Sonntag, Juli 21, 2019
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Ein Leben mit dem Meer am Horizont

Einen der letzten Meister der Netzflicker oder wie sie hier in Portugal genannt werden, “Meister der Erde” Joaquim Carneiro empfing ECO123 in seiner Werkstatt im Fischereihafen Parchal am Arade-Fluss im Landkreis Lagoa. Dort übt er seinen Beruf aus. Schon fast 84-jährig, arbeitet er täglich zwischen kilometerlangen Fischernetzen sitzend, die er mit Geschicklichkeit und beneidenswerter Energie ausbessert oder „ausrüstet“.
Im Gespräch begeistert er sich kontinuierlich mit einer Leidenschaft, die nur jemand hat, der noch idealistische Ideen verteidigt und an eine bessere Zukunft glaubt. Wie zum Beispiel, als er über die Schonzeit spricht, die für den Artenschutz unentbehrlich ist oder über den Tourismus, der als Hauptgeschäft der Region die Fischerei und Konservenindustrie verdrängt. Aber es erscheint auch hin und wieder eine Gelassenheit, die ihm sein Alter auch angesichts einer Zukunft, in der die Netzflicker verschwinden werden, erlaubt. Dennoch, trotz allem, bestätigt er mit einem traurigen Lächeln: “Die Tätigkeit bleibt. Niemand ist unersetzbar. Die Welt steht nicht still.“

ECO123: Wann haben Sie begonnen, diesen Beruf zu erlernen?
Joaquim Carneiro: Im Jahre 1942, ich war knapp 13 Jahre alt.

Was beinhaltet heutzutage die Arbeit eines “Meisters der Erde”?
Joaquim CarneiroDie Schleppnetzkunst besteht aus verschiedenen Teilen, die wir Fadenreihen nennen. Diese Fadenreihen sind miteinander, Masche für Masche, durch sogenannte Schotsteks verbunden. Bei dieser Netzart ergibt sich ein Durchmesser von 800 Metern. Wir müssen das Netz dann ausrüsten, indem wir die Schwimmkörper, die auf dem Wasser bleiben, oben und das Blei unten befestigen. Auch das müssen wir wissen, denn das Netz hat eine vorbestimmte Länge, wobei die Enden kürzer bleiben, damit sich eine Sackform ergibt und das Netz locker bleibt. Deshalb ist die Aufgabe eines Netzflickmeisters nicht nur das Ausbessern der Netze, sondern auch das Kennen der Einzelheiten des “Ausrüstens” – das ist das Wichtigste. Und auch für das Ausbessern der Netze muss man es „aufnehmen“: das Netz ist zerrissen. Es gibt Millionen Maschen und wir müssen wissen, welche Punkte wir mit welchen verbinden müssen, um diese richtig zu flicken. Es ist wichtig, wie man ein Netz „aufnimmt“.

Gibt es noch Menschen, die diesen Beruf erlernen?
Aus der Zeit meiner Ausbildung blieben nur ein Netzflickmeister in Alvor, der Meister António und ich hier übrig. Früher waren wir 70 oder 80 in Portimão. Die Fischerei wurde so stark reduziert, dass sich heute für die Jugend schon keine Möglichkeit mehr bietet, diese Tätigkeit auszuüben. Es besteht von Seiten der Jugend auch kein Interesse mehr, diese zu erlernen, da es hierfür keine Zukunftsperspektive gibt.

Was wird passieren, wenn Sie in Rente gehen?
Eines Tages war ich am Netze flicken, als Meister Joaquim aus Arrifana auftauchte. Dieser ist auch Besitzer eines Fischerbootes mit Schleppnetzen. Er sagte zu mir: „ O Meister Joaquim, man flickt doch keine Netze mehr! Man nutzt sie, solange wie möglich und wenn es nicht mehr geht, kauft man neue.“ Wenn schon ein Meister und Besitzer eines Schleppers so etwas sagt, sehen Sie, wie es ist. Es läuft je nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten jeder Firma. Was ich hier mache, ist die Nutzung der Netze, die noch in besserem Zustand sind. Was schon nicht mehr taugt, wird aussortiert. Manchmal gibt es Stücke, die in gutem Zustand sind. Wir schneiden die Stücke raus und bessern mit diesen hier aus. Wer mehr Möglichkeiten hat, lässt neue kommen…

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