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Vom Wert eines lebenden Fisches…

Mich würde interessieren, welchen Wert eine positive Presse in diesen Tagen besitzt? Eine gutbezahlte Public-Relation Agentur in Lissabon veschickt eine Presseerklärung an alle in Portugal existierenden Zeitungen und Zeitschriften, in denen umweltfreundliches Verhalten einer im Tourismus der Algarve arbeitenden Firma herausgestellt wird. Es geht nicht nur um umweltfreundliches Verhalten – nein, es geht sogar darum, ein außergewöhnliches Projekt in den Mittelpunkt der Presseerklärung zu stellen, in dem es darum geht, daß drei „Körperschaften“ sich verbünden, um eine Fischart, die in einem Bach nicht mehr vorkommt, also als ausgestorben gilt, zuerst in einem Aquarium zu züchten und dann in jenem Bach wieder auszusetzen, um das Ganze dann öffentlichkeitswirksam positiv zu vermarkten. Win-Win-Win. Gelungene Public-Relation-Arbeit? Kann man positive Presse planen, kann man positive Presse kaufen?

Mich würde auch interessieren, welchen Wert ein Tier, in diesem Fall ein Fisch, hat und ob nach einem Jahr mindestens die Hälfte der ausgesetzten 20 Süßwasserfische immer noch lebt, oder ob Angler, die größten Feinde der Fische, sie zum Abendessen fangen dürfen und ob der im Hochsommer oftmals trocken fallende Bach im Jahr 2025 den Süßwasserfischen ein guter Biotop sein wird und ob sich die Süßwasserfische gegen andere Feinde, wie beispielsweise Wasserschlagen, behaupten können? Wie will man das prüfen, wie herausfinden, wie recherchieren? Gibt es ein Monitoring des Projekts, das Zoomarine „Falanges“ nennt. Vielleicht könnte uns Quercus, der Umweltverein mehr dazu sagen, oder sogar Aguas do Algarve SA, der Wasserversorger aus Faro?

Wobei wir beim Thema angekommen wären. Als der Staudamm des Odelouca- Flusses geplant wurde, damals in 2002 war er noch ein Fluß, um der Algarve in Zeiten des Wassermangels (in Zeiten der Klimakrise) mit mehr als zehn Millionen Touristen im Jahr Trinkwasserreserven zu garantieren, konnte man nicht absehen, dass der Fluß zu einem wasserarmen Bach mit Einleitungen von Schweinegülle und anderen Abwässern mutieren würde. In so einem Bach haben Fische ein schweres Leben und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute … in einem künstlichen Aquarium des Zoomarine Parks in Guia bei Albufeira. Der Bach selbst ist im Sommer kaum noch ein fließendes Gewässer (nach der Staumauer) und bis 18 km bachaufwärts beim Dorf Falacho gezeitenabhängig und somit schwimmt im Bachbett Brackwasser, das das Meer mit seinen Tiden den Arade und Odelouca hochdrückt und wieder runterfließen läßt, tagein und tagaus. Das Wasser ist oft sauerstoffarm und selten noch reines Süßwasser. Das sollten sie bei Zoomarine wissen und auch bei Quercus, wenn sie sich daran machen, einen ausgestorbenen Süßwasserfisch* namens „Escalos-do-Arade“ wieder im Bachbett auszusetzen. Bisweilen gibt es Inseln mitten im Bachbett, so wenig Wasser führt der ehemalige Odelouca-Fluß, denn das gestaute Wasser vor der Staumauer des Damms wird vom Wasserversorger „Aguas do Algarve SA“ gerne kommerzialisiert. Und ob er tausende von Kubickmetern auf Bitten geregelt abläßt, aufgrund von ein paar unter sogenannter Schnappatmung leidenden Fischen, die bald auf dem Trockenen sitzen könnten, steht in den Sternen. Ein Kubickmeter Wasser ist ein wertvolles Handelsgut, es kostet immerhin 0,46 Euro, wenn es an die Versorgergesellschaften der 16 Städte der Algarve weiterverkauft wird. Damit läßt sich ein gutes Geschäft machen, denn es wird ja zu einem weitaus höherem Preis weiterverkauft, und selbst wenn man die Hälfte des Wassers durch ein marodes Leitungssystem verliert, (siehe Analyse von DECO) kann man mit Wasser immer noch gutes Geld verdienen, besonders in den bevölkerungsreichen Küstenstädten. Wasser ist wichtig für einen Fisch, er hat keine Beine, die er sich mal vertreten kann, wenn mal wieder kein Wasser im Bach sein wird …

ECO123 kontaktierte die für Public Relation bei Zoomarine verantwortliche Referentin Sofia Bach und sie lud ECO123 in den Delphinpark ein, um über das Projekt „Falanges“ mit uns zu sprechen und die Fragen zu beantworten, die uns unter den Nägeln brennen. Darüber werden wir dann nächste Woche an dieser Stelle berichten und das Thema weiterentwickeln. Bleiben Sie dran. Wir sind noch nicht am Ende.

* Squalius aradensis ( Escalos-do-Arade)

Uwe Heitkamp (65)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobbybotaniker, Vater von zwei erwachsenen Kindern, kennt Portugal seit 35 Jahren, Gründer von ECO123.
Übersetzer: Dina Adão, John Elliot, Patrícia Lara

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