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Ohne Müll.

Kann ich meine Welt als einen besseren Ort eines Tages wieder verlassen, als ich sie in jungen Jahren vorgefunden habe? Diese Frage stelle ich mir mindestens einmal pro Woche. Und dazu gehört, die ständige Überprüfung meines eigenen Müllvolumens. Im Winter pflanze ich junge Bäume in unserem Botanischen Garten. Ich betreibe 40 Solarmodule und die Energie für diese Zeitschrift stammt nicht nur aus den Solarzellen der Module, auch das Auto fährt elektrisch. Das ist alles von langer Hand aus vorbereitet. Mein Ziel ist die Null-Emission von CO2. Ich strebe an, kein Erdöl mehr zu benutzen, kein Gas und keine Kohle mehr zu verbrennen. Und nein, ich kaufe weder Mineralwasser noch Milch in Plastikflaschen oder in Einwegverpackungen. Ich suche mir ein Geschäft, in dem ich eine wiederverwertbare Glasflasche zum Kauf angeboten bekomme, auf Pfandbasis. Ich gebe eine leere Pfandflasche also zurück, erhalte im Gegenzug dafür einen Kassenzettel, den ich beim Kauf einer neuen, gefüllten Mineralwasserflasche abgezogen bekomme. Und so mache ich das seit vielen Jahren in Portugal, obwohl ich damit wie ein Fisch gegen den Strom schwimme und langsam wird das Wasser knapp unter meinen Flossen. Der Bach fällt langsam trocken. Es gibt an der gesamten Algarve nur noch drei Geschäfte, in denen ich das Pfandsystem auf Mineralwasser vorfinde: bei den drei Supermärkten von Apolonia in Almancil, Galé und in Lagoa. Ich will die anderen Supermärkte gar nicht erst aufzählen, wo das nicht geht. Und Apolonia hat als einziger Supermarkt den Test von ECO123 bestanden. Von den Bioläden hat der Unverpacktladen Die Bank in Marmelete im Kreis Monchique den Test bestanden.

Bei Milch gibt es überhaupt kein Pfandsystem mehr. Und so kaufe ich meine Milch direkt beim Bauern. Ich habe mir eine 5-l-Milchkanne angeschafft und gehe damit einmal pro Woche zu einem befreundeten Ziegenhirten. Der tauscht mit mir dann fünf Liter Ziegenmilch, die ich zuhause abkoche und auf mehrere Glasflaschen verteile und in den Kühlschrank stelle. Im Moment habe ich Probleme mit der Milch. Mein Ziegenhirte hat nämlich alle seine Ziegen verkauft und sich stattdessen zwei Kühe gekauft, die er sich aber nicht der Milch wegen angeschafft hat. Ich kaufe grundsätzlich keine Milch in Tetra-Pak Pappbehältern mehr, weil ich dann mehrere leere Tüten pro Woche in den Müll werfen müsste. Also suche ich im Moment einen Ziegenhirten, der mir seine Milch direkt anbieten möchte und auch Yoghurt und Käse. Falls Sie mir ein Angebot machen möchten, wenden Sie sich direkt an editor@eco123.info. Mein Name ist Uwe Heitkamp. Ich bin der verantwortliche Redakteur für diese Ausgabe und Sie können mich auch telefonisch kontaktieren. Die Nummer finden Sie im Impressum.

In der vergangenen Woche scheiterte die UN-Konferenz in Genf in der Sxhweiz an einem Verbot für Plastik. Noch. Ich finde, man sollte weiterverhandeln und sich dadurch nicht entmutigen lassen. Denn warum sollten wir der Ölindustrie gestatten, dass wir Menschen Mikroplastik essen, trinken und einatmen? Wer schreibt uns Konsumenten vor, daß wir unser Essen in Plastikbehältern verpacken oder in Plastik einwickeln lassen müssen und dann wegschmeissen. Es gibt viele andere viel gesündere und viel umweltfreundlichere Verpackungsmöglichkeiten von Lebensmitteln. Und dergestalt müssen wir nichts wegwerfen und produzieren auch keinen Müll. Ich bin dafür, Null Müll in dieser Welt zu hinterlassen. Auch wenn sich dies utopisch anhört und vielleicht komisch liest, es gibt immerhin die Möglichkeit, das Konzept des NULL-MÜLLs einmal auszuprobieren, wenigstens eine Woche mal kein einziges Kilogramm Müll zu produzieren. Was müsste man dafür tun?

Man müsste bereits beim Einkaufen alles anders machen: sehr genau darauf achten, woher die Lebensmittel stammen und nur solche akzeptieren, die unverpackt angeboten werden. Denken Sie mal darüber nach. Ich bin dafür, dass Lebensmittel keine 3.000 km Reise antreten, wie in der vergangenen Woche geschildert. Wir müssen an der Algarve keine Milch aus England trinken. Ich bin dafür, das Lebensmittel lokal gehandelt werden. Alles frisch und bio, alles lokal. Ich nehme immer einige leere Behältnisse mit zum Einkaufen. Das beginnt beim Futter für meinen Hund und meine Katzen. Und es endet bei uns Menschen. Wenn ich für meinen Hund frisches Fleisch kaufe, dann wird das in einem Tupperware-Behältnis verpackt und Deckel drauf. Wenn ich für meine Katzen Trockenfutter kaufe, gehe ich in meine Genossenschaft und erhalte eine Plastiktüte, die ich nächste Woche wiederverwenden muss, oder ich nehme eine Stofftüte mit. Es stellt sich grundsätzlich auch eine weitere Frage, nämlich: Was müsste man zusätzlich tun, um kein CO2 mehr zu emittieren? Was tun, um grundsätzlich seinen CO2-Fußabdruck im Leben zu reduzieren? Was tun, um klimafreundlich im Leben unterwegs zu sein?

Kein Müll ist ein Konzept, dass das Leben vom Ende her denkt und in vielen kleinen Schritten umgesetzt werden kann. Das kann beispielweise damit beginnen, keine Dosen mehr, sondern alle Lebensmittel nur noch frisch einzukaufen. Fisch in Dosen – nein – Fisch kaufe ich frisch auf dem Markt ein. Oder Früchte in Plastiktüten verpacken? Ich nehme meine Früchte, angefangen von Bananen und Orangen, Zitronen, Äpfel und Weintrauben und lege sie in einen Korb, den ich von zuhause mitbringe. Ganz unten liegen Kartoffeln und Karotten, darüber die Zwiegeln und ganz oben die Tomaten und Weintrauben…

Probieren Sie mal folgendes aus. Gehen Sie mal in einen Supermarkt mit einem Korb, einem traditionellen aus Bast geflochtenen Behältnis, in den alle Lebensmittel passen. Denken Sie an folgendes: wenn der Korb voll ist, ist Schluss mit dem Einkaufen. Sie kaufen nur soviel ein, wie sie selbst auch tragen können. Und Sie vermeiden jegliche Verpackung. Nehmen Sie von zuhause ihre wiederverwendbare Verpackung selbst mit…

Denn wenn wir so weitermachen, wie bisher, wird unsere Welt zu einer Müllhalde und die schönen Gegenden der Natur werden immer weniger. Wollen wir die Wegwerfgesellschaft mal für einen Moment anhalten und darüber nachdenken, wie wir es besser, wie es anders machen können? Ohne Müll.

Uwe Heitkamp (65)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobbybotaniker, Vater von zwei erwachsenen Kindern, kennt Portugal seit 35 Jahren, Gründer von ECO123.
Übersetzer: Dina Adão, John Elliot, Patrícia Lara
Fotos: Rafael Mariano Gaspar

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