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Mein Renault ZOE und die RCI Bank in Portugal

Nº 132 – Tod eines Handlungsreisenden
Mein Renault ZOE und die RCI Bank in Portugal

Mein Renault ZOE und die RCI Bank in Portugal

Samstag, der 20. August 2020.

Manchmal wird ein Mensch ganz ungewollt zu einem Klimafreund, nämlich dann, wenn sein ziemlich neues Elektroauto stehen bleibt und er zu Fuß weitergehen muß. Diese Geschichte ist so unglaublich, wie sie wahr ist. Es geht um einen Renault ZOE, das erste europäische Elektroauto, das ich mir damals, am 28. Dezember 2015 neu bei Almotor in Portimão für meine journalistische Arbeit bei ECO123 gekauft hatte. Es kostete genau 21.476,87 Euro, ohne Batterie aber inklusive Mehrwertsteuer. Hier und da gab es noch einen Rabatt. Aber die 24 kW Batterie solle ich besser mieten, riet mir der Verkäufer, ein gewisser Herr Eurico A. damals. Und so unterschrieb ich einen 36-monatigen Mietvertrag bei der Renault Bank am 7. Januar 2016 – übrigens ein Donnerstag und ich tat das, weil mir der Verkäufer versprach, ich könne die Batterie dann jederzeit tauschen, wenn sie schlapp machen würde. Was für ein Versprechen auf die Zukunft von Renault! Zuhause konnte ich den Wagen an der Steckdose aufladen. Der Strom kommt von meinen 40 Solarmodulen. Übrigens, auf den Erhalt der Originalkopie des Batterie-Mietvertrages vom 7. Januar 2016 warte ich noch heute. Es ist der 19. August 2022 und ich habe lange überlegt, ob ich diese Geschichte überhaupt schreiben soll. Aber der Inhalt ist signifikant, um besser verstehen zu lernen, wie ein System, das zum Scheitern verurteilt ist  funktioniert, das unseren Planeten ruiniert. Denn unser tägliches Wirken schützt nicht die Natur auf Mutter Erde, unser Handeln basiert nicht darauf, Zusammenhänge besser verstehen zu lernen. Nein, die Triebfeder für alles ist Geld und Profit, ist lineares Denken und Handeln, ist Zerstörung unserer Lebensgrundlagen und dem Streben nach noch mehr Profit. Wir sind nicht gewohnt, Maß zu halten. Dazu gehört auch unsere sogenannte Mobilität, die Freiheit, sich zu jeder Tageszeit und aus welchen Gründen auch immer, in ein Auto oder Flugzeug zu steigen, um von A nach B zu kommen. Wir schaffen es nicht, mal nichts zu tun, inne zu halten und uns zu hinterfragen…

 

 

Mein erstes Auto im Leben war ein cremefarbener Renault 4. Das war noch in Deutschland. Dort wurde ich geboren. Aussuchen konnte ich mir das nicht. Mit diesem französischen Auto (das ich mir dann aussuchte) konnte ich aber alles transportieren, vor allem, meinen großen Hund. Der R4, ein Jeep für arme Leute, erinnert mich noch heute an meine Studentenzeit. Es war eine schöne, es war eine aufregende Zeit. Wer sich hingegen heute in Portugal einen nagelneuen elektrischen Renault kauft, zum Beispiel einen ZOE, der kann unter widrigen Umständen das Pech haben, daß sein Renault mehr Zeit in der Garage oder Werkstatt verbringt, als auf der Straße gefahren zu werden. Ob man das als aktiven Klimaschutz bezeichnen kann, können wir gern diskutieren. Der damalige Student ist heute Journalist. Er geht seit mehr als einem Jahr zu Fuß, statt mit seinem Renault ZOE zu Interviewterminen zu fahren. Auch nimmt er manchmal den Bus des Öffentlichen Personennahverkehrs, weil sein Elektroauto von der Renault Bank per „Remote Control“ abgeschaltet wurde, ohne Vorankündigung. Das Fahrzeug kann nicht mehr mit grünem Strom aufgeladen werden. Oder er leiht sich einen fahrbaren Untersatz, was ihn viel Geld kostet, denn Leihwagen an der Algarve sind teuer. Und auch die freundlichen Nachbarn helfen oft mit einer Mitfahrgelegenheit, wenn ich vom Einkaufen komme. Ich lebe und arbeite naturnah.  Diese Geschichte erstreckt sich über einen Zeitraum von rund sechs Jahren. Sie beginnt am 28. Dezember 2015, und sie steht repräsentativ für die Kundenpflege des Autobauers Renault in Portugal. Der Journalist kauft sich einen nagelneuen ZOE, einen Dienstwagen bei der Renault Filiale Almotor (Entreposto) in Portimão und bezahlt die Rechnung per Überweisung in den letzten Tagen des Jahres 2015.* Sein kleiner Verlag in Monchique ist der Käufer. Dieser hat zwei Nachführanlagen mit 40 Solarmodulen auf seinem Grundstück stehen, und lädt damit unter anderem die ZOE Batterie mit grünem Strom. Umsonst übrigens. Was bewegt Leute in der Renault-Bank, die Batterie eines treuen Renault Kunden abzuschalten?

