Ich bin kein Besserwisser, aber ich nehme mir in diesem Artikel die Freiheit heraus, angstfrei über Ideen zu reden, statt mich der Ohnmacht zu ergeben. Denn für die Entfesselung der Kräfte eines wirklichen Europas braucht es unerhörte Ideen. Wir müssen einfach sagen können, was wir denken, worüber wir uns Sorgen machen und welche Lösungsideen wir haben.
Ich stelle mir zum Beispiel machmal vor, der Landkreis Monchique würde nicht zu Portugal gehören, sondern zu Deutschland, oder zu Luxemburg, oder zu Schweden, Finnland oder zu den Niederlanden…
Was wäre dann anders in der Politik? Welche Themen bekämen eine absolute Priorität verliehen? Wie würden die Menschen, die in Monchique leben, miteinander umgehen? Wie würde die Politik auf die Gefahren neuer Waldbrände in Zukunft reagieren? Vor dem letzten großen Waldbrand 2018 veranstaltete die Zeitschrift ECO123 einen Workshop in Alferce, in dem gefragt wurde, wie möchtest Du in Zukunft in Monchique leben? Es nahmen rund 50 LeserInnen an diesem Workshop teil und dann wurden sieben Arbeistgruppen gebildet zu Schwerpunkten und man diskutierte zwei Tage, die Wünsche, Träume und Vorstellungen von Menschen aus Monchique zu den Themen Natur, Wirtschaft, Verkehr, Ernährung, Hausbau u.v.m. Doch dann zerstörte der Waldbrand die Motivation…
Ich nehme mir eine Frage aus dem Workshop noch einmal vor: Wie würde die Politik auf die Gefahren neuer Waldbrände regieren, gehörte Monchique nicht zu Portugal, sondern wäre zum Beispiel eine Gemeinde in einem anderen nordeuropäischen Land? Jedes Rathaus z.B. in Deutschland hätte sich beispielsweise zum Ziel gesetzt, alles dafür zu tun, dass es keine Waldbrände mehr geben wird. Kein Konjunktiv! Wer sich einmal an einem Ofen die Hand verbrennt, faßt ihn kein zweites Mal ohne Arbeitsschutzhandschuhe an.
Wir in Monchique blicken mit Furcht, Trauer und Abscheu auf mindestens sechs große Waldbrände in den letzten 35 Jahren zurück. Eine Generation kennt nichts anderes als Waldbrände, die alle paar Jahre wieder auftreten. Die Folge sind immense Verluste an Lebensqualität, Verlust an Reichtum. Menschen, die Opfer wurden, obwohl sie nichts dafür getan haben, um einen Waldbrand zu provozieren. Und dann gibt es andere, die haben ihren nativen Eichen- und Kastanienwald einfach abgeholzt und haben stattdessen Eukalyptusforste gepflanzt, kilometerweit und sie haben damit viel Geld verdient. Andere haben ihre Monokulturen verlassen und die Monokultur der Natur überlassen. Wenn so eine Plantage dann brennt, entstehen Temperaturen, die kein Feuerwehrmann aushält. Das Feuer vernichtet dann Hab und Gut von Nachbarn, vernichtet Tiere und Pflanzen und was bleibt ist die Asche und nach dem ersten Winterregen schwemmt diese Asche in die Bäche und Quellen und verunreinigt das Trinkwasser noch obendrein.
Kontamination kann auch die Gehirne angreifen. Wer der Meinung ist, man kann gar nichts gegen Waldbrände tun, kann sie nicht verhindern, sie gehörten zum Leben in Portugal dazu, den frage ich, wann er sich das letzte Mal hat untersuchen lassen. Untersuchen lassen auf seine Geisteshaltung, auf seinen Zustand, auf seine Zurechnungsfähigkeit! Ich stelle mir gerade vor, ein deutscher Landkreis würde mehrmals innerhalb einer Generation von einem Waldbrand heimgesucht. Der Bürgermeister der Kommune wäre nach dem zweiten Waldbrand nicht nur abgewählt, sondern selbst ins Feuer geschickt worden, in die Hölle verfrachtet, zusammen mit den Angestellten der Stadt.

