Fast wäre es mir gar nicht aufgefallen. Ich suchte in meinen Emails diese Sache über die Petitionen und dann hatte ich auf einmal zwei Petitionen vor mir. Beide beschäftigen sich mit dem Glücklichsein. Am Anfang dachte ich, das wäre ein und dieselbe Petition. Ein genialer Trick. Dann aber sah ich den Unterschied. Das eine war eine PR über glückliche Milchkühe und diese Information stammte von der Inselgruppe der Azoren, aus São Miguel und von der Firma Bel, über die ich bereits letzte Woche berichtet hatte. Mir wurde nahe gebracht, dass die Kühe auf den Azoren die glücklichsten auf der ganzen Welt seien. Ich gratuliere. Das ist natürlich eine sehr gute Nachricht. Es habe etwas damit zu tun, dass sie den ganzen Tag über an der frischen Luft grasen. Und dann sinnierte man über Menschen, die den ganzen Tag an der frischen Luft wären. Wie glücklich die erst sein könnten…

Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Auf den Azoren muss es doch auch mal regnen. Und wenn es regnet, wird man als Kuh ziemlich nass beim Grasen. Ich jedenfalls fühle mich ziemlich unwohl, wenn ich mein Frühstück draußen im Regen einnehmen müsste. Und dann auch noch das Mittag- und das Abendessen? Unmöglich, dass ich da ein glücklicher Mensch werden könnte. Man soll ja nicht von Kühen auf Menschen schließen. Vielleicht fühlen sich Kühe wirklich wohl da draußen an der frischen Luft. Natürlich scheint auf den Azoren hin und wieder auch einmal die Sonne. Aber selbst in der Sonne mag ich nicht immer an der frischen Luft sein. Da möchte ich lieber in meinen Stall gebracht werden. Da ist wenigstens Schatten…
Und dann die zweite Meldung. Sie stammt von PATAV und ist eine Petition, die über unglückliche Kühe berichtet. Denn es soll auch Kühe geben, mit denen ein krudes Geschäft betrieben wird. Sie werden auf Schiffe geführt, wie bei Moses, der sein Volk in die Wüste führte. Dann legen diese Schiffe früher oder später ab und werden bis nach Israel navigieren. Dort werden die Tiere halbtot wieder ausgeladen und koscher verspeist. Halleluja! Wer ist PATAV, werden Sie sich fragen? Und was macht man mit den Kühen, die auf See sterben? Gehen die über Bord und bekommen ein Seemannsgrab? Denn diese lebendige Fracht wird zumindest seekrank, wenn nicht todkrank von einer Überfahrt, die Wochen dauern kann und das ohne Essen & Trinken. In Großbritannien hat man diese Fahrten bereits verboten. Und PATAV ist, ja was ist denn PATAV? Ich schaue auf diese E-mail und ich werde nicht schlau daraus, was sich hinter PATAV verbirgt. Der Absender hat vergessen oder es bewußt unterlassen, mir mitzuteilen, wer genau er ist und wo er residiert. Da stehen nur zwei Namen und die Telefonnummern, also versuche ich es bei Hugo Evangelista und bei Isabel Carmo und erfahre auf diese Weise, dass PATAV gleich „Plataforma Anti-Transporte de Animais Vivos“ bedeutet. Ein Verein? Eine lose Gruppe von Freunden, was verbirgt sich dahinter? Egal. Es sind 9.000 Unterschriften zusammengekommenund die wollen die Beiden an den Vizepräsidenten des Parlamentes übergeben.
Ob das helfen wird, diese eingeschifften, unglücklichen „blinden“ Passagiere glücklicher zu machen? Wenn sie tagelang nichts zu essen und zu trinken bekommen und völlig dehydriert in Tel Aviv ankommen und wieder ausgeladen werden. https://patav.weebly.com/

Warum müssen Israelis auch Rindfleisch essen? Und dann auch noch koscher! Sie sollten sich ein Beispiel an den Palästinensern nehmen und fasten. Aber wie das so ist im Leben. Unglückliche Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen aus dem Jahr 1945 müssen diese an andere Menschen und Tiere in übernächster Generation im Jahr 2025 weitergeben. Nur wir hier in Portugal, sollten wir den Tiertransport nach Israel nicht besser einstellen, nur weil wir an den armen Tieren ein bisschen Geld verdienen? Die Israelis könnten sich doch auch vegetarisch ernähren, oder nicht? Es gibt doch noch viele andere Geschäftsfelder, auf denen wir Portugiesen aktiv werden könnten. Ich behalte mir das Recht vor, Sie vielleicht darüber nächste Woche noch einmal zu belästigen, denn ich habe jetzt meine 500 Worte in dieser Kolumne bereits deutlich überschritten. Jetzt ist Schluss mit der Satire und wieder Ernsthaftigkeit angesagt.
Eco123 Revista da Economia e Ecologia