* Recibo No3493/2015

Ohne Batterie fährt ein Ekektroauto nicht. Das ist dem Kunden genauso klar wie der RCI Bank and Services, die ihren Sitz in Porto Salvo bei Lissabon hat. Die Monatsmiete kostet 79 Euro und der Kunde darf dafür 12.500 km im Jahr fahren. Für den Mietvertrag über einen Zeitraum von 36 Monaten hat der Journalist der RCI Bank eine Abbuchungsvollmacht erteilt. Ein Überweisungauftrag könne nicht akzeptiert werden, sagt ihm der Verkäufer bei Almotor. Man müsse die volle Kontrolle über die Zahlungsvorgänge besitzen. Handlungsfreiheit a la Renault… Bei der Renault Bank herrsche beim business ein altes Prinzip „Vertrauen sei gut, Kontrolle besser…“ Und wer kontrolliert, reserviert sich unter Paragraph 10 Absatz 2 der Mietverträge ein ganz besonderes Recht, der des Abschaltens der Batterie. Doch davon erfahre ich erst später, denn die Bank rückt meine Vertragskopie nicht heraus…

2016 bis 2019. 36 Monate Zeit verstreichen und der Journalist macht den ultimativen Testdrive. Der Renault ZOE ist auch das erste französische  Elektroauto in einem heißumkämpften Markt. Daß ZOE noch in den Kinderschuhen steckt, kompensiert eine fünfjährige Garantie und Renault garantiert eine Reichweite von 240 km mit der 24kW Batterie. „Ich war von dem Angebot getriggert.“ Hinterher ist man immer schlauer, wenn man zurückblickt. „Vielleicht hätte ich die Batterie doch nicht mieten sollen? Vielleicht hätte ich mal keinen Renault kaufen sollen?“  In den ersten drei Jahren bleibt der Wagen dann auch drei Mal liegen. Man konnte ihn nicht mehr starten und hatte die Lacher auf seiner Seite, am Straßenrand. Die Leute gucken neugierig und fragen, ob diese Pannen denn für ein neues Elektroauto normal seien? Dann wird er von einem dieselbetriebenen Abschleppfahrzeug nach ein paar Stunden Warten irgendwo auf dem Land und auf Kosten von Renault abgeholt und die mehr als 300 km nach Lissabon abgeschleppt, natürlich mit fossilen Brennstoffen. Dort ist seinerzeit das einzige Renault Zentrum für elektrische Mobilität im ganzen Land. Weder in Portimão noch in Faro gibt es zwischen 2016 und 2019 Renault-Werkstätten, die einen ZOE reparieren könnten. So etwas dauert natürlich… Der Kunde erhält dann ein Ersatzfahrzeug aus Kulanzgründen, drei Wochen lang. Leider ist das dann ein benzinbetriebener Clio. Bis zum 4. März 2021 passiert recht wenig, bis auf das „Liegen bleiben“. Aber wer Renault elektrisch fährt, entwickelt auch dafür eine gewisse Toleranz. Am 5. März 2021 wird es dann krass. Nicht, weil eine weltweite Pandemie namens Covid 19 über die Menschheit hereinbricht…

Ich versetze mich in das Leben und in die Arbeit der Mitarbeiter der Renault Bank und es Autoherstellers. Sich mit unzufriedenen Kunden herumschlagen zu müssen, ist sicherlich eine echte Strafe im Leben eines Handlungsreisenden. Und irgendwann geben unzufriedene Renault-Bank-Kunden auf, wenn sie auf einen Autohersteller und seine Bank treffen, die einen auf „sturen Esel“ macht und sich weigert, einen Fehler zuzugeben, ihn einzusehen und wenn es um die Wiedergutmachung des Schadens geht, den man mit der Abschaltung angerichtet hat. Kunden werden dann das Produkt nicht mehr kaufen und auch nicht weiterempfehlen. Der Kunde kehrt dem Hersteller den Rücken und spricht schlecht über ihn. Ich erzähle hier meine Geschichte über Renault. Im Internet aber stehen noch einige hundert andere Geschichten über die Renault Bank. Ich werde in meinem Leben ganz sicher keine neue Batterie von der Renault-Bank mehr mieten. Doch betrachten wir die Geschichte mal durch ein anderes Brennglas…

