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Welchen Wert hat ein Süßwasserfisch?

Gerade stelle ich mir vor, ein Fisch wäre ein Tourist. Er würde Geld mitbringen und ausgeben, würde konsumieren, würde für Übernachtung und Vollpension bezahlen. Aber nein, ein Fisch sei kein Tourist, was für ein Quatsch erzähle ich da, sagt meine Mitbewohnerin, der ich von meiner Vorstellungswelt beim Frühstück erzähle. Ein Süßwasserfisch braucht kein frisch bezogenes Bett, sondern eher ein sauberes mit viel Wasser gefülltes Bachbett, Plätze in seinem Biotop, an denen er sich verstecken kann vor den Fischreihern und anderen Gefahren wie Wasserschlangen und Anglern. Er braucht Strömung und seine Ruhe und Sedimente im Wasser, Nahrung und Kleintier-Lebewesen. Haben die Fische all das im Ribeira de Odelouca im Landkreis Silves?

Abwasserrohre, die von Häusern in den Bach münden und Wasserrohre nebst Pumpen kann ein Fisch gar nicht gebrauchen. Landwirtschaft mit Orangen- und Avocadobäumen sind ihm ebenfalls ein Gräuel, denn jeder Baum nimmt ihm das Wasser des Odelouca bei der intensiven Bewässerung. Darüber hinaus muss Wasser die richtige Temperatur haben und frei sein von Schweinegülle und anderen Verschmutzungen. Wieviel Flusswasser braucht ein Süßwasserfisch, um gut in einem Bach oder Fluss zu leben? Diese Fragen würde ich gern mit dem ICNF besprechen. Aber dafür ist er nicht zu sprechen. Er ist nicht Teil des Projektes.

ECO123 besucht stattdessen den Fun-Park Zoomarine in Guia bei Albufeira, in dem in Aquarien auch einheimische Fische gezüchtet werden, um sie vor dem Aussterben zu bewahen. Es hat ja einen Grund warum der Süßwasserfisch mit dem latainischen Namen „Squalius Aradensis“ im mittleren Odeloucabach ausgestorben ist und man sich jetzt bemüht, den Fisch dort wieder anzusiedeln. Das geht nicht ohne Veränderung und dazu gehört eigentlich auch, daß Àguas do Algarve SA. viel mehr Wasser aus dem Staudamm in den Bach ablässt, um den ausgesetzten 20 Fischen einen sicheren Biotop zu bieten, damit sie eine Chance haben, zu überleben. Dazu gehört auch, daß die Landwirtschaft die Wasserentnahme aus dem Bach reduziert. Jedes Haus, das am Odelouca-Bach liegt, nimmt sich unkontrolliert so viel Wasser wie man zur Bewässerung seiner Bäume braucht – aus dem ehemaligen Fluß, der heute und in den Sommermonaten nur noch ein Rinnsal darstellt und dessen Bachbett langsam, an verschiedenen Stellen im Sommer austrocknet.

Es gibt in Portugal keine seriöse übergeordnete Behörde, die wirkliche Weisungsbefugnis hätte und kontrollieren könnte, was mit dem Arade und dem Odelouca gerade passiert.“ Das ist die Antwort, die ECO123 von Bauern hört. Da wachsen unkontrolliert an den Bachufern Invasoren, die dem Bach das letzte Wasser wegsaufen: Schilf und Pampasgras, die in Portugal nicht heimisch sind und sich unkontrolliert vermehren. „Es gibt zwar den ICNF, aber was soll diese Institution kontrollieren, außer sich selbst?“

Der Bach führt nicht genug Wasser. Das ist ein Fakt. Aber auch das ist Ansichtssache. Denn der Fluss wird gestaut und Millionen Kubikmeter Wasser werden entnommen von einer Firma, bei der alle 16 Landkreise Anteilseigner sind. Was ist „genug“ und was ist „zu viel“? Wieviele Interessenskonflikte gibt es an der Algarve und seinem Wasser? Eingriffe in die Natur dürfen nicht ausarten in eine Selbstbedienung wie im Supermarkt und ohne jedwede Kasse. Wenn es keine Gesetze darüber gibt, dann müssen solche Gesetze vom Gesetzgeber eben gemacht und scharf kontrolliert werden. Águas do Algarve, der Wasserversorger der südlichsten Provinz Portugals scheint allmächtig und kann so viel Wasser stauen, so viel Wasser dem Odelouca entnehmen und abzweigen, wie er will? Und wieviel Wasser bleibt für die Bewohner und die Bauern in der Region des ehemaligen Flusses und jetzigen Baches übrig? Und mit wieviel Wasser müssen die 20 Fische auskommen, die im vergangenen Monat in den Bach ausgesetzt wurden? Das Projekt steht auf schiefen Beinen…

