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BEN, der erste elektrische „Mata-Velho“.

Eine satirische Betrachtung eines nahezu marktreifen Autos…

Wissen Sie, was ein Mata-Velho ist? Das ist so ein Vehikel, dass alte Leute ohne Führerschein in Portugal durch den Straßenverkehr steuern. Und so frage ich Lourenço Galvão von der PR Agentur H/Advisors in Lissabon, ob man für diesen Mata-Velho, für den er Public Relations betreibt, einen Führerschein braucht, oder nicht? Könne er mir nicht genau sagen. Die zweite Frage am Telefon, wie viele Kilometer der Kunde mit dem Mata-Velho BEN und einer Batteriefüllung fahren kann, ist er auch nicht in der Lage, zu beantworten. Und auf meine dritte Frage, was für eine Batterie in der Kiste drin steckt, ob Lithium-Ionen oder Eisen, ist er hilflos überfragt. Ich traue mich gar nicht weiter zu fragen, zum Beispiel welchen Ladestecker man benötigt, um die Batterien des BEN wieder aufzuladen. Das alles sind Fragen, die Autofahrer, die noch nie von Elektroautos gehört haben und weiterhin stur ihre Benziner fahren, nicht beantworten können. Also ich rechne mal mit 75 km maximaler Reichweite, die der Mata-Velho BEN schafft, bevor er wieder aufgeladen werden muß. Die Konkurrenz aus China wird sich totlachen über den ersten portugiesischen Mata-Velho mit dem Namen BEN, der nur 8.000 Euro kosten soll.

Achtung China! Ihr braucht Euch keine Sorgen zu machen, das sogenannte Klein-Auto im Format einer deutschen BMW Isetta aus dem Jahr 1960 ist sehr klein und nur für lokale Verhältnisse wirklich innovativ. Und dann wird es auch noch BEN genannt. Was hat die Konstrukteure bloß dazu veranlasst? Dabei steht am Ende der Email, mit der Lourenço Galvão die Journalisten wie Müll überschwemmt: „Wir stehen Ihnen gerne für weitere Fragen zur Verfügung.“ Alles nur kostenlose Werbung – oder Kosmetik? Man will kein Geld in Werbung investieren und die Journalisten sollen umsonst schreiben, was sie auch tun: bei SIC und bei SAPO reißen sie sich um dieses nichtssagende kleine Automobil aus dem Norden Portugals. Nicht mal einen Testdrive können sie ECO123 anbieten. Wir sollen 650 km bis nach Guimarães fahren, dort könnte ich den Wagen Probe fahren. Ha,ha,ha.

ECO123 wollte von den Verantwortlichen erfahren, wie viel Reichweite dieses kleine Elektroauto besitzt, denn Reichweite ist alles. Ohne Reichweite ist alles nichts. Auch die € 8.000 Euro sind nicht gut angelegt, wenn keiner weiß, wie viele Kilometer man damit heumkurven kann. Dann investiert man besser in einen Toyota AYGO oder Renault Twingo E oder man wartet noch ein wenig damit, bis der erste VW ID 02 ausgeliefert wird. Auch den chinesischen BYD kann man schon sehr günstig kaufen. Und auf diese PKWs gibt es Garantie und Werkstätten und Dienstleistungen, wenn mal was kaputt geht…

Der vom schwer lesbaren CEiiA entwickelte BEN, das zweite Elektroauto Portugals, (das erste war der dreirädrige VEECO 2013) erhielt nach einem langen und anspruchsvollen Verfahren bei IDIADA in Spanien (noch so ein schwer lesbares Wort) die Zulassungsbescheinigung der Europäischen Union und dürfte theoretisch nun in ganz Europa verkauft und gefahren werden. Praktisch steht der Sache die Wirklichkeit entgegen. Man könne in 2026 vielleicht 200 Exwmplare vom BEN herstellen, nach Angaben des Herstellers in seiner sogenannten unvollständigen Presseerklärung. Genau das wollten wir ja testen, deswegen wollten wir den BEN an der Algarve Probefahren. Aber vermutlich ist die Reichweite zu gering, von Guimarães aus betrachtet und man lebt in Portugal nicht unbedingt in der Realität des harten Autogeschäfts.

Der BEN will ein kleines, erschwingliches und nachhaltiges Elektroauto werden, das für die Nutzung und den Handel als Dienstleistung konzipiert wurde. Also hat es nun 75 Kilometer Reichweite oder vielleicht doch etwas mehr oder eher etwas weniger? Bis zum nächsten Pingo Doce und Modelo und zurück? Ach ja? Und was heißt das dann in der Praxis? Wenn es mal draußen kälter ist als im Klimawandel?

Guimarães ist nun im Jahre 2026 die grüne Hauptstadt Europas .. Seit wann bauen Städte Autos? fragen wir uns bei ECO123 und ist BEN nur ein Aushängeschild für Werbung?

Mit BEN ist Portugal von nun an ein eropaweiter Player und Mobilitätskonstrukteur. Wir haben BEN als Antwort Europas auf ein neues integratives Sozialmodell geschaffen, das auf zugänglichere, kleinere und nachhaltigere E-Autos setzt. BEN steht somit im Einklang mit der Initiative Small and Affordable e-car”, erklärt Helena Silva, Verwaltungsleiterin und CTO von CeiiA. Man sollte lieber auf dem Teppich bleiben.

In der Schweiz haben sie im letzten Jahr ein ähnliches Auto gebaut, den Microlino 2.0. Der hat wenigstens eine Reichweite von 120 bis 150 km. Die erste Entwicklungsphase von BEN ende nun mit der Zertifizierung. Es ist für drei Personen zugelassen (was nicht bedeutet, dass auch drei Personen in dem Winzling bequem sitzen können) und ab € 8.000 zu kaufen und hat eine Reichweite von … Nun, diese Frage stellen wir uns immer noch… auch am Ende dieser Geschichte. Aber wir schätzen mal, dass man damit nur Stadtfahrten zum nächsten Einkaufszentrum unternehmen kann. Und zurück? Aber das weiß Lourenço Galvão auch nicht so genau, denn er fährt ja selbst noch keinen BEN, die es noch gar nicht zu kaufen gibt, weil man nur 200 Stück im Jahr 2026 anfertigen will, wenn überhaupt. Und überhaupt, Dom Sebastião verschwand auch im Nebel und ward nie mehr gesehen…

Uwe Heitkamp (66)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobbybotaniker, Vater von zwei erwachsenen Kindern, kennt Portugal seit 35 Jahren, Gründer von ECO123.
Übersetzer: Dina Adão, John Elliot, Patrícia Lara

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