Bei dieser Reportage über Renault geht es um die Kundenpflege und um die Unterstützung von Nachhaltigkeit. Doch gibt es überhaupt so etwas wie Nachhaltigkeit in der Mobilität, außer man geht zu Fuß? Die Renault Gruppe, (2021= 962 Mio. € Gewinn) die Muttergesellschaft und Teilhaberin der japanischen NISSAN u.a., macht 2020 noch sehr hohe Verluste; acht Milliarden Euro – und Volkswagen macht acht Milliarden Euro Gewinn. Wie geht das? Zahlt Betrug sich aus? Der französische Staat, größter Anteilseigner an Renault, muß den Autohersteller vor der Pleite retten.

Drei Mal in den ersten drei Jahren muß mein ZOE mit dem Abschleppwagen nach Lissabon transportiert werden, weil er schlapp macht. Kein Problem. Auch ein gerade gefeuerter Vorstandsvorsitzener von Renault macht schlapp: Carlos Ghosn. (https://de.wikipedia.org/wiki/Carlos_Ghosn) In einem Cellokasten wird er in Japan in ein privates Flugzeug geschmuggelt und aus dem Land. In Japan sitzt er 2019 zunächst in Untersuchungshaft, dann steht er unter Hausarrest wegen des Verdachts auf betrügerische Machenschaften. Nicht berücksichtigt wird dabei, daß er noch vor kurzem im Schloss von Versailles wie Luis XIV rund 1.000 Freunde auf Kosten von Renault zu seiner 50. Geburtstagsparty eingeladen hat. Mittlerweile wird er wegen eines anderen Betrugsdelikts per Steckbrief über Interpol weltweit gesucht. Er befindet sich unauffndbar im Libanon, wohin er geflüchtet ist. Der Libanon liefert libanesische Staatsbürger nicht nach Frankreich aus. Auch die Polizei muß sich manchmal gedulden…

 

Ich, der Journalist, bleibe freundlich und auch geduldig und habe Verständnis für die französische Art der Fortbewegung: immerhin fahre ich Renault seit 42 Jahren und bin zufrieden, mit meinem ersten R4 in 1980 genauso wie mit dem R16 ab 1984 und auch mit dem Kangoo ab 1998. Es sind wohl die billigen chinesischen Bauteile des Batteriereglers im ZOE, die nicht so funktionieren wie sie sollen. Über die genauen Schwachstellen möchte Renault lieber Stillschweigen bewahren. Die Überraschung kommt dann in der Nacht vom 4. auf den 5. März 2021, einem Freitag, und die hat es in sich. Im Amaturenbrett des Elektroautos leuchtet eine rote Lampe auf und warnt mich: BATTERIE BLOCKIERT. Und genau hier endet mein Testdrive. Es hätte eine echt schöne Geschichte werden können, die ich erzählen wollte: eine mit Happy End über die Elektromobilität. Denn im Grunde genommen geht es um Null Emissionen im Straßenverkehr…

Heute ist Freitag, der 19. August 2022. Mehr als ein Jahr sind seit der Abschaltung der Batterie im ZOE durch die Renault-Bank vergangen, genauer gesagt ein Jahr und fünf Monate. Das sind rund 375 Arbeitstage im Leben eines Journalisten. In diesen Tagen kann der für die ECO123 gekaufte Renault ZOE noch immer nicht aufgeladen werden. Die Renault Bank blockiert die Batterie seit dem Morgen des 5. März 2021. Wen ich auch kontaktiere bei Renault Almotor oder der Renault Bank, man zuckt mit den Schultern. Renault und die Bank sind zwei verschiedene Firmen. Und es gibt kein vor und kein zurück mit dieser Bank von Renault in Portugal. Die Politik dort ist so stur wie das Verhalten eines Esels, der über eine Brücke gehen soll und sich dem verweigert. Kundenpflege a la Renault: seit dem 5. März 2021 kann das Elektroauto nicht mehr an der hauseigenen solaren Steckdose aufgeladen werden und auch nicht anderswo. Die Abschaltung wird per Internet (remote controle) und über Nacht und Nebel verfügt – ohne jedwede Ankündigung – eine klare Vertragsverletzung, wie ich später erfahre.

