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HEISSZEIT. Mit Fieber in einer anderen Zeit und Welt aufwachen lernen.

Von Theobald Tiger

Wie kommunizieren wir in Zeiten von Krisen? Sind Sie auch der Meinung, man sollte die Feuerwehr anrufen, wenn der Wald brennt, oder die Bank anrufen, wenn einem das Geld ausgeht? Wer Arbeitsteilung im Katastrophenfall für das Non-Plus-Ultra der modernen Kommunikation hält, wartet wie die Menschen in Leiria womöglich wochenlang auf die Männer von e-redes, die ja eigentlich nichts weiter zu tun haben, als die Elektrizität wieder anzuknipsen, nachdem es vier Wochen lang geregnet und gestürmt hat. Die REN (Rede de Eletricidade Nacional) hat soeben einen Kredit über 300 Mio. Euro aufgenommen, mit einer Laufzeit von acht Jahren und zu einem Zinssatz von 3,42 %.Wir haben ja gar keine Ahnung, was uns noch bevorsteht, wenn wir dem Klimawandel in die Augen schauen? Waldbrände, Stürme und der Wasserstand in Ufernähe wird steigen. Häuser verschwinden im Wasser, Straße und Strommasten – und Menschen, Tiere usw. Krise über Krise. Was sehen wir da? Den Clown des Karnevals in den Tagen des närrischen Treibens? Welche Farbe hat das Auge des Sturms? Blau, grün oder gelb?

Wenn bei Tausenden von Menschen zur gleichen Zeit der Strom ausfällt und Hochspannungsmasten wie Streichhölzer kollabieren und Stromleitungen von mehreren hunderttausend Volt die Erde und das Wasser berühren, dann haben die Männer von e-redes nichts geringeres vor, als die Quadratur des Kreises in die Hand zu nehmen. Was machen, wenn einem das Geld ausgeht? Bei mir flog nur die Panzersicherung raus und die war nach ein paar Stunden Warten auf die Männer von e-redes mit drei Handgriffen wieder ausgetauscht. Ich habe den Mann auf seiner Leiter festhalten müssen, sonst wäre er im Sturm weggeflogen. Das muss komisch ausgesehen haben, war aber notwendig. Haben Sie bemerkt, welche Kraft die Gewitter in Zeiten des Klimawandels haben? Blitz und Donner schlagen gern in die Hochspannungsmasten der Stromversorger ein, denn sie stehen wie Antennen in der Landschaft. Und Blitze lieben Antennen…

Überforderung überall? Ich habe mir eine Stunde lang Musik unter 800 506 506 anhören dürfen, die e-redes kurzweilig den Kunden zur Meditation anbot, denn wenn tausende von Kunden gleichzeitig mit dem Notfallservice telefonieren, dann bricht auch noch das Telefonsystem komplett zusammen. Dann schon lieber klassische Musik zur Meditation in Krisenzeiten. Sie merken, wohin ich mit ihnen gehe? Wie kommunizieren wir in Zeiten von Krisen? Und wie reagieren wir?

Ob wir wollen oder nicht, wir werden uns von jetzt an daran gewöhnen müssen, im Winter wochenlange Stürme und Regen mit vertrauten Namen aus dem Alphabeth (Kristin, Leonardo usw.) und im Sommer Waldbrände aushalten zu müssen. Chaos. Schöne Perspektiven, nicht wahr? Da passt es ja, wenn man den Klimawandel ignorieren und schön reden kann, wie der 79-jährige Hirte der Vereinigten Staaten das für seine Schäfchen tut. Weggucken, wegducken, ausblenden, was nicht sein kann, das gibt es auch gar nicht. Auch eine Methode …

Ich halte es eher mit der Physik, obwohl ich als Schüler das Fach gehasst und nur schlechte Noten mit nach Haus gebracht habe. Aber das Wort RESILIENZ habe ich mir aufgeschrieben und in meiner Tasche einen kleinen Zettel angelegt. Das Wort Resilienz begleitet mich seitdem durch mein Leben. Gerade entscheide ich mich, wie ich meine 20 Solarmodule in Zukunft nutzen werde. Speise ich weiter in ein marodes Netzwerk ein oder werde ich die saubere Energie besser selber nutzen? Mich wirklich resilient machen. Wenn ich mich mit Menschen über die Notfallmaßnahmen austausche, stelle ich fest, Portugal ist nicht vorbereitet auf den Klimawandel. Und wer den Stromversorgern vertraut, die Krisen des Klimas zu lösen und konkrete Antworten auf dringende Fragen zu finden, der bleibt ohne Antwort und im schlechtesten Fall auch ohne Elektrizität. Und was machen wir bei Waldbränden?

Ich habe ein Sprinklersystem gegen Waldbrände in meinem Wald installiert. (https://www.wetnet.pt/de) Ich kann der e-redes nicht vertrauen, dass sie mir Elektrizität im Fall eines Waldbrands liefert, denn meine Erfahrung ist, dass zuerst das öffentliche Stromnetz zusammenbricht, wenn der Wald brennt. Also ist die Frage, die ich habe, beantwortet. Resilienz bedeutet, im Fall eines Notfalls, seinen eigenes Notfall-Stromsystem zu haben, wie ein Krankenhaus zu funktionieren. Hilf Dir selbst ist vielleicht die einfachste Antwort. Besser als mit e-redes zu telefonieren ist im Fall eines Waldbrandes, mit seinen eigenen Bäumen gut kommunizieren zu lernen. Was ich damit meine? Ich empfehle den TED Talk der Botanik-Professorin Suzanne Simard als Einsteig ins Thema:

https://www.ted.com/talks/suzanne_simard_how_trees_talk_to_each_other

Uwe Heitkamp (66)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobbybotaniker, Vater von zwei erwachsenen Kindern, kennt Portugal seit 35 Jahren, Gründer von ECO123.
Übersetzer: Dina Adão, John Elliot

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