25/07/2026 – 01/08/2026 von Uwe Heitkamp
Ausgabe 29 – Fortsetzung
Dass ausgerechnet in Portugal einmal die Welt gerettet wird, ist kein Märchen. Sie wollen wissen, wie man das macht? Derzeit brennt der Wald bei Fontainebleau, südlich von Paris. Bei Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius sorgen sich immer mehr Landwirte um ihre Ernten, nicht nur in Frankreich, in der Zwischenzeit auch in Deutschland. Eine Hitzewelle jagt die nächste und die Trockenheit der Böden sorgt nun dafür, dass immer mehr Landwirte aufgeben müssen. Auch in Schweden brennt der Wald. Überall dort, wo Wald eine Masse an Bäumen darstellt, die man fällen darf, wenn man dafür einen Käufer hat, der daraus entweder Papier macht, oder Fenster und Türen, oder Möbel und Bauholz, überall dort geht etwas verloren. Unsere Beziehung zur Natur. Was ist ein Baum für mich, wenn ich ihn aus einem Samen pflanze und wenn ich ihn dann nach einem Jahr aussetze und ihn jeden Abend mit Wasser versorge? Ich kümmere mich. Jedem Baum gebe ich einen Namen. Darf ich ihn dann auch kommerzialisieren? Darf ich ihn fällen?

Die Idee, die ich vor sieben Jahren in meinem Herzen in mir herumgetragen habe, war die, dass wir unsern Wald schützen wollen, bevor wir eintausend neue Bäume im Botanischen Waldgarten in Caldas de Monchique auspflanzen. Denn wir stellten uns damals vor, dass wir mit dem Pflanzen der Bäume abgeschlossen hatten, und der nächste Waldbrand würde die jungen Bäume wieder zerstören. Aufgeben? Niemals! Oberstes Ziel: Lösungen finden und den Klimawandel bremsen.
Wann wurde der Botanische Garten in Lissabon gegründet? Wie lange arbeiteten die Botaniker daran, aus einem Stück Land einen kleinen Wald auf der Fläche von drei Hektar in einer Großstadt zu pflanzen? Werden Sie Mitglied im dortigen Freundeskreis und erfahren Sie es. Welche Hindernisse müssen wir heute überwinden, um einen natürlichen Mischwald zu pflanzen und groß zu ziehen?
Die meisten Hindernisse befinden sich in uns selbst. Wenn wir unsere eigenen Hindernisse überwunden haben, kommen wir zu den natürlichen klimatischen Hindernissen. Hitze, brennende Sonne, hohe Temperaturen, geringe Luftfeuchtigkeit, ausgelaugte und trockene Böden und so weiter… Das sind unsere Sommer. Und wie gestaltet sich das Wetter im Winter? Tagelange Regengüsse, Stürme, Überschwemmungen, Stromausfall, Erdrutsche und so weiter.

Es ist Sommer. Wenn man diese Tage und Nächte, deren klimatische Extreme niemand zuvor erlebt hat, so deutet wie erfahrene Bauern, fällt das Schweigen der Politiker umso stärker auf. Ich stehe in Monchique, im Süden Portugals, auf einem Granitfelsen, der zu unserem Botanischen Waldgarten gehört, und ich halte ein Thermometer in der Hand. Es ist 38 Grad Celsius heiß. Da gibt es noch Tage, an denen es durchaus schon heißer ist. Es ist 17 Uhr am Nachmittag. Nach 15 Minuten habe ich genug und bewege mich unter die riesigen Äste unserer hundertjährigen Schirmpinie in den Schatten. Weitere 15 Minuten vergehen und das Thermometer fällt und fällt. Bei 28 Grad Celsius bleibt es konstant. Zehn Grad ist die Temperatur gefallen. Ich könnte einen ähnlichen Versuch auch mit Wasser anstellen. Dafür brauche ich kein chemisches Labor der Universität zu betreten. Dafür stelle ich eine Zisterne mit 500 Liter Fassungsvermögen am Stamm der Schirmpinie in den Schatten des Baumes. Das Wasser hat eine Temperatur von konstanten 25 Grad Celsius. Unser Gärtner, der auch der Webmaster dieser Zeitschrift ist, benutzt das Wasser nicht nur zum Duschen, sondern auch zum Kochen, Abwaschen und um einen Tee zu kochen… Wir experimentieren oft, auch mit Solarkochern. Denn alles, was wir Menschen anfassen und benötigen ist Energie. Sonne ist pures Wachstum, wenn wir sie so nutzen, dass wir zum Beispiel junge Bäume im Schatten großer, ausgewachsener Bäume pflanzen. Warum höre ich von unseren Politikern nichts, wenn es um Lösungen geht, die Temperaturen zu senken, den Klimawandel zu bremsen. So kehre ich zurück zu meinem Botanischen Waldgarten in Caldas de Monchique.