Kundenpflege a la Renault. Im ZOE ist ein kleiner Chip versteckt, erfahre ich während meiner Recherche, mit dem Renault seine Kunden 24 Stunden am Tag überwachen kann. Alle 30 Minuten meldet der Bordcomputer, was der Kunde mit dem Elektroauto macht. Der Kunde ist schon lange nicht mehr König. Er ist Bettelmann, wenn er bei Renault ein neues, modernes Elektroauto kauft. Renault kann ihn heute überall hin verfolgen und jedereit abknipsen, aus welchen Gründen auch immer. Dann hat er das Geld für einen Neuwagen zum Fenster hinausgeworfen…

Heute schreiben wir Freitag, den 19. August Juli 2022. Ich wiederhole mich. Auf meine vielen Emails, speziell jener vom 1. Februar 2022 an die Renault Bank habe ich noch immer keine Antwort von Paula O. bekommen. Wer ist Paula O.? Ihr Name ist der Redaktion bekannt. Sie gibt vor, sie arbeite bei der Renault Bank in Porto Salvo. Die Mentalität, „Was ich morgen erledigen kann, mache ich doch nicht heute,“ gehört zur Politik der Bank. Paula O. ist nicht die Schnellste, aber sie schickt mir immerhin am 13. September 2021 eine PDF Version meines Batterie-Mietvertrages per Email, um die ich die Renault Bank 13 Mal in sechs Jahren, seit Januar 2016, gebeten habe. Sie muß Mitleid mit mir bekommen haben. Die Originalkopie meines Batterie-Mietvertages hat mir die Renault-Bank bis heute nicht geschickt. Seit mehr als sechs Jahren warte ich auf meine Vertragskopie. Ich weiß gar nicht mehr, was ich eigentlich am 7. Januar 2016 alles unterschrieben habe. Und nun befinden wir uns bereits im Jahr 2022. Wie doch die Zeit vergeht. Ich bitte die Renault Bank auch, mir die Vertragskopie im Original zukommen zu lassen, auch weil bei den Abbuchungen dieser Bank immer wieder Unregelmäßigkeiten auftreten.* Statt am Monatsanfang die vereinbarten 79 Euro abzubuchen, vergißt die Bank mehrere Male ihre Abbuchungen. Wie soll ein Kunde das bewerten?  Dann kommt es vor, daß diese Bank zwei oder auch drei Raten in den Folgemonaten, die fehlenden Raten der Miete zusammen abbucht: 158 Euro und 237 Euro, mitten im Monat, oder am Ende. Handlungsfreiheit a la Renault? Was für eine Bank ist das denn? Nach drei Jahren (36 Monaten) wird das Bankkonto für die Abbuchungen am 31.1.2019 geschlossen. Doch der Bank fehlen noch drei Raten, die sie vergessen hat., abzubuchen. Also eröffne ich wieder ein neues Konto und teile der Renault Bank den neuen IBAN mit. Diese bestätigt den Erhalt des neuen IBAN per E-mail…

 

 

Es gibt also Unstimmigkeiten mit den Abbuchungsaufträgen. Nichts ist einfacher zu lösen. Ich bitte die Bank freundlich darum, eine Zahlungsübersicht (conta corrente) über die geleisteten Mietraten in Höhe von jeweils 79 Euro zu schicken. Keine Antwort – ist auch eine Antwort. Das könne man nicht, wie Paula O. von der Renault Bank endlich am 12. Januar 2022 (mehr als sechs Jahre sind vergangen!) in einer E-mail schreibt: „Im Namen der RCI Banque Sucursal Portugal (RCI) bestätigen wir, dass aufgrund von Computerproblemen der übliche und regelmäßige Einzug (per Lastschrift) der mit Ihrem Vertrag verbundenen monatlichen Mieten beeinträchtigt wurde, eine Situation, die wir bedauern und für die wir uns aufrichtig entschuldigen“.

