Donnerstag, September 20, 2018
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Do It Yourself + Yes I Can

Rezept Wegfindung – Bau einer Kleinwindkraftanlagel

Haben Sie und Ihre Kinder schon mal eine Windkraftanlage, die sauberen Strom erzeugt, selbst gebaut?
Falls das nicht der Fall sein sollte, haben Sie jetzt die einmalige Möglichkeit, Ihre Kinder zum „Do It Yourself“ Workshop für Sommer 2017 anzumelden.
Zielgruppe sind SchülerInnen mit ihren LehrerInnen der Mittelstufe, achte und neunte Klasse, Alter 14 bis 16 Jahre.
Die Teilnahme am ECO123 Workshop „Ich baue meine eigene Windkraftanlage“ ist kostenlos, wenn Sie als Eltern und Lehrer helfen, die Crowdfunding Kampagne zur Finanzierung zu unterstützen.
Wir werden im Frühjahr 2017 rund 5.000 Euro benötigen, um die Materialkosten zu bezahlen.
Der Workshop findet in Portugal statt. 


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Die Kraft des Windes wussten schon die großen Seefahrer Vasco da Gama und Ferdinand Magellan zu nutzen. Die Küsten hinab in Richtung Süden oder über den großen Teich einmal um die Welt, segelten sie mit Wind, um Neues zu entdecken und Ihr Land in aller Welt berühmt zu machen. Heute ist die Welt vermessen und gesegelt wird nur noch im Hobby oder um des Geldes wegen. Die Windkraft wird jedoch auch heute noch sinnvoll genutzt. Windkraftanlagen zur Erzeugung von Strom sind in den letzten Jahren wie grünes Gras im Frühjahr aus dem Boden gewachsten, um den Durst an Energie auch für die kommenden Jahre zu stillen. Wir befinden uns in einem Wandel hin zum vermehrten Einsatz natürlicher und nachwachsender Ressourcen, damit auch in der Zukunft für uns ein Platz auf der Erde zu finden ist.

Portugal deckt seinen Elektrizitätsverbrauch zu 54,9 Prozent (Stand:2014) aus erneuerbaren Quellen. Schwerpunkt bilden die Technologien der Wind- und Wasserkraft. Damit liegt Portugal im Spitzenbereich unter den EU-Ländern. Der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien wird Portugal stets unabhängiger von Energieimporten machen und stellt so die Weichen für eine zukunftsorientierte Energieversorgung. Die Erneuerbaren Energien bedeuten jedoch mehr als nur einen Wandel der Stromversorgung. Sie sind eine gesellschaftliche Aussage über das Verlangen der Bürger nach Selbstbestimmung und einer unabhängigen und dezentralen Versorgung. Viele Haushalte können mit Solar- und Fotovoltaik-Anlagen schon heute vollständig ihre Wärme- und Stromversorgung sichern und darüber hinaus den Überschuss an Strom verkaufen. Die “Energiewende von Unten” ist die Energiewende, die den einzelnen am meisten motiviert und alle profitieren lässt.

Das Leben ist voller Abzweigungen, hat mir mal mein Lehrer gesagt, bei denen man sich hinterher fragt, wo die anderen Wege hingeführt hätten. Ich stand nach meinem Schulabschluss auch vor einer Kreuzung. Mit meinem frischem Zeugnis in der Hand fragte ich mich – was nun, wozu fühle ich mich berufen? Ausbildung oder doch lieber Studium? Es ist spannend, zurückzuschauen und zu sehen, was bisher geschehen ist und sich trotzdem auszumalen, was ein anderer Weg gebracht hätte. Ich denke und hoffe, dass ich nicht der Einzige bin, dem es so geht.