ECO123 sprach mit Sófia Bach, verantwortlich für die Presse bei Zoomarine und mit der Meeresbiologin Isabel Gaspar, verantwortlich bei Zoomarine für die Rehabilitation und Erhaltung von Meerestieren. Denn bei Zoomarine gibt es auch eine Abteilung, in der gefährdete Wassertiere wie Fische und Schildkröten usw. vor dem Aussterben gerettet werden. „Together We Protect“ nennt sich die Abteilung, die auch in Schulen der Algarve Kinder sensibilisiert. Wenn aber eine Fischart, die ausgestorben ist, vorsichtig wieder ausgesetzt wird, muß man dann nicht darauf achten, daß der Biotop auch ein Mindestmaß an sauberem Wasser führt und mit den Bewohnern und Bauern der Region vorher darüber gesprochen wird? Muss es nicht eine lebendige Kommunikation darüber geben?

ECO123: Wenn Sie mit zwei weiteren Projektpartnern 20 Süßwasserfische im Odelouca aussetzen, mit wie vielen Fischen rechnen Sie im nächsten Jahr? Wie hoch ist die Erfolgsquote mit der Sie kalkulieren? Der Fluss führt 80 % weniger Wasser und ist durch den Staudamm zu einem Bach geschrumpft. Angler und viele andere Feinde der Fische existieren: Reiher, Wasserschlangen …

Isabel Gaspar: Das wissen wir nicht. Diese Fische lebten bei uns in einem geschützten Aquarium. Das Ausssetzen von 20 Süßwasserfischen im Odelouca ist eine Maßnahme zur Wiederansiedlung dieser Fischart. Diese Fischart ist nicht attraktiv für Angler. Sie sind klein und nur 15 cm lang. Und an ihnen ist kaum etwas dran. Es ist eine symbolische Massnahme. Normalerweise werden bei solch einer Aktion zwischen 500 und 600 Fische ausgesetzt. Es ist ein Versuch.

ECO123: Gibt es ein Monitoring?

Sófia Bach: Zoomarine ist nicht verantwortlich für das Monitoring. Deswegen haben wir das Projekt mit Partnern ins Leben gerufen. Mit Quercus und mit Águas do Algarve gibt es für das Monitoring zwei exzellente Partner.

ECO123: Ein m³ Wasser kostet bei Águas do Algarve einen halben Euro. Wird ihr Partner in einem Notfall die Staumauer öffnen und Wasser ablassen, sollte der Bach trocken fallen und Lebensgefahr für die Fische bestehen?

Isabel Gaspar: Das müssen Sie Águas do Algarve fragen. Wir sind verantwortlich für die Aufzucht der Spezies in unseren Aquarien. Das Monitoring misst den Wasserstand und die Güte des Wassers im Bach. Im Übrigen gibt es das Instituto de Conservação da Natureza e das Florestas (ICNF), das verantwortlich für den Schutz der Natur ist. Wir haben ein Protokoll unterschrieben und das beinhaltet klare Zuständigkeiten – auch, dass unsere Partner ihre Arbeit machen.

Muss ein Biotop nicht sorgfältig vorbereitet werden, bevor man 20 Süßwasserfische in ihm aussetzt? Wenn nicht genug Wasser im Ribeira de Odelouca vorhanden ist, kann man dort auch keine Fische ausetzen, denn sie würden in kurzer Zeit auf dem Trockenen sitzen. Wie ist das Monitoring der Süßwasserfische geregelt? Für ECO123 wird das Projekt der drei Partner immer zweifelhafter. Geht es denn wirklich nur um eine gute Presse, oder hat man sorgfältig die Bedingungen geprüft, unter denen die jungen Süßwasserfische von Juli 2025 an im Ribeira de Odelouca leben können? Nächste Woche geht es weiter. Wir berichten über ein Projekt, bei dem drei Jahre lang einheimische Süßwasserfische auf das Aussetzen im Ribeira de Odelouca bei Silves (Algarve) vorbereitet wurden.

Uwe Heitkamp (65)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobbybotaniker, Vater von zwei erwachsenen Kindern, kennt Portugal seit 35 Jahren, Gründer von ECO123.
Übersetzer: Dina Adão, John Elliot, Patrícia Lara

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