Pt: Do lado da RCI Banque Sucursal Portugal (RCI), reconhecemos que devido a alguns constrangimentos informáticos, foi afetado o processo habitual e regular de cobrança (através de debito direto) dos alugueres mensais associados ao contrato de V. Exa., situação que lamentamos e para a qual apresentamos as nossas mais sinceras desculpas. (…)

Die Renaut Bank vergißt die Abbuchung, entschuldigt sich, aber schaltet gleichzeitig die Batterieladefähigkeit unseres ZOE ab, weil wir, der Kunde nicht bezahlt haben sollen? Wie doof ist das denn? Darf ein Journalist das Verhalten der Renault Bank als „Betrug am Kunden“ bezeichnen? Das würde mich interessieren, ob ein Gericht den Begriff „Betrug“ in diesem Zusammenhang akzeptieren würde?

 

Am 13. September des Vorjahres, also in 2021, klingt das noch ganz anders. Da steht der ZOE schon ein halbes Jahr in der Garage (ein halbes Jahr!) und man kann ihn nicht bewegen. Erstmals tritt die Renault Bank in Kontakt mit ihrem Kunden, dem Journalisten, auch weil ich mehrfach darum gebeten habe.  Ich kann mir die Abschaltung nicht erklären. Per Telefonat meldet sich Paulo O. mit der provozierenden Frage, wann man denn die längst fälligen Raten des Mietvertrages der Batterie zu zahlen gedenke? Irgendetwas läuft im „Gehirn“ der Renault Bank falsch. Man hat dort doch nicht etwa ein paar Flaschen Beaujolais zuviel getrunken? Ich mache einen Eintrag im Reklamationsbuch der Bank und stelle die Frage an die Aufsichtsbehörde, die Bank von Portugal, ob man einem solchen Institut überhaupt noch guten Gewissens eine Banklizenz ausstellen könne? Aber auch dort nimmt man einen Kunden der Renault Bank nicht wirklich ernst. Und ich bin nicht der Einzige, der bei der Renault Bank einen Eintrag ins Reklamationsbuch macht. Ich bin ein Ausländer in Portugal, zudem noch ein Journalist, möglicherweise unbeliebt, weil ich auf meinen Kundenrechten bestehe. Sowas macht man in Portugal nicht. Da kennt man besser jemanden, der wiederum jemanden kennt… und das ist in diesem Fall Carlos de la Torre, der von einem Foto vom Internetauftritt der Renault-Bank seine Kunden anlächelt…

Aber wenn wir von Rechten sprechen, müssen wir auch mal über Pflichten reden. Seit mehr als sechs Jahren wird der Verlag Tempo Passa Boa Viagem Publicacoes e Marketing Lda. in Monchique von der Renault-Bank Portugal betrogen – und der Betrug besteht darin, daß ihr Geschäftsführer für seinen Verlag darauf besteht, eine Originalkopie des Mietvertrages zu bekommen, den er am 7. Januar 2016 unterschrieben hat und heute ist Freitag, der 19. August 2022 und Renault rückt diese Vertragskopie einfach nicht heraus. Sie sagt auch nicht, warum sie die Kopie nicht geschickt hat. Sie sagt gar nichts und schweigt beharrlich sechs Jahre lang. In Portugal schlängelt eine Bank sich mit so einem Verhalten kommentarlos durchs Geschäftsleben.

Ich habe einen Renault ZOE gekauft, der sich nicht mehr bewegen läßt, weil die Renault Bank vergessen hat, die Abbuchungen der Batteriemiete vorzunehmen. Was für eine „Verarschung“ ist das denn, zusätzlich zu allem anderen eine Reklamation einzureichen, die von der Aufsichtsbehörde, der Bank von Portugal, gar nicht angenommen wird? Stecken die Damen und Herren der Bank von Portugal unter einer Decke mit der RCI Bank and Services? Wo bleiben denn die Rechte des Kunden, frage ich die DECO? Sie sei nicht zuständig für eine Firma und engagiere sich nur für Privatpersonen…

 

Screenshot RCI Bank and Services PT

 

Ich schreibe einen eingeschriebenen Brief mit Rückschein an den Generaldirektor der RCI Bank and Services Iberia, Carlos de la Torre und auf wackeligem Französisch an die Finanzchefin von Renault, an Madame Clotilde Debos nach Boulogne-Billancourt in Frankreich. Und wieder meldet sich per Telefon eine bekannte Stimme: Paula O. Eine offizielle Antwort stehe noch aus… man arbeite immerhin in Zeiten eines heißen Sommers, in Zeiten des Urlaubs… In zwei Wochen setzt sich diese Geschichte über den Renault ZOE – dessen Batterie von der Renault Bank seit eineinhalb Jahren blockiert wird – fort.

