Ein Kommentar von Theobald Tiger
Ein Freund wurde in der vergangenen Woche mit Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall von der Feuerwehr im Krankenwagen zuhause abgeholt und mitten in der Nacht ins Krankenhaus eingeliefert. Offensichtlich ein Notfall. Nun ist das so eine gewisse Sache mit den Notfällen und den Menschen. Was für den einen komisch aussieht, nimmt ein anderer wiederum sehr ernst. In diesem Sinn frage ich Sie, lieber Leser, ob Sie mir helfen möchten, und mir Ihre Meinung sagen, ob man unser Gesundheitssystem noch verbessern könnte, oder besser nicht? Sollen wir lieber alles beim alten belassen? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit.

Sollte man die Kritik der Ärzte ernst nehmen oder eher humorvoll damit umgehen? Es war jedenfalls so, dass von Samstag 23 Uhr auf Sonntag 10 Uhr kein Arzt in der Aufnahmestation für Notfälle eines großen Krankenhauses anwesend war, nur eben Krankenschwestern und Pfleger. Der Eingelieferte bekam als letzten Akt der ärztlichen Humanität noch eine Handvoll Tabletten gegen die Schmerzen. Dann verabschiedete sich der Arzt in die Nacht und war dann mal weg. Das geschah kurz vor Mitternacht. Beim Patienten sollte gegen 1 Uhr morgens noch eine Röntgenaufnahme gemacht werden, wie ihm gesagt wurde Auf diese Leistung wartet er bis heute. In ein Bett auf den Korridor gelegt, rief er mich am Sonntag um neun Uhr morgens an und erzählte mir von seiner Nacht. Ich mache die Geschichte kurz, lasse den Namen des Krankenhauses weg und die Namen aller Beteiligten.
Stechende Rückenschmerzen, die ein Bein in seiner Funktion beeinträchtigen, sind keine Bagatelle. Man kann nicht mehr gehen. Ein Krankenhaus Samstagnacht ohne einen Arzt zurückzulassen, ist eine echte Mutprobe. Ich bin ja nun Journalist und kann das ja vielleicht gar nicht beurteilen. Viele kranke Menschen ohne einen Arzt allein zu lassen, ist eine echte Spezialität im hiesigen Gesundheitssystems, sage ich, ein Ausländer, der schon lange in Portugal lebt. Ich gucke mir das an und bin tief beeindruckt.
Es funktioniert. Die Ärzte streiken, aber das Krankenhaus bleibt geöffnet. Dass dieser Streik nichts bewirkt und ähnliche Streiks auch zukünftig nichts bewirken werden, ist doch allen klar. In mehr als 30 Jahren hat sich „der Elefant“ Gesundheitswesen nicht einen Millimeter zum Besseren bewegt. Eher in die andere Richtung.
Ärzte machen meistens, was sie wollen. Sie studieren auf Kosten des Staates und arbeiten dann in einem Krankenhaus. Fast alle behaupten, sie werden dort schlecht bezahlt und verheizt. Viele können sich nicht mal mehr einen BMW leisten. Also nehmen viele von ihnen noch eine zweite Tätigkeit an, in der Pharmaindustrie oder in einer privaten Arztpraxis oder irgendwo anders im medizinischen Sonnensystem und erleben dann Interessenskonflikte. Wie passt das mit dem ärztlichen Eid zusammen? Pfleger und Krankenschwestern arbeiten hingegen Tag und Nacht, sieben Tage die Woche und viele schieben einen Bauch an Überstunden vor sich her. Was sollen wir mit den Ärzten machen?
Tatsache ist, dass der Patient nachts auf die Toilette musste und 30 Patienten auf dem Flur zu versorgen, funktioniert nicht immer gut. Man macht dann in die Hose und ins Bett. Wenn man allerdings Durst hat, habe ich noch nie erlebt, dass ein Patient auf dem Flur kein Wasser zum Trinken bekommt. Vielleicht weil er in die Hose gemacht hat? Er bekommt ja dann eine Windel verpasst. Und als ich um zehn Uhr im Krankenhaus eintreffe und bestimmt verlange, den Patienten zu sehen und mitzunehmen, hat er noch nicht einmal ein richtiges Frühstück bekommen. Einen Yoghurt und einen Keks.
Ich finde, man sollte solche staatlichen Krankenhäuser schließen und alle Beteiligten einfach entlassen. Warum? Weil ihnen die sittliche Qualifikation fehlt, mit kranken Menschen adäquat umzugehen. Weil sie eher in einem Gefängnis eine Umschulung zum Wärter machen sollten.
Eco123 Revista da Economia e Ecologia
