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MONCHIQUE OHNE ZUKUNFT.

Foto: Rafael Mariano

Abwasserbetrug und Umweltzerstörung landen vor EU-Gerichtshof.

Monchique. Die Abwässer der Gemeinde Monchique werden in der 27 km entfernten Kläranlage Companheira bei Portimão behandelt. Was aber geschieht mit den Abwässern aus Fornalha, Esgravatadouro und den anderen kleinen Dörfern des Landkreises, was mit den Fäkalien aus der intensiven landwirtschaftlichen Schweinehaltung in Marmelete und Alferce?

Wie kann eine Stadtverwaltung in einer von ihr ausgestellten Rechnung Gebühren für die kommunale Abwasserreinigung von Hausbesitzern verlangen, die sie gar nicht durchführt, weil die Häuser technisch gar nicht an das kommunale Abwassersystem angeschlossen werden können? Die Stadtverwaltung von Monchique (Camara Municipal) ist diejenige untere Behörde, die sowohl das Wasser an ihre Bürger liefert, als auch das Abwasser reinigen muss (und nicht nur auf dem Papier der Rechnung) und eine Dienstleistung in Rechnung stellt, obwohl rund ein Drittel aller Gebäude im Landkreis technisch gar nicht an das kommunale Abwassersystem angeschlossen sind, weil es keine Abwasserleitungen zur Kläranlage gibt und viele Häuser stattdessen nur eine Sickergrube besitzen, in denen die Abwässer entgegen der EU Gesetzgebung für Hygiene und öffentliche Gesundheit gereinigt werden sollen. Die Ausrede einer Verwaltungsangestellten, die lautet: jeder Anwohner habe ein Anrecht auf zweimaliges Auspumpen seiner vollen Sickergrube pro Jahr, hat keinerlei Bedeutung.

Paulo Alves

Wie passt das zusammen, fragt ECO123 online den Bürgermeister Paulo Alves von den Sozialisten? Wie kann eine Gemeinde eine Rechnung über eine Dienstleistung ausstellen, die sie gar nicht erbringt? In der freien Wirtschaft wird eine solche dreiste Rechnungsführung als Betrug bezeichnet. Der Bürgermeister und sein „Chef des Kabinetts“ Victor Santos bleiben bis heute eine Antwort auf diese Frage schuldig. Wegducken ist auch eine Art der Antwort, wenn es unbequem wird. Und unbequem wird es jetzt, denn die EU Kommission verklagt Portugal wegen Schludrigkeit bei der Abwasserreinigung.

Monchique befindet sich damit in illustrer Gesellschaft mit mindestens 62 weiteren Gemeinden in Portugal, die jetzt wegen Nichteinhaltung der EU-Vorschriften zur Behandlung ihrer kommunalen Abwässer vor dem Gerichtshof der Europäischen Union verantworten muss. Die angekündigte Maßnahme erfolgt, nachdem die Kommission bereits 2022 festgestellte, dass das Land keine angemessene Behandlung seiner Abwässer gewährleistet und damit die öffentliche Gesundheit von Mensch und Tier sowie die Umweltqualität von Seen, Flüssen, Böden als auch von Küsten- und Grundgewässern gefährdet.

Quelle: https://ec.europa.eu/implementing-eu-law/member-state-infringement-cases/de

Die Kommission forderte PORTUGAL bereits mehrfach zur Einhaltung der EU-Vorschriften auf, ohne Wirkung. Darin fordert die Kommission (INFR(2022)2028), die Anforderungen der Richtlinie über die Behandlung von kommunalem Abwasser (91/271/EWG) zu erfüllen. Gemäß dieser Richtlinie sind Städte und Gemeinden zwingend verpflichtet, die erforderlichen Infrastrukturen für die Sammlung und Behandlung ihres kommunalen Abwassers zu schaffen. Doch Monchique, einer Gebirgsregion der Algarve zugehörig, hat aufgrund seiner notorisch leeren Kassen, den Anschluss aller Häuser an die kommunale Abwasserreinigung nicht geschafft. Aufgrund der vielen Waldbrände ist Monchique Opfer seiner sinkenden Bevölkerung bei steigenden Personalkosten seiner Verwaltung geworden. Das Defizit der Gemeinde liegt in den vergangenen Jahren bei horrenden 80%, die nur durch die Zentralregierung in Lissabon ausgeglichen werden. Hatte Monchique im Jahre 1990 noch 12.500 Einwohner, so sind es aktuell nicht einmal mehr 5.000 Einwohner, die eine Zukunftsperspektive in Monchique sehen. Die Landflucht der Jugend ist nur ein Problem von vielen.

Der Europäische Grüne Deal mit seinem Ziel der Null-Verschmutzung fordert aber, dass die Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung auf ein Niveau reduziert wird, das nicht mehr als schädlich für die menschliche Gesundheit und die natürlichen Ökosysteme angesehen wird, um so eine giftstoffarme Umwelt zu schaffen und die kollektive Widerstandsfähigkeit zu stärken. Die Tierkrankheit Leishmaniose ist nur eine der heimtückischen tödlichen Krankheiten, die Haustiere im Landkreis Monchique befällt, weil die stehenden Abwässer bei Sommertemperaturen von bis um die 40 Grad Celsius Larven von Moskitos begünstigen, die die Krankheit weitergeben…

Biodiversität durch Eukalyptus-Monokulturen zerstört

Foto: ECO123 Archiv

Die Europäische Kommission hat außerdem angekündigt, Portugal wegen Mängeln bei der Umsetzung der Naturschutzgebiete vor den Gerichtshof der Europäischen Union zu bringen. Brüssel wirft dem Land vor, Pläne und Projekte, die REDE NATURA 2000-Gebiete beeinträchtigen, (siehe ECO 123 in seinen Ausgaben vom 29. November und 6. Dezember 2025 über PTCON 0037: https://eco123.info/short-stories/rede-natura-2000-ptcon-0037-monchique/ ) darunter besondere Schutzgebiete und besondere Schutzzonen, nicht ordnungsgemäß durch den ICNF prüfen zu lassen. Nach Ansicht der Kommission gefährdet diese Lücke in der nationalen Gesetzgebung den Schutz von Gebieten, die für die biologische Vielfalt in Europa von grundlegender Bedeutung sind. Im Verlauf einer Generation wurde beispielsweise das Naturschutzgebiet Monchique-Gebirge mit dem Zertifikat PTCON 0037 der EU Kommission mit sehr diversem Wald in eine Wirtschaftszone mit Eukalyptus-Monokulturen umgewandelt, mit der Folge schwerer diverser Waldbrände…

Uwe Heitkamp (66)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobbybotaniker, Vater von zwei erwachsenen Kindern, kennt Portugal seit 35 Jahren, Gründer von ECO123.
Übersetzer: Dina Adão, John Elliot, Patrícia Lara

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