Hunderte von Renaultbesitzern in Europa ist die Batterie von der RCI Bank and Services abgeschaltet worden. Mich würden ihre Umstände interessieren. In Deutschland und in Irland haben Grundsatzurteile diese Eingriffe in das Eigentum eines Autobesitzers bereits untersagt. „In ein Fahrzeug, das nicht der Bank gehört, darf eine Bank nicht eingreifen.“ *(Oberlandesgericht Düsseldorf, Berufungsurteil gegen die Renault Bank vom 5.10.2021) In diesem Jahr wird sich noch der Europäische Gerichtshof mit dem Thema Renault und das Abschalten der Batterien befassen. Die Verbraucherschutzzentrale Leipzig in Deutschland hatte gegen die RCI Bank geklagt und über zwei Instanzen hinweg, auch im Berufungsprozess gewonnen… Die DECO in Portugal hingegen hat einen Prozess gegen die RCI Bank bislang abgelehnt. Andere Länder, andere Sitten?

 

 

Ein Klimafreund zu werden, ist in Portugal nicht schwer. Das einfache „zu Fuß gehen“ hat in den Bergen von Monchique eine lange Tradition. Früher gingen die Bergbauern mit ihren Eseln Schleichwege von Esgravatadouro nach Monchique, um ihre Kartoffeln auf dem dortigen Markt zu verkaufen. Sie luden auf, was ihnen der Acker und die Landwirtschaft bescherte. Es war harte Arbeit. Heute geht der Journalist 1,1 km zu Fuß bis zur nächsten Bushaltestelle in Caldas und fährt um 9h33 mit der Linie 94 einmal die Woche freitags zum Markt, um Lebensmittel einzukaufen. Mit rund zehn Kilo Kartoffeln, Zwiebeln, Tomaten, Brot, Ziegenkäse und Eiern, Hunde- und Katzenfutter fährt er um 12h30 die sieben Kilometer mit dem Bus zurück. Bei 44 Grad Celsius und brennender Sonne, der Wald ist seit 2018 komplett abgebrannt, hält mein portugiesischer Nachbar neben mir am Anstieg nach Esgravatadouro und bietet mir freundlich eine Mitfahrgelegenheit nach Hause an. Danke Zé, danke Filipe, danke João und Filipa. Von Recherchen mit meinem ZOE und von Interviewterminen muß ich seit 375 Tagen absehen. Zwangspause. Die Busse fahren nur alle zwei Stunden. Wie es aussieht, will die Renault-Bank den Schaden ihres Kunden nicht ersetzen, den sie mit der Abschaltung der Batterie angerichtet hat. Nein, sie will mir lieber die alte in der Zwischenzeit nutzlose Lithium-Batterie (24 kW) für „nur” noch 5.552,98 Euro verkaufen. Dann würde sie die Abschaltung zurücknehmen… Braucht sie nicht mehr. Eine über ein Jahr lang abgeschaltete Batterie eines Elektroautos ist wahrscheinlich sowieso tot… Renault? Null Emissionen?

Pt (Como alternativa, poderá proceder à aquisição da bateria em conjunto com a liquidação do valor em dívida pelo valor total de €5.552,98 (Iva incluído) onde já estão aplicados 553€ de desconto adicional.)

 

P.S.: Wenn Sie, lieber Leser, ähnliche oder andere Erfahrungen in Sachen Mobilität gemacht haben, melden Sie sich bei ECO123 und berichten Sie uns, ob es Ihnen vielleicht besser ergangen ist: editor@eco123.info … Wir behandeln jede e-mail vertraulich und anonym.

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P.P.S.: Vor einer Woche erhielt ich einen mysteriösen Anruf. Es hatte sich herumgesprochen, daß ECO123 online eine längere Reportage veröffentlichen wird. Renault in Faro ist am Telefon. Man möchte den seit dem 5. März 2021 stillgelegten ZOE von Monchique nach Faro abschleppen lassen. In der Werkstatt in Faro wolle man dann die Batterie analysieren. Bekäme der Journalist gleichzezitig auch einen Wagen („carro da curtesia“) aus Kulanzgründen? Ob es bei dieser Geschichte doch noch ein happy end geben wird und welches das sein wird, erfahren Sie nächste Woche an gleicher Stelle.

 

Uwe Heitkamp (62)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobby-Botaniker, Vater zweier erwachsener Kinder, kennt sei 30 Jahren Portugal, Gründer von ECO123.Translations Dina Adão, John Elliot, Rudolfo Martins, Kathleen Becker
Photos:Uwe Heitkamp

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