Der Botanische Waldgarten gehört natürlich nicht mir, denn meine Zeit läuft sowie so langsam ab und meine Halbwertzeit habe ich bereits überschritten. Der Botanische Waldgarten wird von unserer Genossenschaft gemanagt. Es ist die gleiche Genossenschaft, die auch diese Zeitung herausgibt: jetzt online – früher auf Papier gedruckt. Aber da die Druckerei das Recyclingpapier nicht mehr bekommen kann, weigern wir uns, auf Eukalyptuspapier der Firma „Navigator“ zu drucken. So einfach ist das…
Wenn das Klima – also die Temperatur im Schatten eines Baumes um zehn Grad Celsius kühler ist, wie kühl ist es dann in einem Wald von – sagen wir – tausend Bäumen? Das ist meine Idee. Und diese Idee ist lokal und könnte überall angewendet werden: an der Algarve, im Alentejo, aer auch in Italien, in Griechenland, in Frankreich – überall dort, wo die Hitze unerträglich ist.
Mischwälder pflanzen.
Deswegen habe ich ein halbes Tal gekauft und transfomiere es in diesen Jahren, Monaten, in diesen Tagen in einen diversen Wald. Das alles kostet Zeit und diese Zeit nehme ich mir, denn das Leben hat mir die Zeit gegeben, um damit etwas Sinnvolles anzustellen. Greenpeace spricht von Prävention. Ich habe mir dieses Wort auch zu Herzen genommen. Auch der WWF arbeitet seit Jahren am Thema Waldbrand und verfasste dazu Studien, die auf https://www.wwf.de (pt) abrufbar sind.

Kommen wir zur Praxis. Im ersten Moment dachten wir an einen kleinen Bagger, der diese Gräben für die Wasserleitungen im Wald ausbaggern sollte. Dann nahm sich mein Kollege eine Hacke und versuchte es mit ihr. Er begann mit der Hand diese ca. 40 cm tiefen Gräben vorsichtig zu buddeln. Er wollte kein Wurzelwerk der alten Bäume zerstören. Und mit der Hacke hatten wir es in der Hand, vorsichtig den Waldboden mit Moosen und Gräsern abzuheben. Die Vorarbeiten für die Sprinklerinstallation des Löschsystems begannen damit, hunderte Meter von Wasserleitungen in den Waldboden zu verlegen. Auf dem Blatt Papier sah das alles ganz einfach aus. In der Realität war die Unebenheit des Bodens das Problem, das uns herausforderte. Wir verlegten die Rohre ganz vorsichtig unterhalb von Wurzeln. Wir nahmen uns die Zeit. Mitten im Wald, etwas oberhalb, um eine Übersicht zu haben, bauten wir einen Bunker, so etwas, wie eine Kommandozentrale. Im Bunker stand die Pumpe, vor ihr der Filter, der das Wasser sauber hält, und die Wasserhähne für zuerst sieben dann acht, später neun und letztendlich zehn Sprinkler. Während die Plastikrohre flexibel waren, um Kurven gelegt werden konnten, mündete jedes einzelne PVC-Rohr in einen metallenen Krümmer und von dort in ein Drei-Meter-Metallrohr, auf das oben der Sprinkler draufgeschraubt wird. Alles was aus der Erde rausguckt, ist aus galvanisiertem Stahl. Das ganze System hat einen Durchmesser von 1 ¼ Zoll. Was unter der Erde versteckt wurde, ist aus PVC. Und die Pumpe, sowie das ganze Rohrsystem sind auf zehn bar Druck ausgelegt. Woher nehmen wir das Wasser?

