Frieden geht ganz einfach. Bei manchen christlichen und muslimischen Zeitgenossen fällt er einfach vom Himmel. Bei anderen wiederum steckt viel Arbeit und Pflege in dem Wort und auch darin, es im Leben zu praktizieren, es mit gelebten guten Erinnerungen zu füllen. Es steckt in jedem von uns ein Samenkorn, das Frieden heißt. Als ich vor vielen Jahren ein Land namens Portugal mit meinem Segelboot entdeckte, gab es dort einen Eingeborenen, dem ich sofort zuhören mochte. Der Mensch hatte gerade im Fernsehen gesagt, die Menschen seien alle gleich und doch alle verschieden…
Wie Recht er hatte. Ich war verblüfft. Einen so einfachen Satz in die Welt zu setzen, hatte etwas Weltoffenes, hatte es etwas Friedvolles in sich. Derjenige, der ihn sagte, der diesen Satz lebte, wurde später Generalsekretär der Vereinten Nationen, damals noch Premierminister von Portugal. Er sprach über die Verschiedenartigkeit der Menschen und er fand sie wichtig und natürlich, ja er fand die Verschiedenartigkeit belebend, erfrischend. Ich war von der einfachen Denkweise so verblüfft, dass ich erst einmal einige Monate in diesem Portugal blieb und mich mit der Lebensweise der Eingeborenen dort bekannt machte. Immerhin waren sie keine Kannibalen. Sie schlachteten zwar Schweine und mein damaliger Nachbar fragte mich, ob ich ihm assistieren könne. Auf diese Weise kam ich mit den kulturellen Bräuchen der Portugiesen in Berührung, in der Wildnis der Natur eines Ortes, den sie Monchique nannten. In der Zwischenzeit bin ich längst Vegetarier geworden. Und Alkohol trinke ich auch keinen mehr, seit ich die Schattenseiten des Medronho Destillierens kennengelernt habe. Schauen Sie sich mal die Kinder an, die im Suff gezeugt werden. Dann lernen Sie die Schattenseite einer Welt kennen, in der die Sonne gnadenlos scheint.
Ich stelle mir vor, Frieden zu finden. Und ja, ich stelle mir vor, dass die Menschen in Israel und in Palästina beginnen, den Samen in die Erde zu setzen und ihn pflegen und hüten. Das, was der Verbrecher Netanjahu in fünf Jahren in Gaza zerstört hat, darüber wird man in 500 Jahren noch in den Geschichtsbüchern lesen können. Und die Geschichte beginnt mit den Worten: Es war einmal ein Musikfestival, auf dem in einer zu Ende gehenden Nacht mehrere tausend Israelis ermordet wurden. Und so wurde der Führer Israels zum Verbrecher, der mit Haftbefehl gesuchte Premierminister Netanjahu, als er zehntausende von Frauen und Kinder in Gaza aus Rachsucht ermorden ließ.
Wie kommen wir Menschen aus dieser Geschichte wieder heile heraus? Ich habe im Alentejo eine Gemeinschaft von Menschen kennengelernt, in der Palästinenser und Israelis zuerst versuchsweise miteinander gearbeitet haben, um dann zusammen in einer Gemeinschaft zu leben. Deshalb werde ich nicht müde, den dort in die Erde gesetzten Samen weiterzutragen.
Imagine…
… eine israelische Familie würde sich bereit erklären, eine palästinensische Familie bei sich in ihrem eigenen Haus aufzunehmen, in Haifa, in Jerusalem, in Tel Aviv usw. und würde dafür von der EU eine Prämie erhalten, jeden Monat.

Denn Gaza ist zerstört. Dort kann niemand lebenswert wohnen, in einer Wüste aus Trümmern und Schutt, ohne sanitäre Versorgung und ohne Zukunftsperspektive für ein nachhaltiges Leben ohne medinzinische Versorgung, ohne Bildungseinrichtungen und mit vielen Kriegsversehrten. Ich denke an einen Marshallplan nach europäischem Muster. In der Zwischenzeit, wenn die Patenschaften von israelischen mit palästinensischen Familien wachsen, könnten parallel dazu die ersten Häuser in Gaza wiederaufgebaut werden und Wüste zu Wald aufgeforstet werden, so dass irgendwann in der Zukunft auch wieder Landwirtschaft in Gaza betrieben werden kann. Es geht darum, Lebensgrundlagen zu schaffen und zwar für alle und ohne Unterschied. Dann könnten die ersten palästinensischen Familien zurückkehren…
Ich betrachte Netanjahu und Trump als Auslaufmodelle einer Zeit, in der Krieg im Mittelpunkt des Denkens stand. Wir in Europa haben unsere Lektion gelernt. Wir hatten alle paar Jahre Krieg, die Franzosen gegen die Deutschen, die Deutschen gegen die Franzosen und gegen Belgien, die Niederlande usw. Wenn wir einmal diese Zeit der letzten Jahrhunderte genau mit dem Brennglas betrachten, sehen wir, dass wir alle gleich sind und doch verschieden. Das ist gut und Farbenvielfalt ist nun einmal bunt. So wie alles in der Natur bunt ist.
Wir haben es in der Hand, Frieden zu säen und die kleine Pflanze zu einem starken Baum, zu einem Wald aufzuforsten, der nicht nur Schatten spendet, sondern auch Früchte. Übrigens lässt sich die Idee des friedlichen Lebens auf jede Region der Welt übertragen, auf die Ukraine ebenso, wie auf den Iran oder den Sudan.
Schauen Sie mal auf Portugal. Besuchen Sie den Alentejo und finden Sie auf der Landkarte den kleinen Ort Colos. Dann finden Sie bestimmt auch Tamera. Viel Spaß bei ihrer Reise zu einem friedfertigen Miteinander. Denn Frieden ist machbar, lieber Nachbar.
* Lied von John Lennon
Eco123 Revista da Economia e Ecologia