Wie wäre es mit einem Gelöbnis bei der Amtseinführung? Bei der Einführung in sein neues Amt, schwört ein Bürgermeister, alles zu tun, damit es keine Waldbrände mehr in seiner Gemeinde gibt? Er wird in einem Radius von z.B. zehn Kilometern verbieten, dass Eukalyptus in der Gemeinde angepflanzt wird. Eukalyptus ist ein sehr wasserintensiver, gefährlicher Baum. Wo er gepflanzt wird, trocknen Bäche aus, der Grundwasserspiegel senkt sich ab, die Biodiversität, die Vielfalt an Arten in Flora und Fauna nimmt ab. Im übrigens ist er invasiv, was sowohl die Papierindustrie als auch der ICNF immer wieder verleugnen, weil Eukalyptus die Einstiegsdroge ist. Einen Baum, den ich fälle, der sofort wieder austreibt, um nachzuwachsen. Es gibt noch schlimmere Bäume, die wahren Invasoren, treiben nicht nur sofort wieder aus, sondern vermehren sich noch hundertfach: Mimose und Akazie, die nach jedem Waldbrand als Pionierpflanze aus dem Boden in Portugal sprießen. Kein ICNF hat in den letzten zehn Jahren Inventur gemacht, obwohl er alle fünf Jahre dazu gesetzlich verpflichtet gewesen wäre. Man könnte annehmen, dass der ICNF eine Behörde von australischen Mitarbeitern sei, weil sie eingeschleppte, australische Baumarten bevorzugt, statt sich um die einheimischen Baumarten zu kümmern: Korkeichen, Kastanien und all die vielen einheimischen Bausorten, die zu Portugal gehören und auch den Waldbränden anheim fallen. Aber vielleicht arbeiten ICNF und die Papierindustrie zusammen? Vielleicht braucht der portugiesische Wald gar keine Behörde, die nach ihr guckt? Man kann doch die Papierindustrie den Job machen lassen. Da spart man das viele Geld für eine Behörde, die sich nicht zuständig fühlt, zur Sicherheit im nativen Wald und in den naturnahen Kommunen beizutragen. Und so sind die künftige Waldbrände in Monchique u.a. vorprogrammiert.
Es sei denn, man würde „klar Schiff“ machen und endlich aufräumen. Bei einer Staatsfläche von 92.000 km² und einer Fläche von rund 10.000 km² Eukalptusforst in Portugal, das sind mehr als zehn Prozent des gesamten Staates – sind auch in Monchique von 397 km² rund 320 km² mit Eukalyptus-Monokulturen verseucht. Die Waldbrandrisiken senken bedeutet, den Eukalyptus aus der Nähe von Dörfern und Städten – aus der Nähe von Menschen – zu verbannen und auf ein Mindestmaß zu beschränken. Eukalyptus, Mimosen und Akazien müssen gerodet werden und durch hemische Baumkulturen sofort nach der Rodung ersetzt werden. Korkeichen, Oliven- auch Johannisbrotbäume zeichnen sich als Baumkulturen aus, die genügsam mit Wasser umgehen. Im übrigen gibt es schon Sprinklersysteme, mit denen man ganze Wälder und viele Kommunen schützen kann vor Waldbränden. Das unbeschwerte Leben ohne Waldbrände muss auf jeder „To Do Liste“ einer naturnahen Kommune und ihrer Bürgermeister stehen. Es muss unbedingt eine lebenswerte Zukunft in die Dörfer Portugals zurückkehren. Statt Verlierer brauchen wir Gewinner und deren Geschichten…
Eco123 Revista da Economia e Ecologia
