Mit
der Geschwindigkeit, in der weltweit unser Baumbestand schwindet, durch Waldbrände, Industrienutzung und Rodung, steigt im reziproken Verhältnis die Nutzung der Informationstechnologie. Das beginnt schon in sehr frühem Alter, zumeist in der Schule und in der Freizeit und scheint nicht mehr umkehrbar. Das Smartphone, der Laptop, der Computer als Mittel zum Zweck? Irgendetwas ist falsch am Narrativ des Menschen im modernen Leben. Wir entfernen uns immer weiter von der Natur. Wir entfremden uns. Aber wohin streben wir dann eigentlich?
Mit der gleichen Geschwindigkeit, mit der wir uns der künstlichen Intelligenz zuwenden und das Menschsein damit überflüssig machen, vermehren wir uns exponenziell und haben eine Weltbevölkerung, die auf zehn Milliarden Menschen zustrebt. Das ist widersprüchlich, oder nicht? Denn wenn wir die künstliche Intelligenz der Informationstechnologie zu unserm „tool“ machen, brauchen wir neun von zehn Menschen gar nicht. Also weg damit?
Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die mit ihren zehn Fingern die Tastatur eines Computers bedienen, sind nicht in der Lage, eine ganz normale Tätigkeit, bleiben wir beim Wald – sind nicht fähig, einen Baum zu pflanzen, weil ihnen das Wissen, die Erfahrung und sogar die Vorstellungskraft dazu fehlen. Und selbst, wenn uns die künstliche Intelligenz verspricht, einen Roboter zu bauen, der für uns Menschen die Bäume pflanzt, frage ich mich, wozu und warum, welchen Sinn macht das? Kann künstliche Intelligenz so etwas wie Glück empfinden? Das Glück, das ich empfinde, wenn ich über die ersten Jahre den Baum großziehe und bemerke, wie gut es ihm geht und wie viel Schatten er mir spendet.
Wenn wir uns immer weiter von der Natur entfernen, und nicht wissen, was das Ziel unseres Strebens ist, wohin wir mit der künstliche Intelligenz gehen wollen und gehen werden, könnten wir auch gut einmal stehen bleiben und tief einatmen und uns Gedanken machen, wohin dieser Weg führen könnte. Und welche alternativen Wege von der künstlichen Intelligenz weg wir noch haben? Ich schlage vor, eine Pause zu machen und sich dabei klar werden, wer wir sein wollen und wohin wir streben.
So eine kurze Pause habe ich genutzt, und bin mit einem Thermometer in den Schatten meiner größten Schirmpinie eingetaucht. Da herrschten 28 Grad Celsius. Dann trat ich aus dem Schatten der Schirmpinie in die pralle Sonne und das Thermometer kletterte auf 39 Grad Celsius. Der Vollständigkeit halber verrate ich Ihnen das Datum. Das war am Sonntag, dem 17. August um 16 Uhr. 39 Grad Celsius ohne Schatten eines Baumes bedeutet Fieber. Und nun frage ich Sie. Was ist wichtiger, ein Smartphone oder ein Baum?
ECO123 hat in seinem angehenden Botanischen Waldgarten im Sommer nicht genug eigenes Wasser, im Winter jedoch haben wir mehr als genug. Was könnten wir machen, um das Problem zu lösen? Ein Gärtner mit dem ich mich unterhalte, fragt mich, wie ich die Bäume bewässere und ich erkläre ihm meine Arbeitsweise. Baum- zu Baumbewässerung und manuell mit einem Schlauch. Im Sommer nehme ich das Stadtwasser – im Winter das Wasser der eigenen Quellen. Das kostet uns jeden Sommer mehrere tausend Euro. Ich spreche von Wasser in einer Größenordnung von 150.000 Litern, die seit den großen Waldbränden fehlen. Denn die Quellen und Minen geben seit 20 Jahren – in den Zeiten des beginnenden Klimawandels – weitaus weniger Wasser, als jeweils zuvor.
Weniger Wasser benutzen, ist seine gute These. Ein Bewässerungssystem anwenden, das Tröpfenbewässerung einführt. Also Plastikschläuche kaufen und miteinander verbinden? Wollten wir nicht das ganze Plastik aus unserem Leben verbannen? Wird Plastik nicht aus Rohlöl, Gas und Kohle hergestellt? Und geht ein Schlauch mal kaputt, dann haben wir Sondermüll. Wohin damit? Recycling? Es gibt für diese Plastikschläuche kein Recycling. Oder?
Ich habe mich entschieden, einen Teil des Wassers im Winters vorsichtig abzuzweigen und zu sammeln und in einer großen Zisterne zu speichern für den Sommer, so dass wir unsere Bäume mit dem Wasser des Winters im Sommer bewässern. Junge Bäume, beispielsweise Linden, Buchen, Eichen und viele andere genügsame einheimische Baumarten brauchen sehr wenig Wasser, auch Johannisbrotbäume benötigen sehr wenig Wasser und auch die Feigen-, Walnuss- Granatapfel- und Olivenbäume – Baumkulturen, die 150 Trockentage ohne Regen überstehen… (auch Zedern und Zypressen)
Im Gegensatz zu tropischen Fruchtbaumarten wie Mango, Avocadobaum und Bananen usw. brauchen die eingangs erwähnten genügsamen Baumarten kaum bewässert werden, wenn sie ein Alter erreicht haben, das eines erwachsenen Baumes entspricht. Problem gelöst? Es ist wichtig, im Leben einen Baum gepflanzt und ihn groß gezogen zu haben. Dabei kann ich kein Smartphone und keinen Computer benutzen, denn diese Erfahrung gehört zum wirklichen Leben dazu. Nur dann weiß ich, wie ich mich im Wald schütze, vor Fieber, vor Trockenheit, vor Regen und vor künstlicher Dummheit.
Neulich schrieb eine Kollegin in der Tageszeitung über jemanden, der versuchte, im Gebirge mit Turnschuhen einen sehr hohen Gipfel zu erklimmen. Er hatte eine App auf seinem Smartphone dabei, die ihm den Weg hinauf und wieder hinunter beschrieb und dazu den Wetterbericht. Der Bergsteiger musste vom Hubschrauber der Bergwacht gerettet werden, weil er die falsche Kleidung und das falsche Schuhwerk benutzte, sich verirrt hatte und vom richtigen Weg abgekommen war.
Eco123 Revista da Economia e Ecologia
