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Wirtschaftswachstum?

Teil 1

von Theobald Tiger

Ich habe lange nachgedacht und mir Gedanken darüber gemacht, warum einige Zeitgenossen sich auf eine Reise zum Mars machen möchten. Ich denke, ich habe eine mögliche Antwort gefunden und sie liegt in der Wirtschaft begründet.

Die Predigt der meisten Politiker nach Wirtschaftswachstum und alle Krisen würden ein sofortiges Ende nehmen, ist eine schöne Geschichte, eine Mär. Allein der Glaube daran versetzt Berge. Wirtschaftswachstum bringe Vollbeschäftigung und würde alle sozialen und finanziellen Probleme lösen, höre ich aus Regierungskreisen: besonders die Probleme mit den Ausgaben des Staates…

Portugals Wirtschaft sei 2025 um 1,8% gewachsen und Deutschlands Wirtschaft nur um 0,2 Prozentpunkte. Irgendwann stoße jedoch jedes Wirtschaftswachstum an seine natürlichen Grenzen, schon allein deshalb, weil alle Güter und damit alle Rohstoffe auf unserer Erde endlich seien und damit begrenzt nutzbar, höre ich aus Kreisen der Wissenschaft. Ob dem so ist, fragt sich ECO123?

Selbst bei der Wiederverwendung aller recycelbaren Rohstoffe, würde Wirtschaftswachstum am Ende der Spirale an jenen Punkt gelangen, an dem das Wirtschaftswachstum zum Stehen käme. Dann und nur dann würden wir verstehen, dass die Geschichte vom Wachstum eine Short-Story von qualitativem Wachstum sein müsste, bei der jedeR einzelne von uns über sich hinauswachsen könnte, falls der Mensch die wirtschaftspolitische Bildung dafür mitbrächte. Ich spreche von einem Gehirn, das quantitativ nicht über sich hinauswachsen kann, weil der Kopf, die Hülle nicht mitwächst, sondern nur ein qualitatives Wachstum im Inneren zulässt. Auf diese Weise ginge lineares Wachstum in zirkuläres Wachstum über. Ob das wahr ist?

Dem Wirtschaftswachstum steht auch noch das Bevölkerungswachstum auf endlichem Grund und Boden gegenüber und käme schon allein deshalb zum Stillstand, wenn der Platz für jeden einzelnen von uns vergeben ist. Denn je mehr Bevölkerungswachstum desto weniger Platz für jeden einzelnen. Dann hätten wir den Zenit überschritten und würden wieder schrumpfen. Wir sollten diesen Augenblick des Nachdenkens nutzen und innehalten und unsere Vorstellungskraft erhöhen. Das Bevölkerungswachstum soll nach UNO Angaben bei rund zehn Milliarden Menschen an seinem Höhepunkt angelangt sein. Das sind Schätzungen, Berechnungen, Werte, die sich noch ein wenig erhöhen können, bevor dann der Stillstand eintritt. Und der Stillstand könnte dann auch als Kollaps daherkommen. Das Leben auf unserem Planeten sei eine Oase in der Wüste, speziell in Zeiten einer sich verschärfenden Klimakrise. Dann allerdings wären die Quellen, die Güter, die Ernten von denen die Menschheit sich zur Zeit ernährt, das Wasser, das wir trinken, irgendwann früher oder später erschöpft. Am Ende! Möchten Sie dazu etwas sagen?

Ich halte das Brennglas einmal in eine andere Richtung und beleuchte die Mobilität. Viel mehr als zehn Milliarden Automobile werden alle Hersteller kaum anfertigen können, denn dann fehlten die Käufer, fehlte das Kapital, um etwas völlig Neues zu kaufen. Jedem sein Auto. Die Sättigung des Marktes sei ein Fakt, den es in jeder Berechnung einzubeziehen gilt. Doch welcher Politiker rechnet schon mit der Sättigung des Marktes?

Die gleichen Regeln gelten für die Ernährung der Menschheit aus den Ernten der weltweiten Landwirtschaft. Denn wenn der Platz für den Anbau von Reis und Weizen knapp wird, die ausgewiesenen Flächen für Gemüse und Obst an ihre Grenzen stoßen, dann schrumpft die Menschheit in ihrem Umfang ganz natürlich. Hunger und Not sind die natürlichen Grenzen. Darüber hat sich ein Verein Gedanken gemacht, der sich Oxfam nennt. Oxfam? Die gemeinnützige Organisation arbeitet laut eigener Aussage weltweit dafür, dass sich Menschen in armen Ländern nachhaltige und sichere Existenzgrundlagen schaffen können, Zugang zu Bildung, gesundheitlicher Versorgung, Trinkwasser und Hygiene-Einrichtungen sowie Unterstützung bei Krisen und Katastrophen erhalten. Oxfam stammt aus England und hat in fast jedem Land einen nationalen Ableger.

Jeder einzelne von uns macht eine grenznahe Erfahrung, wenn das sogenannte Wirtschaftswachstum an seine Grenzen stößt und qualitatives Wachstum in jedem von uns anstößt und das da heißen könnte, Weniger ist Mehr. Das jetzige Wirtschaftsmodell spricht dann von einer Krise. Nicht Wirtschaftswachstum schafft die Grundlagen, dass wir das Gesetz der Armut von vielen und des Reichtums von wenigen überwinden, sondern nur eine Wirtschaftsordnung, die sich daran orientiert, wie wir als Menschheit verantwortungsvoll miteinander leben und mit unseren Ressourcen umgehen. Dann werden Fragen gestellt, wie beispielsweise jene, die eine Antwort einfordert, wie denn zukünftige Generationen auf diesem Planeten noch gut leben wollen und wovon? Denn wenn wir heute alle Ressourcen beanspruchen, bleibt nichts übrig für künftige Generationen. Und es stellt sich die Frage, wie diejenigen, die mehr zum Leben haben, gerecht besteuert werden? Denn nur wenn wir den Reichtum, den uns Mutter Erde täglich spendet, gerecht verteilen und mit den Ressourcen genügsam leben, werden wir in uns selbst wachsen.

Wachsen in uns und in unserem Bewußtsein, dass wir nichts von dem Reichtum mitnehmen können, wenn wir „LEBE WOHL“ sagen und uns für immer verabschieden. Denn irdische Güter sind nur eine Leihgabe auf Zeit. Nutzen wir sie umsichtiger, verteilen wir sie gerechter, wirtschaften wir gemeinwohlorientiert. Dazu ziehen wir die aktuelle Oxfam Studie heran, die sich wissenschaftlich mit dem Klima und der Ungleichheit von Reich und Arm beschäftigt. Interessant? Dann bleiben Sie bei uns und lesen Sie ECO 123 auch am kommenden Samstag in einer neuen Ausgabe, ab neun Uhr. Jeden Samstag. Und schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Thema „Wirtschaftswachstum“ ..

Uwe Heitkamp (66)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobbybotaniker, Vater von zwei erwachsenen Kindern, kennt Portugal seit 35 Jahren, Gründer von ECO123.
Übersetzer: Dina Adão, John Elliot

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