Wie könnte man aus Verlierer Gewinner machen? Wie könnte eine Stadt, eine Region, ein Land die Umweltverschmutzung verringern, die durch den Verkehr, durch das Heizen und Kühlen von Gebäuden im privaten wie im industriellen Sektor entstehen? Greenpeace hat sich damit befasst und dazu eine Studie vorgelegt. ECO123 stellt diese Studie vor und würdigt sie. Das Ziel ist, den Klimawandel zu bremsen, die öffentliche Gesundheit (Lärm, Staub, Abgase) zu verbessern und den Energieverbrauch zu senken. Schauen wir uns diese Studie einmal genauer an:
Wenn Greenpeace über die Energiewende redet, besteht diese nicht nur darin, eine Energiequelle durch eine andere zu ersetzen. Sie besteht nach den Kriterien der internationalen Umweltorganisation auch darin, das Energiemodell auf der Grundlage von drei grundlegenden Säulen zu verbessern: Suffizienz, Effizienz und erneuerbare Energien. Dies erhöht die Chancen auf eine tiefgreifende Dekarbonisierung und minimiert gleichzeitig Risiken, Kosten, Ungleichheit, Flächenverbrauch sowie – in Verbindung mit Recycling – den Abbau kritischer Mineralien für die Energiewende.
Beginnen wir dieses Model rückwärts zu denken, von seinem Ende her: ZERO LIXO nennen Ökologen diesen Prozess. Alles, was ein Mensch unternimmt, ob Autofahren, in den Urlaub fliegen, zum Mond oder Mars, ob Mensch sich eine Mahlzeit zubereitet oder ein Haus komfortabel im Winter heizt oder im Sommer kühlt, alles ist ENERGIE. Bewegung ist ENERGIE. Und statt Benzin oder Dieselkraftstoff, Kohle oder Gas dafür zu verwenden, die ENERGIE zu verbrennen, wird diese ENERGIE nachhaltig und erneuerbar erzeugt. Grundsätzlich entstehen dabei weder Abgase noch Abfall.
Suffizienz an einem einfachen Beispiel erklärt bedeutet, dass ein Stromversorger nicht mehr daran verdient, wenn ein Kunde mehr Energie verbraucht, sondern immer nur dann gewinnt, wenn sein Kunde beispielsweise Energie einspart, also weniger verbraucht. Nicht der Mengenrabatt zählt, sondern das Prinzip der Genügsamkeit. Schraube ich eine Glühbirne, die viel Energie verbraucht, aus meiner Lampe und ersetze sie durch eine Energiesparlampe, verhalte ich mich suffizient. Ein geringerer Verbrauch an Ressourcen, der Verzicht auf Verschwendung, ein Auskommen mit dem, was man hat, die Wiederverwendung und die Reparatur von Gebrauchsgütern, die Absicht, absolut und nicht nur relativ weniger Rohstoffe zu verbrauchen.
Effizienz lässt sich gut am rationellen Umgang mit knappen Ressourcen, der Kosten-Nutzen-Relation erklären. Ein Gewinner verhält sich konstruktiver als ein Verlierer, lebt zufriedener als ein Verlierer, ist motivierter und lebt gesünder als ein Verlierer. Ein Elektroauto beispielsweise hat eine größere Reichweite, wenn es langsamer gefahren wird, was umgerechnet bedeutet, wenn ein Elektroauto mit hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn fährt, hat es eine kürzere Reichweite. Und umgekehrt, ein Elektroauto fährt effizienter, wenn der Fahrer weniger beschleunigt und weniger bremst, weil dadurch (viel mehr) Energie verschwendet wird.
Eine effiziente Nutzung von Energie findet immer dann statt, wenn der Fahrer so wenig wie möglich bremst und so vorausschauend fährt wie möglich. Bei Elektromobilität spielt die effiziente Nutzung von Energie eine große Rolle und die Rückgewinnung von Energie durch Rekuperation. Ein Beispiel? Wenn ich von Monchique nach Portimão von 550 Metern bis aus 40 Meter den Berg herunterfahre, gewinne ich soviel Energie zurück, dass ich, wenn ich später den Berg wieder hoch nach Hause fahre, die gewonnene Energie dazu verwende und am Ende rund 1/3 Energie spare, also effizient bin, Energie hinzugewinne. In dem Moment grüße ich all jene Autofahrer, die mit ihren Benzin- oder Dieselmotoren den Berg hinunterbrausen (mich dabei überholen) und dabei zu Verlierern werden, denn einmal verbrannte Energie ist verbraucht und kommt nicht zurück, sie ist verlorene Energie.
Insofern ist jede Form von Elektromobilität nicht nur die sauberste Art, sich fortzubewegen, sondern auch nachhaltig, effizient und suffizient. Dasselbe gilt für die Produktion von Elektrizität: Kohle- und Gaskraftwerke abzustellen und durch Solar- und Windkraftparks zu ersetzen, macht das sonnenverwöhnte und winderprobte Portugal zu einer globalen Gewinner. Das Land würde jedes Jahr sieben Milliarden Euro einsparen, wenn es auf schmutzige Energie verzichten würde und wäre bereits bis 2040 klimaneutral, während alle anderen Staaten der EU erst zehn Jahre später „Netto Null“ in ihrer Bilanz ausweisen könnten: nämlich erst im Jahr 2050.
Ein Ende der fossilen Energien für Portugal würde auch ein Ende der Abhängigkeiten von US-amerikanischen Kriegen wie dem gegen Iran bedeuten, würde bedeuten, sich unabhängig zu machen von irgendwelchen Blockadeń von Seefahrtsstrassen zwischen Oman und Iran, würde Portugal vom Verlierer zum Gewinner machen…
Eco123 Revista da Economia e Ecologia
