In der Gemeinde M in P spielte sich eine Geschichte ab, die nicht komischer sein konnte, weil die Umstände irgendwie neu waren und man musste sich erst daran gewöhnen. Es war, als folgte man einer neuen Mode. Der Bürgermeister Paulo A. wachte eines Morgens vor den Kommunalwahlen auf und eine neue Idee bahnte sich ihren Weg durch die Gemeinde. Eigentlich hatte er kein Wahlprogramm und während er krampfhaft nachdachte und suchte, kam eines Morgens die Idee frei Haus. In seiner Gemeinde, so war ihm im Traum erschienen, gab es ab heute keinen Müll mehr. Die Menschen waren es nämlich leid, Plastik und Metall, Papier und Verpackungsmaterial von zuhause aus zu den Behältern namens ECO-Ponto zu schleppen, die in jedem Stadtteil standen und dort einzuwerfen. Die Mülldeponie im nahen Portimão war vor kurzem geschlossen worden, weil sie voll war und überquoll.
Wo sollte man das viele Plastik nun verbuddeln? So hatten sie in M eine innovative Idee ins Leben gerufen, den ein kleiner Bioladen seit Neustem praktizierte und die gut von den Kunden angekommen wurde, nämlich überhaupt keinen Müll mehr zu produzieren. Keinen Müll mehr? Ein Supermarkt hatte sich daraufhin bereit erklärt und verkaufte nur noch Lebensmittel, die nicht verpackt waren und nicht viele Kilometer gereist waren, lange haltbar gemacht, sondern in M hergestellt wurden und frisch daherkamen, jeden Tag frisch und unverpackt. Lokale Ökonomie. Und es gab auch keine Tiefkühlkost mehr. Na so was.
In M gab es mehr Ziegen als Menschen. Die flüssige Milch von ihnen gab es unverpackt aus einem ständig gekühltem Stahlbehälter, der wie ein Kühlschrank auf einem Podest stand, direkt hinter der Schleuse am Eingang, an dem sich die Menschen die Milch in einen selbst mitgebrachten Behälter abzapften, wie andere es abends in der Kneipe mit dem Bier machten, sie zapften sich die Flüssigkeit zum Beispiel in eine Flasche oder eine Kanne ab, die sie von zuhause mitgebracht hatten. Die Milch wurde im eigenen Landkreis von den Bauern zur Genossenschaft gebracht und dort in einer kleinen Molkerei homogenisiert. Es gab fünf Ziegenbauern und einen Kuhbauern im M und viele Imker.
Ihren Honig und die Marmelade hab es unverpackt aus großen Containern lose pro Kilogramm und die Kunden hatten Gefäße dabei, in die sie den Honig und die Marmelade abfüllten und dann den Deckel draufschraubten und sicher verschlossen. Man nannte die Behälter Tupper-Ware – es war ein neuartiges amerikanisches Produkt – und in den aus stoßfestem Glas bestehenden Behältnissen konnte man auch Ketchup, Senf und Mayonese abfüllen und andere flüssige Lebensmittel. Plastik war von der Regierung verboten worden. Die schwedische Firma Tetru Pack hatte daraufhin Konkurs angemeldet. Yoghurt und Kefir, Käse und Wurst wurden wieder persönlich abgewogen und in vom Kunden mitgebrachten Behältnisse abgefüllt und verkauft. Und genauso war es mit Getränken wie Apfel- und Orangensaft. Es gab in den Läden neuerdrings eine Saftpresse und dort wurden die Säfte vom Kunden frisch gepreßt, was auch viel gesünder war: Mango, Kirsche und Kombucha.

Im übrigens begann nun eine neue Zeit, in der Verpackung wieder einen Wert bekam. Coca-Cola gab es nur noch in wiederverwertbaren Glasflaschen, das Gleiche passierte mit Mineralwasser und mit alkoholischen Getränken. Einwegverpackungen waren von der Regierung verboten worden. Man kaufte die volle Flasche und zahlte dafür einen Pfand, den man wieder ausbezahlt bekam, wenn man die leere Flasche zurückbrachte. Nichts wurde mehr weggeworfen. Das war der tiefere Sinn des Ganzen, denn Müll war abgeschafft worden. Und unsere Welt in M wurde mit enem Mal sauber und der lokale Markt begann sich wieder zu füllen. Es gab auch keine Plastiktüten mehr an der Kasse der Supermärkte, sondern nur noch wiederverwertbare Tragetaschen aus Stoff, die man immer wieder verwenden konnte. Wiederverwendung bekam einen tieferen Sinn. Wer gar keinen Müll mehr hatte, der zahlte auch keine Müllgebühren mehr mit der monatlichen Wasserrechnung, sondern bekam von der Gemeinde einen Umweltbonus auf die Steuererklärung gutgeschrieben. Und auf einmal wollten alle Bürger „Amiga(o) do Ambiente“ sein. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute und vor allen Dingen und auch morgen …
ECO123 wird nächste Woche einen Umwelttest von zehn Supermärkten und Bioläden zwischen Lagoa und Lagos, Aljezur und Monchique veröffentlichen. Bleiben Sie dran:
Eco123 Revista da Economia e Ecologia
