Von der Monokultur zur wahren Kultur
Monchique. Die vielen Straßen, für die es bisher keine Namen gab, werden nun endlich einen Namen bekommen. Monchique befindet sich im Umbruch. Die Tatsache, dass es in den Ortschaften der Gemeinde zahlreiche Straßen ohne Namen sowie weitere Unregelmäßigkeiten bei der Hausnummerierung und der Ortsnamengebung gibt, hat dazu geführt, dass in der vorangegangenen Legislaturperiode (2021-2025) das Ressort für Orts- und Straßennamen eingerichtet und eine umfassende Reihe von Korrekturen eingeleitet wurde. Es beginnt heute am Samstag, dem 21. März, dem Frühlingsanfang, dem Weltbaumtag und dem Weltpoesietag, an dem Ortsnamensschilder enthüllt werden, die die lokale Flora ins Licht stellen, insbesondere Korkeichen, Hortensien, Erdbeerbäume, Oleander, Zitronenbäume und Ringelblumen (auch bekannt unter dem Namen Calendula), sowie große Namen der Literatur und Poesie wie José Saramago, Sophia de Mello Breyner, Florbela Espanca und den aus Monchique stammenden Professor und Forscher José Rosa Sampaio.

Endlich. Fast ist es soweit. Das Dorf Monchique hat auch wieder ein Casa do Povo. Viele Jahre habe ich an dieser Stelle darüber geschrieben, immer wieder und immer wieder vergebens. Solange wie Monchique kein Casa do Povo hat, solange würde ich in innerer Distanz zu diesem Dorf stehen, kann und wird es auch nicht mein neues Zuhause. Es gab diese innere Distanz zu überwinden. Alferce hat ein solches Haus, Marmelete auch, Monchique leistet sich hingegen eine Ruine, in die es hineinregnet, weil das Dach undicht ist, in der die Fenster zerbrochen sind, Herr Gott, was für eine Schande für dieses bisher so kulturlose Dorf. Da gibt es einen großen Saal im ersten Stock über der Sozialversicherung, die im Erdgeschoß haust, mit Bühne für Theateraufführungen und Literaturlesungen, einen Raum, ach was sage ich, einen Ballaal, nicht nur für Ausstellungen, auch um Kinofilme an die Leinwand zu werfen – und das alles sieht aus, als wäre der Zweite Weltkrieg gerade eben erst in Monchique verloren gegangen. Jetzt darf ich schreiben, der Krieg ist aus, zu Ende. Endlich beginnt eine neue Zeit. Endlich Frieden? Ja.

Und alles, was es dazu bedurfte, war ein Stück Papier, auf dem geschrieben steht, dass das Haus in den Besitz der Camara Municipal de Monchique übergeht. Die Unterschrift unter den Vertrag gab der Zeremonienmeister Paulo Alves, seines Zeichen Bürgermeister von Monchique. Endlich. Ich bin so froh, denn mit diesem Haus wird die Kultur zurückkehren in dieses verfluchte Nest in den Bergen zwischen der Algarve und dem Alentejo. Wir werden für einen Moment die Gedanken an die Waldbrände hinter uns lassen und aufatmen. Monchique hat das Korsett des Kommerzes gesprengt und seinem Volk ein Haus gekauft, das es bitter nötig hatte, denn wo sollte man sich treffen, wo tanzen und wo andächtig lauschen und Zeit für Kunst und Kultur aufbringen? Wo einen Verein gründen?

Sie werden fragen, Kultur, was ist das? Richtig. Noch ist das Haus eine Ruine. Wenn mich jemand in all den Jahren fragte, woher ich komme und wohin ich gehe, traute ich mich kaum zu sagen, ich lebe in Monchique. Jetzt werden wir im Haushalt der Gemeinde einen Etat haben, um das Dach zu reparieren und um neue Fenster einzubauen. Vielleicht werden sich einige Handwerker um diese Arbeit bewerben, sich darum reißen, das Bürgerhaus für Kultur neu zu gestalten. Musik wird wieder eine Rolle spielen, das geschriebene wie das gesprochene Wort seine Bedeutung zurückgewinnen, man wird im Haus des Volkes wieder tanzen und Hochzeiten feiern, Vereine ihre Jahreshauptversammlung abhalten. Im Jornal de Monchique werden nicht mehr nur die Verstorbenen annonciert, sondern auch die Neugeborenen, die Menschen, die den Bund der Ehe miteinander eingehen, die ihre hundertsten Geburtstage mit ihren Angehörigen grandios feiern und alle sonstigen freudigen Ereignisse des Lebens.
Ihr Jugendlichen, die ihr über all die Jahre emigriert seid, kommt bitte zurück und helft mit, Monchique zu einem Ort der Aufrichtigkeit zu machen, zu einer Oase der Kultur, in der Frieden mit der Natur geschlossen wird. So ein Casa do Povo hat eine tiefere Bedeutung für das Menschsein. Etwas wird wachsen, natürlich wachsen, auf einem Fundament. Reichtum beginnt nicht mit dem Geld, das man zählt und einsteckt. Natürlicher Reichtum beginnt in der Früh, wenn die Nacht langsam zum Tag wird und die Vögel ein Lied in der Morgendämmerung auf das, was Zukunft hat, singen. Jetzt, nach einer halben Ewigkeit in Monchique, in der die Schönheit im Dunklen verborgen lag, bin ich angekommen im Licht. Ich habe wieder ein Zuhause. Danke.
Eco123 Revista da Economia e Ecologia
