Kein Märchen. Heute thematisieren wir ein ganz besonderes, vielleicht sogar ein kontroverses Thema. Seit dem Mittelalter machen sich die Menschen Gedanken, wie man aus Scheiße Gold machen könnte. Es hat hinlänglich Geschichten darüber gegeben und diese wurden in Märchen weitererzählt. Wir in Monchique, aber auch anderswo in Portugal, essen besonders viel Fleisch. Das Schweinefleisch steht neben dem Hühnerfleisch an erster Stelle. So kann es vorkommen, dass in manchen Gemeinden mehr Schweine und Hühner leben als Menschen, in Massentierhaltung. Der Unterschied zwischen Schweinen, Hühnern und Menschen besteht darin, dass die Menschen frei denken können, während die Schweine und Hühner in Massentierhaltung eingesperrt leben müssen. Die Tiere werden mit brasilianischen und amerikanischen Sojamehl gemästet und dann irgendwann im Schlachthof geschlachtet und zu Fleisch, Schinken und Wurst verarbeitet. Gut, das ich die vegetarische Küche bevorzuge. Aber in der Zeit der Scheine- und Hühnermast entstehen täglich mehrere Liter Gülle und mehrere Kilogramm Kot pro Tier, wie beim Menschen übrigens auch. Wir Menschen in Monchique nutzen mittlerweile eine Kläranlage vom Wasserversorger Águas do Algarve in Portimão zur Beseitigung unserer Exkremente. Mit diesen flüssigen wie festen Abfällen der intensiven Schweinehaltung wissen die bäuerlichen Familien in Monchique bisher wenig Sinnvolles anzustellen. Es sind dies die Abfallstoffe, die eigentlich in einer Kläranlage entsorgt werden müssten. Die aber gibt es in Monchique (noch) nicht.
Wie schon am Anfang dieser Geschichte geschrieben, gibt es in Europa einige schlaue Köpfe, die im Schulunterricht und im späteren Verlauf an der Universität Biologie, Chemie und Physik studiert haben, wenn nicht sogar Mathematik, um die Frage, wie man aus Scheiße Gold macht, eine Antwort zu finden. Die Firma EnviTec im Norden Deutschlands ist eine solche Firma, in der sich einige schlaue Menschen zusammengefunden haben und mit 81 Siloanlagen in Deutschland und noch einmal acht weiteren Anlagen in Frankreich und Spanien, in den USA und bald auch auf den Philippinen Tierkot und Gülle in Biokraftstoffe zu verwandeln. Gerade hat vor ein paar Tagen eine deutsche Reederei entschieden, ihre Ostseefähren von Deutschland nach Schweden u.s.w. mit umgewandelter Gülle, also Biokraftstoffen zu betanken und dabei keine CO2 Emissionen mehr in die Umwelt zu emittieren. Wer sich mit dem Thema beschäftigt, staunt nicht schlecht. Eine mittelgroße Aktiengesellschaft mit nicht einmal tausend Mitarbeiterinnen und 337 Mio. Euro Umsatz im Jahr bei 40 Mio. Euro Gewinn macht aus Schweiße Gold und das als umweltfreundliche Maßnahme. Wenn man also uas Schweingülle Biogas herstellen kann, dann ganz sicher auch Elektrizität und das eröffnet für viele Bauern eine ganz neue Perspektive des Geldverdienens … Problem gelöst, oder? Leute, Ihr braucht die Gülle nicht mehr umsonst in die Natur einleiten, Ihr könntet damit sogar Geld verdienen. Man muss nur wissen wie. Die Lösung ist in Sichtweite.

Eco123 Revista da Economia e Ecologia