Das Verlagshaus, in dem wir leben und arbeiten, hat ein riesigen Dach, an dessem Ende rund um das Haus herum Dachrinnen angebracht sind. Wir sammeln das Regenwasser im Winter, jeden Tropfen – und wir verteilen das Wasser auf mehrere Zisternen. Die Zisterne, die wir nie anrühren, hält 50 m³ pures Regenwasser für das Sprinklersystem vor. Sollte das nicht reichen, haben wir Rerserven in anderen Zisternen. Der Bau der Sprinklersytems WetNet dauerte ein halbes Jahr, inklusive der Vorbereitungs- und Finanzierungszeit. Unsere Abonnenten spendeten knapp 10.000 Euro und erhielten dafür eine Gegenleistung in Form von Abonnements und Werbung. Aber wir bekamen auch eine Spende über 5.000 Euro von einer gemeinnützigen Organisation, die unser Waldprojekt unterstützen wollte. ECO123: „Wir wollen die weltweite Zerstörung der Natur und Umwelt stoppen und eine Zukunft gestalten, in der Mensch und Natur in Einklang miteinander leben.“ Wer hat diesen Satz in sein Grundsatzprogramm geschrieben?
2026: Die Wald- und Vegetationsbrände in Europa haben bereits früh in diesem Sommer alarmierende Ausmaße erreicht – und die Lage verschärft sich weiter. In Andalusien starben mindestens zwölf Menschen, bei Paris kämpfen Einsatzkräfte gegen die Flammen im Wald von Fontainebleau, auch in Portugal, Griechenland und Italien wüten Großbrände. Seit Jahresbeginn sind EU-weit bereits rund 155.000 Hektar verbrannt – etwa 16 Prozent mehr als im langjährigen Durchschnitt zu dieser Jahreszeit. Die Zahl der Brände liegt mit 1.057 auf mehr als dem Doppelten des durchschnittlichen Werts zu diesem Zeitpunkt. (…)
Die Welt retten, heißt Mischwälder pflanzen und schützen. Retten Sie den Wald, dann lösen Sie das Hitzeproblem. Geben Sie sich einen Ruck.
Video von Jeremy Walton
Deswegen haben wir bei ECO123 in 2020 das Sprinklersystem für den Wald in Caldas de Monchique geplant, vorbereitet und umgesetzt. 2022 war alles fertig. Zur Zeit bereiten wir eine alternative Elektrifizierung des Pumpensystems vor, die Umstellung des Notstromaggregats, betrieben mit fossilen Brennstoffen, wird in Zukunft durch ein kleines Solarkraftwerk gewährleistet. Wir basteln immer weiter an unserer Anlage und perfektionieren sie.
Sollten auch Sie Interesse am Schutz ihres Waldes haben, können Sie jeden Samstagvormittag einen Termin mit uns vereinbaren und wir führen die Sprinkler vor. Bringen Sie ein Handtuch und einen Regenschirm mit. Sie könnten nass werden: https://www.wetnet.pt.
Seminare: von Oktober bis Dezember 2026, jedes erste Wochenende
Wo: in Caldas de Monchique, Esgravatadouro (Portugal), 10 Uhr
Wann: 3. und 4. Oktober, 7. und 8.November, 5. und 6. Dezember
Wie schütze ich mich vor Waldbränden? Wie baue ich ein Sprinklersystem?
Schriftliche Anmeldung per E-mail an editor@eco123.info
Eco123 Revista da Economia e Ecologia