Ich habe während meines Studiums viel über die Erneuerbaren Energien gelernt: wofür wir sie brauchen, wie sie gebaut werden oder vor allem, wie sie funktionieren. Doch war das die meiste Zeit sehr theoretisch und ging selten über Schreibtischkonzepte hinaus. Vor zwei Jahren hat unsere studentische Gruppe begonnen, die erlernte Theorie in die Praxis umzusetzen. In Workshops mit Jugendlichen und Erwachsenen bauen wir zehn Meter hohe Kleinwindkraftanlagen mit jeweils etwa 900 Watt.  Dabei ist unser Ziel nicht nur, die Anlagen aus lokalen Ressourcen für eine Stromversorgung vor Ort zu bauen, sondern den Teilnehmern ihre Potenziale und Fähigkeiten zu zeigen. Es ist eine Anleitung zum Nachbau von Kleinwindkraftanlagen für zu Hause, mit Nachbarn oder der Familie und eine Orientierung für Jugendliche, die bald ins Berufsleben einsteigen müssen. Die handwerklichen Arbeiten machen Spaß und die vielseitigen Aufgabenbereiche wecken das Interesse auf Neues.

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Die Kleinwindkraftanlage wird je nach Teilnehmergröße (15-20 Personen) in acht bis zehn Tagen gebaut. Die TeilnehmerInnen bearbeiten die zumeist recycelten Werkstoffe an fünf Stationen und erhalten zwischendurch kurze einprägsame Lerneinheiten mit theoretischem Hintergrundwissen zum Windradbau.

•Die drei Flügel werden aus Holz gebaut. Dazu werden zwei Meter lange Balken mit Hilfe von Schablonen mit Säge, Hobel und Schleifpapier bearbeitet, bis das gewünschte aerodynamische Profil entsteht. Die Form des Flügels ist maßgebend für die Leistungsfähigkeit der Anlage. Je genauer und sauberer das Profil herausgearbeitet wird, desto mehr Kraft kann die Anlage dem Wind entnehmen.
•Der Turm besteht aus einem Mast und einer Gondel. Hier sind vor allem Metallarbeiten wie Schweißen, Schneiden, Flexen gefragt. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Sturmsicherung der Gondel. Hier muss für eine langlebige Anlage genau nach der technischen Zeichnung gearbeitet werden.
•Das Fundament gibt dem Windrad den nötigen Halt, um gegen starke Stürme senkrecht zu stehen. Sechs Löcher werden dafür ausgehoben und mit Armierungsstahl einbetoniert.
•Der Generator wandelt die Kraft, die vom Wind auf die Rotorflügel wirken, in Elektrizität um. Dazu werden Spulen und Magnete mit einem Hartz zu einem Generator gegossen. Wenn sich dieser dreht, wird aufgrund der Bewegung der Magnetfelder ein Stromfluss in den Spulen erzeugt.
•Zuletzt muss der Strom für die Verbraucher verwendbar gemacht werden. Ein Zwischenspeicher, wie eine Batterie und Regelungstechnik speichern den erzeugten Strom vom Generator, der bei Bedarf wieder entnommen werden kann.

EducAmbiental-03Die verschiedenen Handwerksarbeiten während des Baus der Kleinwindkraftanlage lassen die jungen TeilnehmerInnen ihre Interessen und Fähigkeiten neu entdecken. Sie bekommen so einen Einblick in Tätigkeitsfelder von Berufen wie Zimmermann, Schlosser, Stahlbetonbauer, Elektriker, Mechaniker, technischer Zeichner oder Ingenieur und lernen in der Praxis Teamgeist. Nach dem Errichten des Windrads und beim Aufkommen des ersten Windes, der die Flügel drehen lässt, sieht man den Stolz der Jugendlichen auf das, was sie mit eigener Hand geschaffen haben.

Als die alten Seefahrer in See stachen, wussten sie wohl auch nicht welche, Hindernisse vor Ihnen auf dem Weg lagen. Entdeckungs- und Abenteuerlust aber auch Zukunftsängste nahmen sie mit und kehrten oft mit neuen Erfahrungen zurück. Kommende Generationen werden ebenso ihren Weg, ob im Beruf oder bei gesellschaftlichen Fragen wie der Energieversorgung, finden müssen. Unsere Aufgabe als Erwachsene besteht daher darin, ihnen ihre Möglichkeiten zu zeigen und sie auf Ihrem Weg zu unterstützen. Machen Sie mit?

“Do it yourself – Yes, I Can”
Email: lenz@eco123.info

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