einmal mit der geballten Kraft des Löschwassers versuchen und der Einbeziehung aller Bürger und Grundbesitzer. Und dazu gehört übrigens auch, in einem zehn Kilometer Radius (Korridor) um Monchique herum sollten nur noch heimische Bäume gepflanzt werden dürfen.
Eukalyptus ist eine völlig unrentable Art, erfolgreich Geschäfte zu machen. Es gibt immer nur zwei bis drei Gewinner und tausende, die Haus und Hof, und manche auch ihr Leben dabei verlieren. Was, wenn wir es mal mit WIN-WIN versuchen würden?
Eco123 Revista da Economia e Ecologia
