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Biodiversität, regenerative Landwirtschaft und lokale Entwicklung

Es gibt Menschen, die bei größeren Problemen, die sie durchaus im Stande sind zu lösen, zuerst die Augen verschließen, sich dann in eine Ecke setzen und darauf warten, dass sich das Problem von selbst löst. Im Landkreis Boticas, ganz im Norden Portugals, nördlich von Braga, wüteten im Jahr 2016 schwere Waldbrände, die im Verlauf des Desasters, rund 1.700 Hektar Waldland zerstörten. Die dortige landwirtschaftliche Genossenschaft Boticas (CAPOLIB) suchte sich deshalb strategische Partner und löste die Probleme auf einer Fläche von 60 Hektar ohne Subventionen der Regierung. Auf der Seite der Natur fand sich der WWF und auf Seiten der Wirtschaft der über alle Landesgrenzen weltweit bekannte Käseproduzent Bel Portugal, der verschiedene Käsesorten und Süßigkeiten herstellt und weltweit vertreibt. Die drei sehr unterschiedlichen Partner bildeten eine Gemeinschaft, die die Aufforstung mit jungen Eichen und Pinien vorantrieben. Über drei Jahre investierte der Käseproduzent von den Azoren rund 360.000 Euro an Kapital in die Wiederaufforstung. Sein Ziel – schreibt er – seien Null- Emissionen, um den Klimavertrag von Paris aus dem Jahre 2015 zu erfüllen.

Bel Portugal erklärt auf Nachfrage von ECO123, das Projekt sei eine Antwort auf die Zerstörung der Natur und ziele darauf ab, die geschädigten Waldökosysteme wiederherzustellen, das traditionelle landwirtschaftliche und weide-wirtschaftliche System zu verbessern, die biologische Vielfalt zu fördern und die Widerstandsfähigkeit der Landschaft gegenüber Bränden zu erhöhen.

Bel Portugal produziert und vertreibt die Käsemarken Babybel und „A vaca que ri“, sowie ist ein Spezialist von Süßigkeiten der Marke „gogosqueez“, Konkurrenz der Firma Haribo.

Paula Amaral, Nachhaltigkeitsmanagerin bei Bel Portugal sagt gegenüber ECO123: „Wir bei Bel glauben, dass die Zukunft der Ernährung von unserer Fähigkeit abhängt, in Partnerschaft mit den Landwirten eine innovative, nachhaltige und regenerative Landwirtschaft zu betreiben. Dieses Projekt zeigt, dass es möglich ist, Landschaften wiederherzustellen, uralte Praktiken zu fördern und lokale Gemeinschaften mit dauerhaften, multifunktionalen Lösungen zu unterstützen“.


ECO123 sprach auch mit Vasco Silva, Forstkoordinator des WWF Portugal, über das Projekt 660 km nördlich von Monchique. Sein Kommentar: „Mit diesem Projekt ist es allen Beteiligten gelungen, traditionelle landwirtschaftliche Praktiken wiederherzustellen und eine widerstandsfähigere Landschaft zu schaffen, die reich an biologischer Vielfalt ist. Die Multifunktionalität der Landschaft ist eine der besten Lösungen, um die Widerstandsfähigkeit der lokalen Gemeinschaften und Gebiete gegenüber Waldbränden zu erhöhen und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen dieser Region zu verbessern.“

In der kommende Woche sprechen wir an dieser Stelle mit dem Erfinder von WetNet, einem Waldbrand-Bekämpfungsmittel mit denen private Wälder im kleinen aber auch ganze Kommunen wie Boticas oder Monchique (5.000 Einwohner) vor Klimakatastrophen geschützt werden können. (www.wetnet.pt/de)

Denn es gibt auch noch Menschen, die bei größeren Problemen, die sie durchaus im Stande sind zu lösen, die Augen offen halten, sich dann gemeinsam an einen Tisch setzen und ein Feuerlöschsystem schaffen, um damit das Problem des Klimawandels aktiv anzugehen. Alles ist machbar, Herr Nachbar (Frau Nachbarin) …

 

Uwe Heitkamp (65)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobbybotaniker, Vater von zwei erwachsenen Kindern, kennt Portugal seit 35 Jahren, Gründer von ECO123.
Übersetzer: Dina Adão, John Elliot, Patrícia Lara

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